Spielplätze als Spielraum für Kinder. Eine strukturierte Stadtteilbegehung in Eisenberg


Hausarbeit, 2017

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Definition Spielraum
2.2 der Spielraum des Kindes in der Stadt
2.2.1 Allgemeine Gesichtspunkte des Lebens in der Stadt und deren Auswirkungen auf Kinder
2.2.2 Spielplätze und deren Bedeutung für Kinder

3. Strukturierte Stadtteilbegehung in Eisenberg
3.1 die Methode
3.2 Umsetzung
3.2.1 Strukturdaten
3.2.2 Planung und Zielsetzung
3.2.3 Persönliche Eindrücke
3.3 Schlussfolgerungen für die Gemeinwesenarbeit in Eisenberg

4. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Stadtplan der Stadt Eisenberg

Abb. 2 grafische Darstellung des Spielplatzes am Scheithof, eigene Darstellung

Abb. 3 grafische Darstellung des Spielplatzes in den Zeilbäumen, eigene Darstellung

1. Einleitung

„Spielen ist Kindern überaus wichtig. […] Im Grunde wissen alle, die sich mit Kindern, mit ihrem Aufwachsen und ihrer Entwicklung befassen, dass Spielen unverzichtbar zum Kinderleben gehört.“ (RICHARD-ELSNER, 2017, S. 9) Durch das Spielen im Freien werden Kinder in ihrer Entwicklung bestärkt. Kognitive Fähigkeiten wie Konzentration, Sprach- und Handlungsfähigkeit werden ebenso gefördert, wie Entscheidungskompetenzen, der angemessene Umgang mit anderen Menschen und die Entwicklung zu einem selbstbestimmten Individuum. Gerade unsere moderne Gesellschaft ist durch rasante Veränderungen und hohe Anforderungen an den Einzelnen gekennzeichnet, weshalb es umso wichtiger erscheint, dass Kinder „lernen, eine stabile Persönlichkeit aufzubauen, die ihre Grenzen ausloten kann, sich realistisch an neue Gegebenheiten anpassen kann und darauf kreativ reagieren kann“ (ebd., S. 37). Problematisch ist, dass durch eben jene moderne Gesellschaft und die Industrialisierung die Gestaltung der Außenräume in den Städten häufig unter wirtschaftlichen Aspekten vorgenommen wird. Kinder werden in diesem Zusammenhang als Verkehrshindernisse betrachtet und auch Kinderlärm wird außerhalb von Spielplätzen immer häufiger beklagt. Hinzukommt, dass sich Eltern der Gefahren, die das Leben in einer Stadt mit sich bringt, zunehmend bewusstwerden und die Nutzung von geschützten Spielbereichen im öffentlichen Raum stark an Bedeutung gewinnt. Eben jene spezialisierten Areale, die sogenannten „Kinderinseln“ (ebd., S. 79), sollen einerseits Spielräume im Kulturraum der Erwachsenen bereitstellen und pädagogisch anregend sein, „andererseits stellen sie eine Art Ghetto für Kinder dar und sind Ausdruck“ (BRUHNS / MACK, 2001, S. 132) von Ausgrenzung und Isolation der Kinder in unserer Gesellschaft. Hinzukommt, dass Spielplätze immer noch häufig mit einem Standardrepertoire von Spielgeräten ausgestattet werden, die in der Regel von Erwachsenen nach spielpädagogischen Gesichtspunkten geplant, aber den Interessen und Wünschen der Kinder im Sinne eines lebensweltorientierten Ansatzes nicht gerecht werden. Kinder dürfen unter diesen Umständen „nicht als eine homogene soziale Gruppe gesehen werden, [d. Verf., da] eine Vielzahl unterschiedlicher Kindheiten je nach Alter, Geschlecht, sozialer Herkunft [d. Verf., existiert], die es zu berücksichtigen gilt“ (ebd., S. 134).

Auf der Grundlage dieser Annahmen beschäftige ich mich in der vorliegenden Seminararbeit mit Spielplätzen als Ersatzraum für Kinder in Städten. Ziel dieser Arbeit ist es, ein theoretisches Grundverständnis über das Leben von Kindern in Städten sowie die Bedeutung von Spielplätzen für eben jene junge Menschen zu ermöglichen. Zudem sollen mit Hilfe der Methode der strukturierten Stadtteilbegehung sozialräumliche Qualitäten der Stadt Eisenberg in Bezug auf die vorhandenen Spielplätze gewährt und daraus entsprechende Konsequenzen abgeleitet werden. Dabei befasse ich mich im ersten Teil der vorliegenden Arbeit zunächst mit den theoretischen Grundlagen, um eine Basis für das allgemeine Verständnis zu liefern. Zunächst kläre ich, was unter dem Begriff Spielraum verstanden wird und beleuchte allgemeine Aspekte des Stadtlebens und deren Auswirkungen auf Kinder sowie die Nützlichkeit von Spielplätzen. Den größten Stellenwert meiner Arbeit wird die Auseinandersetzung mit der Methode der Stadtteilbegehung einnehmen, mit deren Hilfe Kenntnisse über sozialräumliche Qualitäten erschlossen werden können. Dazu gebe ich zunächst einen groben Überblick über die Arbeitsweise und stelle die Stadt Eisenberg, in der die Stadtteilbegehung durchgeführt wurde, anhand struktureller Daten vor. Anschließend gewähre ich einen Einblick in die Untersuchungskriterien und definiere die Zielstellung, welche mit der Anwendung verfolgt wird. Die Schilderungen meiner individuellen Eindrücke, welche während der Stadtteilbegehung entstanden sind, dienen der Verbildlichung und ermöglichen dem Leser eine Vorstellung über die aktuelle Situation in Eisenberg. Vollenden möchte ich die vorliegende Seminararbeit mit persönlichen Schlussfolgerungen für die Gemeinwesenarbeit und einem Fazit über Spielplätze und die Methode der Stadtteilbegehung.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Definition Spielraum

Der Begriff Spielraum setzt sich aus den zwei Wortteilen Spiel und Raum zusammen. Daher sollen beide Worte kurz definiert werden, um die Bedeutung des Begriffes verständlicher zu machen.

Je nachdem in welchem Kontext das Wort Spiel gebraucht wird, fallen diverse Aktivitäten wie Lottospiel, Schachspiel oder das Kinderspiel darunter. Im Rahmen dieser Seminararbeit soll der Begriff als Handlung von Kindern abgegrenzt werden, die laut der UN-Kinderrechtskonvention „von Kindern selbst angestoßen, kontrolliert und strukturiert wird“ (RICHARD-ELSNER, 2017, S. 18). Johan Huizinga definiert Spiel als „eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“ (HUIZINGA, 1991, S. 37). Dem Begriff Raum kommt je nach Anwendungsgebiet ebenso eine unterschiedliche Bedeutung zu. In der Architektur steht das Wort für einen von Boden, Decken und Wänden umschlossenen Teil eines Gebäudes, während in der Mathematik beispielsweise eine Menge von Elementen, die in einer bestimmten Konstellation zueinanderstehen, verstanden wird. Im vorliegenden Fall soll der Begriff unter geografischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Als Raum kann hier ein bestimmtes Gebiet definiert werden, der für bestimmte Tätigkeiten zur Verfügung steht. Kombiniert man nun beide Wortteile, kann der Spielraum als ein Gebiet bezeichnet werden, in dem Kinder freiwillige Aktivitäten und Verhaltensweisen ausüben können, die sie selbst ausgestalten. Der Spielraum meint hierbei einen ‚Aufenthaltsraum‘, im dem junge Menschen unter der Beachtung von festgelegten Regeln spielerisch Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich der Personal-, Sozial- und Sachkompetenz entwickeln können, der aber gleichzeitig auch für den Zeitvertreib zur Verfügung steht. Im Kontext dieser Seminararbeit sollen unter dem Begriff Spielraum Spielplätze verstanden werden, die Kindern eine sichere Umgebung zum Spielen bieten und mittels der vorgefertigten Spielmöglichkeiten Anregungen schaffen sollen.

2.2 der Spielraum des Kindes in der Stadt

Nachdem im vorherigen Abschnitt der Begriff Spielraum definiert wurde, soll im folgenden Teil der Spielraum des Kindes in der Stadt im Zentrum der Betrachtungen stehen. Zunächst werden dabei allgemeine Aspekte des Stadtlebens beleuchtet, die mit der Entwicklung hin zu einer modernen Gesellschaft in Verbindung gebracht werden können. Welche Auswirkungen diese Veränderungen auf das Spielverhalten von Stadtkindern hatten und haben, wird hierbei ebenso geklärt, wie die damit einhergehende Wichtigkeit von Spielplätzen.

2.2.1 Allgemeine Gesichtspunkte des Lebens in der Stadt und deren Auswirkungen auf Kinder

Noch vor wenigen Jahrzenten war es selbstverständlich, dass Kinder ohne Aufsicht der Eltern im Freien spielten und dort eigene Erfahrungen sammeln konnten, die sie auf das Leben in der Gesellschaft der Erwachsenen vorbereiteten. Mit der Hochindustrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts veränderten sich die Lebensverhältnisse der Menschen. Durch die Ansiedelung von Fabriken entstanden zentrale Orte, die heutigen Städte, in denen sich Arbeiter und deren Familien niederließen. Die Kinder der Arbeiterfamilien lebten von da an in „stetig wachsenden, engen und verschmutzten Großstädten“ (RICHARD-ELSNER, 2017, S. 65). Das Spiel im Freien begrenzte sich auf die Straßen der Städte, da den erwerbstätigen Eltern eine dauerhafte Beaufsichtigung ihrer Kinder im Wohnraum nicht möglich war. Im Buch „Draußen spielen“ von Christiane Richard-Elsner wird die damalige Spielsituation folgendermaßen dargestellt: „Straßenkinder spielen regelgeleitete Gruppenspiele, die sie so an die jeweils jüngeren tradieren. Sie bilden „Banden“ und verteidigen ihr Revier gegen andere Straßenkinder“ (ebd., S. 65).

Mit der Motorisierung der Städte in den 1960er und 70er Jahren wurde der Freiraum der Kinder zunehmend eingeschränkt und Gefahren dominierten. Auch die Funktionstrennung der öffentlichen Räume in „Wohnen, Arbeiten, Erholen und Verkehr“ (ebd., S. 74) und die Spezialisierung der Arbeitsbereiche der Erwachsenen trug dazu bei, dass Areale wie zum Beispiel Verkehrsflächen oder Industriegebiete als Spielflächen für Kinder unzugänglich wurden. Im Rahmen dieser, aus Erwachsenensicht, praktischen Ausgestaltung der Umwelt verschwanden Kinder zunehmend aus dem öffentlichen Raum, sodass der Wohnraum immer mehr an Bedeutung gewann. Das Spiel der Kinder verlagerte sich zu ihrem eigenen Schutz in die sicheren Handlungsräume der Familie - der Beginn der Verhäuslichung[1]. Aus diesem „zunehmenden Dilemma zwischen Gefährdung draußen und Isolation drinnen“ (ZEIHER, 1994, S. 19) wurden Forderungen nach entwicklungsgerechten Freiräumen und der Schaffung von speziellen Orten für Kinder, in denen sie sich ausprobieren können, zunehmend lauter (Vgl. RICHARD-ELSNER, 2017, S. 69). Kindern sollten Ersatzräume geschaffen werden, was einerseits durch den flächendeckenden Bau von herkömmlichen Spielplätzen verstärkt umgesetzt wurde. Andererseits gewannen abgegrenzte, meist für sie konzipierte, Spezialräume in denen sie sich durch pädagogische Impulse positiv entwickeln sollten, immer mehr Bedeutung. Beispielhaft können an dieser Stelle Kindertagesstätten oder Schulen angeführt werden, die die Kinder von schädlichen Einflüssen aber auch von der Arbeitswelt der Eltern fernhalten sollten. Als Folge dieses Prozesses kann die Verinselung des kindlichen Lebensraumes in der Gesellschaft genannt werden. Helga Zeiher beschreibt dies folgendermaßen: „Der Lebensraum ist nicht [d. Verf.; mehr] ein Segment der realen räumlichen Umwelt, sondern besteht aus einzelnen separaten Stücken, die wie Inseln verstreut in einem größer gewordenen Gesamtraum liegen, der als Ganzer unbekannt oder zumindest bedeutungslos ist.“ (PREUSS-LAUSITZ, 2010, S. 187). Für die jungen Menschen stellte die Verinselung eine weitere Einschränkung ihres Lebensraumes dar, da Erfahrungs- und Spielräume nun in der Regel nur noch mit Hilfe der Erwachsenen erreicht werden konnten und spontanes Handeln behindert wurde. Diese Entwicklung hat bis heute Bestand.

In der modernen Gesellschaft sind die Ansprüche an das einzelne Individuum höher denn je. Bildung steht im Fokus und gilt als höchstes Gut, weshalb ihr eine bedeutende Rolle zugesprochen wird. Systematische Bildungsangebote sollen die Kinder von heute auf das komplexe und spezialisierte Erwachsenendasein von morgen vorbereiten. Das Zeitbudget der jungen Menschen wird mit gezielten Fördermaßnahmen wie Musikunterricht, Nachhilfestunden oder Sprachförderungen ausgefüllt. „Die Kindheit wird weitgehend als durch Inputs von Erwachsenen gesteuert verstanden“ (RICHARD-ELSNER, 2017, S. 73). Daher wird unverplante Zeit für Kinder immer seltener und individuelle Entfaltungsmöglichkeiten basieren auf den Planungen und Erkenntnissen der Erwachsenen. Problematisch ist, dass Kinder „ein biologisch angelegtes Bedürfnis nach Spiel [d. Verf.; aufweisen]. Das ist ein Störfaktor für die Abläufe der Moderne mit ihren Zeittaktungen, langfristigen Planungen und spezialisierten Handlungen in spezialisierten Räumen zu festgelegten Zeiten“ (ebd., S. 75). Daher wird das Kinderspiel heute als störend empfunden, sofern es nicht auf Spielplätzen stattfindet. Und auch die Ausgestaltung der Umwelt richtet sich nach dieser Ideologie. „Kinder werden heute an der Entfaltung ihrer Kinderwelt auf vielfältige Weise gehindert, sei es durch […] Zäune oder durch Erwachsene, die Verbote aussprechen oder gar die Kinder durch Schimpfen vertreiben“ (BRUHNS / MACK, 2001, S. 139). Hinzukommt, dass die Eltern von heute ein hohes Sicherheitsbedürfnis aufweisen und viele Ängste in Bezug auf die Unversehrtheit ihrer Kinder zeigen. Der Straßenverkehr, Spielverbote, Beschwerden der Nachbarn, Verschmutzung der Gehwege, gefährliche Hauseingänge, schlechte Beleuchtungen, Kriminalität oder die Präsenz von Problemgruppen (vgl. ebd.) stellen aus Sicht der Erwachsenen Gefahren für Kinder dar und werden versucht zu vermeiden. Um sich den Risiken zu entziehen, werden Kinder auf ihren alltäglichen Wegen begleitet, sie werden zu ihren Aktivitäten und Fördermaßnahmen chauffiert und verbringen letztendlich mehr Zeit in der sicheren Wohnung. Die Folgen dieser Überbehütung sind vielfältig. Einerseits können Kinder kaum noch eigene Erfahrungswerte sammeln, die sie außerhalb von Institutionen und festgelegten Lernorten auf ihr späteres Leben vorbereiten und ein entwicklungsgerechtes Aufwachsen ermöglichen. Andererseits trägt die Dauer der wohnräumlichen Aufenthalte dazu bei, dass Kinder weniger Möglichkeiten erhalten sich körperlich zu betätigen, ihre Sprachfertigkeiten und Kreativität zu üben sowie ihr Sozialverhalten unter Gleichaltrigen zu trainieren. Stattdessen rückt der Medienkonsum in den Vordergrund, was sich negativ auf die Gesundheit und die Beziehungen zur sozialen Umwelt auswirkt. Zuletzt muss aber auch der Tatsache Beachtung geschenkt werden, dass Eltern insgesamt mehr Zeit investieren müssen, „um ihre Kinder auf Wegen zu begleiten oder um Stunden auf Spielplätzen zu verbringen. Da die Zeit der Eltern begrenzt ist, bedeutet dies, dass die Kinder oft in der Wohnung spielen müssen. Insgesamt sind so Eltern und Kinder öfter auf engerem Raum zusammen, als beide Teile es als wohltuend empfinden“ (RICHARD-ELSNER, 2017, S. 77). Häusliche Konflikte zwischen Eltern und Kindern aber auch zwischen Elternteilen können daher als entfernte Folge dieser Maßnahmen verstanden werden.

Zusammenfassend lässt sich nun sagen, dass die Verinselung, die Verhäuslichung und die Pädagogisierung im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung eine zunehmende Einschränkung des kindlichen Lebensraumes zur Folge hatte. Die Durchsetzung dieser Norm in der heutigen Gesellschaft ist letztendlich dafür verantwortlich, dass Kinder ihre Spielzeit im Freien mit dem Zeitbudget der Eltern abstimmen müssen und dass Spielplätzen eine immer wichtigere Aufgabe zu Teil wird. Welche Bedeutung Spielplätze für Kinder nun genau haben, soll im folgenden Abschnitt näher erläutert werden.

2.2.2 Spielplätze und deren Bedeutung für Kinder

Die genannten Faktoren, welche die Lebenswelt der Kinder einschränken, haben zur Folge, dass Spielplätzen eine immanente Bedeutung als Ersatzraum zugesprochen wird. Dies wirft die Frage auf, was tatsächlich unter einem Spielplatz verstanden wird. Laut Juraforum kann unter eben jenem Spielraum eine Fläche verstanden werden, „auf der mehrere Spielgeräte vorhanden sind“. (JURAFORUM, 2013). Dabei wird zwischen privaten und öffentlichen Spielplätzen unterschieden, wobei letztgenannte allen Kindern von den Kommunen frei zugänglich zur Verfügung gestellt werden und der europäischen Norm DIN EN 1176 und 1177 unterliegen (Vgl. ebd.). Die jungen Menschen dürfen in diesen Arealen auf vielfältige Standardspielgeräte wie Klettergerüst, Rutsche, Sandkasten, Schaukel oder Wippe zurückgreifen, wobei sie nach vorgegebenen oder eigenen Spielregeln benutzt werden können.

„Spielräume bieten für Kinder eine Chance, sich auszutoben, Natur zu erfahren, Abenteuer zu erleben oder soziale Kontakte zu knüpfen. Spielräume sind gleichzeitig auch immer Orte der Kommunikation, Treffpunkte für Jung und Alt.“ (EDER, 2001, S. 7). Mit Hilfe von Spielplätzen wird vor allem versucht der Verhäuslichung entgegenzuwirken. Man kann davon ausgehen, dass Spielplätze Kindern sowohl Spielräume eröffnen als auch Lernfelder ermöglichen „in denen emanzipatorische Denkweisen, soziale Verhaltensweisen, Demokratie, Konfliktlösungsstrategien, Gemeinschaftserfahrungen, Selbstkontrolle, Selbstverantwortung etc. […] geübt werden können“ (RENNER, 1997, S. 104). Damit stellen sie sich der Anforderung, Kindern Gelegenheiten zu bieten, in denen sie sich körperlich betätigen können, ihre Sprachfertigkeiten und Kreativität üben sowie ihr Sozialverhalten unter Gleichaltrigen trainieren zu dürfen. Sie tragen dazu bei, dass Kinder außerhalb von pädagogischen Einrichtungen Möglichkeiten erhalten, sich gesund und entwicklungsgerecht zu entfalten und eine Beziehung zu ihrer sozialen Umwelt aufzubauen. Für Kinder bedeuten Spielplätze zudem auch die Befriedigung ihres biologisch angelegten Bedürfnisses nach Spiel (Vgl. RICHARD-ELSNER, 2017, S. 75). Dabei muss jedoch beachtet werden, dass die Nutzung eines Spielplatzes von Faktoren wie dem Alter und Geschlecht der Kinder beeinflusst wird. Kirsten Bruhns und Wolfgang Mack schreiben: Auf den Spielplätzen „dominieren vor allem die Kinder bis zum sechsten Lebensjahr […]. Ältere Kinder halten sich zumeist nur sehr kurz hier auf, der Spielplatz ist für sie also mehr ein Treff- und Ausgangspunkt und keineswegs ein zentraler Aktionsort.“ (BRUHNS / MACK, 2001, S. 133). Spielplätze können in diesem Zusammenhang demnach als Schutz- und Erfahrungsräume betitelt werden. Trotz alle dem entsprechen sie nicht der Lebenswirklichkeit und den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder, da das Interieur auf herkömmlichen Spielplätzen bereits fixiert ist und kaum Gestaltungsspielrum zulässt. Spielplätze erfüllen daher eine Alibifunktion, indem sie zwar Sicherheit und potenziellen Spielraum für Eltern und Kinder offerieren, aber durch die festgelegte Umgebung die Kinder daran hindern ihre eigene Kreativität auszuleben und Autonomie zu erfahren. Stattdessen dienen sie als Abschiebeplätze, die zur weiteren Verinselung des kindlichen Lebensraumes beitragen, und können sich zu Kinder-ghettos entwickeln, da „Kinder dort vom Leben ausgesondert, ausgegrenzt sind“ (RENNER, 1997, S. 104) und die sich ausbreitende Kinderfeindlichkeit in der Gesellschaft kaschieren (Vgl. RENNER, 1997, S. 103). Das führt zu dem Dilemma, dass Erwachsene das Kinderspiel „abseits von pädagogischen Einrichtungen kaum noch gewöhnt [d. Verf.; sind und es weniger tolerieren]. Spiel soll auf festgelegten Plätzen nach von Erwachsenen konzipierten Schemen erfolgen. […] Als Ort für Spiel gilt der konventionelle Spielplatz und zwar sowohl für Eltern als auch für Kinder.“ (RICHARD-ELSNER, 2017, S.82). Andererseits sollten auch die Vorteile von Kinderspielplätze berücksichtigt werden. Denn ohne das Vorhandensein von eben jenen Spielräumen würden Kindern und auch Eltern nur noch Institutionen und der heimische Wohnraum zur Verfügung stehen, um die Erfahrungen und Kenntnisse zu erlangen, die die jungen Menschen auf ihr Erwachsenendasein vorbereiten.

[...]


[1] Unter Verhäuslichung wird die Verlagerung der kindlichen Lebenswelt in nicht-öffentliche Innenräume verstanden (Vgl. RICHARD-ELSNER, 2017, S. 69).

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Spielplätze als Spielraum für Kinder. Eine strukturierte Stadtteilbegehung in Eisenberg
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Veranstaltung
Gruppen- und Gemeinwesenarbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
29
Katalognummer
V415413
ISBN (eBook)
9783668656529
ISBN (Buch)
9783668656536
Dateigröße
1121 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
strukturierte Statteilbegehung, Spielplatz, Gemeinwesen, Gemeinwesenarbeit
Arbeit zitieren
Lisa-Marie Matthes (Autor), 2017, Spielplätze als Spielraum für Kinder. Eine strukturierte Stadtteilbegehung in Eisenberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415413

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