Die temperierten Regenwälder Südamerikas mit besonderer Berücksichtigung des Valdivianischen Regenwaldes


Hausarbeit, 2005

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Die Südlichen Wälder

2. Der Valdivianische Regenwald
2.1. Allgemeines
2.1.1. Verbreitungsgebiet
2.1.2. Geomorphologische Gliederung und Geologie
2.1.3. Böden
2.1.4. Klima
2.2. Hauptvegetationstypen
2.3. Zusammensetzung der Wälder
2.3.1. Der Valdivianischer Regenwald (Nothofago-Eucryphion all. nov. Oberd.)
2.3.2. Unterteilung in Subtypen
2.3.2.1. Subtypus „Ñadi“
2.3.2.2. Subtypus „Olivillo“-Küstenwald („olivillo costero“)
2.3.2.3. Subtypus Immergrüner Wald mit gereiften schattenintoleranten Baumarten („siempreverde con intolerantes emergentes“)
2.3.2.4. Subtypus Immergrüner Wald mit schattentoleranten Baumarten („siempreverde con tolerantes“)
2.3.2.5. Subtypus „Canelo“- Sekundärwald („renovales de canelo“)
2.3.3. Der „Alerce“-Wald (Fitzroyetum Oberd.)
2.3.4. Die Arrayanales mit Myrceugenella apiculata und die Pitra-Bruch-wälder mit Myrceugenia exsucca (Palud-Myrceugenetalia ord. nov. Oberd.)
2.4. Die Rolle von Bambusarten der Gattung Chusquea in der Dynamik des Valdivianischen Regenwaldes

3. Anthropogener Einfluss auf die temperierten Wälder
3.1. Rodungsgeschichte und reale Vegetation
3.2. Zerstörung und Degradierung der temperierten Wälder

4. Unterschutzstellung
4.1. Notwendigkeit zum Schutz der temperierten Wälder
4.2. Zustand der Unterschutzstellung der chilenischen Wälder

5. Bibliographie

1. Die Südlichen Wälder

Die Wälder des südlichen Südamerika sind durch eine breite von Nordwesten nach Südosten streichende Trockenzonen von den Regionen tropischer Wälder getrennt. Baumwuchs beginnt noch in der subtropischen Zone südlich 31°S sehr zaghaft mit Trocken- und Hartlaubwäldern. Mit zunehmenden Niederschlägen treten südlich von 37°S Baum- und Straucharten des subantarktischen Florengebietes auf. Hier beginnt das Gebiet üppiger temperierter Regenwälder – von Oberdorfer (1960) auch als südchilenisches Lorbeerwald- und Sommerwald-Gebiet (Wintero-Nothofagetea und Nothofagetea pumilionis-antarcticae) bezeichnet –, das bis Feuerland, also bis ca. 55°S reicht und vor allem durch sowohl laubabwerfende als auch immergrüne Laubbaumarten der Gattung Nothofagus beherrscht wird. Mit weitaus geringerer Verbreitung, vor allem im nördlichen Teil des Gebietes, treten jedoch ebenfalls Nadelwälder auf, die vor allem von den Gattungen Araucaria, Austrocedrus und Fitzroya gebildet werden (Seibert 1996).

Neben dem Hauptverbreitungsgebiet der südandinen temperierten Wälder auf der Westseite der Kordillere in Chile existieren ebenfalls zahlreiche Ausläufer und Inseln dieser Wälder im östlichen argentinischen Teil der Anden (Hueck 1966). Nach den nordhemisphärischen temperierten Küstenregenwäldern entlang der pazifischen Nordwestküste Nordamerikas sind die Wälder in Chile und Argentinien die zweitgrößten der Welt. Ähnliche Wälder findet man auf der Südhalbkugel sonst nur noch in Tasmanien und Neuseeland (Neira et al. 2002).

Die ursprüngliche globale Ausdehnung dieser Wälder wird auf ca. 30 bis 40 Millionen Hektar geschätzt. In Chile waren es ungefähr 18,4 Millionen Hektar. Das Gesamtgebiet verbleibender temperierter Küstenregenwälder ist unbekannt, aber es wird angenommen, das bis zum Jahr 1992 in Chile 56% der Fläche gerodet wurden oder einen Landnutzungswandel erfahren haben (Lara et al. 1999; Weigand et al. 1992).

Die Region südlich des Rio Bio Bio (ungefähr 37°45´S) wurde bereits von Reiche (1907) und Skottsberg (1910, 1916) phytogeographisch beschrieben. Sie bezogen sich dabei v.a. auf persönliche Kenntnisse der Region als auch auf die Schriften der Naturforscher R. A. Philippi (1865) und F. W. Neger (1899). Alle dann folgenden Autoren wurden zumeist in starkem Maße von diese frühen Arbeiten beeinflusst. Skottsberg (1910) unterschied die Küstenregion südlich von 41° in einen (A) nördlichen artenreichen Valdivianischen Wald und einen (B) südlichen artenarmen subantarktischen Wald, beide aus immergrünen Nothofagus -Arten bestehend. Ebenso beschrieb er einen südlichen und nördlichen sommergrünen Nothofagus- Wald in höheren Lagen der Andenkordillere.

Es hat viele Versuchen gegeben, die Masse der südandinen Wälder zu gliedern und in einzelne Vegetationsregionen einzuteilen. Nach Hueck (1966) haben sich den Vegetationsgeographen dazu bisher drei Grundzüge der Vegetationsverteilung angeboten:

1. Es wurden die floristisch andersartigen Hartlaubwälder des trockenen Mittelchile von den sub-antarktischen Regenwäldern getrennt. Zu dieser Trennung des Hartlaubwaldes mit subtropischem Charakter von den anderen südandinen Wäldern ebenso wie zur weiteren Gliederung der südlich sich anschließenden Wälder bieten sich die Arealgrenzen einer Fülle von Arten an (Abb. 1.1.).
2. Es wurden innerhalb der sub-antarktischen Wälder der gehölzartenreichste Abschnitt als eine besondere Einheit, als „Valdivianischer Regenwald“ herausgehoben.
3. Es wurde der Wald auf den regenreichen Westflanken der Anden – meist ein immergrüner Wald – von den vorzugsweise sommergrünen Wäldern der Osthänge unterschieden.

Als eine Zwischenregion (ca. 37°35´bis 40°40´S auf Meereshöhe) zwischen den subtropischen Hartlaubwäldern und dem Valdivianischen Regenwald, aber auf Grund seines Artengehaltes schon unbedingt zu den sub-antarktischen Wäldern gehörend, lässt sich eine Zone sommergrüner

Abb. 1.1.: Verbreitung einiger Holzarten des südlichen Südamerika (aus Hueck 1966)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nothofagus -Wälder mit N. alpina („raulí“) und N. obliqua („roble pellín“) abgrenzen (Schmithüsen 1956).

Darüber wo die Südgrenze des immergrünen Waldgebietes zu ziehen ist gehen die Meinungen der Vegetationsgeographen wegen des ganz allmählichen Ausklingens der hierher gehörenden Arten weit auseinander, je nach dem Grade, wie etwa physiognomische, ökologische oder floristische Merkmale zugrunde gelegt werden. Die Meinungen hierzu schwanken zwischen 46°S (Reiche 1907), 47°S (Hauman 1920) und 48°S (Skottsberg 1931). Donat (1931) zählt über 30 Arten des Valdivianischen Waldes auf, deren Arealgrenzen zwischen 47°S und 49°S liegt. Ausgehend von Skottsberg (1931) werden die Wälder südlichen dieser Arealgrenzen als „Magellanische“ Regenwälder bezeichnet.

Schmithüsen (1956) unterscheidet im weiteren die „Valdivianischen“ Wälder – die Begriffe „Valdivianischer (Regen-)Wald“ („bosque valdiviano“ oder „pluviselva valdiviana“) und „immergrüner (Regen-)Wald“ („bosque del tipo forestal siempreverde“ oder „pluviselva siempreverde“) wurden bis dahin noch synonym gebraucht – in einen nördlichen Valdivianischen Regenwald (40°49´S bis 43°20´S auf Meereshöhe) und einen südlichen Nordpatagonischen Regenwald (43°20´S bis 47°30´S). Die Wälder in den mittleren und höheren Lagen nördlich von 40°40´S beschreibt er als Ausläufer des Nordpatagonischen Regenwaldes.

Zu wie verschiedenen Ergebnissen die unterschiedlichen Versuche der Gliederung der südlichen Wälder gekommen sind zeigt die Abb. 1.2. (aus Hueck 1966). Die alte Einteilung von Reiche (1907) schließt sich noch sehr an die grundlegende physiographische Zonierung des Landes an. Mehr nach der waldgeographischen Seite orientiert ist die Karte von Rothkugel (1916). In der Karte von Perez Moreau (1946), die vorwiegend auf den argentinischen Anteil der südlichen Wälder zugeschnitten ist, fehlt jede Andeutung der nur in Chile auftretenden Hartlaubwälder. Als zwei moderne Karten mit starker Gliederung der Waldregionen stellen sich schon die Karten von Schmithüsen (1956) und Oberdorfer (1960) dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.2.: Versuche der Vegetationsgliederung der Wälder im südlichen Chile (aus Hueck 1966):
A. Reiche (1907): 1 = Vegetationsgebiete des nördlichen Chile, 2 = Vegetationsgebiete des mittleren Chile, 3 = Vegetationsgebiete des südlichen Chile, Küstengebiete, 4 = südliches Chile, Kordillere und Steppen des Magallanesgebietes
B. Rothkugel (1916): 1 = Region der artenreichen Feuchtwälder (über die Ausdehnung nach Norden fehlen genauere Daten), , 2 = Region der artenarmen feuchtwälder, 3 = Region von „Lenga“ (Nothofagus pumilio) und „Ñire“ (Nothofagus antarctica)
C. Perez Moreau (1946): 1 = euvaldivianischer Sektor der valdivianischen Subprovinz, 2 = euantarktischer Sektor der magallanischen Subprovinz, 3 = westlicher Sektor und 4 = östlicher Sektor magallanischen Subprovinz, 5 = patagonische Provinz
D. Schmithüsen (1953): 1 = subtropische hochandine Formationen, 2 = Wüstengürtel, 3 = subtropische Zwergstrauchsteppe, 4 = Strauchformationen des Kleinen Nordens, 5 = Dornstrauch-Sukkulenten-Steppen, 6 = subtropischer Hartlaub- und Trockenwald, 7 = sommergrüne Laubwälder der gemäßigten Zone, 8 = immergrüne Regenwälder der gemäßigten Zone, 9 = sommergrüne subantarktische Laubwälder, 10 = subantarktische Tundra, 11 = ostpatagonische Strauchsteppe, 12 = südchilenische Hochgebirgsformationen
E. Oberdorfer (1960): Vegetationskreise des südlichen Südamerika (Ausschnitt)
1 = nordchilenischer Vegetationskreis (neotropisches Florenreich), 2 = mittelchilenischer Vegetationskreis, 3 = südchilenischer Vegetationskreis, 4 = patagonischer Vegetationskreis (neotropisches Florenreich)

Bei einer Beurteilung dieser Karten ist daran zu denken, dass die heutigen Vegetationsverhältnisse und damit auch die Grenzen zwischen den verschiedenen Waldgebieten besonders in dem Abschnitt zwischen 45°S und 53°S keineswegs ausgeglichen sind. Denn es ist sicher, dass die in diesen Breiten vorhandene Decke des Inlandeises noch vor erdgeschichtlich sehr kurzer Zeit im Westen in breiter Front das Meer erreicht hat und dass sie sich auch nach Osten wesentlich weiter in das patagonische Flachland hineinschob. Eine so gewaltige Eisbarriere muss aber für jede Pflanzenwanderung und damit auch für die Ausbreitung von Baumarten ein schwerüberbrückbares Hindernis dargestellt haben (Hueck 1966).

Es fällt auf, dass bei den bisherigen Versuchen, das südandine Waldgebiet zu gliedern, die Nadelbäume eine sehr geringe Berücksichtigung erfahren haben. Für die Podocarpus - und Saxegothaea -Arten mag das berechtigt sein, denn diese Arten treten fast ausnahmslos nur eingestreut im Nothofagus -Wald auf. Aber schon Pilgerodendron - und Fitzroya -Wälder werden stellenweise zum landschaftsbestimmenden Faktor. Noch mehr gilt das für Araucaria araucana und Austrocedrus chilensis, die Wälder von Tausenden von Quadratkilometern Ausdehnung bilden und die damit die Grundlage ergeben für die Abgrenzung von ökologisch, physiognomisch und floristisch wichtigen Waldregionen.

In der Abb. 1.3. wird von Hueck (1966) eine Gliederung der südandinen Wälder versucht, die den gegebenen Verhältnissen mehr gerecht wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Der Valdivianische Regenwald

2.1. Allgemeines

2.1.1. Verbreitungsgebiet

Wie bereits ausgeführt wird die Region des immergrünen Valdivianischen Regenwaldes im Norden von den sommergrünen Laubwäldern mit Nothofagus obliqua und N. procera, im Süden von den nordpatagonischen Wäldern begrenzt. Besonders die Nordgrenze ist schon früh Gegenstand eingehender Untersuchungen gewesen (Martin 1880; Skottsberg 1910, 1916; Hauman 1916; Berninger 1929; später von Schmithüsen 1956 und Oberdorfer 1960).

Sie zieht sich durch die Zone der Küstenkordillere etwa bei Valdivia und trifft auch auf die Andenhauptkette etwa bei 40° südlicher Breite oder etwas nördlich davon in dem Gebiet der großen chilenischen Seen. Ebenso wie die weniger hygrophilen sommergrünen Laubwälder der gemäßigten Zone reicht der Valdivianische Regenwald im chilenischen Längstal nicht so weit nach Norden wie an der Küste und an den Andenhängen. Nach Argentinien greift die Region mehrfach über, wenn auch meist stark verarmt wie etwa nördlich vom Tronador und in der Landschaft um Puerto Blest und Puerto Frias im Nationalpark Nahuel Huapi. Die Südgrenze als Übergang zu den relativ wesentlich artenärmeren patagonischen Wäldern wird, wie bereits beschrieben, von Schmithüsen (1956) auf 43°20´ festgelegt. Diese Angabe wird auch von Veblen et al. (1983) fortgeführt.

2.1.2. Geomorphologische Gliederung und Geologie

Zentral- und Südchile zwischen Santiago im Norden und Puerto Montt im Süden sind morphotektonisch charakterisiert durch eine meridionale Dreigliederung in Küstengebirge („cordillera de la costa“), Längstal („valle central“ oder „depresión intermedia“) und Andenkordillere („cordillera de los Andes“).

Das nur in einigen Bereichen 1000 m Höhe erreichende und damit als Mittelgebirge zu kennzeichnende Küstenbergland ist durch den Abbruch zum Pazifik im Westen und den Abfall zum chilenischen Längstal im Osten begrenzt. Unterbrochen durch die Meeresstrasse von Chacao, setzt es sich über den Gebirgsrücken Chiloés mit Höhen von 700 bis 800 m bis in die Inselwelt des Chonos-Archipels fort. (Subiabre & Rojas 1994).

Landeinwärts folgt auf das durchschnittlich 60 km breite Küstenbergland das Längstal, eine strukturelle Depression bzw. Graben der mit glazialen, fluvioglazialen, äolischen und alluvialen Sedimenten und vulkanischer Asche gefüllt ist, mit einer West-Ost Ausdehnung von etwa 50 km. Im Norden erhebt es sich bis zu einer Höhe von 300 m die südwärts zunehmend abnimmt (Illies 1960). Weischet (1970) beschreibt seine landschaftliche Struktur im Seengebiet folgendermaßen: „Altmoränenhügelländer am Osthang des Küstenberglandes, fluvioglaziale Terrassenplatten, flachwellige Grundmoränenhügelländer, jungglaziale Schotterfluren („ñadis“) und letzteiszeitliche Moränenkränze in der Umrahmung der Seen, die selbst in Extraktionsbecken liegen.“

Die Kammlinie der im Osten aufragenden Andenkordillere – gleichzeitig die Staatsgrenze zu Argentinien – verläuft im Gebiet bei 1800 bis 2000 m ü.M. und damit in Höhe der Waldgrenze und der klimatischen Schneegrenze. Sie wird überragt von zahlreichen, z.T. rezent aktiven Vulkanen, die bis zu 3100 m ü.M. erreichen und daher Firn- oder Gletscherkappen tragen (Subiabre & Rojas 1994).

Die orographische Gliederung ist das Resultat einer tertiär-quartären tektonischen Aufgliederung. Nach Illies (1960) ist das Küstenbergland im Verbreitungsgebiet durch Sedimentgneise und Glimmerschiefer gekennzeichnet, während für diesen Teil der Anden „metamorphe altmesozoische Elemente“ und „oberkretazische Granodioritplutone“ charakteristisch sind.

2.1.3. Böden

Ausgangsmaterial der Bodenbildung sind im größten Teil des Verbreitungsgebietes vulkanische Aschen. Davon auszunehmen sind nur die im Küstenbergland zu findenden tertiären Quarzdiorit- und Glimmerschiefer-Verwitterungsböden (Illies 1960).

Die sogenannten Andosole zeichnen sich gegenüber nichtvulkanischen Böden durch eine Reihe von Eigenschaften aus, die zum größten Teil vom Allophangehalt in der Tonfraktion und damit vom Entwicklungsalter der Böden abhängig sind. Genannt werden sollen nur die eingeschränkte Mineralisationsleistung durch hohes Komplexbildungsvermögen und die außergewöhnlich hohe Phosphatfixierungkapazität (Weinberger 1971). Alle Entwicklungsstadien haben pH-Werte im mäßig bis stark sauren Bereich sowie mittlere bis hohe Aluminium- und Eisengehalte.

Der Wasserhaushalt der Andosole ist gekennzeichnet durch hohe Wasserleitfähigkeit bei schwerer Benetzbarkeit und damit durch schlechte Wassernachlieferung und Neigung zum oberflächlichen Austrocknen. Damit einhergehender Aggregatzerfall macht sie bei gestörter Vegetationsdecke sehr deflationsanfällig (Ellies 1975, Ellies et al. 1978).

Ein besonderer Bodentyp entwickelt sich unter den Bedingungen eingeschränkter Seitendrainage und hohen Grundwasserstandes in flachen Senken des Längstals, der, ebenso wie die durch ihn bestimmte Landschaft, als „Ñadi“ bezeichnet wird. Durch Auswaschung aus Staubtuffdecken bildete sich in den glazialen Schottern eine Konkretionsschicht aus Kieselsäure-, Eisen-, Mangan- und Aluminiumverbindungen, die wasserundurchlässig und steinhart ist. Die nur wenige Dezimeter mächtigen Böden dieser Standorte trocknen im Sommer rasch aus, während sie im Winter anhaltend überstaut sind (Subiabre & Rojas 1994).

2.1.4. Klima

In klimatischer Beziehung gleicht die Region des Valdivianischen Regenwaldes anderen Landschaften der Südhemisphäre mit regenreichen Westwindklimaten, etwa den Luvseiten von Tasmanien und Neuseeland. Ozeanisch gemäßigte, nach Süden allmählich sinkende Temperaturen, stürmische Winde, selten ein wolkenfreier Himmel, große Luftfeuchtigkeit, Nebel und reiche Niederschläge geben dem Klima sein Gepräge.

Die geographische Lage und meridionale Höhengliederung bewirken eine besonders reine Ausprägung ozeanisch bestimmter Klimazonen im Verbreitungsgebiet. Di Castri (1968) beschreibt es generell als maritimes Westküstenklimat, charakterisiert durch geringe Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter und hohe Jahresniederschläge. Nach Köppen handelt es sich dabei in erster Linie um ein temperiertes Regenklimat mit mediterranem Einfluss (Cfsb2), welches nach Osten zur Andenkordillere mit zunehmender Höhe langsam in ein Gebirgsklimat übergeht (Iren 1974).

Die Niederschlagsverteilung ist von Sommerminima bzw. Wintermaxima gekennzeichnet, deren Intensität von Norden nach Süden abnimmt. Im Seengebiet fallen über 70% der Niederschläge im Herbst und Winter, während in den drei Sommermonaten nur selten 10% der Gesamtmenge erreicht werden. Valdivia hat 160, Puerto Montt 207 Regentage im Jahr. Der Jahresniederschlag liegt kaum irgendwo unter 2000 mm (Valdivia 2489 mm, Puerto Montt 2300 mm, Ancud auf Chiloé 2035 mm). Lediglich in den westlichen Bereichen des Längstals fallen die Niederschläge aufgrund des Regenschattens der Küstenkordillere z.T. etwas geringer aus (Huber 1975). Als generell am feuchtesten sind die höheren Lagen der Andenwesthänge und die unteren Lagen südlich von 41°30´S einzustufen. Dort werden Niederschlagssummen von über 4000 mm pro Jahr gemessen.

Bei Jahremitteln der Lufttemperatur von 10-12°C sind die mittleren Schwankungen zwischen Sommer- und Wintermonaten mit 9°C (Längstal) bzw. 5°C (Küste) gering, Schnee ist im südchilenischen Tiefland unbekannt, nächtliche Fröste sind zwar selten jedoch ganzjährig möglich (Ausstrahlungsfröste unter antizyklonalen Wetterbedingungen). Die Klimadiagramme von Valdivia (39°50´S) und Puerto Montt (41°30´S) in Abb. 2.1. zeigen zwei Variationen der Klimafaktoren für das Verbreitungsgebiet (Huber 1975).

Die südhemisphärischen Zirkulationsverhältnisse bedingen zusammen mit den orographischen Gegebenheiten Südamerikas eine gegenüber den nordhemisphärischen Verhältnissen deutlich veränderte Zuordnung von Klimazonen zur geographischen Breite: Die Polargrenze des Weizenanbaus liegt in Chile auf einer Breite, die der Portugals oder der türkischen Schwarzmeerküste entspricht; die von immergrünen Regenwäldern eingerahmten Zungen des patagonischen Inlandeises erreichen bereits bei 48°S das Meeresniveau.

Abb. 2.1.: Klimadiagramme von Valdivia (39°50´S) und Puerto Montt (41°30´S)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Hauptvegetationstypen

Klimatische Verschiedenheiten, Ungleichheiten des Bodens, vor allem aber solche Änderungen in der Zusammensetzung des Waldes, die durch die Höhengliederung gegeben sind, bewirken die Ausbildung verschiedener Waldgesellschaften von eigener Ausprägung. Der artenreiche, eigentliche Valdivianische Wald reicht vom Niveau des Meeresspiegels bis etwa 500 m. Wirtschaftlich und pflanzengeographisch wichtig sind eingestreute Nadelwälder mit Fitzroya cupressoides („„Alerce““), die in dieser Region entweder auf Sumpfböden in tiefen, flachen Lagen auftreten oder am oberen, nebelreichen Grenzsaum des Valdivianischen Waldes. Darüber folgt ein Gürtel von Nothofagus dombeyi („coigüe“) und darüber ein Gürtel von Nothofagus pumilio („lenga“) bzw. an trockeneren Standorten von Nothofagus antarctica („ñirre“). Den Abschluss bilden ab 1600-1800 m meso- und xerophytische Hochgebirgsrasen, so dass sich die folgende Höhengliederung ergibt:

a) Valdivianscher Regenwald,
b) „Alerce“-Wald im Valdivianischen Regenwald,
c) Gürtel von Nothofagus dombeyi -Wäldern,
d) Gürtel von Nothofagus pumilio - oder Nothofagus antarctica -Wäldern, nach oben in niedriges Gebüsch übergehend,
e) hochandine Rasengesellschaften.

Die Wälder zu c) und d) sind Ausläufer der weiter südlich gelegenen nordpatagonischen Waldregionen (Schmithüsen 1956; Hueck 1966).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die temperierten Regenwälder Südamerikas mit besonderer Berücksichtigung des Valdivianischen Regenwaldes
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V41518
ISBN (eBook)
9783638397612
Dateigröße
1269 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
Schlagworte
Regenwälder, Südamerikas, Berücksichtigung, Valdivianischen, Regenwaldes
Arbeit zitieren
Andre Terwei (Autor), 2005, Die temperierten Regenwälder Südamerikas mit besonderer Berücksichtigung des Valdivianischen Regenwaldes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41518

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