Der Einfluss der Frauen im "König Rother"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

12 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EinleiWXQJ

2. Die Darstellung der Frauen im ÄKönig Rother³

3. Der Einfluss der Frauen DXI GHQ DQGOXQJVYHUODXI

4. FD]LW

5. BiblioJUDSKLH

1. Einleitung

Diese Seminararbeit beschreibt die Rolle der Frau in der Erzählung des anonym überlieferten ÄKönig Rother³ und ihre Auswirkung auf den Handlungsverlauf. Dazu soll zunächst die generelle Rolle der Frau im Mittelalter dargestellt werden, die dann im Anschluss der Rolle der Frau im ÄKönig Rother³ entgegengesetzt werden soll. Im Anschluss wird mit dem zuvor erstellten Rollenbild versucht, den Einfluss der Frau auf die gesamte Handlung darzulegen und festzuhalten, in wie weit die Frau im ÄKönig Rother³ richtungsweisend handelt und die Handlung lenkt. Diese Arbeit beschränkt sich dabei auf die wesentlichsten Punkte, um ein grobes Rollenbild zu zeichnen.

Grundsätzlich hatte die Frau Ende des 12. Jahrhunderts eine untergeordnete Rolle: Sie galt als dem Mann sowohl körperlich als auch geistig unterlegen und sorgte sich um den Haushalt und die Versorgung der gemeinsamen Kinder (Vgl. Schirmer 1984: 14.). Ihr wurde nicht die ehrenhafte Rolle des Versorgers und Beschützers der Familie zuteil, sondern die der unmündigen, minderwertigen und hart arbeitenden Dienerin. Selbst adelige Frauen, die zwar zum Teil Bildung und Wertschätzung genossen, dienten der Eheschließung und der Erzeugung von möglichst vielen, im Optimalfall männlichen, Nachkommen und verfügten kaum über Rechte. Oder aber dienten sie der Unterhaltung am Hof und als Schmuckstück an der Seite des Mannes (Vgl. Duby 1993: 285-287.).

Dieses Bild der Frau hängt auch mit dem deutlichen Einfluss der Kirche auf die mittelalterliche Gesellschaft zusammen, die schon in der Bibel predigt, dass Eva, die ja aus Adams Rippe erschaffen und somit ein Teil des Mannes ist, das Verlassen des Paradieses zu verschulden hat, da sie sich verführen lassen und damit das Bild der Frau als Symbol von Naivität, geringem Verstand und geringerer Wertigkeit geprägt hat (Vgl. Remy 1867.). Daher muss die Frau sich an einen Mann binden, der ihr sie erzieht und ihr Gehorsam beibringt, damit sie auf dem einzigen Wege, der für sie möglich ist, Ehre erlangen kann ± Mutter und treue Ehefrau zu werden (Vgl. Schirmer 1984: 19.). Deshalb wird die Frau oft auch auf sehr oberflächlicher Basis beschrieben: Ihr Körper, ihre Kleidung und ihr hübsches Gesicht wiegen mehr als ihre Stellung am Hof oder ihre Herkunft. Es ist nicht wichtig, ob sie Verstand hat oder besondere Fähigkeiten besitzt ± sie ist ein Symbol der Körperlichkeit, Sexualität und Schönheit. In einer Welt, in der die Kirche und das Patriarchat das Leben bestimmen, kann die Frau nahezu als ein untergeordneter, rechtsloser und ungerecht behandelter Gegenstand und Mittel zur Nachkommenzeugung beschrieben werden.

2. Die Darstellung der Frauen im ÄKönig Rother³

In der ÄKönig Rother³-Erzählung werden sehr gegensätzliche Frauenbilder gezeichnet. Es lassen sich für das Mittelalter rollentypische und rollenatypische Frauen entdecken. Die wohl unscheinbarste Rolle bedient dabei die Kammerzofe der Königstochter Konstantins, Herlint, die als bloße Dienerin dargestellt wird, die alle Befehle ausführt, um ihre Herrin glücklich zu stimmen. Da dieser Charakter aber kaum richtungsweisend für die Handlung ist, wird er schlichtweg als typischer Frauencharakter in der Rolle der Dienerin betitelt.

Interessanter ist die Beschreibung der Königstochter selbst: Insbesondere durch die Tochter Konstantins werden viele rollentypische Klischees über die Frau des Mittelalters bedient. Dies beginnt schon mit ihrer Beschreibung. Zunächst wird sie von Rothers Freund und Gefährten Lupold als sehr schöne Frau beschrieben, die schöner ist, als alle Frauen in Konstantinopel (Vgl. Bennewitz 2000: 28.) Er betont dabei Äußerlichkeiten wie ihre schlanke Taille und dass sie gut an die Seite eines Herrschers passen würde (Vgl. ebd.: 30.). Diese Beschreibung lässt vermuten, dass Intellekt und Charakter für Lupold und auch für Rother, der auf Grund dieser Beschreibung einer Eheschließung mit der Königstochter zustimmt, eher weniger von Interesse sind, wenn es die Auswahl der zukünftigen Ehefrau betrifft. Sie muss nur schön sein und bestenfalls schöner als jede andere Frau, um zu einem adeligen Herrscher zu gehören. Das scheint so auch zuzutreffen, da die Tochter Konstantins durch den Roman hinweg sowohl vom Erzähler als Äwundrin schone³ (Ebd.: 32.) oder Ädaz sconeste wif³ (Ebd.: 28.), als auch von den Romanfiguren als Äiunc vrowe lossam³ (Ebd.: 190.) und Ämagit wolgetan³ (Ebd.: 94.) beschrieben wird.

Die junge Königstochter ist aber nicht nur schön, sie erfüllt auch die im Mittelalter von Frauen besonders geforderte Treue und Loyalität. Das fällt vor allem dabei auf, als sie den dringenden Wunsch verspürt, Rother, der unter dem Namen Dietrich an dem Hof ihres Vaters zu Gast ist, kennenzulernen. Da es ihr nicht erlaubt ist, den Fremden frei nach ihrem Willen auszusuchen, sucht sie nach einem Weg, ihn dennoch zu treffen, ohne das Ansehen ihres Vaters und auch ihr eigenes zu wahren. Sie bittet ihren Vater Konstantin daher um ein Fest, auf dem sie Rother, von dem sie vorher so viel Gutes hörte, schließlich begegnet.

Auch als Dietrich ihr bei ihrem Treffen seine wahre Identität als Rother offenbart, beteuert sie Verschwiegenheit, was sie als loyal kennzeichnet. Sie bittet Konstantin aber auch darum, sich der Gefangenen im Verlies anzunehmen und holt sich damit seine Einwilligung zu ihrem Vorhaben. Sie erweist sich damit als treue und loyale junge Frau.

Aber auch ihr Glaube leitet ihr Verhalten und ergänzt das bisher von ihr gezeichnete Bild. Die junge Königstochter schwört auf ihre Seele und ihre Taufe, dass sie Rothers Identität für sich behält und bezieht sich auch durch den Handlungsverlauf hinweg immer wieder auf Gott, der sie beobachtet und weist (Vgl. ebd.: 184.). Von Gott in ihrem Leben begleitet und dem Vater gegenüber immer treu bringt die Tochter Konstantins auch Gehorsam in ihr Rollenbild mit ein. Wenn Konstantin ihr befiehlt zu Tisch zu kommen, dann tut sie es umgehend (Vgl. ebd.: 150.). Auch wagt sie es nicht, sich seinem Willen zu widersetzen und meidet ein öffentliches Treffen mit Rother. Selbst als ihr Vater sie aus ihrem glücklichen Eheleben entführen lässt und sie vermeintlich alles Recht gehabt hätte, ihren Unmut auszudrücken, tut sie es nicht und lässt es über sich ergehen, dass Konstantin ihre Meinung unterdrückt (Vgl. ebd.: 252.), indem er sie gar nicht erst zu Wort kommen lässt. Als Rother dann von Ymelot gefangen genommen wurde und gehängt werden sollte, ergreift sie auch hier nicht das Wort sondern fällt auf eine sehr emotionale und wohl für Frauen typisch angedacht dramatische Weise in Ohnmacht und kann ihrem Kummer kaum unterdrücken(Vgl. ebd.: 306.). Das ist eine Darstellung der emotionalen und auch körperlichen Schwäche, die für das Bild der Frau im Mittelalter wohl vorherrschend zu sein schien.

Generell zeichnet die Königstochter sich in der Handlung aber durch ein für das Mittelalter typisches Frauenbild aus. Sie versucht ihre Dienerin Herlint auf materialistische Weise mit Goldarmreifen zu drängen, ein Treffen zwischen ihr und Rother zu organisieren (Vgl. ebd.: 168.) und schmückt sich, auf Konstantins Befehl hin, mit einer goldenen Krone (Vgl. ebd.: 152.), um sich, ihr Aussehen und ihr Auftreten noch zu verbessern. Ebenso materialistisch wie auch naiv ist daher der geglückte Entführungsversuch der Königstochter, der nur gelingt, weil sie sich auf das Schiff der Entführer durch hübsche Kleidung locken ließ (Vgl. ebd.: 240.). Ebenso gipfelt die glückliche Beziehung zu Rother vor der Entführung mit der Geburt eines männlichen Erben (Vgl. ebd.: 230.), mit der die Tochter Konstantins ihr Rollenklischee vollends erfüllt.

Ihre Mutter, die Frau Konstantins und Königin von Konstantinopel, weist relativ wenige Gemeinsamkeiten mit ihrer Tochter auf. Im ÄKönig Rother³ wird sie zunächst als sehr adelig und vornehm vorgestellt, als sie die Gäste beim Eintreffen an ihrem Hof freundlich begrüßt (Vgl. ebd.: 42.) und sich sogar vor diesen verneigt (Vgl. ebd.: 44.). Dabei wird sie als Ägote kuningin³ (Ebd.: 44.) betitelt, die weiß, wie man die Etikette am Hof wahrt. Das geschieht auch noch einmal so, als Rother als Dietrich mit seinem Gefolge an den Hof Konstantins zurückkehrt und sie wieder vornehm durch die Königin begrüßt werden (Vgl. ebd.: 88.). Ebenso verabschiedet sie ihre Gäste höchst würdevoll mit einem Kuss und einem Segenswunsch (Vgl. ebd.: 356.). Das zeigt auch ihre Verbindung zu Gott und ihren Glauben. Besonders fällt letzterer aber auf, als sie Gott um Hilfe bittet, damit Rother endlich wieder an ihrem Hof erscheint, damit er Konstantins Tochter wieder zu sich zurückholt (Vgl. ebd.: 294.). So entsendet sie ihre Tochter auch später mit der Güte Gottes zu Rother (Vgl. ebd.: 340.), weil sie weiß, dass sie dort glücklicher und zufriedener sein wird, als bei Konstantin. Denn sie kann nachvollziehen, wie unerträglich es für ihre Tochter ist, von ihrem Geliebten getrennt zu sein. Diese emotionale Bindung zur Königstochter zeigt sich auch schon zuvor, als die Königin fälschlicherweise denkt, von ihrer Tochter getrennt und von Rother Ymelot ausgeliefert zu werden. Sie weint um den Verlust ihrer Tochter und schluchzt heftig. Gleichzeitig trauert sie aber um den tot geglaubten Konstantin, der zuvor in der Schlacht gefallen sein soll (Vgl. ebd.: 224f.). Bis hierher scheint die Königin sich nicht sehr von der Königstochter zu unterscheiden. Sie achtet die höfischen Gepflogenheiten, gibt sich als vornehme Herrscherin, die an Gott glaubt und ihren Mann sehr liebt und erfüllt auch das mittelalterliche Bild der emotionalen Frau. Doch betrachtet man ihre Beschreibungen genauer, so fällt auf, dass sie viel mehr ist als die rollentypische Ehefrau und Mutter. Die Ehefrau Konstantins ist neugierig und will über die Geschehnisse und Gäste an ihrem Hof unterrichtet sein. So auch als Rothers Boten zu Beginn der Erzählung in Konstantinopel eintreffen und sie unverzüglich alles über Herkunft und Absicht dieser zu wissen vermag. Dabei zeigt sie eine ausgeprägte Beobachtungsgabe als sie die Boten auf Grund ihrer Kleider und ihres Auftretens mustert und einschätzt (Vgl. ebd.: 42.).

Da ihre neuen Gäste ein großes Wohlgefallen auslösen und von hoher Herkunft zu sein scheinen, gibt sie sich dementsprechend würdevoll. Ein kluger Schachzug, weil sie ja die Absichten der Fremden nicht kennt. Das gleiche Verhalten empfiehlt sie auch Konstantin, als sie ihm sagt Ämich dunket got, herre, daz wir dese boden heren³(Ebd.: 42.). Sie mahnt ihn zu respektvollem Umgang mit den Gästen. Gleichermaßen rät sie ihm, nach der Entführung seiner Tochter durch Rother, die ihm große Schande einbrachte (Vgl. ebd.: 234.) zukünftig behutsamer mit seinen Gästen umzugehen, weil er ihren Rat bei deren Ankunft nicht beherzigt und die Boten als Gefangene genommen hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der Frauen im "König Rother"
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Germanistik)
Veranstaltung
Hauptseminar: Brautwerbung in Konstantinopel und die Wunder des Orients: „König Rother“ und „Herzog Ernst“
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V415455
ISBN (eBook)
9783668653740
ISBN (Buch)
9783668653757
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
König Rother, Rother, Frauen, Frauen in der Literatur, Frauen im Mittelalter, ÄDL, Sagen, Rolle der Frau, Einfluss der Frau
Arbeit zitieren
Vanessa Ortmann (Autor), 2016, Der Einfluss der Frauen im "König Rother", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415455

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