Souveränität - Die Analysen von Michel Foucault und Giorgio Agamben zu Rolle der souveränen Macht innerhalb der Gesellschaftsordnung


Hausarbeit, 2004
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Souveränität und der Begriff Biopolitik bei Foucault
2.1. Souveränität (in der klassischen Theorie)
2.2. Machttechniken
2.3. Politiken
2.4. Mächte und Rasissmen
2.5. Zwischenübersicht

3. Souveränität bei Giorgio Agamben
3.1. zóe und bíos
3.2. homo sacer im souveränen Modell der Macht
3.3. Das Souveränitätsmodell
3.3.1. Souveränität – Paradoxon und Ausnahme
3.3.2. Souveränität – Bann und nómos
3.3.3. Souveränität – Beziehung zwischen Leben und Gesetz
3.3.4. Souveränität – Ausnahmezustand
3.4. Forderung/Ausweg

4. Schluss

5. Anhang

6. Literatur- / Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Die ungehemmte Vermehrung, als natürlicher Anspruch überall bejaht, von Kirchen und Staaten gar gefordert, ist als solche schon ein potentieller Eroberungsakt. Geburtenbeschränkung dagegen wird einst ein unumgänglicher Friedensakt sein“

Karl Jaspers

Mitten in der Phase der europäischen Hochindustrialisierung und dem Höhepunkt der deutschen Vormachtstellung in Europa, verfasst Jaspers dieses Zitat und beschreibt damit (vermutlich ohne es zu wissen), das, was Michel Foucault und Giorgio Agamben einige Zeit später noch wesentlich genauer betrachten werden, nämlich die Inanspruchnahme des nackten Lebens durch die souveräne Macht. Menschliche Reproduktion als Anspruch des Staates, welche als „Eroberungsakt“ instrumentalisiert wird? Gleichzeitig die Aussage, dass Geburtenbeschränkung zu einem Instrument des Friedens werden soll? Wie kam/kommt es zu dieser Beanspruchung des Lebens, des nackten, reproduzierenden Lebens? Was hat sich, im Gegensatz zum System der feudalen Welt, im Zustand in der industrialisierten, westlichen Welt geändert? Mit welchen Methoden versucht die „neue“ Souveränität die antiken Begriffe des „zóe“ und „bíos“ zu erfassen und vielleicht sogar zu vereinen[1] ?

Foucault und Agamben beziehen beide ihre Forschungen und Erkenntnisse auf die Beziehung der Souveränität zum nackten Leben, sowie auf die Rolle des Souveräns innerhalb des Gefüges von Recht und Gesetz, Natur und Recht, sowie Gewalt und Gesetz. Wie stellt sich die Position des Souveräns dar? Hat er überhaupt eine klar definierbare Stellung innerhalb dieser Ordnung? Welche Werkzeuge hat er diese Position zu behaupten? Foucault versuchte auf diese und weitere Fragen, die im Verlauf dieser Arbeit gestellt werden sollen, eine Antwort zu finden, indem er den Begriff der Biopolitik schuf. Er erstellte einen detaillierten chronologischen Rückblick auf die Geschichte der westlichen Industrienationen auf und verglich zwischen dem Zustand vor Beginn des industriell-ökonomischen Wandels, dem während und dem danach.

Seine Ergebnisse sollen, im Verlauf der Arbeit mit denen von Giorgio Agamben verglichen, und die Unterscheide herausgearbeitet werden. Auf Grund des Umfangs der Werke beider Autoren, ist es leider nur in begrenztem Maße möglich, die gesamte Fülle der Erkenntnisse beider auszuwerten.

Aus diesem Grunde soll eine Beschränkung auf die Begriffe Souveränität und Biopolitik bei Foucault und Souveränität, mit all seinen Unterkategorien, bei Agamben erfolgen. Eine weitere zentrale Frage, die im Verlauf dieser Arbeit geklärt werden soll, ist die nach der Stellung des Lebens in der heutigen Zeit. Leben wir das, was uns von der Souveränität/Macht suggeriert wird, oder leben wir selbst bestimmt? Wenn wir nicht selbst bestimmt leben, welche Auswege zeigen uns Foucault und Agamben aus der „Unmündigkeit“ auf? Gibt es überhaupt Auswege?

Begonnen werden soll mit der Auswertung der Erkenntnisse von Michel Foucault, um diese, im weiteren Verlauf, mit den Analysen von Giorgio Agamben zu konfrontieren und gegebenenfalls Parallelen und Überschneidungen aufzuzeigen.

2. Souveränität und der Begriff Biopolitik bei Foucault

Im Wesentlichen kann der foucaultsche Begriff von Souveränität, oder das was Souveränität ausmacht, und in diesem Fall einhergehend mit dem Begriff der Biopolitik, in die folgenden fünf Schwerpunkte aufgeteilt werden, die sich wie folgt darstellen:

a) Souveränität (in der klassischen Theorie)
b) Machttechniken
c) Politiken
d) Mächte und Rassismen.

Jeder dieser Unterpunkte oder auch Topoi ist in verschiedene Subkategorien aufgeteilt, die sich chronologisch und somit für Foucault kausal, ausgehend vom 18. bis ins 20. Jahrhundert hinein, aus den anderen herausentwickeln oder entwickelt haben[2].

2.1. Souveränität (in der klassischen Theorie)

Der Begriff der Souveränität ist anfangs für Foucault klar von dem klassischen Prinzip des Herrschers und Beherrschten, wie er bis ins 18. Jahrhundert üblich war geprägt. Der Herrscher oder Souverän hatte die Macht über das Leben und den Tod des ihm Untergebenen zu entscheiden. Foucault bezeichnet dies als die Macht sterben zu machen und leben zu lassen. Überspitzt formuliert besteht die rechtliche Grundlage des Beherrschten darin, weder lebendig noch tot zu sein. Es wäre sogar möglich dieses Leben in einer Art Dämmerzustand des Körpers und Geistes zu verorten, wohingegen die Macht des Souveräns sich eindeutig auf die Akzeptanz der selben durch den Beherrschten stützt. Foucault sagt hierzu, dass „die Wirkung der Macht auf das Leben [...] von dem Moment an aus(ge)übt (werden kann), in dem der Souverän töten kann“[3].

Dies heißt also nichts anderes als, dass der Herrscher vom Beginn des Lebens an, also der Geburt, die Möglichkeit hat jederzeit über dieses Leben zu verfügen. Das Wort „kann“ am Ende des Zitates impliziert also eine Art Akzeptanz, gar eine Erlaubnis dieses Recht dem Souverän zuzugestehen jedoch sagt es auch aus, dass die Art und Weise der Verfügung über das Leben, und somit über das Töten, nicht näher bestimmt ist.. Wieso konnte das alte Recht der Souveränität sterben zu machen und leben zu lassen jedoch an der Schwelle zur Industrialisierung nicht länger bestehen, sondern wurde nach Foucault durch das neue Recht leben zu machen und sterben zu lassen ersetzt?

2.2. Machttechniken

Foucault sieht den Grund in den aufkeimenden, mit der sich immer schneller entwickelnden wirtschaftlichen Prosperität in Westeuropa auch notwendigen, Machttechniken, wie der Disziplinierungstechnik, der Regulierungstechnik, der Bio-Regulierung, dem Todesrecht und den Repressionsmechanismen[4]. Diese Techniken sind eng miteinander verwoben, aber wie konnten sie das alte Prinzip von sterben zu machen und leben zu lassen verändern? Die veränderten Lebensbedingungen in den Fabriken und Manufakturen, hierzu gehören ein mehr oder weniger geregelter Arbeitstag, die regelmäßige Teilnahme an der Arbeit und der zwar monotone, aber auch präzise Ablauf der Arbeit, machten es notwendig, dass sich Disziplinierungstechniken etablierten. Foucault schließt hieraus die Etablierung neuer Machttechniken, denn zur Disziplin gehört einer, der diszipliniert und einer, der diszipliniert wird oder werden muss. Auf den ersten Blick scheint sich an dem bisherigen Prinzip zwischen Herrscher und Beherrschtem nicht viel geändert zu haben, jedoch hat sich das Grundverständnis, das Grundprinzip von leben zu machen und sterben zu lassen zu Gunsten eines neuen Prinzips, dem von sterben zu machen und leben zu lassen verändert. Der Grund hierfür liegt laut Foucault in der Angst der Menschen um ihr Leben, da sie in der neuen Zeit ohne die Möglichkeit ein Lehen vom Souverän zu beziehen und getrennt von der Scholle, Gefahr laufen ihr Leben, wenn sie nichts für den Broterwerb tun, zu verlieren[5]. Aus dieser Gefahr heraus unterwerfen sie sich einem selbst konstituierten Herrscher und somit den neuen Machttechniken, die dieser etablieren will oder sogar muss.

[...]


[1] Vgl. Agamben, Giorgio: Homo Sacer, Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt am Main 2000.

[2] Foucault Michel: Leben machen und sterben lassen: Die Geburt des Rassismus, in: Reinfeldt, Sebastian/Schwarz, Richard/Foucault, Michel: Bio-Macht, Biopolitische Konzepte der neuen Rechten, Duisburg 1993. S.27-49

Die Einteilung ergibt sich aus der genauen Analyse und späteren Zusammenfassung der Angaben und Begriffe des Textes, stellt jedoch nur einen Entwurf des Autors dar und ist nicht durch andere wissenschaftliche Quellen belegt.

[3] Ebd. S.28

[4] Ebd. S.21-49, werden im Laufe des Textes mehrfach in verschiedenen Zusammenhängen erklärt.

[5] Foucault Michel: Leben machen und sterben lassen: Die Geburt des Rassismus, in: Reinfeldt, Sebastian/Schwarz, Richard/Foucault, Michel: Bio-Macht, Biopolitische Konzepte der neuen Rechten, Duisburg 1993. S.29

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Souveränität - Die Analysen von Michel Foucault und Giorgio Agamben zu Rolle der souveränen Macht innerhalb der Gesellschaftsordnung
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Seminar füe Wissenschaftliche Politik)
Veranstaltung
Grundkurs
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V41567
ISBN (eBook)
9783638398060
ISBN (Buch)
9783638655736
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Souveränität, Analysen, Michel, Foucault, Giorgio, Agamben, Rolle, Macht, Gesellschaftsordnung, Grundkurs
Arbeit zitieren
Daniel Rottgardt (Autor), 2004, Souveränität - Die Analysen von Michel Foucault und Giorgio Agamben zu Rolle der souveränen Macht innerhalb der Gesellschaftsordnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41567

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