Das Konzept der Decision Usefulness nach IFRS aus informationsökonomischer Sicht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Der Ansatz der Informationsökonomie
2.1 Informationsfunktion und Informationsökonomie
2.2 Informationsökonomie im Individualkontext
2.3 Informationsökonomie im Mehrpersonenkontext
2.4 Beurteilungskriterien für Informationssysteme und ihre Aussagefähigkeit

3 Ziele und Prinzipien der Rechnungslegung nach IAS/IFRS
3.1 Das Konzept der decision usefulness
3.2 Verlässlichkeit und Relevanz

4 Kritische Würdigung
4.1 Adressaten der entscheidungsnützlichen Informationen
4.2 Entscheidungsnützliche Informationen durch Relevanz
4.3 Entscheidungsnützliche Informationen durch Verlässlichkeit
4.4 Informationssysteme und die Feinheit ihrer Informationen

5 Thesenförmige Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Ein Zweck der öffentlichen Rechnungslegung ist die Vermittlung von Informationen an aktuelle und potentielle Investoren zu deren Unterstützung bei ihren Investitionsentscheidungen. Dazu soll das externe Rechnungswesen dem Jahresabschlussempfänger Auskünfte über die wirtschaftliche Lage einer Unternehmung zur Verfügung stellen. „Von diesen Informationen hängen die Erwartungen der Anleger über Höhe und Risiken der künftigen Überschüsse und damit die Kapitalkosten eines Unternehmens ab, die wiederum einen Einfluss auf die Vorteilhaftigkeit von Investitionen im Unternehmen haben“[1]. Deshalb stand in jüngster Zeit zunehmend die Untersuchung des ökonomischen Nutzens von Rechnungslegungsinformationen im Vordergrund[2].

In Anbetracht dessen muss untersucht werden, welches Rechnungslegungssystem am besten in der Lage ist, Informationen von optimalem Nutzen zu erzeugen. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, inwieweit das Rechnungslegungssystem IAS/IFRS (International Accounting Standards/International Finance Reporting Standards) geeignet ist, dies zu leisten. Zu diesem Zweck wird zunächst ein kurzer Überblick über einige der grundsätzlichen Aussagen der Informationsökonomie im Individual- und Mehrpersonenkontext als entscheidungstheoretische Grundlage gegeben (Kapitel 2). Anhand dessen werden zwei Beurteilungskriterien für Informationssysteme herausgearbeitet und diskutiert: die Feinheit und die Entscheidungsnützlichkeit von Informationen. Auf andere mögliche Beurteilungskriterien (z. B. incentive usefulness, Nützlichkeit für die Erfüllung der Kontrollfunktion) wird, mit Blick auf das Thema dieser Arbeit, nicht näher eingegangen. Um über die Eignung der IAS/IFRS zur Vermittlung entscheidungsnützlicher Informationen diskutieren und urteilen zu können, wird in Kapitel 3 das Konzept der decision usefulness der IAS/IFRS, wie es sich in seinem Rahmenkonzept darstellt, beschrieben. In dem darauffolgenden Kapitel 4 wird dann untersucht, ob und bis zu welchem Punkt die Realisierung dieses Konzepts in den IAS/IFRS die Anforderungen der Informationsökonomie erfüllt. Dazu werden im Wesentlichen die Kernbestandteile des Abschlusses, Bilanz und GuV, und die Segmentberichterstattung auf die informationsökonomischen Beurteilungskriterien, Entscheidungsnützlichkeit bzw. Feinheit, hin betrachtet. Kapitel 5 wird diese Arbeit mit einer thesenförmige Zusammenfassung abschließen.

2 Der Ansatz der Informationsökonomie

2.1 Informationsfunktion und Informationsökonomie

Die Informationsökonomie, die Informationen als ein knappes Gut betrachtet, ist eine Teildisziplin der Mikroökonomie. Sie geht von der Tatsache aus, dass sich die Nachfrage nach (und damit der Wert von) Informationen aus deren Beitrag zur Verbesserung von Entscheidungsfindung unter Unsicherheit ableiten lässt[3]. In diesem Sinne versucht sie, Informationen einen individuellen oder kollektiven Wert beizumessen. Sucht man in der Literatur nach Definitionsversuchen des Begriffs Information, so wird man auf vielfältigste Weise fündig: Wittmann z. B. beschreibt sie als „zweckorientiertes Wissen“[4]. Ballwieser stellt ergänzend fest, dass sie aus dem Sichbewusstmachen der Bedeutung von bereits vorhandenem allgemeinem (noch nicht zweckorientiertem) Wissen und im Zeitablauf zugehenden Signalen (oder Nachrichten) für ökonomische Entscheidungen resultiere[5].

Speziell das Einholen von Informationen über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens anhand der Rechnungslegung kann aus zwei verschieden Motiven erfolgen: Gjesdal nennt in diesem Zusammenhang „decision-making demand“ und „stewardship demand“[6]. Ersteres bedeutet, dass Investoren Jahresabschlussinformationen für ihre Investitionsentscheidungen benötigen; letzteres bezieht sich auf den Umstand, dass Investoren gewöhnlich den Entscheidungsprozess bei der Unternehmensführung an Manager delegieren und dass diese dann mit Hilfe der Jahresabschlussinformationen kontrolliert werden können.

2.2 Informationsökonomie im Individualkontext

Die Informationsökonomie beschäftigt sich nun u. a. mit der optimalen Ausgestaltung von Informationssystemen und liefert damit Definitionen für den Informationsgehalt und den Informationswert von Informationssystemen[7]. Das entscheidungstheoretische Modell, dessen sich die Informationsökonomie im Hinblick auf die Erklärung von Investitionsentscheidungen bedient, versucht den Wert und die Wirkung von Informationen bei der individuellen Entscheidungsvorbereitung zu beschreiben, wobei die Werthaltigkeit von Informationen durch die von ihr zu erwartende „Verbesserung einer individuellen Zielerreichung in einem Entscheidungsproblem“[8] zum Ausdruck gebracht wird.

Stark vereinfacht sieht das entscheidungstheoretische Modell folgendermaßen aus[9]: Die Investoren hegen heterogene Erwartungen im Sinne konkreter Wahrscheinlichkeitsverteilungen bezüglich des Eintritts verschiedener Umweltzustände. Empfangen sie nun ein Signal (eine Information) aus einem Informationssystems, so löst dies bei den Investoren einen Interpretationsprozess aus, der zur Revision ihrer Erwartungen führt, welche sich gemäß den Regeln des BAYES-Theorems vollzieht. Diese, durch den Zugang von Informationen veränderten, Erwartungen wirken sich auf die Entscheidungen der Investoren aus. Demski argumentiert allerdings einschränkend, dass es unmöglich ist, allgemeingültige Standards zu formulieren: „ […] no set of standards exists that will single out the most preferred accounting alternative without specifically incorporating the individual’s best beliefs and preferences”[10].

2.3 Informationsökonomie im Mehrpersonenkontext

Um zu entscheidungstheoretischen Modellen für ganze Gruppen von Entscheidern zu gelangen, muss man demnach die Präferenzen und das Entscheidungsfeld einzelner Individuen unberücksichtigt lassen. Unter diesen Umständen gestaltet sich die Bestimmung eines optimalen Informationssystems äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Es werden in der Literatur häufig Entscheidergruppen mit folgenden Konstellationen unterschieden[11]: (1) Vor dem Hintergrund einer Principal-Agent-Beziehung versuchen sowohl Kapitalgeber als auch Manager, die für ihre, in der Regel unterschiedliche Zielsetzung, optimalen Informationen zu finden. (2) Weiterhin bilden sämtliche Kapitalgeber einer Unternehmung eine gemeinsame Adressatengruppe. Obwohl vordergründig betrachtet wohl alle Investoren die Maximierung ihres Einkommens oder Vermögens verfolgen, können die Präferenzen der Anteilseigner bezüglich der Optimierung ihres Nutzens aus den Informationen durchaus verschieden sein. (3) Letztlich kann eine Adressatengruppe von Informationen auch eine gesamte Volkswirtschaft sein, deren Marktteilnehmer sich noch viel selbstverständlicher hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Präferenzen und Entscheidungsfelder mehr oder weniger deutlich unterscheiden. Im folgenden Verlauf dieser Arbeit sei nur auf (2) näher eingegangen.

2.4 Beurteilungskriterien für Informationssysteme und ihre Aussagefähigkeit

Zur Beurteilung von Informationssystemen kommen in Bezug auf die Werthaltigkeit ihrer Informationen für den Adressaten mehrere Kriterien in Frage: Eines davon basiert auf dem Feinheitstheorem nach BLACKWELL. Dieses besagt, dass mehr Information nicht schlechter als weniger Information sein kann, also dass ein feineres Informationssystem besser ist als ein gröberes[12], womit ein Gütekriterium für Informationssysteme entwickelt werden konnte, das unabhängig von den Präferenzen der Investoren und deren Entscheidungsfeld ist[13]. Gültigkeit besitzt diese Aussage allerdings nur unter den Annahmen, dass die Informationen kostenlos sind, die Zahl der Handlungsmöglichkeiten konstant bleibt und das feinere Informationssystem eine vollständige Rekonstruktion der Informationen des Gröberen ist, aber nicht umgekehrt[14]. Unter diesen Voraussetzungen kann das Theorem eine Aussage über eine qualitative Rangfolge von Informationssystemen machen. Bei isolierter Betrachtung des Kriteriums der Feinheit von Informationen müsste für alle Investoren, bei Einhaltung der für die Gültigkeit des Feinheitstheorems notwendigen Prämissen, das bevorzugte Informationssystem feststehen. Kritikpunkt an diesem Konzept sind allerdings die sehr restriktiven Annahmen, wodurch dieses Modell kaum auf die Realität übertragbar ist: sind beispielsweise die feineren Informationen eines Informationssystems nicht aus den gröberen Informationen eines anderen Informationssystems rekonstruierbar, versorgen die unterschiedlichen Rechnungslegungssysteme (Informationssysteme) die Investoren mit unterschiedlichen Informationen[15]. In diesem Fall ist das Beurteilungskriterium „Feinheit des Informationssystems“ weder im Bezug auf Individualentscheidungen noch auf Kollektiventscheidungen geeignet eine Rangordnung von Informationssystemen zu erstellen.

Ein weiteres Beurteilungskriterium, um Informationssysteme rangmäßig zu ordnen, ist die Entscheidungsnützlichkeit der Informationen. Diese kann sowohl durch die Feinheit, als auch durch den Inhalt der Informationen determiniert werden. Die Ermittlung des Grades der Nützlichkeit von Informationen bei der individuellen Zielerreichung ist unproblematisch, da die Präferenzen jedes einzelnen Entscheiders eindeutig bestimmt werden können. Typischerweise aber sind gerade Rechnungslegungsinformationen nicht nur für einzelne Personen bestimmt. Betrachtet man vor diesem Hintergrund die Gruppe der Investoren als Rechnungslegungsempfänger und Entscheider, so entsteht das Problem, dass verschiedene Investoren sich in den Parametern und Bestandteilen ihrer individuellen Entscheidungsprobleme stark unterscheiden[16]. Für sie können die jeweiligen Informationen in unterschiedlichem Maße entscheidungsnützlich sein; es gibt nämlich keine „einstimmig gebilligte, vollständige und transitive Gruppenpräferenzordnung von Anteilseignern“[17], weshalb auch mit Hilfe dieses Beurteilungskriteriums keine allgemeingültige Rangordnung von Informationssystemen bereitgestellt werden kann. Unter bestimmten restriktiven Annahmen, können Informationen sogar einen negativen Wert haben. Dieses Phänomen ist als Informationsablehnungstheorem bekannt, wird hier aber vernachlässigt.

[...]


[1] Wagenhofer, Alfred; Ewert, Ralf: Externe Unternehmensrechnung, Berlin 2003, S. 55.

[2] Vgl. Liang, Pierre Jinghong: Recognition: An Information Content Perspective, in: Accounting Horizons, Vol. 15, No. 3, September 2001, S. 223 – 242, hier S. 223.

[3] Vgl. Liang, Pierre Jinghong: Recognition: An Information …, a. a. O., hier S. 229.

[4] Wittmann, Waldemar: Unternehmung und unvollkommene Information, Köln 1959, S. 14.

[5] Vgl. Ballwieser, Wolfgang: Ergebnisse der Informationsökonomie zur Informationsfunktion der Rechnungslegung, in: Stöppler, Siegmar (Hrsg.): Information und Produktion, Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Waldemar Wittmann, Stuttgart 1985, S. 23.

[6] Gjesdal, Frøystein: Accounting for Stewardship, in: Journal of Accounting Research, Vol. 19, No. 1, (1981), S. 208 – 231, hier S. 208.

[7] Vgl. Ballwieser, Wolfgang: Informationsökonomie, Rechnungslegungstheorie und Bilanzrichtlinie-Gesetz, in: Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung, Band 37, Jg. 1/1985, S. 47 – 66, hier S. 48.

[8] Wagenhofer, Alfred/Ewert, Ralf, a. a. O., S. 76.

[9] Vgl. Ewert, Ralf: Bilanzielle Publizität im Lichte der Theorie vom gesellschaftlichen Wert öffentlich verfügbarer Information, in: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis, Heft 3, 1989, S. 245 – 262, hier S. 248/249.

[10] Demski, Joel S.: The General Impossibility of Normative Accounting Standards, in: The Accounting Review, 1973, S. 718 – 723, hier S. 720.

[11] Vgl. z. B. Ballwieser, Wolfgang: Zur Begründbarkeit informationsorientierter Jahresabschlussverbesserungen, in: Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung, Jg. 1982, S. 772 – 793 oder Wagenhofer, Alfred/Ewert, Ralf, a.a.O.

[12] Vgl. Wagenhofer, Alfred/Ewert, Ralf, a. a. O., S. 70 – 73.

[13] Vgl. Ballwieser, Wolfgang: Ergebnisse der Informationsökonomie ..., a. a. O., S. 30.

[14] Vgl. Wagenhofer, Alfred/Ewert, Ralf, a. a. O., S. 71.

[15] Vgl. Wagenhofer, Alfred/Ewert, Ralf, a. a. O., S. 78.

[16] Vgl. Wagenhofer, Alfred/Ewert, Ralf, a. a. O., S. 77.

[17] Ballwieser, Wolfgang: Zur Begründbarkeit informationsorientierter , a. a. O., S. 786.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der Decision Usefulness nach IFRS aus informationsökonomischer Sicht
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung Univ.-Prof. Dr. Stefan Rammert)
Veranstaltung
Seminar zum Bilanzrecht und zur Bilanztheorie
Note
2,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V41452
ISBN (eBook)
9783638397100
ISBN (Buch)
9783638772563
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzept, Decision, Usefulness, IFRS, Sicht, Seminar, Bilanzrecht, Bilanztheorie
Arbeit zitieren
Antje Adams (Autor:in), 2005, Das Konzept der Decision Usefulness nach IFRS aus informationsökonomischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41452

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