Das Kinderfernsehen der DDR. Ein chronologischer Überblick


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Anfänge des Kinderfernsehens in den 1950er Jahren
2.1 Die Entwicklung des Kinderfernsehens
2.2 Formate und Inhalte

3. Der Ausbau des Kinderfernsehens in den 1960er Jahren

4. Die 1970er Jahre

5. Die Umstrukturierung des Kinderprogramms in den 1980er Jahren

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kinderfernsehen gilt überall auf der Welt als einer der wichtigen Bestandteile der Programmstrukturen des Fernsehens. Das Kinderfernsehen der DDR soll in dieser Arbeit charakterisiert werden und seine Entwicklung, die Veränderungen und die Ausrichtung soll aufgezeigt werden. Das Ziel dieser Arbeit ist ein chronologischer Überblick über die vier Jahrzehnte des DDR-Kinderfernsehens.

Anhand mehrerer Beispiele soll verdeutlicht werden, welche Zielgruppen angesprochen werden, welche Formate entwickelt wurden und welche politische Instrumentalisierung das Kinderfernsehen erfuhr.

Beginnend bei der Entstehung des Kinderfernsehens innerhalb des DDR-Fernsehens allgemein, wird verdeutlicht, welche Inhalte in den 1950er Jahren vermittelt wurden. Der Ausbau der Programmstruktur und die enge Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Volksbildung stehen im Mittelpunkt der Untersuchung der 1960er Jahre. Die in den 1970er Jahren sich veränderte Ausrichtung auf das Zielpublikum und die erneut stärker werdende Politisierung werden gefolgt vom letzten Jahrzehnt des DDRFernsehens und deren Thematisierung des Familienlebens in den 1980er Jahren.

Da sich eine Untersuchung des DDR-Kinderfernsehens auf mediale Quellen bezieht, ist es schwer, die Sendungen zu untersuchen, trotzdem gelang es einigen Medienwissenschaftlern, dies zu tun.

Als wichtigste Grundlage dient das Handbuch von Rüdiger Steinmetz und Reinhold Viehoff „Deutsches Fernsehen Ost“, in dem ausführlich alle Sparten des DRFernsehens dargestellt und untersucht werden, vor allem auch das Kinderfernsehen und seine Entwicklung.

2. Die Anfänge des Kinderfernsehens in den 1950er Jahren

2.1 Die Entwicklung des Kinderfernsehens

Nachdem in der Bundesrepublik bereits im Juli 1950 erste Fernsehbilder ausgestrahlt wurden, gab es in der DDR im Dezember 1951 die ersten Sendeversuche aus dem Fernsehzentrum Berlin. Jedoch startete das erste öffentliche Versuchsprogramm mit etwa zwei Stunden Sendezeit täglich erst ab dem 21. Dezember 1952, dem Geburtstags Josef Stalins. Zu dieser Zeit waren im gesamten DDR Gebiet nur 60 Geräte empfangsbereit. Am 2. Januar 1956 endete das Versuchsprogramm und einen Tag später, am 80. Geburtstag von Staatschef Willhelm Pieck, begann der Deutsche Fernsehfunk (DFF), sein Programm aufzunehmen. Im Dezember 1958 gab es in der DDR 300.000 angemeldete Fernsehgeräte.[1]

Dem Kinderfernsehen wurde von jeher große Bedeutung zugemessen, die in den Folgejahren immer weiter anwuchs. In den ersten Sendemonaten des Versuchsprogramms belief sich die Sendedauer von Kindersendungen auf 30 Minuten am Sonntagnachmittag, die ab Mitte 1953 auf 65 Minuten pro Woche erhöht wurde.[2] Ab 1955 gab es zwei Tage, an denen Kindersendungen im DDR-Fernsehen zu sehen waren. Zum Sonntag, wo die Sendungen des Testprogramms von nachmittags auf den Vormittag von 10 Uhr bis 11 Uhr verlegt wurden, weil sich die Zuschauer nicht den sonntäglichen Spaziergang durch das Fernsehen nehmen lassen wollten, kam noch eine Sendung am Mittwochnachmittag, „Meister Nadelöhr erzählt Märchen“ dazu.[3]

Ab 1956, nach dem offiziellen Sendestart des DFF gab es eine sprunghafte Erhöhung der Sendetage. Nun wurde an fünf Tagen insgesamt 160 Minuten Kinderfernsehen gesendet und ab 1958 gab es mit der Sendung „Abendgruß“ die erste tägliche Sendung für Kinder. Diese Erhöhung der Sendezeit führte zu einer Ausdifferenzierung des Programms in „Vorschulprogramm, Kinderdramaturgie, Zeitgeschehen und Unterhaltung“.[4]

Kinderfernsehen hatte in den Anfangsjahren den Zweck, als pädagogisches Mittel zu dienen. Eine Zusammenarbeit des DFF-Kinderfernsehens mit dem Ministerium für Volksbildung, der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ fand schon zu Anfang statt, um das pädagogische Element der Sendungen zu vertiefen.

Das Programm hat sich anfangs aus etwa 83% DFF Eigenproduktionen, wie etwa Puppenspielen und kindgerechten Reportagen, und 17% DEFA-Spielfilmen und Importen aus osteuropäischen Ländern, wie der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Polen zusammengesetzt.

Der Schwerpunkt lag zu dieser Zeit bei den Kleinkindern. Sendungen für Kinder, die noch nicht zur Schule gingen, machten etwa ein Drittel der gesamten Sendezeit aus.[5]

2.2 Formate und Inhalte

Eine Unbeweglichkeit in der Programmplanung hatte eine Formung von festen Programmplätzen zur Folge. Langlebige Standardsendungen, wie etwa der „Abendgruß“ oder „Meister Nadelöhr erzählt Märchen“, die über Jahrzehnte hinweg gesendet wurden, führten zu einer frühen inhaltlichen Profilierung und zu der Möglichkeit einer Identifikation des Zuschauers mit den Sendungen.

Diese Festgefahrenheit, die Weigerung größere Neuerungen einzubinden und die Statik in der Figurenentwicklung machten eine starke Bindung an das Kinderfernsehen über Generationen hinweg aus und die Formate sind bis heute Markenzeichen des DDR-Kinderfernsehens und wurden teilweise in das gesamtdeutsche Programm nach 1991 übernommen.[6]

„Meister Nadelöhr erzählt Märchen“ bzw. „Märchenland“ startete 1955 und lief bis zum Ende des DDR-Fernsehens 1991. Meister Nadelöhr, dargestellt durch den Schauspieler Ekkehardt Friedrichson, führte die kleinen Zuschauer durchs Programm und interagiert mit Puppen, wie beispielsweise dem heute noch bekannten Bär Bummi oder der Ente Schnatterinchen.[7]

Die erste für Kinder entwickelte Reihe von einer Länge von 30 Minuten war die Puppenspielsendung „Flax und Krümel“, die in den Jahren 1957 bis 1963 gesendet wurde. Ab den 1970er Jahren gab es mehrere Wiederholungen.[8]

Das vom Ministerium für Volksbildung geforderte pädagogische Element im Kinderfernsehen wurde in der 1961 gestarteten Reihe „Rolf und Reni“, die bis 1974 im Fernsehen der DDR zu sehen war, genüge getan. Die kleine Puppe Reni stellte ihrem großen Bruder Rolf, ein Schauspieler, in jeder Folge Fragen, die er zum großen Interesse der Kinder erklärte. Neben kindgerechten Fragen wie: „Wer hat das Bett erfunden?“ oder „Wie funktioniert das elektrische Licht?“, gab es auch staatstheoretische und systemkonforme Fragen wie etwa zur Verfassung der DDR und Karl Marx, die kindgerecht und zur Befriedigung des Ministeriums erläutert wurden.[9]

Am bekanntesten, auch außerhalb der DDR, war aber wohl das Sandmännchen. Die Sendung „Unser Sandmann/Abendgruß“ startete 1958 und täglich zu sehen. Ab 1966 wurde die Sendung in Farbe ausgestrahlt. Sie lief bis 1991 und ist auch heute wieder im Kinderfernsehen der regionalen Dritten zu sehen. Verkauft wurde die Reihe in mehrere Länder, wie etwa Finnland, Schweden, Dänemark, die ost-europäischen Staaten, aber auch nach Südamerika und Asien. Die Rahmenhandlung bildet das Sandmännchen, das den Kindern vorm Zubettgehen noch eine Geschichte mitgebracht hat, den „Abendgruß“. In den kurzen Filmchen traten neben den aus der Reihe „Meister Nadelöhr“ bekannten Figuren, wie Schnatterinchen oder Bummi, auch immer wieder neue Figuren auf, wie etwa in den 1980er Jahren der Kobold Plumps. Doch war auch das Sandmännchen ideologisch belastet. Besuche bei der Nationalen Volksarmee und einen Raumflug mit einem russischen Kosmonauten deuten daraufhin. Das Leben der DDR wird für die Kinder in Puppenform verherrlicht.[10]

[...]


[1] Rüdiger Steinmetz/ Reinhold Viehoff (Hrsg.), Deutsches Fernsehen Ost. Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens, Berlin 2008.

[2] Peter Hoff, Kalter Krieg auf deutschen Bildschirmen. Der Ätherkrieg und die Pläne zum Aufbau eines zweiten Fernsehprogramms der DDR, in: Kulturation, 2/2003.

[3] Ebd.

[4] Rüdiger Steinmetz/ Reinhold Viehoff (Hrsg.), Deutsches Fernsehen Ost. Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens, Berlin 2008, S. 143.

[5] Rüdiger Steinmetz/ Reinhold Viehoff (Hrsg.), Deutsches Fernsehen Ost. Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens, Berlin 2008.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Rüdiger Steinmetz/ Reinhold Viehoff (Hrsg.), Deutsches Fernsehen Ost. Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens, Berlin 2008.

[9] Ebd.

[10] http://www.main-netz.de/nachrichten/kultur/dpa/fernsehen/art7125,614258 (zuletzt gesehen am 19.3.2009)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Kinderfernsehen der DDR. Ein chronologischer Überblick
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Geschichte)
Veranstaltung
Übung: Kinder- und Jugendorganisationen der DDR und der Sowjetunion
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V414615
ISBN (eBook)
9783668653092
ISBN (Buch)
9783668653108
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR, TV, Fernsehen, Kinderfernsehen, Ostdeutschland, Propaganda, Kinder und Jugendliche
Arbeit zitieren
Stefan Jung (Autor), 2009, Das Kinderfernsehen der DDR. Ein chronologischer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414615

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