Konstantinopel als Residenzstadt. Die Gründe Konstantins des Großen


Seminararbeit, 2014

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zosimus

III. Gründe für Konstantin
III.1 Mögliche religiöse Gründe
III.2 Repräsentation Konstantins
III.3 Geographische Gegebenheiten
III.4 Politisch-Strategische Vorteile
III. 5 Wirtschaftliche Interessen

IV. Fazit

V. Quellen- und Literaturverzeichnis
V.1 Quellenverzeichnis
V.2 Literaturverzeichnis

VI. Anhang

I. Einleitung

Der erste christliche Kaiser der Geschichte, Konstantin der Große, gründete 324 n. Chr. Konstantinopel auf dem Boden des ehemaligen Byzantion. In der aktuellen Forschung wird diese Jahreszahl vorwiegend angegeben, wobei es nicht eindeutig zu belegen ist. Sicher ist, dass Konstantin in dem genannten Jahr Licinius, seinen letzten Konkurrenten um die Alleinherrschaft im Römischen Reich, besiegt hatte.[1] In der Forschung existieren zu der entscheidenden Schlacht zwei unterschiedliche Ansichten. Zum einen soll, nach Alföldi[2], Licinius in einer Seeschlacht vor Chrysopolis im Bosporus, in Sichtweite zu Byzantion besiegt worden sein. Piepenbruck[3] schreibt dagegen in ihrem Aufsatz, dass Licinius sich in der Stadt verschanzt haben soll. Wesentlich ist, dass dagegen Einigkeit darin herrscht, dass er im Anschluss an der Stelle seines entscheidenden Sieges der Stadt seinen eigenen Namen gab, ganz nach der Tradition griechisch-römischer Herrscher.[4] In unterschiedlichen Quellen wird aufgeführt, dass Konstantinopel nicht die allererste Wahl Konstantins war. Vielmehr zog er mehrere Stellen im oströmischen Teil des Reiches in Erwägung, beispielsweise Thessalonike, Chalkedon oder auch die Gegend in der Nähe vonTroja.[5] Seine erste Entscheidung fiel auf die letztgenannte Möglichkeit, die er vermutlich auch aufgrund der ideologischen Bedeutung auserwählte. Denn Aeneas, der mythische Urahne aller Römer, stammte aus Troja.[6]

Sowohl in christlichen als auch in heidnischen Quellen wird geschrieben, dass er dort schon begonnen hatte zu bauen, bis er seine Meinung änderte und sich gen Byzantion, der Stadt am Goldenen Horn, wandte.[7] Die Gründe für diesen Entschluss gehen in den christlichen und heidnischen Quellen auseinander. In manchen christlichen Quellen soll Konstantin durch Gott geführt worden sein.[8] Während beispielsweise der heidnische Autor Zosimus in seinem Werk einen geo-strategischen Grund anführt, der die Lage des ehemaligen Byzantion hervorhob.[9]

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Gründen auseinander, die zu Konstantins Entscheidung beigetragen haben und ob diese tatsächlich so einfältig dargestellt werden können oder ob sich noch weitere Aspekte hinter der oberflächlichen Aussage zur Lage der Stadt verstecken.

Diese Arbeit ist auf eine Quelle von Zosimus aus seinem 2. Buch der „Neuen Geschichte“ gestützt, zu der zum einen Vergleiche aus christlichen Quellen heran­gezogen werden und die zum anderen im Anschluss mithilfe wissenschaftlicher Forschungsliteratur gedeutet sowie ergänzt wird. Zuerst wird Zosimus charakterisiert, um ihn und auch sein Werk in einen historischen Kontext zu setzen. Schließlich werden mögliche Gründe Konstantins aufgeführt.

II. Zosimus

Zosimus war ein spätantiker Historiker und gebildeter Nichtchrist.[10] Über sein Leben existieren nur sehr wenige Informationen, so ist sein vollständiger Name und seine Heimatstadt unbekannt.[11] Vermutlich stammt er aus dem syrisch-palaestinischen Raum.[12] Seine Lebensdaten sind ebenfalls nur grob einzugrenzen. Dadurch, dass er eine Amts­handlung eines neuen Kaisers im Jahr 498 so kritisiert, als ob er das Geschehen von Nahem erlebt hat, ist davon auszugehen, dass er Ende des 5. Jahrhunderts und am Anfang des 6. Jahrhunderts nach Christus gelebt hatte.[13] Das Wissen über seine Lebensdaten bedeutet, dass sein Werk die „Historia Nea“ (Neue Geschichte), einschließlich der für diese Arbeit relevanten Quelle, in der Jahrhundertwende vom 5. ins 6. Jahrhundert entstanden sein muss. Demzufolge war er kein Zeitzeuge und musste sich selbst auf andere Quellen berufen, denn der zeitliche Abstand von der Gründung Konstantinopels bis zur Niederschrift des Zosimus' beträgt ungefähr 175 Jahre. Aufgrund dessen ist es notwendig die Forschungsliteratur hinzuzuziehen, um den Bericht des Zosimus' bezüglich Wahrheitsgehaltes bewerten zu können. Des Weiteren weist die Chronologie seiner Werke Mängel und Ungenauigkeiten auf. Diese berechnet er anhand von Regierungsabfolgen oder nach der Datierung von Konsuln. Außerdem bleibt sein Werk unvollendet und weist weitere Schwachstellen auf.[14] Der Leitfaden in allen Büchern ist es, den Untergang Roms zu schildern. Hierin kann eine gewisse Parallele zu Polybos gesehen werden, der in seinem Werk den raschen Aufstieg Roms in nur 53 Jahren beschreibt. Zosimus erstellt sozusagen eine Art Gegengeschichte.

Indikatoren des Untergangs sind nach Zosimus die Aufgabe des heidnischen Göttertums und den damit analog verlaufenden Aufstieg des Christentums. Für ihn ist nach dem Tod des letzten Fürstreiter des Heidentums, Kaiser Iulian, der Untergang des Römischen Reichs endgültig besiegelt.[15] Allerdings führt er keine schriftlichen Attacken oder polemische Äußerungen in seinem Werk gegen das Christentum an. Vielmehr ist er vom Christentum enttäuscht und appelliert an die religiöse Toleranz.[16] Denn er hatte sich zwar mit der Machtstellung des christlichen Glaubens abgefunden, aber nicht mit dem Totalitätsanspruch und dessen Konsequenzen. Wichtig ist hierbei noch zu wissen, dass sein Leben in eine Zeit fällt, in der der Christenglauben bereits seit einem Jahrhundert zur Staatsreligion erhoben wurde und das Heidentum im Römischen Imperium zum Aussterben gebracht hatte. Er selbst war Anhänger des Neoplatonismus, in dem die alten Götter in höchster Macht die Welt leiten und er war davon überzeugt, dass der Aufstieg Roms unter anderem mithilfe göttlicher Fügung und nicht durch menschliche Stärke zustande gekommen sei.[17]

Zosimus bietet Deutungen historischer Ereignisse an, die an einen kleinen Kreis paganer Intellektueller gerichtet ist, die ein Interesse an einem Gegenentwurf zu christlichen Geschichtkonzeptionen wie von Eusebius, Sokrates oder Sozomenos haben, die ebenfalls in dieser Arbeit hinsichtlich der Gründung Konstantinopels angesprochen werden.[18]

III. Gründe für Konstantin

Kaiser Konstantins Gründe Konstantinopel 324 nach Christus auf dem Boden des ehemaligen Byzantion zu gründen sind sehr vielfältig. Im Anschluss werden die unterschiedlichen antiken Deutungsweisen vorgestellt und mit den tatsächlichen Gründen, die nach dem Forschungsstand vorherrschen, diskutiert.

III. 1 Mögliche Religiöse Gründe

In der Spätantike wurde schon sehr zwiespältig über die Intention der Stadtgründung diskutiert.[19] Vor allem differierten die Meinungen deutlich in den beiden großen Glaubensrichtungen zur damaligen Zeit auseinander. Einige Christliche Deutungen, darunter die vom Kirchenhistoriker Sozomenos, verweisen auf rein christliche Aspekte, die Konstantin bewegt haben sollen, am Goldenen Horn seine Stadt zu gründen, sozusagen als Idee eines christlichen Gegenroms.[20] Diese Passage aus der Kirchengeschichte (Soz. hist. eccl. 2, 3) belegt den rein christlichen Aspekt: „[...] God appeared to him by night, and commanded him to seek another spot. Led by the hand of God, he arrived at Byzantium in Thrace, beyond Chalcedon in Bithynia, and here he was desired to build his city and to render it worthy of the name of Constantine. In obedience to the words of God, he therefore enlarged the city formerly called Byzantium, and surrounded it with high walls.”[21] Diese Version ist allerdings mit Vorsicht zu betrachten, denn sie wird von anderen bedeutenden christlichen Kirchenhistorikern, wie Eusebius sowie von Sokrates Scholasticus, nicht gestützt. In keinem der Werke der beiden Autoren tauchen christliche Intentionen bezüglich der Stadtgründung auf. Sie wird von Eusebius nicht einmal thematisiert.[22] Da selbst dieser, der als klarer Bekenner der christlichen Kirche galt, nicht davon berichtete, kann der Gedanke eine reine christliche Hauptstadt zu gründen verworfen werden.[23] Bei Sokrates, dem in der Forschung ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und einen kritischen Umgang mit den Quellen nachgesagt wird[24], schildert nur die Umbenennung und die Vergrößerung der Stadt Byzantion.[25] Die Widerlegung der Ansicht des Sozomenos' wird ebenfalls dadurch untermauert, dass Konstantin selbst zur Zeit der Gründung sowie der Weihe, sechs Jahre später, noch den heidnischen Kult des Sol Invictus verehrt hatte.[26]

III.2 Repräsentation Konstantins

Somit rückt die Schilderung des Zosimus' in den Mittelpunkt, denn dieser spielt auf keinen spirituellen Grund an und versucht eine neutrale Deutung historischer Ereignisse zu liefern. Der erste wichtige Antrieb Konstantins war die Repräsentation seiner selbst sowie seiner Familie und das nachdem er erfolgreich die Alleinherrschaft im Römischen Reich sowohl über auswärtige Feinde als auch über die inneren Feinde übernommen hatte.[27] Konstantins Idealen entspricht es einzigartig zu sein. Da einige große Städte des Ostens bereits vorher als Herrschaftssitz gedient hatten, beispielsweise Antiochia, die syrische Hauptstadt, für Valerian sowie Nikomedia, das unter Diokletian zu einer glanzvollen Kaiserstadt ausgebaut worden war.[28] Konstantinopel war sozusagen als Residenz von allen seinen Vorgängern unberührt und konnte somit von Konstantin persönlich nach seinem Wunsch erweitert werden. Vermutlich sollte Konstantinopel keine Konkurrenz zu Rom darstellen, sondern nur ein weiterer juristischer Regierungssitz sein, ähnlich wie einige andere Städte wie zum Beispiel Trier in Germanien.[29] Allein mit der Gründung war der Weg zur großen Residenz, zum zweiten Leuchtturm im Römischen Reich noch nicht geebnet. Möglich ist, dass die Schilderung von Zosimus im ersten Satz der Quelle (siehe Anhang) einen Wegbereiter der gewaltigen zukünftigen Entwicklung Konstantinopels gewesen sein könnte. Er schreibt über die Schmähungen, die Konstantin in Rom einstecken musste und daraufhin eine zweite Waagschale zu Rom suchte, in der er einen Kaiserpalast erbauen konnte.[30] Hierbei handelt es sich um das Fernbleiben Konstantins von den Vicennalien, der Feier zu seinem 20. Regierungs­jubiläum wenige Jahre nach der voraussichtlichen Gründung Konstantinopels.[31]

III. 3 Geographische Gegebenheiten

Im Folgenden schreibt Zosimus über die Suche nach einer geeigneten Stelle, der getroffenen Entscheidung nahe Troja und dem Beginn der dortigen Bauarbeiten. Dieser Teil des Berichtes deckt sich mit etlichen Quellen. Schließlich entschied sich Konstantin nochmals um. Folgender Teil der Quelle thematisiert diese Wende und rückt somit in den Mittelpunkt dieser Arbeit: „[...] und wandte sich Byzanz zu. Voll Bewunderung für die Lage der Stadt entschloß er sich, die Stellung möglichst zu erweitern ihr die Ausdehnung zu geben, wie sie einer kaiserlichen Residenz entsprach. Liegt doch die Stadt auf einer Anhöhe und bedeckt einen Teil der Landzunge, die durch das sogenannte (Goldene) Horn und die Propontis gebildet wird.“[32] Hieraus lassen sich die wesentlichen Gründe zur Gründung Konstantinopels ziehen. Der topographischen Lage kommt die höchste Priorität zu, von der sich weitere wichtige Motive ableiten lassen. Hierunter fallen zum einen politische und strategische Beweggründe und zum anderen wirtschaftliche Interessen.

[...]


[1] Siehe Piepenbrick, K.: Das „Neue Rom“ am Bosporus. Die Gründung Konstantinopels, in: Ehling, K. (Hrsg.): Konstantin der Große: zwischen Sol und Christus, Darmstadt, S. 82.

[2] Siehe Alföldi, M.: Phoenix aus der Asche. Die Liburna, ein Gründungsmonument von Constantinopolis, in: Sitzungsberichte der wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Bd. XLII, 2 (2004). Stuttgart,S. 52-53.

[3] Siehe, Piepenbrick, Das „Neue Rom“ am Bosprous, S. 82.

[4] Ebd., Piepenbrick, S. 82.

[5] Ebd., Piepenbrick, S. 82.

[6] Siehe Schreiner, P.: Konstantinopel. Geschichte und Archäologie, München 2007, S. 20.

[7] Siehe, Piepenbrick, Das „Neue Rom“ am Bosprous, S. 82.

[8] Ebd., Piepenbrick, S. 82.

[9] Siehe Zosimos: Neue Geschichte. Buch II, übersetzt und erläutert von Veh, Otto, in: Wirth, Peter und Gessel Wilhelm (Hrsg.): Bibliothek der griechischen Literatur 31, Stuttgart 1990, S. 98.

[10] Siehe Meier, M.: Zosimus 5), in: Der neue Pauly 12/2 (2002), Sp. 843.

[11] Siehe Zosimos: Neue Geschichte. Buch II, übersetzt und erläutert von Veh, O., in: Wirth, P. [u.a.] (Hrsg.): Bibliothek der griechischen Literatur Bd. 31, Stuttgart 1990, S.1.

[12] Siehe Meier, Zosimus, Sp. 843.

[13] Siehe Zosimus, Neue Geschichte, Veh, O., S.1.

[14] Ebd. Zosimus, S. 8 - 9.

[15] Ebd. Zosimus, S. 6.

[16] Siehe Meier, Zosimus, Sp. 844.

[17] Siehe Zosimus, Neue Geschichte, Veh, O., S. 17-18, 21.

[18] Siehe Meier, Zosimus, Sp. 845.

[19] Siehe, Piepenbrick, Das „Neue Rom“ am Bosprous, S. 82.

[20] Siehe Hampl, F.: Die Gründung von Konstantinopel, in: Valjavec, F. (Hrsg.): Südost-Forschungen Bd. XIV, München 1955, S. 11.

[21] Siehe Sozomenos: Ecclesiastical History, in: Nicene and post-nicene Fathers, Series II Volume II (ECF- Volume XXV), URL: http://www.synaxis.org/cf/volume25/ (14.01.2014).

[22] Siehe Eusebius von Cäsarea. Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum, in: Eusebius von Cäsarea, ausgewählte Schriften. Aus dem Griechischen übersetzt von P. Johannes Maria Pfättisch und Dr. Andreas Bigelmair. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 9) München 1913, URL: http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2027-47.htm (13.01.2014).

[23] Siehe Hampl, Die Gründung von Konstantinopel, S. 17.

[24] Siehe Rist, J.: Socrates 9), in: Der neue Pauly 11 (2001), Sp. 688.

[25] Siehe Sokrates Scholasticus: Ecclesiastical History. In: Nicene and post-nicene Fathers, Series II Volume II (ECF-Volume XXV). URL: http://www.synaxis.org/cf/volume25/ (14.01.2014).

[26] Siehe Berger, A.: Konstantinopel, die erste christliche Metropole?, in: Brands, G.[u.a.]: Die spätantike Stadt und ihre Christanisierung: Symposium vom 14. Bis 16. Februar 2000 in Halle/Saale, Wiesbaden 2003, S. 64.

[27] Siehe, Piepenbrick, Das „Neue Rom“ am Bosprous, S. 82.

[28] Siehe Hampl, Die Gründung von Konstantinopel, S. 10.

[29] Siehe Schreiner, Konstantinopel, S. 21.

[30] Siehe Zosimus, Neue Geschichte, Veh, O., S.97.

[31] Siehe Hampl, Die Gründung von Konstantinopel, S. 10.

[32] Siehe Zosimus, Neue Geschichte, Veh, O., S.98.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Konstantinopel als Residenzstadt. Die Gründe Konstantins des Großen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V415647
ISBN (eBook)
9783668654709
ISBN (Buch)
9783668654716
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstantin, Konstantinopel, Rom, Byzanz, Istanbul, Römisches Reich
Arbeit zitieren
Pascal Böß (Autor), 2014, Konstantinopel als Residenzstadt. Die Gründe Konstantins des Großen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415647

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Konstantinopel als Residenzstadt. Die Gründe Konstantins des Großen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden