In der vorliegenden Arbeit wird die knapp 180-jährige Herrschaft der Seleukiden in der Provinz Babylonien genauer beleuchtet. Im Speziellen findet eine Betrachtung des Verhältnisses von Herrscherfamilie zur indigenen Bevölkerung Babyloniens statt – jedoch wird nicht jeder Seleukidenherrscher isoliert betrachtet, vielmehr wird das Gesamtbild der Seleukidenära in Augenschein genommen. Eine solche spezifische Reflektion ist angebracht, da der Umgang mit der indigenen Bevölkerung einen sehr wichtigen Aspekt in der Herrschaftssicherung und Stabilität einer solch bedeutenden Provinz darstellt. Hierbei spielen die übernommenen und anerkannten Traditionen, Rituale sowie besonderen Zuwendungen eine besonders starke Rolle.
Der Frage, wie genau der Umgang mit der indigenen Kultur war und inwiefern Erfolge verbucht werden konnten, wird vorrangig nachgegangen. Daran anknüpfend wird sich dem Problem der Authentizität angenommen, sprich haben die übernommenen Traditionen lediglich der Legitimation der Herrschaft gedient oder konnten sich die Seuleukidenherrscher neben den rationalen Interessen sogar damit identifizieren?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Machtübernahme in Babylonien
3. Babylonien als Schlüsselprovinz
4. Strukturelle Elemente Babyloniens vor der Seleukidenära
5. Machtausübung in Babylonien
5.1. Kontinuitätslinie
5.1.1. Satrapienverwaltung
5.1.2. Traditionen
5.1.3. Sprache
5.2. Intention, Ziele und Erfolge
6. Pragmatismus oder doch Identifizierung?
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die knapp 180-jährige Herrschaft der Seleukiden in der Provinz Babylonien mit dem Ziel, das Verhältnis zwischen der griechischen Herrscherfamilie und der indigenen Bevölkerung zu beleuchten. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob die seleukidische Politik durch einen rein pragmatischen Ansatz zur Herrschaftssicherung geprägt war oder ob Ansätze einer tatsächlichen Identifikation mit babylonischen Traditionen bestanden.
- Analyse der Machtübernahme und Etablierung seleukidischer Herrschaft in Babylonien.
- Untersuchung der Bedeutung Babyloniens als strategische Schlüsselprovinz des Reiches.
- Bewertung der Kontinuität in Verwaltung, Traditionen und Sprache unter seleukidischer Herrschaft.
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen pragmatischer Instrumentalisierung und kultureller Identifikation.
Auszug aus dem Buch
Borsippa Zylinder
Der Borsippa-Zylinder ist eine idealtypische Überlieferung der Etablierung und Wertschätzung Antiochos I. an genuinen Traditionen. Gleichzeitig stellt er laut Kuhrt den stärksten Beweis für die Verbundenheit der Seleukidenherrscher mit den babylonischen Ritualen und Traditionen dar. Ganz nach mesopotamischen Traditionen ist er zum einen in Keilschrift verfasst und zum anderen knüpft der Inhalt effektiv an babylonische und achämenidische Hinterlassenschaften an.
Er beinhaltet alle zu Beginn des Kapitels Traditionen verlangten Ansprüche, um die Akzeptanz der Bevölkerung für die Königswürde zu erhalten. Im ersten Abschnitt sind die traditionellen Titel des Antiochos aufgeführt: „großer König“, „König der Welt“, „König Babylons“ und „König aller Länder“. Als nächstes werden die getätigten Restaurationen von Heiligtümern aufgeführt, so etwa den Wiederaufbau des Nabu Tempels in Borsippa und des Marduk Tempels in Babylon. Er präsentiert sich somit der Bevölkerung als König, der sich um alle Angelegenheiten kümmert.
Weiterhin wird die Kriegsthematik aufgeworfen, indem er um göttlichen Beistand bittet, um gegen äußere Feinde vorgehen zu können und für Frieden und Stabilität sorgen kann. Der gesamte Inhalt stützt sich auf die Verehrung der babylonischen Götter und bietet aufgrund dessen die Grundlage für eine idealtypisch dargestellte Monarchie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Seleukidenreich als bedeutendes Diadochenreich ein und erläutert die zentrale Bedeutung der Provinz Babylonien für die Stabilität des Gesamtimperiums.
2. Machtübernahme in Babylonien: Hier werden der militärische Aufstieg von Seleukos I. und die schrittweise Etablierung der seleukidischen Herrschaft ab 311 v. Chr. detailliert nachgezeichnet.
3. Babylonien als Schlüsselprovinz: Das Kapitel begründet, warum Babylonien aufgrund seiner wirtschaftlichen Ressourcen, seiner zentralen Lage und seiner Funktion als Tor zum Osten für die Seleukiden unverzichtbar war.
4. Strukturelle Elemente Babyloniens vor der Seleukidenära: Hier werden die vorseleukidischen Verwaltungsstrukturen und die Bedeutung der Tempelstaaten als lokale Machtzentren skizziert.
5. Machtausübung in Babylonien: Dieses Kapitel analysiert das Prinzip der indirekten Herrschaft, die Kontinuität der Satrapienverwaltung sowie den Umgang der Seleukiden mit indigenen Traditionen und der Sprache.
6. Pragmatismus oder doch Identifizierung?: Es wird die komplexe Frage diskutiert, ob die Politik der Seleukiden ein rein pragmatisches Kalkül zur Machtlegitimation war oder ob eine echte kulturelle Identifikation vorlag.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass die seleukidische Herrschaft primär pragmatisch orientiert war, aber durch die Instrumentalisierung und Anerkennung babylonischer Traditionen eine bemerkenswerte Kontinuität bewahrte.
Schlüsselwörter
Seleukiden, Babylonien, Diadochenreiche, Satrapie, Machtausübung, Indirekte Herrschaft, Traditionen, Antiochos I., Legitimation, Pragmatismus, Keilschrift, Berossos, Seleukeia, Verwaltung, Akkulturierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herrschaft der griechischen Dynastie der Seleukiden in der Provinz Babylonien und analysiert, wie diese ihre Macht dort über fast zwei Jahrhunderte sichern konnten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verwaltungsstruktur, dem Umgang mit lokalen Traditionen und Kulten, der Sprachenpolitik sowie der Frage nach den strategischen Absichten der seleukidischen Könige.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob die Seleukiden in Babylonien eher aus pragmatischen Gründen handelten, um Stabilität zu wahren, oder ob sie sich tatsächlich mit der einheimischen Kultur identifizierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Auswertung literarischer antiker Quellen sowie auf moderne Sekundärliteratur und epochenübergreifende historische Forschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Machtübernahme, die strukturellen Gegebenheiten Babyloniens und die konkrete Ausgestaltung der seleukidischen Herrschaft in Bezug auf Institutionen, Religion und Sprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Seleukiden, Babylonien, Satrapie, Legitimation, indirekte Herrschaft und Kontinuität.
Welche Rolle spielte Berossos für die Herrschaftslegitimation?
Berossos fungierte als wichtiges Bindeglied, indem er durch sein Werk versuchte, mesopotamische und griechische Traditionen zu verknüpfen, was zur Legitimation der seleukidischen Herrschaft beitrug.
Wie gingen die Seleukiden mit der babylonischen Sprache um?
Sie setzten nicht Griechisch als einzige Amtssprache durch, sondern förderten eine bilinguale Praxis, bei der das Aramäische als Alltagssprache fortbestand.
Warum war die Gründung von Seleukeia am Tigris für die Stabilität wichtig?
Die neue Hauptstadt diente als strategisches, königlich-administratives Zentrum, das die Kontrolle der wichtigen Handelsrouten festigte und die Macht der Dynastie demonstrierte.
- Arbeit zitieren
- Pascal Böß (Autor:in), 2016, Seleukiden in Babylonien. Eine rein pragmatische Herrschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415662