Kann ein Mann eine Frau erlösen? Ist Jesus Christus auch für die Frauen gestorben?


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. TRADITIONELLE OPFERKRITIK

3. FEMINISTISCHE KRITIK
3.1 FRAUEN ALS OPFER
3.1.1 NATÜRLICHE OPFER DER FRAU
3.1.2 UNFREIWILLIGE OPFER DER FRAU
3.2 TRAGEN FRAUEN SCHULD AN IHRER OPFERROLLE?

4. JESU TOD ALS OPFERTOD FÜR ALLE MENSCHEN?

5. REFLEXION

6. LITERATURVERZEICHNIS
6.1 INTERNET

1. Einleitung

Speziell im Neuen Testament finden wir Aussagen über den Tod Jesu Christi, was dieser bedeutet und welchen Einfluss dieser auf uns hat. Ich habe mir zwei Bibelverse herausgesucht, welche ich meiner Forschungsarbeit voranstellen möchte, da ich denke, dass diese eine gute Einführung in meine Thematik bieten.

„Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort zur Versöhnung“(2Kor5,19)

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele“ (Mk10,45)

Dies sind zwei prägnante Bibelverse. Doch was genau bedeuten diese Bibelverse überhaupt? Sind nun tatsächlich keine Opfer der Menschen mehr nötig und wenn ja, betrifft dies auch alle Menschen? Haben wir in Mk10,45 vielleicht die entscheidende Einschränkung, wenn von vielen und eben nicht von allen die Rede ist?

Wir Christen glauben daran, dass Jesus Christus sich für unsere Sünden geopfert hat und aus diesem Grund nun auch keine Opfer mehr nötig sind. Viele Menschen teilen allerdings nicht diese Auffassung und sehen sich nur umso häufiger in der Opferrolle.

In meiner Forschungsarbeit möchte ich mich speziell mit der feministischen Opferkritik auseinandersetzen. Frauen geraten oft in Opferrollen. Beispiele hierfür sind sexuelle Belästigungen oder auch Vergewaltigungen. Auch sehen sich einige Frauen als Opfer, wenn sie bei der Geburt den starken Schmerz ertragen müssen. Wie kommt es, dass der gerade der weiblichen Bevölkerung trotz dem Opfertod von Jesus Christus noch so viel Leid zukommt? Warum fallen Frauen so oft in eine Opferrolle und tragen sie vielleicht sogar selbst dazu bei?

Ist es überhaupt möglich, dass ein Mann eine Frau erlöst? Hat Jesus Christus sich also wirklich für alle Menschen geopfert? Mir ist es wichtig an dieser Stelle zu betonen, dass ich bei dem Opfer Jesu nur an die Vergebung der Sünden und somit der nötigen Opfer spreche und nicht etwa von einem Tod Jesu für uns, damit den Menschen der Tod selbst erspart wird.

Dieser speziellen Frage werde ich meine Forschungsarbeit widmen. Anregung hierzu

erhielt ich durch den wissenschaftlichen Aufsatz „Zur Opferkritik der feministischen Theologie“, welchen Prof. Dr. Helga Kuhlmann im Jahr 1998 veröffentlichte. Beginnen möchte ich mit einer Einführung in die traditionelle Opferkritik, um anschließend in die feministische Kritik überzugehen und innerhalb dieser auf die Frau als Opfer zu sprechen kommen. Weiter möchte ich mich dann speziell mit dem Opfertod Jesu Christi auseinandersetzen und die Frage klären, für wen Jesus Christus denn nun gestorben ist und, ob in der feministischen Kritik durchaus ein gewisser Wahrheitsgehalt steckt.

Um die Frage nach der Erlösung durch Jesu Tod auch umfassend klären zu können, werde ich mich auch zum großen Teil der Bibel selbst bedienen. In dieser selbst sund schließlich die grundlegenden Bausteine unseres Glaubens verankert und wo sonst könnte ich unverschönte Antworten auf meine Frage finden. Als Quelltext dient mir hierbei die Lutherbibel von 1984.

Des Weiteren habe ich das Lexikon der feministischen Theologie als Literatur genutzt, in welchem ich einige zu meinem Thema passende Artikel verwerten konnte.

2. Traditionelle Opferkritik

In diesem Teil meiner Hausarbeit möchte ich mich mit der traditionellen Opferkritik auseinandersetzen, um einen angemessenen Einstieg ins Thema zu ermöglichen und einen umfassenden Überblick zu gewährleisten. Ich möchte an dieser Stelle versuchen eine Definition für den Opferbegriff zu finden und anhand dieser die traditionelle Opferkritik darstellen.

Hans-Martin Gutmann definiert den Opferbegriff aus zwei Perspektiven: zum einen als alltägliches Verhaltensmuster und zum anderen als biblisches Ritual.1Im heutigen Gebrauch ist das biblische Ritual zum großen Teil in Vergessenheit geraten. Im alltäglichen Verhaltensmuster haben die Menschen in Opferrollen immer eines gemeinsam: sie wollen nicht, was ihnen zustößt. Dabei unterscheidet man noch einmal in zwei Formen von Opfern, nämlich in Gewaltopfer und das Opfer als Gabe. Bei der biblischen Rede vom Opfer spricht man hingegen von einem Ritual. Hierbei geht es nicht um Gewalt, sondern um die Gabe Gottes beziehungsweise um die Gegengabe der Menschen. Durch den Tod Jesu seien keine weiteren Opfer mehr nötig. Es dürften zudem keine Opfer mehr getätigt werden. Die Menschen stehen lediglich in der Verpflichtung auf dem Weg zu bleiben.2

Jesu Opfertod am Kreuz dürfe auf keinen Fall als Vorbild gesehen werden, sondern lediglich als Gabe Gottes an die Menschen und als Bestätigung des Bundes.3

Heute wird viel Kritik an der Opfertheorie geübt. Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass die Opferkritik sich nicht gegen Institutionen richtet, sondern gegen die „pervertierte Praxis“4, sowie die sozialen Folgen aus dieser.5

3. Feministische Kritik

In diesem Kapitel meiner Forschungsarbeit möchte ich mich explizit mir der feministischen Opferkritik auseinandersetzen. Zum Inhalt der feministischen Kritik ist allgemein zu sagen, dass es sich hierbei nicht um eine direkte Diskussion aufbauend auf der Geschlechterdifferenz handelt, sondern dass es sich schlicht um eine Thematik handelt, welche besonders von Theologinnen behandelt wird. Es handelt sich also genaugenommen um eine allgemein-theologische Kritik.6

Bei dieser Kritik geht es grundlegend darum, dass die meisten feministischen Theologinnen eine Metaphorik des stellvertretenden Sühneopfers für Jesu Christi schlicht nicht mehr vertreten könnten. In der feministischen Kritik ginge es zudem, um die Irritation darüber, dass Gott Opfer verlange, um seinen Zorn zu besänftigen oder um seiner Gerechtigkeit Genugtuung zu leisten.7Des Weiteren kritisieren die feministischen Theologinnen, dass Jesus als gehorsamer Sohn oder gar als Lamm zur Opferung gerne sein Leben gibt und sich somit aus Liebe zum Vater ermorden lässt.8Den Gipfelpunkt sehen die Theologinnen hierbei bei dem Sadomasochismus Gottes, sowie dem Menschen den Anhaltspunkt zu geben, selbst für den Mord an Jesus Christus verantwortlich zu sein und anschließend durch eine Opferethik, die Selbstopferung seiner Nachfolger anhand der freiwilligen Hingabe Jesu begründet.9Außerdem übt die feministische Theologie große Kritik daran, dass in der Opferethik von einer positiven Opferdeutung gesprochen wird, da Jesus dieses aus Liebe für uns tat.10Diese Kritik äußern die feministischen Theologinnen darin, dass sie sagen, dass der Wille Gottes nur geschah, indem auch der Wille des Teufels selbst geschah und dies könne schlicht nicht positiv gewertet werden.11

Im Folgenden möchte ich nun genauer auf die Thematik des Opfers eingehen und mein Augenmerk hierbei auf das weibliche Geschlecht lenken.

3.1 Frauen als Opfer

In der modernen Gesellschaft treffen wir oft auf einen Opferbegriff. In diesem Teil meiner Ausarbeitung möchte ich mich jedoch nur speziell der Frau als Opfer widmen. Ich möchte herausfinden, wie wir die Opferrolle der Frau überhaupt definieren und woran wir dieses festhalten.

Helga Kuhlmann betont in ihrem Aufsatz zur Opferethik der feministischen Theologie, dass Frauen bereits durch ihren historisch-kulturellen Kontext besonders

anfällig für die Opferthematik seien. Auch Ute Grümbel meint, dass es vor allem Frauen sind, welche zu Opfern werden. Auch würden Opfer in unserer Gesellschaft in Kauf genommen werden.12

Helga Kuhlmann spricht von einem Ungleichgewicht unter den Geschlechtern, da Männer sich lediglich für die Zeit eines Krieges als Soldaten opfern und Frauen dagegen ihr gesamtes Leben opfern, da sie ihrer Familie und ihrem Ehemann dienen, Kinder gebären und zudem in Kriegszeiten ihr Haar und ihren Schmuck geben müssten. Somit stünden Frauen allgegenwärtig in Opferbereitschaft, während den Männern diese Last nicht zuteil wird.13Diese Kritik am Opferbegriff finde ich durchaus schwer zu bewerten. Ich denke nicht, dass Frauen ihre Aufgabe des Kindergebärens als Opfer sehen. Schließlich handelt es sich hier um eine vollkommen natürliche Sache, welche nur auf diese Weise möglich ist. Weiter bin ich der Ansicht, dass sich die Rollenverteilung unter den Geschlechtern allgemein sehr stark gewandelt hat in den letzten 50 Jahren. So sind Frauen viel emanzipierter geworden und haben längst nicht mehr nur einen Horizont von Kinder, Kochen und Kirche, wie es einst der Regelfall war.

Grundlegend wird in der Literatur von zwei Opfergruppen der Frau gesprochen: den natürlichen und den unfreiwilligen Opfern der Frau. Auf diese möchte ich nun im Folgenden explizit eingehen.

3.1.1 Natürliche Opfer der Frau

Frauen können und wollen laut Grümbel nur Opfer auf der Basis von Freiwilligkeit, Gegenseitigkeit, sowie in Horizont auf Leben und Zukunft denken.14Diese Definition kann man meinem Erachten nach durchaus weitläufig auslegen, da für jeden Menschen etwas anderes seinem Horizont entspricht und so jeder eine andere Auffassung von seinem Leben hat und die einen Dinge freiwillig tut, die ein anderer Mensch vielleicht nicht tun würde.

Die Thematik der natürlichen Opfer der Frau, welche auf freiwilliger Basis

geschehen, sehe ich persönlich nicht als Inhalt einer Erlösung durch den Opfertod Jesu Christi, sondern als etwas, von dem man gar nicht erlöst werden muss, weil nichts negatives diese Handlungen beeinflusst oder hervorgerufen hat.

3.1.2 Unfreiwillige Opfer der Frau

Während ich in dem vorhergegangenen Unterpunkt von den natürlichen und zugleich freiwilligen Opfern der Frau gesprochen habe, möchte ich mich in diesem Teil mit den unfreiwilligen Opfern der Frauen auseinandersetzen. Hierzu zählen zum Beispiel Vergewaltigungen oder Aufopferungen der Frau, welche sie nur schwer akzeptieren können und von denen sie sich versuchen zu befreien.15Es handelt sich also um Dinge, die einer Frau zugefügt beziehungsweise aufgedrängt werden.

Helga Kuhlmann bezeichnet die Frauen, als Menschen, welche von Natur aus eine Sündenfunktion in der Gesellschaft haben.16Daher werde auch jede Frau zu einem potenziellen Opfer, selbst wenn der Frau nichts zustößt und sie niemals wirklich zum Opfer wird, so bleibt sie doch immer ein potenzielles Opfer in unserer Gesellschaft.17Ich denke, dass diese Art von Opfern, zwar nicht außer Acht gelassen werden sollte, aber dennoch nicht in die Opferkategorie dieser Forschungsarbeit passt. Thema dieser Arbeit sind Opfer, welche durch den Kreuztod Jesu Christi nicht mehr nötig sind. Opfer die durch Gewalteinfluss einem Menschen zugefügt werden und somit

[...]


1 Vgl.: Gutmann, Hans-Martin, Opfer, in: Mette, Norbert (u.a.) [Hrsg.], Lexikon der Religionspädagogik 2, Neukirchen-Vluyn 2001, Seite 1459.

2Vgl.: ebd., 1459f..

3Vgl.: ebd., Seite 1460.

4Jannsen, Claudia, Opfer. Biblisch, in: Wörterbuch der feministische Theologie, Seite 429, Zeile 35.

5Vgl.: Janssen, Claudia, Opfer. Biblisch, in: Wörterbuch der feministischen Theologie, Seite 429. 5

6Vgl.: Kuhlmann, Helga, Seite 110f..

7Vgl.: ebd., Seite 108f..

8Vgl.: ebd., Seite 109.

9Vgl.: ebd., Seite 110.

10Vgl.: ebd., Seite 114.

11Vgl.: ebd., Seite 117. 6

12Vgl.: Grümbel, Ute, Opfer. Systematisch-praktisch. Alltägliche Erfahrungen und Ansichten, in: Wörterbuch der feministischen Theologie, Seite 432.

13Vgl.: Kuhlmann, Helga, Seite 112. 7

14Vgl.: Grümbel, Ute, Seite 432.

15Vgl.: ebd., Seite 432.

16Vgl.: Kuhlmann, Helga, Seite 112.

17Vgl.: ebd., Seite 113. 8

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kann ein Mann eine Frau erlösen? Ist Jesus Christus auch für die Frauen gestorben?
Hochschule
Universität Paderborn  (Insitut für evangelische Theologie)
Veranstaltung
Proseminar Systematische Theologie
Note
1,7
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V414512
ISBN (eBook)
9783668651968
ISBN (Buch)
9783668651975
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systematische Theologie, Christus, Jesu Tod, Sühne, Feminismus, Theologie, Erlösung, Erlösungstod, Jesu Tod für alle?, Opfertod, Opferkritik, Feministische Kritik, Natürliche Opfer, unfreiwillige Opfer
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Anonym, 2015, Kann ein Mann eine Frau erlösen? Ist Jesus Christus auch für die Frauen gestorben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414512

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