Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Grenzgebiet Oder-Neiße zwischen dem Staat der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen. Es soll die Frage geklärt werden, wie sich die trennenden und integrierenden Faktoren der Oder-Neiße-Linie im Laufe der Zeit darstellten, vor allem in Hinblick auf politische Umstände der Zeit. War diese Grenze innerhalb des sozialistischen Staatenblockes eine „Friedensgrenze“ zwischen zwei Bruderstaaten und wie sah diese Politik im regionalen Rahmen aus? Die Schlussbetrachtungen liefern ein Bild der gegenwärtigen Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Polen in der Grenzregion.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Umsiedlungen und Wiederaufbau nach Kriegsende
I.1. Die Politik zur Grenzziehung
I.2. Bevölkerungstransfer und Wiederaufbau im Grenzgebiet
II. Die „Friedensgrenze“ zwischen den sozialistischen Bruderstaaten
II.1. Der militärische Charakter der Grenze
II.2. Die Grenze im Visier der Propaganda
II.3. Grenzkooperation und Zusammenarbeit
III. Die Offene Grenze von 1972 - 1980
III.1.Das Abkommen vom visa- und paßfreien Grenzverkehr
III.2. Soziale Kontakte und Vorbehalte
IV. Grenzschliessung in den 80er Jahren - Durchlässigkeiten
IV.1. Die Geschlossene Grenze 1980 bis 1991
IV.2. Die Durchlässigkeit der geschlossenen Grenze
V. Neue Konstellationen seit der Wende
Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Grenzgebiets entlang der Oder-Neiße-Linie zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen. Ziel ist es, die wechselhafte Bedeutung dieser Grenze – von der hermetischen Trennung bis zur zeitweiligen Öffnung – im Kontext der politischen Umstände des sozialistischen Blocks zu analysieren und deren Auswirkungen auf die regionale Zusammenarbeit und das Zusammenleben zu beleuchten.
- Politische Grenzziehung und Bevölkerungstransfer nach 1945
- Propaganda und soziale Realität der „Friedensgrenze“
- Effekte des visafreien Grenzverkehrs ab 1972
- Einfluss der politischen Restriktionen in den 1980er Jahren
- Regionale Kooperationsstrukturen in geteilten Grenzstädten
Auszug aus dem Buch
II.2. Die Grenze im Visier der Propaganda
Der Görlitzer Vertrag wurde am 6. Juli 1950 in der Grenzstadt Görlitz feierlich unterzeichnet. Dies bedeutete die rechtliche Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze durch die DDR. Artikel 1 bestätigt, dass die Oder-Neiße-Linie nun Staatsgrenze zwischen Polen und Deutschland sei.
Die Absichtserklärung ging aber noch einen Schritt weiter. Es wurde offiziell anerkannt, dass „die festgelegte und bestehende Grenze unantastbare Friedens- und Freundschaftsgrenze ist, die die beiden Völker nicht trennt, sondern einigt.“
Nicht nur die Endgültigkeit der Grenze sollte so festgeschrieben werden, vielmehr sollte die Bevölkerung beider Staaten positive Assoziationen zu dieser Regelung haben. Die Grenze ist nicht mehr ein Zeichen der Abschottung voneinander sondern der Verbundenheit beider Völker. Ein Medium für diese Denkart war die Deutsch-Polnische Gesellschaft für Frieden und gute Nachbarschaft zu. Sie war im August 1948 als Hellmut-von-Gerlach-Gesellschaft für kulturelle, wirtschaftliche und politische Beziehungen mit dem neuen Polen gegründet worden. Durch Informationsveranstaltungen sollte die Unkenntnis der Deutschen über ihr Nachbarland und seine Einwohner beseitigt werden. Die behandelten Themen waren zuerst von kultureller Natur, später kamen der sozialistische Aufbau der Wirtschaft und Politik in den Blickpunkt. Es sollten Gemeinsamkeiten zum sozialistischen Nachbarn Polen dargestellt werden. In den Grenzstädten erschien die Zeitschrift Blick nach Polen, es kam sogar zu Umbenennungen der Straßennamen nach führenden Personen des jeweiligen Bruderlandes in den Grenzstädten - wie zum Beispiel die Cyrankiewicz-Straße in Guben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage zur Bedeutung der Oder-Neiße-Linie als trennender oder integrierender Faktor zwischen zwei sozialistischen Staaten.
I. Umsiedlungen und Wiederaufbau nach Kriegsende: Analyse der Grenzziehung nach 1945 sowie der unmittelbaren sozialen und infrastrukturellen Folgen für die betroffenen Gebiete.
II. Die „Friedensgrenze“ zwischen den sozialistischen Bruderstaaten: Untersuchung der propagandistischen Inszenierung der Grenze bei gleichzeitig militärischer Abschottung und beginnender lokaler Kooperation.
III. Die Offene Grenze von 1972 - 1980: Darstellung der Auswirkungen des visafreien Grenzverkehrs auf den Alltag, den Einkaufstourismus und die sozialen Kontakte.
IV. Grenzschliessung in den 80er Jahren - Durchlässigkeiten: Erörterung der Gründe für die erneute Grenzschließung durch die SED und die verbliebenen begrenzten Kooperationsmöglichkeiten.
V. Neue Konstellationen seit der Wende: Blick auf die veränderte geopolitische Situation des Grenzgebiets nach der Wiedervereinigung und dem Fall des Eisernen Vorhangs.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Grenze als keinem konfliktfreien Raum, dessen tatsächliche Verbindungsfunktion vor allem durch lokale Institutionen und Vereine aufrechterhalten wurde.
Schlüsselwörter
Oder-Neiße-Grenze, DDR, Volksrepublik Polen, Friedensgrenze, Görlitzer Vertrag, Grenzkooperation, Einkaufstourismus, Arbeitsmigration, Grenzstädte, Sozialismus, politische Propaganda, deutsch-polnische Beziehungen, Grenzöffnung, Transformation, geteilte Städte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die wechselnde politische Bedeutung der Grenze zwischen der DDR und Polen von 1945 bis in die 1990er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Grenzpolitik, die Auswirkungen auf die Grenzregionen, der Bevölkerungstransfer, die Rolle von Propaganda sowie die Phasen der Grenzöffnung und -schließung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, wie sich die Faktoren der Trennung und Integration an der Oder-Neiße-Linie unter verschiedenen politischen Rahmenbedingungen darstellten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse politischer Verträge, offizieller Propaganda und der regionalen Entwicklung der grenznahen Infrastruktur und sozialen Kontakte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte: den Wiederaufbau nach dem Krieg, die Phase der „Friedensgrenze“, das Abkommen über visafreien Verkehr in den 70ern, die Verschärfung in den 80ern sowie die Neuorientierung nach der Wende.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Oder-Neiße-Grenze, deutsch-polnische Freundschaft, Grenzkooperation, sozialistische Bruderstaaten und regionale Grenzkultur.
Wie wirkte sich der visafreie Grenzverkehr der 70er Jahre konkret aus?
Er ermöglichte massenhafte persönliche Begegnungen, regte den grenzüberschreitenden Einkaufstourismus an und vertiefte die institutionelle Zusammenarbeit zwischen den geteilten Städten.
Warum wurde die Grenze in den 80er Jahren erneut geschlossen?
Anlass war die Zulassung der Gewerkschaft Solidarność in Polen; die SED fürchtete den Einfluss der liberaleren polnischen Entwicklung und den westlichen Informationstransfer.
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- Mag.phil. Verena Brunner (Author), 2003, Die Oder-Neiße-Grenze als 'Freundschaftsgrenze' zwischen DDR und VR Polen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41574