[...] Der IWF spielte, und spielt bis heute, eine wichtige Rolle in der Bekämpfung der Armut und der wirtschaftlichen Missstände in den Entwicklungsländern. Damit steht seine Politik unter anderem auch im Einklang mit den MDG (Millennium Development Goals), welche die Vereinten Nationen im September des Jahres 2000 verabschiedet haben. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts jedoch kam es, bedingt durch diverse Faktoren, von denen einige in der folgenden Arbeit aufgezeigt werden sollen, zu einer massiven Verschuldungskrise der Entwicklungsländer, zu deren Eskalation der IWF, nach genauerer Betrachtung, seinen Beitrag leistete. Der finanzielle Kollaps Mexikos, die massiven Zins- und Tilgungszahlungen im Verbund mit sehr hohen Stützungskrediten seitens des Fonds und wirtschaftpolitisch fehlgeleiteten Anpassungsprogrammen sorgten für den wirtschaftlichen Zusammenbruch eines ganzen Systems und einer ganzen Region. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ziele des IWF seit der Gründung und deren Wandel bis 1973
1.2. Definition der relevanten Begriffe
1.3. Problemstellung
2. Entwicklungspolitik des IWF
2.1. strukturelle Ausgestaltung der Entwicklungsstrategien in den 1970er Jahren
2.2. Entwicklungsstrategie, Dependency Theory und IWF EP (1978-1985)
2.2.1. Wachstumsstrategie
2.2.2. Dependency Theory/Dependenztheorie – eine kritische Auseinandersetzung mit der IWF-Politik
2.2.3. Zwischenstand Entwicklungsstrategien
2.3. Die Rolle privater Kreditgeber
2.4. Die möglichen Probleme
2.4.1. negative Verhaltensanreize „Moral Hazard“
2.4.2. Verantwortungsbereiche und deren Abgrenzung
2.5. Zahlungseinstellung der Schuldner
2.5.1. Zahlungsunfähigkeit
2.5.2. Zahlungsunwilligkeit
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das wirtschaftspolitische Engagement des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Kontext der Schuldenkrise der 1980er Jahre. Das primäre Ziel ist es, den Beitrag des IWF zur Eskalation dieser Krise kritisch zu analysieren, insbesondere durch die Schaffung negativer Anreizstrukturen und den Einfluss seiner Anpassungsprogramme auf die betroffenen Entwicklungsländer.
- Die historische Entwicklung und der Zielwandel des IWF.
- Entwicklungsstrategien und die Dependenztheorie als kritisches Analyseinstrument.
- Die Rolle privater Kreditgeber und das Phänomen des „Moral Hazard“.
- Unterscheidung zwischen Zahlungsunfähigkeit und Zahlungsunwilligkeit von Staaten.
- Die Mitschuld des IWF an der Destabilisierung durch neoklassische Vorgaben.
Auszug aus dem Buch
2.4.1. negative Verhaltensanreize „Moral Hazard“
Das Problem der negativen Verhaltensanreize trat in der Politik des IWF vor allem immer dann auf, wenn er einem Mitgliedstaat in Aussicht stellte, ihn bei Illiquidität vor dem finanziellen Zusammenbuch zu bewahren. Da die Politik des IWF vorsah jedem Mitglied in einer Notsituation unaufgefordert finanziellen Bestand zu leisten, in erster Linie natürlich um die Weltwirtschaft nicht zu gefährden, konnte sich Moral Hazard zum Kernproblem des IWF entwickeln. Durch die Abnahme des Risikos bei allen finanzpolitischen Aktionen des Mitgliedes entwickelten sich Grundzüge eines Versicherungssystems innerhalb der Strukturen des Fond. Wie muss man sich nun das Phänomen des Moral Hazard in der Praxis vorstellen? Die Erklärung ist recht einfach und jedem Versicherungsnehmer recht einleuchtend nahe zu bringen. Bei Einführung eines neuen Versicherungsschutzes steigen die Anzahl der Schadensfälle sowie das Schadensvolumen im Gegensatz zur vorherigen Situation überproportional an. Hieraus ergibt sich für den Versicherten ein Wandel in den Kosten-Nutzen Überlegungen, die in einer veränderten Haltung gegenüber dem versicherten Gut kulminieren. Es besteht aus diesem Grund weiterhin eine verstärkte Nachfrage nach Sicherungsleistungen, so dass gesagt werden kann, dass das Angebot sich gleichsam seine eigene Nachfrage schafft. Jedem Versicherungsmodell wohnt also grundlegend die Tendenz inne, negative Verhaltensanreize zu schaffen und sich somit selbst zu schaden und ad absurdum zu führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Geschichte des IWF, Definition relevanter Begriffe und Darlegung der zentralen Problemstellung hinsichtlich der Verschuldungskrise.
2. Entwicklungspolitik des IWF: Analyse der wechselnden Entwicklungsstrategien, der Rolle privater Kreditgeber, der strukturellen Probleme wie Moral Hazard sowie der Mechanismen staatlicher Zahlungsunfähigkeit.
3. Fazit: Kritische Schlussfolgerung über die neoklassische Ausrichtung des IWF, die laut Autor zur Destabilisierung der Weltwirtschaft in den 1980er Jahren beigetragen hat.
Schlüsselwörter
Internationaler Währungsfonds, Schuldenkrise, Entwicklungsländer, Moral Hazard, Dependenztheorie, Weltbank, Bretton Woods, Zahlungsunfähigkeit, Globalisierung, Anpassungsprogramme, Wirtschaftsliberalismus, Kapitalmarkt, Finanzkrise, Verschuldung, Exportorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle des IWF bei der Entstehung und Eskalation der Schuldenkrise in Entwicklungsländern während der 1980er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Wandlung der IWF-Entwicklungsstrategien, der Einfluss privater Banken und das strukturelle Problem des Moral Hazard.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach dem Ausmaß der Mitschuld des IWF an der Verschuldungskrise, bedingt durch seine Anreizstrukturen und politischen Fehlentscheidungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die ökonomische Theorien wie die Dependenztheorie und die Neoklassik auf die historische IWF-Politik anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der strukturellen Ausgestaltung von Entwicklungsstrategien, der Problematik von Moral Hazard sowie den Unterschieden zwischen Zahlungsunfähigkeit und Zahlungsunwilligkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere IWF, Schuldenkrise, Moral Hazard, Entwicklungsländer und Dependenztheorie.
Welche Kritik übt der Autor an der IWF-Politik der 80er Jahre?
Der Autor kritisiert den Wechsel von keynsianischen Ansätzen hin zu einer neoklassisch geprägten Politik, die durch eine einseitige Exportorientierung und verfrühte Marktliberalisierung Krisen verschärfte.
Was versteht der Autor unter „verdeckter Zahlungseinstellung“?
Hierbei handelt es sich um Taktiken von Staaten, wie Refinanzierungen oder das Andeuten von Zahlungsschwierigkeiten, um eine direkte und offene Zahlungsverweigerung zu vermeiden.
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- Daniel Rottgardt (Author), 2005, Die Schuld an der Krise - Das wirtschaftspolitische Engagement der IWF vor und während der Schuldenkrise der 1980er Jahre und seine Auswirkungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41571