Mainz und der große Städtekrieg


Studienarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Quellenkunde

III. Bundnispolitik in der 2. Halfte des 14. Jahrhunderts

IV. Friedensbestreben

V. Der Konflikt schwappt uber den. Rhein

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

VIII. Anhang.

I. Einleitung

Der Stadtekrieg Ende des 14. Jahrhunderts wutete im ganzen Suden des Deutschen Reiches. Verwickelt waren vor allem zwei Parteien. Auf der einen Seite standen die Stadtebunde zueinander, welche namentlich hauptsachlich der Schwabische und der Rheinische waren und auf der anderen Seite unzahlige Herren und Fursten, von diesen vor allem der Graf von Wurttemberg und der Pfalzgraf Ruprecht der Altere zu nennen sind. Die Hauptursache des Konfliktes zwischen Stadte und Herren war die den Fursten auferlegte Anerkennung des rheinisch-schwabischen Stadtebundes im 1384 geschlossenen Landfriedensvertrag der „Heidelberger Stallung“.[1] 4 Jahre spater kam es, verursacht durch einen von den bayrischen Herzogen Stefan und Friedrich von Bayern angeordneten Uberfall auf den mit den schwabischen Stadten verbundeten Erzbischof Pilgrim von Salzburg, zum Krieg. Im Januar 1388 erklarten zuerst die schwabischen Stadte und anschlieBend die rheinischen Stadte den Adligen den Krieg.[2] In den folgenden eineinhalb Jahren wurden immer weitere Parteien in die zuerst lokal begrenzte Auseinandersetzung hineingezogen, bevor im Mai 1389 der Landfriedensvertrag von Eger die Niederlage und den Untergang der Stadtebunde besiegelte. Dieser komplexe und auch sehr umfassende Konflikt wird in dieser Arbeit auf die Perspektiven des rheinischen Stadtebundes und der Pfalzgrafen reduziert. Beide Parteien waren entscheidend in diese Auseinandersetzung verwickelt. Da allerdings der Hauptkonflikt im Stadtekrieg ursprunglich derjenige der schwabischen Stadte gegen die wurttembergischen Fursten war, ruckt das Problem in den Vordergrund, welche Rollen sowohl dem rheinischen Stadtebund als auch dem Pfalzgraf Ruprecht I., einschlieBlich des Pfalzgrafen Ruprecht II., im Zeitraum des Stadtekrieges zukamen.

In der Forschung ist das Thema Stadtekrieg schon etliche Male uber die letzten Jahrhunderte hinweg behandelt worden. Dass es eine Zeit des Booms uber dieser Thematik gab ist weit gefehlt, vielmehr erschienen uber eine groBe Zeitspanne einige bedeutsame Monographien oder Aufsatze. So behandelte zum Beispiel Wilhelm Messerschmidt in seinem Werk „Der rheinische Stadtebund“ Anfang des 20. Jahrhunderts den Stadtekrieg. Alexander Schubert belegte mit seiner Veroffentlichung 2003, also knapp 100 Jahre nach Messerschmidts Monographie, dass der Stadtekrieg seine Relevanz uber die Jahre hinweg nicht verloren hat. Zwar betrachten die beiden Autoren unterschiedliche Blickwinkel, aber im GroBen und Ganzen ahneln sich ihre Werke in Hinsicht des groBen Stadtekriegs. Fur diese Arbeit erhalt die Publikation von Wilhelm Messerschmidt die hohere Relevanz, da sich diese auf die Betrachtungsweise des mittelalterlichen Mainz und ihr Verhalten wahrend des Krieges bezieht. Erganzend dazu, dient der 1981 erschienene Aufsatz von Ludwig Falck, der sich mit der Situation Mainz' im rheinischen Stadtebundes auseinandersetzt und auBerdem die schon angesprochene Arbeit von Alexander Schubert, die am informationsreichsten den Part des Pfalzgrafen wiedergibt.

Diese Arbeit ist so aufgebaut, dass eine chronologische Abfolge der Ereignisse in Bezug zu den beiden Parteien, Pfalzgraf und rheinischer Stadtebund, vor und wahrend des Stadtekriegs erfolgt. Zu den jeweiligen Geschehnissen wird der dazu passende Quellenabschnitt mit in die Analyse des historischen Hintergrunds einbezogen. Zuerst ist ein allgemeiner Uberblick der Bundnisse notwendig, um die Rollen und deren Entwicklung im Verlauf des Stadtekriegs ermitteln zu konnen. AbschlieBend wird im Fazit zusammenfassend auf die Bedeutung beider Parteien eingegangen.

II. Quellenkunde

Als Quelle zur Bearbeitung dieser Arbeit dient ein Bericht aus der „Chronik von Mainz“, ein Band in der Reihe „Die Chroniken der mittelrheinischen Stadte“, die wiederum in die Reihe „Die Chroniken der deutschen Stadte - vom 14. bis ins 16. Jahrhundert“ einzuordnen ist und von der „Bayrischen Akademie der Wissenschaft herausgegeben wurde. Sie umfasst eine kurze Schilderung der Ereignisse beginnend vor der Kriegserklarung der Stadt Mainz an Pfalzgraf Ruprecht den Alteren bis zur Mainzer Niederlage in den Jahren 1388 und 1389.[3] Wann sie genau verfasst wurde ist nicht zu klaren. Die „Chronik von den alten Dingen der Stadt Mainz“ entstand voraussichtlich in der Mitte des 15. Jahrhunderts in lateinischer Sprache, wobei die relevante Quelle moglicherweise schon vorher verfasst wurde.[4] Ins Deutsche wurde sie von Karl von Hegel ubersetzt.[5]

Karl von Hegel war ab dem Jahre 1862 Leiter der „Bayerischen Akademie der Wissenschaften“ und fasste in den „Chroniken der deutschen Stadte“ unter anderem die Chroniken der Stadte Nurnberg, StraBburg, Koln u.v.a. zusammen.

Der ursprungliche Autor der Quelle kann nicht genau ermittelt werden, da die Quellenlage relativ schlecht ist. Vermutlich handelt es sich bei dem Verfasser der gesamten Chronik um einen Beteiligten der Geschlechter, der durch den Streit dieser veranlasst wurde eine solche Schrift zu erstellen. Zu erwahnen ist, dass die Mainzer Chronik im 15. Jahrhundert von Mainz nach Frankfurt geschafft wurde. Angenommen wird, dass der Besitzer dieser Schrift zu diesem Zeitpunkt Johann Maximilian zum Jungen war.[6]

Die Gattung der vorliegenden Quelle, ist, wie der Name auch schon vermittelt, eine Chronik. Dadurch, dass die Quelle von einem Autor verfasst, zusammenhangend und relativ ausfuhrlich geschrieben ist, zahlt sie als Chronik zu den „historiographischen Quellen“.[7] Weiterhin kann man feststellen, dass sie sich an Institution widmet, da es sich um eine Chronik der Stadt handelt. Sie wurde mit der Intention verfasst, Schilderungen und Ereignisse der damaligen Zeit der Nachwelt zu hinterlassen.

Wenn man davon ausgeht, dass der Bericht uber den Stadtekrieg vor der eigentlichen Chronik geschrieben wurde[8] - was einem etwaigen Zeitpunkt um die Jahrtausendwende entspricht, so kann die Quelle als „echt“ angesehen werden. Durch die genannten Punkte lasst sich die Quelle als vertrauenswurdig und fur die Wissenschaft von entsprechender Relevanz einstufen und soll im Verlauf dieser Arbeit als Grundlage der Fragestellung dienen.

III. Bundnispolitik in der 2. Halfte des 14. Jahrhunderts

Aufgrund von uberhohten Zollen oder aber auch durch Raububerfalle und Gefangennahmen auf StraBen und Flussen und der daraus resultierenden unzulanglichen Sicherheit, bildeten sich vereinzelt Bundnisse zwischen Stadten, um den Schutz der reisenden Handler zu gewahrleisten. Denn der burgerliche Handel war fundamental fur das Gedeihen einer Stadt.[9] Die Historie der Stadtebundnisse in der Rheinregion reicht bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts. Im Jahr 1226 schlossen sich erstmals die Stadte Mainz, Worms, Bingen und

Speyer zusammen. Dieser wurde allerdings vom damaligen Konig Heinrich VII. aufgelost. Zwei weitere Bundnisse kamen noch im selben Jahrhundert zustande, ehe das Streben nach einem rheinischen Stadtebund fur hundert Jahre still lag. Am 20.03.1381 schlossen sich u.a. die Stadte Mainz, Worms, Speyer und StraBburg erneut zum rheinischen Stadtebund zusammen.[10] Das Bundnis versprach gegenseitige Hilfeleistungen in allen Kriegen, war aber zeitlich festgelegt, zuerst bis 1384[11] und wurde dann bis 1392 verlangert[12]. Noch im selben Jahr schlossen der rheinische und der schwabische Stadtebund, der bereits seit 1376 existierte, eine Allianz, zu ahnlichen Bedingungen wie schon die des rheinischen Bundes, sprich Unterstutzung im Falle des Krieges[13] und zeitlich bis 1391 festgelegt[14]. Dieser Forschungsstand widerspricht der Aussage des Autors der Quelle, denn zu Beginn erwahnt jener, dass der Krieg im Jahr 1388 zwischen den Herren von Wurttemberg und den schwabischen Stadten begonnen hat und sich somit aufgrund dessen die rheinischen und schwabischen Stadte miteinander verbundet hatten. Wenn man sich den historischen Hintergrund der Bundnisse betrachtet, wird klar, dass die geschlossene Allianz eigentlich eine Ursache des Krieges war und nicht wie geschrieben die Konsequenz aus diesem. Anlass des Bundnisses zwischen den rheinischen und den schwabischen Stadten war die Bedrohung durch die neugebildete Rittergesellschaft in Schwaben, in Franken und am Rhein. Darunter war auch der Graf von Wurttemberg, ein Feind der freien Stadte, der in den folgenden Jahren auch eine entscheidende Rolle im Ausbruch des Krieges innehatte.[15] Die Intention des Zusammenschlusses beider Stadtebunde war nicht nur der Schutz vor Adligen, sie verfolgten weitreichendere Ziele. Zum einen die reichsrechtliche Anerkennung von Konig Wenzel, die Respektierung durch die Fursten und weiterhin das Streben zu einer straffen inneren Bundesorganisation.[16] Die Ziele des Adels und der Herren war seit Bestehen des rheinisch- schwabischen Bundnisses die Isolation beider Bunde und die anschlieBende Auflosung der einzelnen Stadtebunde.[17] Dass diese unterschiedlichen Ansichten zu Spannungen fuhrten war nicht verwunderlich.

IV. Friedensbestreben

1384 wurde eine Losung zum Besanftigen des Konfliktpotenzials gefunden. Beide Parteien, sowohl die Herren und Fursten als auch die Stadtebunde mussten einen Landfriedensvertrag, welcher in Heidelberg geschlossen wurde, akzeptieren. Dieser fiel zugunsten der Stadte aus und fuhrte eine wesentliche Anderung im Reich herbei, denn die Fursten waren gezwungen den rheinisch-schwabischen Stadtebund anzuerkennen.[18] Somit wurde auch insbesondere die Stellung des rheinischen Bundes fester und sicherer.[19]

Trotz der „Heidelberger Stallung“ kam es im Januar 1388 zu den ersten kriegerischen Handlungen. Durch die Entfuhrung des Salzburger Erzbischofs, veranlasst durch die bayrischen Herzoge, erklarten die schwabischen Stadte ihnen die Fehde, gefolgt von den rheinischen, die durch das geschlossene Bundnis dazu gezwungen waren. In der ersten kriegerischen Auseinandersetzung standen sich die Herzoge von Bayern und die schwabischen Stadte gegenuber. Letztere wurden, wie es der Bundnisvertrag vorsah, von Kontingenten der rheinischen Bundesgenossen unterstutzt. Zum selben Zeitpunkt herrschte in der Rheingegend Frieden zwischen den Stadten und den Fursten, vielmehr blieb die Aufforderung zur Fehde durch die schwabischen Verbundeten ungeachtet, denn die rheinischen Stadte verfolgten eine klare Friedenspolitik. So boten sie ihren schwabischen Alliierten die Dienste als Vermittler und Unterhandler mit den Bayernherzogen an. Mit dieser Einstellung war der rheinische Stadtebund nicht alleine, sie hatten sich die Unterstutzung eines der einflussreichsten Fursten des Reiches gesichert, namlich die des Pfalzgrafen Ruprecht des Alteren[20].[21] Durch diese Kooperation beider linksrheinischen Parteien, versuchten die rheinischen Stadte ihre Region vor einem Krieg zu bewahren und ihn auf Schwaben, Franken und Bayern zu beschranken.[22] Der Pfalzgraf, angetan vom „Friedenseifer“ der rheinischen Stadte, bemuhte sich ebenfalls beide Kriegsparteien zu einer gutlichen Einigung zu bewegen. Hierfur ignorierte er sogar die Befehle des Konigs, gegen Bayern vorzugehen, die den Landfriedensvertrag missachtet hatten, und blieb gleicherweise dem Ruf nach Unterstutzung seiner bayrischen Vettern fern.[23]

[...]


[1] Vgl. Falck, Ludwig: Mittelalterliche Stadte im Kampf um die Freiheit: Mainz im Rheinischen Stadtebund vom 20.3.1381. In: Mainz. Vierteljahreshefte fur Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte Bd. 1, 1 (1981), S.91.

[2] Vgl. Messerschmidt, Wilhelm: Der rheinische Stadtebund von 1381-1389, Marburg 1906, S.188-189.

[3] Vgl. Von Hegel, Kurt: Vorwort. In: „Die Chroniken der mittelrheinischen Stadte - Mainz“. Hrsg. von Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Leipzig 1881,S. V-X.

[4] Vgl. Chronik von alten Dingen der Stadt Mainz (zu 1388), in: Gisela Moncke (Hg.): Quellen zu Wirtschafts- und Sozialgeschichte mittel- und oberdeutscher Stadte im Spatmittelalter, Darmstadt 1982 (Freiherr vom Stein - Gedachtnisausgabe, Reihe A: Ausgewahlte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 37), S. 245.

[5] Vgl. Von Hegel, Vorwort, VII.

[6] Vgl. Von Hegel, Kurt: Einleitung zur Chronik. In: „Die Chroniken der mittelrheinischen Stadte - Mainz“. Hrsg. von Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Leipzig 1881,S. XII-XVII.

[7] Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte. Mittelalter, Stuttgart 2006 (UTB 1719), S. 98-133.

[8] Vgl. Chronik von alten Dingen der Stadt Mainz, S. 245.

[9] Vgl. Falck, Mainz im Rheinischen Stadtebund, S.88.

[10] Vgl. Messerschmidt, Der rheinische Stadtebund von 1381-1389, S. 8-9.

[11] Ebd., Messerschmidt, S. 16.

[12] Ebd. , Messerschmidt, S. 65.

[13] Vgl. Falck, Mainz im Rheinischen Stadtebund, S.89.

[14] Vgl. Messerschmidt, Der rheinische Stadtebund von 1381-1389, S 65.

[15] Vgl. Falck, Mainz im Rheinischen Stadtebund, S.89.

[16] Ebd. Falck, S. 90.

[17] Vgl. Messerschmidt, Der rheinische Stadtebund von 1381-1389, S 59.

[18] Ebd., Messerschmidt, S. 92.

[19] Ebd., Messerschmidt, S. 109.

[20] Pfalzgraf Ruprecht I. (der Altere), geboren 1309 und gestorben 1390, war Pfalzgraf bei Rhein und Kurfurst von der Pfalz.

Rodel, Volker, „Ruprecht I., der Altere“, in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 288-289 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119515016.html (Abgerufen: 07.03.2013).

[21] Vgl. Messerschmidt, Der rheinische Stadtebund von 1381-1389, S. 189-190.

[22] Ebd., Messerschmidt, S. 194.

[23] Vgl. Schubert, Alexander: Der Stadt Nutz oder Notdurft?. Die Reichsstadt Nurnberg und der Stadtekrieg von 1388/89. Husum 2003 (Historische Studien Band 476), S.63.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mainz und der große Städtekrieg
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V415653
ISBN (eBook)
9783668661820
ISBN (Buch)
9783668661837
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mainz, Städtebund, Pfalzgraf Ruprecht, rheinisch-schwäbischer Städtebund, Landfriedensvertrag
Arbeit zitieren
Pascal Böß (Autor), 2013, Mainz und der große Städtekrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415653

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