Die Entwicklung der Wortstellung im Portugiesischen von den Anfängen bis heute


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Typen der Sprache
2.1 SOV
2.2 SVO
2.3 VSO
2.4 VOS, OVS, OSV

3. Wandel der Wortstellung
3.1 Proto-Indoeuropäisch
3.2 Früh- und Altlatein
3.3 Klassisches Latein
3.4 Altportugiesisch
3.5 Mittelportugiesisch
3.6 Modernes Portugiesisch

4. Hypothesen zum Wandel

4.1 Kasusschwund
4.2 Post- und Prädeterminierung
4.2.1 Left branching
4.2.2 Right branching

5. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Menschen entwickeln sich kontinuierlich weiter. Sie passen sich Ihrer Umgebung, den Umständen und der Zeit an. In gleicher Weise verhält es sich mit allen natürlichen Sprachen. Diese sind ebenfalls einem stetigen Wandel unterlegen und „aktualisieren“ sich ununterbrochen. Der Sprachwandel ist keineswegs ein willkürlicher Prozess, sondern ein äußerst wichtiger und unumgänglicher Vorgang, der bestimmten grammatischen Regeln folgt und überaus bedeutend für die Innovation und Entfaltung der Sprache ist. Der historisch-genealogischen Klassifikation zufolge, wird Portugiesisch als ein Repräsentant der romanischen Sprachen betrachtet, das sich aus dem Vulgärlatein entwickelte und folglich zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehört (vgl. Geckeler/Dietrich 2012: 22). Bezüglich des Sprachwandels lässt die diachrone Betrachtung der portugiesischen Sprache erkennen, dass sie eine immense sowie vielseitige Entwicklung vorweisen kann. Prinzipiell wird sie in drei Epochen unterteilt, von denen die erste das Altportugiesische (período arcaico) ist und auf das 13. Jh. bis ca. 1500 datiert wird.[1] Die zweite Phase bildet die Epoche des Mittelportugiesischen (período clássico), dessen Beginn auf das 14., 15., oder 16. und Ende auf das 18. Jh. festgelegt ist. Mit dem Ende des 17. und dem Anfang des 18. Jahrhunderts beginnt die Epoche des Neuportugiesischen (período moderno), die sich bis in die heutige Zeit streckt. Jeder dieser Epochen werden Entwicklungszustände zugeschrieben, zu denen auch die Veränderung der Wortstellung zählt. Bei der Herausbildung der portugiesischen Sprache aus dem Lateinischen, fand ein Übergang von einer relativ freien Wortstellung zur weniger variablen Ordnung der Wörter im Satz statt. Heute ist das Portugiesische eine SVO-Sprache. Mit der Frage wann genau, wie und warum die Entwicklung in der Satzstruktur stattfand, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit.

Hierfür wird zuerst erläutert, zwischen welchen Sprachen in der linguistischen Typologie unterschieden wird und wie diese Typen formal aussehen. Danach soll auf den Satzbau im Früh- und Altlateinischen eingegangen und dieser sowohl mit dem des klassischen Latein als auch mit dem des Alt- und Mittelportugiesischen verglichen werden. Daraufhin werden die zwei wichtigsten Hypothesen, die über die Entwicklung des portugiesischen Satzbaus aufgestellt worden sind, betrachtet. Den Schluss dieser Arbeit bildet eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.

2. Typen der Sprache

In der linguistischen Typologie wird im Allgemeinen zwischen sechs Sprachtypen unterschieden, wovon zwei vorherrschend, vier weitere dahingegen selten sind. Einer der dominanten Typen ist die SVO-Sprache, die im Folgenden betrachtet werden soll.

2.1 SOV

Diejenigen Sprachen, in denen die Wortreihenfolge im Satz Subjekt-Objekt-Verb lautet, werden in der Sprachtypologie als SOV bezeichnet. Laut Haspelmath et al. (2005: 330-331) ist SOV der häufigste Wortstellungstyp, der insbesondere in Südwestasien (ausgenommen Mittlerer Osten) und Nordamerika vorherrschend ist. Typische Vertreter der SOV-Sprachen sind z.B. Japanisch (vgl. Shibatani 1990: 257) und Türkisch (vgl. Lewis 1967: 240). Das nachfolgende Beispiel soll anhand des Türkischen darstellen, wie der Satzbau einer SOV-Sprache aussieht.

(1) tr. Ben domates alıyorum.

ich Tomate-NOM.SG kaufen-PRS.1SG S O V 'Ich kaufe Tomaten.'

2.2 SVO

SVO bildet den zweithäufigsten Wortstellungstyp und Haspelmath zufolge können 565 von 1377 untersuchten Sprachen unter diese Kategorie subsummiert werden. Die geographische Distribution lässt sichtbar werden, dass SVO-Sprachen insbesondere in Europa und Südostasien, in Zentral- und Ostafrika sowie auch im südlichen Afrika vorzufinden sind. Vertreter dieses Wortstellungstyps sind, Mazedonisch (vgl. Friedman 1993: 285), Englisch, Portugiesisch und ferner alle romanischen Sprachen (vgl. Bauer 2009: 255).

(2) frz. Je mange la pomme.

ich essen-PRS.1SG Apfel

S V O 'Ich esse den Apfel.'

2.3 VSO

Neben den zwei dominanten Wortstellungstypen, existieren vier weitere Varianten, die vergleichsweise nicht häufig in Erscheinung treten. Einen dieser eher seltenen Typen stellen VSO-Sprachen dar. Hierbei nimmt das Subjekt die mittlere Position ein und steht zwischen dem Objekt und dem Verb. Zu dieser Kategorie können unter anderem Arabisch (vgl. Shlonsky 1997: 7) und alle inselkeltischen Sprachen[2] – darunter Walisisch (vgl. Thomas 1992: 271) wie auch Irisch (vgl. Ò Dochartaigh 1992: 37) – gezählt werden. VSO-Sprachen sind überwiegend im Norden Afrikas, in Ostafrika und auf den Philippinen verbreitet.

(3) ir. Léann na sagairt na leabhair.

lesen-PRS.3PL Priester-PL Bücher-PL

V S O

'Die Priester lesen die Bücher.' (Dryer 2005: 330)

2.4 VOS, OVS und OSV

Aufgrund der Tatsache, dass VOS, OVS und OSV Sprachen zusammen nur ca. 3% der weltweit gesprochenen Sprachen darstellen, können sie als eine Seltenheit bezeichnet werden, die nur eine Randerscheinung darstellen. Vertreter der VOS Sprachen sind Nias[3] und Malagassi[4], während Hixkaryana[5] und Cubeo[6] unter den OVS und Khoisansprachen im Süden Afrikas unter den OSV Sprachen eingeordnet werden können.

3. Wandel der Wortstellung

Nachdem die unterschiedlichen Sprachtypen veranschaulicht worden sind, soll in diesem Abschnitt der Wandel des Satzbaus im Portugiesischen besprochen werden. Hierfür wird zunächst auf die indogermanische Ursprache eingegangen, der den Vorläufer der indogermanischen Sprachen darstellt und in Erfahrung gebracht, wie die Satzstruktur aufgebaut war.

3.1 Proto-Indoeuropäisch

Anhand von komparativen Analysen stellt Lehmann (1974: 30) fest, dass im Proto-Indoeuropäischen die Wortstellung dem SOV-Muster folgte. Seine Forschung beruht auf den Analysen des deutschen Sprachwissenschaftlers Berthold Gustav Delbrück (1842-1922), der mithilfe des Vedischen[7] und Hethitischen[8] in Erfahrung brachte, dass in der indogermanischen Ursprache das Verb stets in die finale Position platziert wurde. Sein Ergebnis fasste Delbrück folgendermaßen zusammen:

1. Das Subject [sic] eröffnet den Satz.

2. Das Verbum schliesst [sic] den Satz.

3. Die übrigen Satztheile [sic] werden in die Mitte genommen. (Delbrück 1888/1976: 16)

Zur Unterstützung seiner Aussage, gab er ein Beispiel aus dem Vedischen an, das wie folgt lautet:

(4) ved. Víçaḥ kshatríyāya balíṃ haranti.

Bauer-PL Fürst-SG Steuer zahlen-PRS.3PL

S O V

'Die Bauern zahlen dem Fürsten Steuern.' (Delbrück 1976: 16)

Innerhalb des traditionellen Typus wurde nur dann von dieser Wortstellung abgewichen, wenn enklitische Wörter wie utá, sofern sie nicht wie manche Partikeln an ein bestimmtes vorhergehendes Wort gebunden waren, vor das Subjekt traten (vgl. Delbrück 1976: 16). Ferner änderte sich die Wortstellung, wenn gewisse Satzteile – in Beispiel (5) das Verb – stärker betont werden sollen. Die Veränderung war folglich pragmatisch bedingt.

(5) ved. Ájayan devắ ásurān.

besiegen-PST.3PL Gott-PL Asura-PL

V S O

'Es besiegten die Götter die Asuras.' (Delbrück 1976: 36)

[...]


[1] Über das genaue Ende des Altportugiesischen bestehen Uneinigkeiten. Während gewisse Sprachwissenschaftler das Ende der altportugiesischen Periode auf die Mitte des 14. Jh. setzen, streckt sie sich bei manch anderen bis ins 16. Jh. Die Periodisierungsangaben in dieser Arbeit lehnen sich an die von Endruschat (2014: 25) gegebenen Daten.

[2] Unter inselkeltischen Sprachen werden all jene keltischen Sprachen verstanden, die auf der britischen Insel gesprochen werden.

[3] Nias ist eine auf der Insel Nias gesprochene Sprache, die sich im indischen Ozean befindet.

[4] Malagassi ist neben Französisch eine der Amtssprachen auf Madagaskar.

[5] Hixkaryana ist eine Karib-Sprache, die in Amazonien im Umlauf ist.

[6] Cubeo zählt zu den Tucano-Sprachen und wird sowohl in Kolumbien als auch in Brasilien gesprochen.

[7] Vedisch ist eine indogermanische Sprache und der Vorgänger des heutigen Sanskrit.

[8] Hethitisch ist eine ausgestorbene indogermanische Sprache.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Wortstellung im Portugiesischen von den Anfängen bis heute
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V414566
ISBN (eBook)
9783668651616
ISBN (Buch)
9783668651623
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, wortstellung, portugiesischen, anfängen
Arbeit zitieren
Fatma Betül Akcora (Autor), 2017, Die Entwicklung der Wortstellung im Portugiesischen von den Anfängen bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414566

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Entwicklung der Wortstellung im Portugiesischen von den Anfängen bis heute



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden