Eine kurze Darstellung der Sandlerstudie von Dr. R. Girtler


Seminararbeit, 2003

12 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Zentrale Prinzipien qualitativer Sozialforschung
2.1. Offenheit
2.2. Forschung als Kommunikation
2.3. Der Prozeßcharakter von Forschung und Gegenstand
2.4. Reflexivität von Gegenstand and Analyse
2.5. Die Explikation
2.6. Flexibilität

3. Methode
3.1. Die freie Feldforschung
3.2. Die unstrukturierte teilnehmende Beobachtung
3.3. Die unstrukturierte teilnehmende Beschreibung
3.4. Biographien
3.5. Das „ero-epische Gespräch“

4. Fragestellung
4.1. Die Kontaktaufnahme

5. Schlußfolgerung

6. Einstellung höherer sozialer Schichten gegenüber dem Sandler

7. Diskussion

1. Einleitung

Es kam der Lump mit in die Quer

Und hielt den alten Feibel her.

Obschon er noch gesund und stark,

warf ich ihm dennoch eine Mark

Recht freundlich in den Hut hinein.

Der Kerl schien ein Philosoph zu sein.

Es sprach mit ernstem Bockgesicht:

„Mein Herr, Sie sehen, ich danke nicht.

Da Danken bin ich nicht gewohnt.

Ich nehme an, Sie sind gescheit

Und fühlen sich genug belohnt

Durch Ihre Eitelkeit

Wilhelm Busch

Als Grundlage meiner Seminararbeit dient vor allem, die Sandlerstudie von Dr. Roland Girtler. Girtler hat für seine Untersuchung über die Obdachlosen Wiens, eine Methode angewendet, die unter Forscherkreisen nur sehr wenig angesehen ist und kaum angewendet wird, nämlich die der „unstrukturierten teilnehmenden Beobachtung“.

Girtler hat in seiner Studie versucht, die Lebenswelt der Wiener Sandler, der Großstadtvagabunden, von verschiedenen Blickwinkeln her zu beschreiben und zu analysieren. Für seine Studie war hauptsächlich nur der Sandler wichtig, der aktiv sein Leben zu meistern versucht und der sich soziale Tendenzen im Kontakt zu anderen Sandlern zurecht legt, um autonom überleben zu können.

Für eine derartige Analyse ist es notwendig sich auf den Forschungsgegenstand einzulassen. Dieses Einlassen benötigt eine sehr hohe Sensibilität für den Gegenstand. Lamnek beschreibt dieses Einlassen folgendermaßen: „Will man eine möglichst vorurteilsfreie Einstellung erreichen, so bedarf es einer erhöhten Sensibilität für die eigenen Gefühle, Wünsche und Einstellungen des Forschers. Wer z.B. aufgrund seiner eigenen Lebensgeschichte zu Mißtrauen und Vorsicht neigt und gewohnt ist, bei der Erreichung seiner Ziele indirekte Wege zu bevorzugen, die von anderen nicht so ohne weiteres erkennbar sind, wird vielleicht dazu neigen, auch seinen Forschungsobjekten derartige Strategien zu unterstellen; wer selbst materielle Belohnungen gering schätzt, kann leicht ihren Wert für andere Menschen unterschätzen usw. Ein gewisses Maß an Selbsterkenntnis und Selbstkritik scheint also unerläßlich, zumal individuelle Züge auch die Auswahl und Präferenz der Theorien beeinflussen. Eine grundsätzliche distanzierte Einstellung zu anderen Menschen verträgt sich z.B. leichter mit Lern- und Verhaltenstheorien oder Systemtheorien als mit der Humanistischen Psychologie.“ (Lamnek, 1993, S. 66)

2. Zentrale Prinzipien qualitativer Sozialforschung

Girtler betreibt als Forscher qualitative Sozialforschung. Einleitend möchte ich hier allgemein die zentralen Prinzipien, dieser qualitativen Sozialforschung anführen.

2.1. Offenheit

Vertreter einer primär qualitativ orientierten Vorgehensweise, plädieren dafür, den Wahrnehmungstrichter empirischer Sozialforschung so weit als möglich offen zu halten, um dadurch auch unerwartete, aber dafür um so instruktivere Informationen zu erhalten.

Diese Grundhaltung beinhaltet dabei eine Offenheit sowohl gegenüber

- den Untersuchungspersonen
- der Untersuchungssituation
- und den im einzelnen anzuwendenden Methoden.

Die Konsequenzen der Offenheit sind die Betonung einer Explorationsfunktion qualitativer Sozialforschung und der Verzicht auf eine „Hypothesenbildung ex ante“.

2.2. Forschung als Kommunikation

Der qualitative Ansatz besagt auch, daß Forschung als Kommunikation und Interaktion zwischen Forscher und zu Erforschenden zu sehen ist.

„Die Kommunikationsbeziehung ist Voraussetzung des „research act“ und gibt den interaktionellen Rahmen des Forschungsprozesses ab; das kommunikative Regelsystem kann aber auch selbst zum Gegenstand des Forschungsinteresses werden. (Lamnek, 1993, S. 22).

2.3. Der Prozeßcharakter von Forschung und Gegenstand

Die Prozeßhaftigkeit wird nicht nur dem Forschungsakt, der als Kommunikation und damit als Interaktionsprozeß begriffen wird, sondern auch dem Forschungsgegenstand unterstellt.

Das zentrale Anliegen einer qualitativen Sozialforschung und der sie begründenden interpretativen Soziologie ist den Konstitutionsprozeß von Wirklichkeit zu dokumentieren, analytisch zu rekonstruieren und schließlich durch das verstehende Nachvollziehen zu erklären.

„Das Prinzip der Prozeßualität soll damit die wissenschaftliche Erfassung des Entstehungszusammenhangs sozialer Phänomene gewährleisten. In seiner Prozeßualität erkannt werden soll aber nicht nur der Forschungsgegenstand, sondern als prozeßhaft gilt auch der Akt des Forschens selbst, der die Kommunikation zwischen Forscher und Informant voraussetzt.“ (Lamnek, 1993, S. 25)

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Eine kurze Darstellung der Sandlerstudie von Dr. R. Girtler
Hochschule
Universität Salzburg  (Psychologie)
Veranstaltung
Proseminar Hermeneutische Methoden
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
12
Katalognummer
V41487
ISBN (eBook)
9783638397346
ISBN (Buch)
9783638762960
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Als Grundlage meiner Seminararbeit dient vor allem, die Sandlerstudie von Dr. Roland Girtler. Girtler hat für seine Untersuchung über die Obdachlosen Wiens, eine Methode angewendet, die unter Forscherkreisen nur sehr wenig angesehen ist und kaum angewendet wird, nämlich die der 'unstrukturierten teilnehmenden Beobachtung'.
Schlagworte
Eine, Darstellung, Sandlerstudie, Girtler, Proseminar, Hermeneutische, Methoden
Arbeit zitieren
Sonja Mayr-Stockinger (Autor), 2003, Eine kurze Darstellung der Sandlerstudie von Dr. R. Girtler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41487

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