Die Oder-Neiße-Grenze als 'Freundschaftsgrenze' zwischen DDR und VR Polen


Seminararbeit, 2003

16 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Umsiedlungen und Wiederaufbau nach Kriegsende
I.1. Die Politik zur Grenzziehung
I.2. Bevölkerungstransfer und Wiederaufbau im Grenzgebiet

II. Die „Friedensgrenze“ zwischen den sozialistischen Bruderstaaten
II.1. Der militärische Charakter der Grenze
II.2. Die Grenze im Visier der Propaganda
II.3. Grenzkooperation und Zusammenarbeit

III. Die Offene Grenze von 1972 - 1980
III.1.Das Abkommen vom visa- und paßfreien Grenzverkehr
III.2. Soziale Kontakte und Vorbehalte

IV. Grenzschliessung in den 80er Jahren - Durchlässigkeiten
IV.1. Die Geschlossene Grenze 1980 bis 1991
IV.2. Die Durchlässigkeit der geschlossenen Grenze

V. Neue Konstellationen seit der Wende

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Grenzgebiet Oder-Neiße zwischen dem Staat der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen. Es soll die Frage geklärt werden, wie sich die trennenden und integrierenden Faktoren der Oder-Neiße-Linie im Laufe der Zeit darstellten, vor allem in Hinblick auf politische Umstände der Zeit. War diese Grenze innerhalb des sozialistischen Staatenblockes eine „Friedensgrenze“ zwischen zwei Bruderstaaten und wie sah diese Politik im regionalen Rahmen aus.

I. Umsiedlungen und Wiederaufbau nach Kriegsende

I.1. Die Politik zur Grenzziehung

Die Oder-Neiße-Grenze ist das Ergebnis der Westverschiebung Polens nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Oder-Neiße-Grenze war von Stalin seit Dezember 1941 angestrebt worden und mit der Londoner Exilregierung abgesprochen.

Den Grenzverlauf der polnischen Ostgrenze regelte die UdSSR im Juli 1944 mit dem von ihr abhängigen Lubliner Komitee und im polnisch-sowjetischen Grenzvertrag vom 16. Aug. 1945 mit geringen Korrekturen zugunsten Polens. Der Gebietsverlust hatte keine Akzeptanz im polnischen Volk und so ließ die Regierung in einem Referendum von 1947 nur die Westgrenze zur Abstimmung stellen..

Auf der Konferenz von Jalta im Februar von 1945 wurde im Abschlussbericht über die Grenzen Polens vereinbart, dass Polen einen beträchtlichen Gebietszuwachs im Norden und Westen für den Gebietsverlust im Osten erhalten muss, die endgültige Festlegung sei bis zur Friedenskonferenz zurückzustellen.

Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 wurde bis zur Regelung der Grenzfrage die Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie unter polnische Verwaltung gestellt und galten nicht als Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone Deutschland.

Die Folge der beabsichtigten Grenzziehung zeigte sich schon in der letzten Phase des Krieges in Form von Vertreibungen und Fluchten in den betroffenen Gebieten.

I.2. Bevölkerungstransfer und Wiederaufbau im Grenzgebiet

Die offiziellen Aussiedlungen der Deutschen aus dem Gebiet östlich von Oder und Neiße begannen nach Inbesitznahme durch die Polnische Provisorische Regierung - auch Lubliner Komitee genannt - im Frühjahr 1945 und waren Ende 1947 beendet. Diese Maßnahme war völkerrechtlich abgedeckt in Artikel XIII des Potsdamer Abkommens und wurde vom Alliierten Kontrollrat auf eine ordnungsgemäße Abwicklung überprüft. Insgesamt wurden aus wurden 3,2 Millionen Menschen aus dem betroffenen Gebiet ausgesiedelt. Gleichzeitig wurden durch Polen Neusiedler als sogenannte Repatrianten in die „Wiedergewonnen Westgebiete“ angesiedelt.

Die unmittelbaren Auswirkungen der Grenzziehung sind an den Schicksalen der geteilten Städte von Oder und Neiße abzulesen. Es sind dies Frankfurt a. d. Oder mit dem polnischen Teil Slubice, Guben und Gubin und Görlitz mit Zgorzelec. Traditionelle Verkehrswege und wirtschaftliche Verflechtungen der Region waren durch die Grenzziehung unterbrochen worden. Die Bevölkerungsdichte und Wirtschaftsleistung der Vorkriegszeit wurde frühestens in den 60er Jahren wieder erreicht.

Auf beiden Seiten der Grenze war man nun konfrontiert mit einer völlig neuen Situation in Bezug auf Wohnsituation, Infrastruktur, kommunale Versorgung, abgesehen von der durch den Krieg bedingten Notlagen.

Auf der westlichen Seite der Grenze stellten die aus dem Osten kommenden Flüchtlinge und Vertriebenen eine Zusatzbelastung für die Einheimischen dar, es kam zu Wohnraummangel und Versorgungsschwierigkeiten.

Die östlichen Stadtteile waren größtenteils zerstört, es gab zwar genügend Wohnraum, aber Probleme bei der Besiedlung. Demontagen durch sowjetische Militärs und zugunsten des Aufbaus Zentralpolens verhinderten einen raschen Wiederaufbau nach Kriegsende. In Gubin beispielsweise wurden Ziegeln von zerstörten oder intakten Häusern für die Kampagne „Steine für Warschau“ weggebracht.

Der Grund für dieses Vorgehen ist darin zu sehen, dass die Grenzziehung von deutscher und polnischer Seite als vorläufig angesehen wurde, und die offizielle Anerkennung von deutscher Seite erst mit dem Görlitzer Vertrag (siehe unten) niedergelegt wurde. Auf polnischer Seite wurden so in erster Zeit vor allem Militärsiedler und Soldaten in das betroffene Gebiet gebracht, da eine Reokkupation von deutscher Seite her zu verhindern war.

Von 1949 bis 1951 begann der Wiederaufbau der wichtigsten Brücken über Oder und Neiße.

In den geteilten Städten wurden Gas-, Wasser- und Stromlieferungen von deutscher auf die polnische Seite vereinbart.

Die Nachkriegszeit in der Oder-Neiße-Region war vor allem geprägt von beiderseitigem Mißtrauen der Grenzbewohner aufgrund der Kriegserfahrungen und Vertreibungen.

Die Zugehörigkeit der beiden Staaten zum sowjetischen Machtbereich brachte eine neue Qualität in die Politik der Grenzfrage.

II. Die „Friedensgrenze“ zwischen den sozialistischen Bruderstaaten

„Der Flüchtlingszustrom, die Bodenreform und die staatliche Trennung an der Oder-Neiße-Linie führten einen auch alltagsgeschichtlich tiefen Umbruch herbei, der mit dem Erfahrungshorizont der Bevölkerungsmehrheit noch lange unvereinbar blieb und deshalb in der Nachkriegszeit auch weithin nicht akzeptiert wurde. Grenzen sind nicht nur räumlich-politische Kategorien, sondern spiegeln auch symbolisch kulturelle Vorstellungen über Gesellschaften wider.“

Dieses Zitat zeigt zwei ausschlaggebende Faktoren für die Situation des Oder-Neiße Gebietes. Der erste Faktor ist die Einstellung der GrenzbewohnerInnen zu ihrem Wohngebiet und der zweite wird bestimmt durch kulturelle Vorstellungen, die die Gesellschaften auf beiden Seiten der Grenze voneinander haben. Diese zwei Aspekte bilden die Angelpunkte, an denen das „brüderliche“ Zusammenleben an der Grenze zwischen den zwei sozialistischen Staaten abzulesen ist. Um diese zwei Punkte drehten sich die Bemühungen der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen auf eine Konsolidierung der Grenzfrage. Auf unterschiedliche Weise versuchten in den 50er Jahren die beiden Staaten, dieses Problem zu lösen. Dies geschah einerseits durch offizielle politische Bekenntnisse, wie dem Görlitzer Vertrag und andererseits durch Propaganda, die die „symbolisch kulturellen Vorstellungen“ der Einwohner zur anderen Seite der Grenze verändern sollte. Der einigende Aspekt im Grenzgebiet zwischen DDR und Polen war deren Zugehörigkeit zur sozialistischen Staatenwelt. Nichtsdestoweniger zeigte die Grenze zwischen den beiden Staaten anschaulich ihren trennenden Charakter.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Oder-Neiße-Grenze als 'Freundschaftsgrenze' zwischen DDR und VR Polen
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Veranstaltung
SE Grenzen als Instrumente der Vermittlung und Trennung
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V41574
ISBN (eBook)
9783638398138
ISBN (Buch)
9783638749930
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Oder-Neiße-Grenze, Freundschaftsgrenze, Polen, Grenzen, Instrumente, Vermittlung, Trennung
Arbeit zitieren
Mag.phil. Verena Brunner (Autor), 2003, Die Oder-Neiße-Grenze als 'Freundschaftsgrenze' zwischen DDR und VR Polen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41574

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