Der Brandschutz im Krankenhaus ist ein besonders sensibles Thema. Anders als in sonstigen Gebäuden birgt hier im Brandfall auch das Verlassen des Gebäudes für viele Patienten eine Gefahr, da eine mitunter lebensnotwendige Behandlung unterbrochen bzw. erschwert wird. Hinzu kommt, dass sich im Krankenhaus Personen befinden, die in ihrer Wahrnehmung und ihrer Mobilität aufgrund ihres Krankheitsbildes oder einer medikamentösen Behandlung beeinträchtigt sind. Um Schäden zu vermeiden, ist der Brandschutz im Krankenhaus fester Bestandteil des täglichen Betriebes. Der Brandschutz muss bei Neubauten vorrangiger Teil der Planung sein und bei Altbauten durch Analysen von Brandrisiken und deren Verbesserungen optimiert werden. Hierbei sind die in Deutschland geltenden Rechtsgrundlagen zu beachten.
In dieser Bachelorarbeit wird die Problematik einer fehlenden Rechtsgrundlage im Bereich der Neu- und Umbauten von Krankenhäusern im Bundesland Nordrhein-Westfalen beschrieben. Dazu geht es im ersten Teil der Arbeit nach einer kurzen Einleitung in den folgenden Kapiteln 2 und 3 um die rechtliche Einordnung von Krankenhäusern und in Kapitel 4 um deren nutzungsspezifischen Brandrisiken. Der zweite Teil handelt von Brandschutz allgemein und vergleicht in Kapitel 6 allgemeine Brandschutzkonzepte mit Konzepten für den Krankenhausbau. In den abschließenden Kapiteln 7 und 8 wird nochmals die Problematik aufgezählt und mit einer Empfehlung ergänzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Baurecht in Deutschland
2.1 Die nordrhein-westfälischen Landesbauordnung
2.2 Aufhebung der Krankenhausbauverordnung NRW
3 Das Krankenhaus als ungeregelter Sonderbau
3.1 Was ist ein Sonderbau
3.2 Arten von Sonderbauten
3.3 Anforderungen der Landesbauordnung NRW an Sonderbauten
4 Nutzungsspezifische Brandrisiken
4.1 Die spezifischen Eigenschaften von Krankenhäusern
4.2 Brandgefahren und Brandauswirkungen im Krankenhaus
4.3 Konsequenzen der nutzungsspezifischen Eigenschaften von Krankenhäusern
5 Brandschutz
5.1 Schutzziele
5.2 Brandschutzkonzepte
6 Vergleich eines allgemeinen Brandschutzkonzeptes mit einem Brandschutzkonzept für die Krankenhausplanung
6.1 Das allgemeine Brandschutzkonzept für den Hochbau
6.2 Brandschutzkonzepte für Krankenhäuser
7 Brandschutzkonzepte für Krankenhäuser mit der BauO NRW – realistisch?
8 Fazit: Der Bedarf einer einheitlichen Regelung!
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die brandschutztechnische Problematik bei Neu- und Umbauten von Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen vor dem Hintergrund der Aufhebung der Krankenhausbauverordnung. Ziel ist es aufzuzeigen, dass die aktuelle Einstufung als "ungeregelter Sonderbau" gemäß Landesbauordnung keine ausreichende Rechts- und Planungssicherheit bietet und eine einheitliche, moderne Regelung erforderlich ist.
- Rechtliche Einordnung von Krankenhäusern im aktuellen Baurecht (BauO NRW).
- Analyse der nutzungsspezifischen Gefährdungspotenziale in Krankenhäusern.
- Gegenüberstellung von Brandschutzkonzepten für allgemeine Hochbauten und Krankenhäuser.
- Diskussion der Defizite bei der "analogen Betrachtung" entfallener Verordnungen.
- Empfehlung zur Einführung einer einheitlichen, zeitgemäßen Krankenhausbauverordnung.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die spezifischen Eigenschaften von Krankenhäusern
„Die Personen, die sich in einem Krankenhaus aufhalten, kann man in drei Gruppen unterteilen: die Patienten, die Besucher und das medizinische Personal. Die Patienten unterscheiden sich dabei von den anderen beiden Gruppen grundsätzlich in ihrer körperlichen und geistigen Verfassung, was sich auf ihr Wachsamkeits- und Reaktionsvermögen auswirkt“ (Peter, 2010)
Patienten suchen Krankenhäuser auf, wenn sie krank sind, weshalb man davon ausgehen kann, dass sie körperlich und / oder geistig einer gewissen Beeinträchtigung unterliegen. Dabei kann es sich von Patienten mit leichten Einschränkungen, die sich nur für eine ambulante Untersuchung/ Behandlung oder zur Beobachtung im Krankenhaus aufhalten, bis hin zu Patienten mit schwersten Beeinträchtigungen handeln.
Für alle Patienten gilt dabei gleichermaßen, dass sie sich in einer ungewohnten Umgebung aufhalten und sich in einem Zustand der Unsicherheit bis hin zur Hilflosigkeit befinden. Bei einigen von ihnen sind auch die Sinneswahrnehmungen eingeschränkt oder sie können sich nicht frei bewegen und sind deshalb auf Hilfe angewiesen.
Zusammenfassend handelt es sich bei Patienten also um pflegebedürftige Personen, die wegen ihrer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen im Falle eines Brandes aufgrund ihrer eingeschränkten oder nicht vorhandenen Fähigkeit sich selbst zu retten einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind (vgl. Bachmeier, Vorbeugender baulicher Brandschutz, 2012, S 7).
Weiterhin ist zu beachten, dass sich der Betrieb von Krankenhäusern sowohl tags als auch nachts maßgeblich unterscheidet. Am Tage ist sehr viel medizinisches Personal anwesend und zeitweise halten sich auch viele Besucher im Gebäude auf. Ein Brand würde tagsüber vermutlich schnell entdeckt werden, die ortsunkundigen Besucher müssten sich jedoch selbst in Sicherheit bringen, da das Personal mit der Räumung der gefährdeten Patienten zu tun hat. Die Besucher können aufgrund ihrer mangelnden Ortskunde jedoch auch Hilfe beim Verlassen des Gebäudes benötigen. (vgl.Peter, 2010)
Nachts befinden sich normalerweise keine Besucher im Gebäude und die Zahl des anwesenden medizinischen Personals ist erheblich reduziert, ohne eine zuverlässige Detektionsmöglichkeit könnte es daher längere Zeit dauern bis ein Brand bemerkt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Sensibilität des Themas Brandschutz im Krankenhaus sowie Darlegung der Problematik fehlender einheitlicher Rechtsgrundlagen in Nordrhein-Westfalen.
2 Baurecht in Deutschland: Erläuterung des dualen Systems aus privatem und öffentlichem Baurecht sowie der Rolle der Landesbauordnungen als Grundlage der Gefahrenabwehr.
3 Das Krankenhaus als ungeregelter Sonderbau: Definition von Sonderbauten und Einordnung von Krankenhäusern als solche, da spezifische Bauverordnungen nach der Entbürokratisierung entfallen sind.
4 Nutzungsspezifische Brandrisiken: Untersuchung der besonderen Gefahren durch die Patientenstruktur, eingeschränkte Mobilität sowie spezifische betriebliche Abläufe zu verschiedenen Tageszeiten.
5 Brandschutz: Systematische Gliederung des Brandschutzes in bauliche, anlagentechnische, organisatorische und abwehrende Maßnahmen sowie Definition von Schutzzielen.
6 Vergleich eines allgemeinen Brandschutzkonzeptes mit einem Brandschutzkonzept für die Krankenhausplanung: Gegenüberstellung der Anforderungen im Standard-Hochbau mit den komplexeren, oft auf Analogie basierenden Anforderungen in der Krankenhausplanung.
7 Brandschutzkonzepte für Krankenhäuser mit der BauO NRW – realistisch?: Kritische Betrachtung der aktuellen Praxis, bei der mangels neuer gesetzlicher Vorgaben oft auf veraltete oder merkblattgestützte Konzepte zurückgegriffen werden muss.
8 Fazit: Der Bedarf einer einheitlichen Regelung!: Abschließende Forderung nach einer modernen, bundesweit einheitlichen Richtlinie, um Rechtssicherheit und einheitliche Sicherheitsstandards zu gewährleisten.
Schlüsselwörter
Brandschutz, Krankenhaus, Sonderbau, BauO NRW, Krankenhausbauverordnung, Risikobewertung, baulicher Brandschutz, Evakuierung, Schutzziel, Patientensicherheit, Brandschutzkonzept, Gesetzgebung, Brandrisiko, Gebäudesicherheit, Anlagentechnischer Brandschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit behandelt die brandschutztechnischen Herausforderungen bei Krankenhausbauten in Nordrhein-Westfalen, insbesondere die Problematik, dass nach der Aufhebung der Krankenhausbauverordnung keine spezifische gesetzliche Regelung existiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Baurecht, die Definition von Sonderbauten, die spezifischen Brandrisiken in Krankenhäusern sowie die Methoden zur Erstellung von Brandschutzkonzepten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass die aktuelle Praxis der Einstufung von Krankenhäusern als "ungeregelte Sonderbauten" unzureichend ist und ein dringender Bedarf für eine einheitliche, moderne gesetzliche Regelung besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse, dem Vergleich geltender Rechtsgrundlagen und der Auswertung von Brandschutzkonzepten in der Praxis basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die rechtliche Einordnung, die Analyse der krankenhauseigenen Brandrisiken sowie einen detaillierten Vergleich von Brandschutzkonzepten für den allgemeinen Hochbau und Krankenhäuser.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Brandschutz, Krankenhaus, Sonderbau, BauO NRW, Patientensicherheit und Brandschutzkonzept.
Warum ist die "analoge Betrachtung" der alten Krankenhausbauverordnung problematisch?
Da die KhBauVO formal außer Kraft getreten ist, bietet die analoge Anwendung keine rechtliche Sicherheit. Sie führt zu uneinheitlichen Auslegungen durch Planer und Behörden, was für den Betreiber wirtschaftlich riskant ist.
Welchen Einfluss hat die Patientensituation auf den Brandschutz?
Da Patienten aufgrund ihrer Krankheit, Medikamentierung oder Mobilitätseinschränkungen im Brandfall oft hilflos sind, stellt der Brandschutz in Kliniken die höchste Stufe der Anforderungen dar, da eine Selbstrettung häufig nicht möglich ist.
- Arbeit zitieren
- René Rohmann (Autor:in), 2018, Brandschutz im Krankenhausbau. Neubau und Sanierung im ungeregelten (NRW) Sonderbau Krankenhaus unter Brandschutzaspekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415735