Emotionale Intelligenz im Pflegemanagement. Möglichkeiten und Grenzen in der Beurteilung von Pflegepersonal


Fachbuch, 2018
63 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Vorüberlegung
2.1 Überlegungen und zu den Konstrukten Emotion und Intelligenz
2.2 Emotionstheorien
2.3 Definition des Begriffs der emotionalen Intelligenz
2.4 Bedeutung von Emotionen im Umgang mit Pflegenden

3 Entwicklung und Messung der emotionalen Intelligenz
3.1 Emotionale Intelligenz nach Goleman
3.2 Messmethoden

4 Bedeutung der emotionalen Intelligenz für das Pflegemanagement – Grenzen und Möglichkeiten
4.1 Einfluss auf die Teamarbeit
4.2 Emotionale Intelligenz und Human Resource Management
4.3 Emotionale Intelligenz und Personalauswahl
4.4 Der Erfolgsfaktor der emotionalen Intelligenz
4.5 Zum Lernen von emotionaler Intelligenz

5 Handlungsempfehlungen für die pflegerische Praxis

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Einflussfaktoren der emotionalen Intelligenz

Abbildung 2: Das Vier-Facetten-Modell emotionaler Intelligenz

Abbildung 3: Der Einfluss der emotionalen Intelligenz auf die Teamarbeit

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beispiele für den Zusammenhang zwischen Attributionsstil und Emotion

Tabelle 2: Modell der emotionalen Intelligenz nach Goleman

Tabelle 3: Beispielitems TMMS

1 Einleitung

Lange Zeit ging man davon aus, dass Emotionen etwas ganz Privates darstellen und im Berufsleben nichts zu suchen haben. Heutzutage weiß man jedoch aufgrund von neurologischen und psychologischen Forschungsergebnissen, dass die Trennung von Gefühl und Verstand eine Illusion darstellt. Denn an allen Entscheidungen, die von Menschen getroffen werden, sind auch maßgeblich die Teile des Gehirns beteiligt, die Emotionen verarbeiten (vgl. Kanitz von 2014, S. 6). In diesem Zusammenhang rückt das Konstrukt der emotionalen Intelligenz zunehmend in den Fokus der Wissenschaft. Erstmals wurde die Kompetenz der emotionalen Intelligenz von Daniel Goleman beschrieben (vgl. Goleman 1995). Sein Buch mit dem Titel „Emotional Intelligence“ entwarf ein neues Paradigma zur Bewertung von Führung (vgl. Cloke, Goldsmith 2007, S. 56).

Es kann davon ausgegangen werden, dass das Konzept der emotionalen Intelligenz eine wesentliche Bedeutung im Pflegemanagement innehat, denn emotionale Intelligenz ist ein wichtiges Element beim Selbstmanagement. Obwohl die emotionale Intelligenz im Geschäftsleben eine bedeutende Rolle übernehmen sollte, beziehen sich viele Pflegeeinrichtungen noch auf eine Abfrage der klassischen Hard-Skills. Denn oftmals wird in Unternehmen mehr Wert auf den Lebenslauf statt auf den Menschen an sich gelegt. Ein gefühlvoller Umgang mit Mitarbeitern wird auch noch im 21. Jahrhundert mit Schwäche und Nachgiebigkeit assoziiert, obwohl mittlerweile eine Vielzahl an Forschungsergebnissen und Messmethoden existiert, die sich mit der emotionalen Intelligenz beschäftigen. Vor diesem Hintergrund sollen im Laufe dieser Arbeit folgende Fragen beantwortet werden:

- Welche Möglichkeiten und Grenzen verspricht das Konstrukt der emotionalen Intelligenz im Pflegemanagement?
- Stellt die emotionale Intelligenz in der Auswahl von Pflegepersonal eine sinnvolle und hilfreiche Methode dar?

Diese Diplomarbeit mit dem Titel „Emotionale Intelligenz im Pflegemanagement – Grenzen und Möglichkeiten eines neuen Kompetenzverständnisses“ verfolgt das Ziel, die Wichtigkeit der emotionalen Intelligenz im Führungsalltag von leitenden Positionen in der Pflege sowie von Mitarbeitenden darzulegen. Zudem soll sie aufzeigen, dass ein gefühlvoller Umgang mit Mitarbeitern nicht mit dem Verlust von Durchsetzungsvermögen und Respekt gleichzusetzen ist. Des Weiteren soll gezeigt werden, dass eine Beschäftigung des Unternehmens mit dem Konstrukt der emotionalen Intelligenz sich durchaus positiv auf alle Mitarbeiter und auf die effiziente Gestaltung der Pflege auswirken kann. Hierauf aufbauend sollen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, welche in der pflegerischen Praxis angewandt werden können.

Diese Arbeit beginnt zunächst mit einer theoretischen Vorüberlegung. Hierbei werden die Begriffe der Emotion sowie der Intelligenz definiert und von anderen Begrifflichkeiten abgegrenzt. Im weiteren Verlauf werden sowohl evolutionäre als auch attributionale Emotionstheorien aufgegriffen. Überdies erfolgt eine Annäherung an den Begriff der emotionalen Intelligenz sowie die Darlegung der Bedeutung von Emotionen im Umgang mit Pflegenden. Das dritte Kapitel beschäftigt sich dann in der Folge mit der Entwicklung und Messung der emotionalen Intelligenz. An dieser Stelle wird die emotionale Intelligenz nach Goleman beschrieben und zudem werden unterschiedliche Messmethoden erläutert. Des Weiteren wird im vierten Kapitel die Bedeutung der emotionalen Intelligenz für das Pflegemanagement dargestellt. Neben dem Einfluss auf die Teamarbeit wird die emotionale Intelligenz im Kontext des Human Resource Managements sowie im Zusammenhang mit der Personalauswahl betrachtet. Zudem wird der Erfolgsfaktor der emotionalen Intelligenz analysiert. Auch soll in diesem Kapitel der Frage nachgegangen werden, ob emotionale Intelligenz erlernt werden kann. Im fünften Kapitel werden dann Handlungsempfehlungen für die pflegerische Praxis abgeleitet.

In der Schlussbetrachtung werden die wesentlichen Erkenntnisse zusammengefasst und die genannten Fragestellungen beantwortet. Diese Diplomarbeit basiert auf einer Literaturrecherche und -analyse. Hierdurch soll die Möglichkeit gewährleistet werden, das Konzept der emotionalen Intelligenz kritisch zu betrachten und auf das Pflegemanagement anzuwenden. Obwohl aus Gründen der Lesbarkeit im Text die männliche Form gewählt wurde, beziehen sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter.

2 Theoretische Vorüberlegung

Wird sich mit dem Thema der emotionalen Intelligenz auseinandergesetzt, so bedarf es notwendigerweise einer theoretischen Vorüberlegung. An dieser Stelle werden Überlegungen zu den Konstrukten der Emotionen und der Intelligenz angeführt sowie unterschiedliche Emotionstheorien dargelegt, um sich nachfolgend dem Begriff der emotionalen Intelligenz zu nähern.

2.1 Überlegungen und zu den Konstrukten Emotion und Intelligenz

Aus psychologischen Gesichtspunkten kann unter Emotion „ein kurzzeitiges, stimulusabhängiges Erleben von Reizen (Körper- bzw. Sinnesempfindungen) [verstanden werden], einhergehend mit Motivation, Ausdruck und häufig auch Kognition“ (Lammers 2011, S. 29). So verweist Apelojg (2010) darauf, dass keine einheitliche Definition des Konstruktes der Emotion existiert. Untersuchungen aus den 1980er-Jahren konnten zeigen, dass über 90 Definitionsansätze identifiziert werden konnten. Diese Definitionen wurden in ein Kategoriensystem eingeordnet. In diesem Zusammenhang sind Emotionen demnach ein Zustand, in dem das Individuum Gefühle erlebt (affektiv), in dem eine Bewertung erfolgt sowie in dem sie allgemein durch externe Reize ausgelöst werden (vgl. Apelojg 2010, S. 54). In diesem Punkt vertritt auch Lammers (2011) die Auffassung, dass in der Regel hauptsächlich externe Stimuli, andere Emotionen und Kognitionen als Stimuli für Emotionen in Frage kommen. Somit stellt eine Emotion eine Bewertung und Reaktion auf einen bestimmten Stimulus dar und besteht zudem aus mehreren Komponenten (vgl. Lammers 2011, S. 29). Eine Komponente beschreibt das somatische Geschehen, welches die humoralen, viszeralen und muskuloskelettalen Systeme betrifft, wie beispielsweise Schwitzen, Muskelanspannung und Pulsbeschleunigung. Eine weitere Komponente bezieht sich hingegen auf das Verhalten, welches sich beispielsweise durch einen ängstlichen Gesichtsausdruck oder durch einen Fluchtimpuls bemerkbar macht. Überdies stellen weitere Komponenten kognitive Prozesse, ein motivationales Geschehen sowie ein subjektiv empfundenes Gefühl dar (vgl. ebd.).

Ebenfalls wird der Emotionsbegriff oftmals mit anderen Begrifflichkeiten, wie Stimmung, Affekt oder Gefühlszustand, gleichgesetzt. Stimmungen sind allerdings bezüglich ihrer Intensität und Objektbezogenheit geringer ausgeprägt, während sie zudem in ihrer Dauer eine größere Ausprägung aufweisen (vgl. Otto et al. 2000, S. 12). Wichtig ist es jedoch, den Begriff der Emotion vom Begriff des Gefühls abzugrenzen. Die Autorengruppe um Otto (2000) geht davon aus, dass es sich bei dem Begriff des Gefühls im Deutschen um eine engere Definition von Emotion handelt, „die die subjektive Erlebensqualität als ein Teil der Emotion in den Mittelpunkt rückt“ (ebd.). Des Weiteren steht der Begriff für die Bezeichnung eines körperlichen Zustandes und des damit verbundenen Ausdrucksverhaltens (vgl. ebd.). In älteren Forschungen wurden die Begrifflichkeiten von Emotion und Gefühl oftmals gleichgesetzt, was zu kontroversen Debatten führte (vgl. ebd.). In neueren Ansätzen wird allerdings von einer konzeptuellen Trennung von Emotion und Gefühl ausgegangen, insbesondere dahingehend, dass das Gefühl als ein individuelles Empfinden bezeichnet und als eine private und mentale Erfahrung einer Emotion verstanden wird (vgl. Lammers 2011, S. 30). Somit kann eine Emotion „im Sinne einer körperlichen Reaktion mit einer bestimmten Handlungsbereitschaft vor dem Hintergrund einer Motivation (…) auch ohne ein entsprechendes Gefühl stattfinden“ (ebd.).

Ein Affekt hingegen beschreibt eher eine sehr starke Emotion (vgl. Hartmann 2010, S. 30). Wenn eine Person „im Affekt handelt“, so hat sie meist die Kontrolle über ihr Verhalten verloren. Diese Begrifflichkeit wird dementsprechend oftmals in Zusammenhängen verwendet, in denen Gefühlsphänomene nur von kurzer Dauer sowie körperlich spürbar sind und „in denen sie technisch messbare Züge besitzen, unterhalb einer bestimmten Bewusstseinsschwelle liegen und zu Handlungen motivieren“ (ebd.). Affekte sind somit extrem intensive und überwältigende Emotionen (vgl. Lammers 2011, S. 32). Mittlerweile wird der Begriff des Affektes aber auch überwiegend für das Erleben von positiven und negativen Gefühlen verwendet (vgl. ebd.).

Allerdings ist an dieser Stelle anzumerken, dass der Begriff des Affektes im englischen Sprachraum anders verwendet wird als im deutschen. Hierzulande wird die Ansicht eines kurzfristig auftretenden Gefühls vertreten, während im englischsprachigen Raum der Begriff des Affektes oftmals mit Emotionen gleichgesetzt wird (vgl. Meyer et al. 2001, S. 39). Da hierdurch ersichtlich ist, dass der Affekt-Begriff häufig mit dem Begriff der Emotion gleichgesetzt wird, besteht eine wesentliche Problematik darin, die Begriffe voneinander abzugrenzen (vgl. Ciompi 2005, S. 63).

Diese Problemlage besteht allerdings nicht nur im Rahmen der beiden Begriffe Affekt und Emotion. Aufgrund der Tatsache, dass der Bereich der Emotionen ein überaus komplexes Gebiet darstellt, kann auf keine einheitliche wissenschaftliche Definition gehofft werden. Infolgedessen existiert auch immer eine Ungenauigkeit darüber, an welchen Punkten die genannten Begriffe sich unterscheiden. Fest steht jedoch auch, dass im beruflichen Alltag Emotionen allgegenwärtig sind. Sie steuern in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren die Fähigkeit der Individuen zur Emotionsregulation, welches sich infolgedessen auf die Motivations- sowie Handlungsgrundlage und Verhaltensprozesse auswirkt (vgl. Urban 2008, S. 11). Hierbei haben der Arbeitsplatz und die Arbeitsplatzumgebung einen erheblichen Einfluss auf das Erleben von Emotionen am Arbeitsplatz, welches beispielsweise Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern haben kann (vgl. ebd.).

Zusammenfassend kann beschrieben werden, dass bislang keine einheitliche Definition des Begriffes der Emotion existiert. Auch eine Abgrenzung vom Begriff des Gefühls ist nicht immer klar zu bestimmen. Im Rahmen dieser Ausarbeitung soll darauf hingewiesen werden, dass die Begriffe der Emotionen und Gefühle synonym verwendet werden. Diese Entscheidung beruht auf der noch sehr ungenauen Abgrenzung der beiden Begrifflichkeiten.

Intelligenz hingegen stellt ein wesentliches Schlüsselmerkmal für den privaten und beruflichen Erfolg dar (vgl. Süß 2003, S. 217). Dementsprechend groß ist nach wie vor das fachliche sowie das öffentliche Interesse an diesem Themengebiet (vgl. ebd.). Obwohl bereits eine Vielzahl an unterschiedlichen Forschungen zu dem Konstrukt der Intelligenz erfolgte, existieren sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, was überhaupt unter Intelligenz zu verstehen ist. Ein wesentlicher Grund besteht wohl darin, dass „Intelligenz als Begriff keinen allgemein anerkannten, objektiven Inhalt besitzt“ (Funke, Vaterrodt 2009, S. 9). Eine Definition des Gabler Wirtschaftslexikons bezeichnet Intelligenz als „ein hypothetisches Konstrukt (d.h. eine Erklärung für ein nicht direkt beobachtbares Phänomen), das die erworbenen kognitiven Fähigkeiten und Wissensbestände einer Person bezeichnet, die ihr zu einem gegebenen Zeitpunkt zur Verfügung stehen“ (Springer Gabler Verlag o.J.). Der Begriff der Intelligenz stellt nach Süß (2003) „die Fähigkeit zur Anpassung an neuartige Bedingungen und die Fähigkeit zur Lösung neuartiger Probleme [dar]“ (Süß 2003, S. 217). Überdies wurden in der Vergangenheit weitere Begriffsdefinitionen vorgenommen, wie beispielswiese „als das Ensemble von Fähigkeiten, das den in einer Gesellschaft Erfolgreichen gemeinsam ist“ (ebd.) oder auch ganz einfach „als das, was Intelligenztests messen“ (ebd.). Für Piaget (2003) hingegen ist „die Intelligenz nichts anderes als der strukturelle Aspekt des Verhaltens, so daß [!] also überall da Intelligenz zu sehen ist, wo Verhalten vorliegt“ (Piaget 2003, S. 8).

Im Rahmen der Intelligenzforschung ist es jedoch nicht möglich, ein einzelnes Merkmal direkt zu beobachten, um infolgedessen eine Aussage zur Intelligenz eines Menschen treffen zu können. Aus diesem Grund besteht das Erfordernis, dass Intelligenz aus dem Verhalten des Menschen ermittelt wird, wie es beispielsweise bei Problemlösungen oder bei der Bewältigung von neuen Situationen der Fall ist (vgl. Funke, Vaterrodt 2009, S. 9). Auch wenn dieses Definitionsproblem besteht, so hindert das kaum jemanden daran, andere Menschen nach der lediglich vermuteten Intelligenz zu bewerten. Dieser Aspekt verdeutlicht, dass der Begriff der Intelligenz vielfach angewendet wird, ohne jedoch genauer über ihn nachzudenken (vgl. ebd.).

Demnach kann zusammenfassend dargestellt werden, dass keine Einigkeit darüber besteht, was unter dem Konstrukt der Intelligenz zu verstehen ist. Um an dieser Stelle tiefer in die Thematik der Emotionen eindringen zu können, beschäftigt sich das nachfolgende Kapitel mit den evolutionären und attributionalen Emotionstheorien.

2.2 Emotionstheorien

Emotionstheorien beschäftigen sich mit den Ansätzen zu der Frage, was genau unter Emotionen zu verstehen ist und wie sich diese auf das Verhalten von Lebewesen auswirken. Bislang ist eine Reihe an theoretischen Ausführungen zu Emotionen entwickelt und veröffentlicht worden. Um den Umfang dieser Arbeit nicht zu überschreiten, sollen in diesem Kapitel daher nur zwei unterschiedliche Theorieansätze vorgestellt werden: Die evolutionäre Emotionstheorie sowie die attributionale Emotionstheorie.

2.2.1 Evolutionäre Emotionstheorie

Die evolutionäre Emotionstheorie geht auf Charles Darwin zurück und besagt, dass Emotionen ein Produkt der Evolution sind und den Erfordernissen des Überlebens dienen. Die so benannten Primäremotionen sind demzufolge biologisch vorprogrammiert und spezies-universell (vgl. Trimmel 2003, S. 49). Diese Emotionen weisen eine neurochemische Basis auf und können durch Lernen verändert werden (vgl. ebd.). Darwins Theorie basiert auf evolutionären Annahmen, welche davon ausgehen, dass Emotionen als Anpassungsprozesse der Individuum-Umwelt-Schnittstelle erfolgen, welche starre Reiz-Reaktionsmechanismen entkoppeln und sie durch flexible, kommunizierbare Handlungsmuster ersetzen (vgl. Bleicher 2003, S. 19).

Des Weiteren wird von Darwin angenommen, dass Emotionen bewusste mentale Zustände von Menschen und höheren Tieren darstellen. Zudem nimmt er an, „dass Emotionen durch kognitive Einschätzung und Bewertung von Objekten, Situationen und Ereignissen entstehen, und betont somit die Beteiligung der Kognition“ (Trimmel 2003, S. 49). Die Untersuchungen Darwins haben ergeben, dass die Psychologie die Kommunikation von Emotionen als eine wichtige Funktion ansieht, die auch zum Überleben der Arten beigetragen hat (vgl. ebd.). Der in diesem Zusammenhang genannte Emotionsausdruck wird vererbt, da er biologisch bedeutsam ist. Denn sind Verhaltensweisen funktional, so gehen sie irgendwann in die Erbmasse über. Bezugnehmend zum Emotionsausdruck ist somit die Funktion der Kommunikation gegeben (vgl. ebd.). Denn die Fähigkeit, emotionale Zustände zu kommunizieren, hatte einen bestimmten Sinn und war wichtig für das weitere Überleben (vgl. Aronson et al. 2004, S. 105).

Wird die Gesamtheit der evolutionären Emotionstheorien betrachtet, so können in diesem Zusammenhang Unterscheidungen vorgenommen werden. Ekman (1988) geht von neurokulturellen Emotionstheorien aus, während Eibl-Eibesfeldt (1980) sich auf die ethologische Emotionstheorie konzentriert. Überdies findet auch die differentielle Emotionstheorie (Izard, 1977) Anklang in der Wissenschaft. Grundsätzlich wird eine bestimmte Anzahl an primären Emotionen angenommen, wie beispielsweise Freude, Angst, Trauer oder Überraschung. Die Vielfalt der tatsächlich auftretenden Emotionen wird durch Abwandlungen von primären Emotionen erklärt. Auch haben Emotionen in den evolutionären Ansätzen eine wesentliche Bedeutung für die Entstehung anderer psychischer Prozesse, insbesondere für die kognitiven (vgl. Trimmel 2003, S. 49).

Doch sind die verschiedenen Formen des Gesichtsausdruckes zur Kommunikation von Emotionen auch universell? Diese Frage ist für die sechs Primäremotionen (Wut, Freude, Überraschung, Furcht, Ekel und Traurigkeit) mit Ja zu beantworten. So zeigen neuere Forschungsergebnisse, dass noch weitere universelle Primäremotionen existieren, wie beispielsweise Humor, Belustigung und Liebe (vgl. Aronson et al. 2004, S. 105).

An dieser Stelle kann davon ausgegangen werden, dass die evolutionären Emotionstheorien grundlegende Erkenntnisse geliefert haben, die wichtig für das kommunikative Verhalten sind. Denn der Grundgedanke von einer nonverbalen Kommunikation besteht darin, Gefühle auszudrücken. Diese Form kann bewusst angewandt werden, aber insbesondere auch dann, wenn eine verbale Verständigung nicht möglich oder auch nicht angebracht ist (vgl. Broszinsky-Schwabe 2011, S. 118). Nicht-sprachliche Kommunikationen weisen das Merkmal auf, dass sie allein für sich stehen können und häufig auch unbewusst vermittelt werden. Aus diesem Grund entsteht häufig die Problematik, dass diese Form einen mehrdeutigen Charakter innehat und es dem Gegenüber erschwert, hierauf angemessen zu reagieren (vgl. ebd.). Zuweilen wird auch die Behauptung aufgestellt, dass jedes menschliche Verhalten einen Mitteilungscharakter hat und demzufolge der Mensch nicht in der Lage ist, nicht zu kommunizieren (vgl. Nerdinger 2011, S. 57). Somit kann angenommen werden, dass der Emotionsausdruck eine wesentliche Bedeutung in der nonverbalen Kommunikation hat.

2.2.2 Attributionale Emotionstheorien

Unter Attributionen können naive Erklärungen von Handlungsergebnissen verstanden werden. Infolgedessen untersuchen Attributionstheorien, wie Handlungen und Ereignisse erklärt werden können. Die Wirkung solcher naiven Verhaltenserklärungen (z.B. welche emotionalen Reaktionen Zuschreibungen eines Misserfolges auf mangelnde Fähigkeiten nach sich ziehen) fallen in den Bereich der attributionalen Theorien. Die Rolle von Attributionen im Rahmen von Emotionen wurde vielfach untersucht (vgl. Försterling 2009, S. 429). Entstanden ist die Attributionstheorie zunächst in den USA, bald darauf konnte sie jedoch auch in Europa Einfluss auf die Wissenschaft nehmen. Der Kern dieser theoretischen Anführung liegt in den individuellen und universellen Gestaltungsprinzipien der Organisation des individuellen Denkens im Bereich sozialer Sachverhalten (vgl. Zielke 2001, S. 163). Attributionsprozesse werden heutzutage als „intraindividuelles Phänomen der Informationsverarbeitung betrachtet. Allein der Gegenstand der Kognition, nämlich das Handeln anderer, macht sie zur sozialen Kognition [Hervorhebung im Original]“ (ebd.).

Im Rahmen des Einflusses von kognitiven Prozessen bei der Entstehung von Emotionen spielen die Attributionstheorien eine wichtige Rolle. An dieser Stelle sind beispielsweise die Theorien von Weiner (1985) und Kelley (1967) zu nennen. In Abhängigkeit des Attributionsprozesses werden verschiedene Emotionen nach einem bestimmten Muster ausgelöst, welche beispielhaft in der nachfolgenden Tabelle dargestellt werden (vgl. Angehrn 2004, S. 46 f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Beispiele für den Zusammenhang zwischen Attributionsstil und Emotion

(Eigene Darstellung, in Anlehnung an Angehrn 2004, S. 47).

Weiners attributionale Theorie der Emotion hat sich in diesem Zusammenhang aus seinen motivationspsychologischen Arbeiten entwickelt. Die Vielzahl der möglichen Attributionen wird von ihm den zugrundeliegenden Dimensionen zugeordnet. Internale (z.B. Fähigkeit) und externale Faktoren (z.B. Zufall) können auf der Dimension der Personabhängigkeit unterschieden werden (vgl. Försterling 2009, S. 429). Die Dimension der Stabilität gibt Aufschluss darüber, inwieweit eine Ursache über die Zeit hinweg stabil (z.B. Fähigkeit) beziehungsweise variabel (z.B. Zufall) ist. Eine Unterteilung der Dimension der Kontrollierbarkeit erfolgt hinsichtlich ihrer willentlichen Beeinflussbarkeit in kontrollierbare Faktoren (z.B. Anstrengung) sowie in unkontrollierbare Faktoren, wie beispielsweise Krankheit (vgl. ebd., S. 430).

Werden die attributionalen Determinanten von Emotionen im Leistungszusammenhang betrachtet, so untersuchte Weiner die Auswirkungen der Kausaldimensionen auf Reaktionen nach eigenem Erfolg und Misserfolg. Er konnte aufzeigen, dass die Dimension der Stabilität Veränderungen der Erfolgserwartung bestimmt und die Attribution interne und externe Faktoren beeinflusst (vgl. ebd., S. 430). So führen interne Attributionen zu Stolz nach Erfolg und zu Beschämung nach Misserfolg. An dieser Stelle ist zudem anzumerken, dass „Stolz und Scham (…) die zentralen Anreize bestimmenden Emotionen in der auf Erwartungs-mal-Wert-Prinzipien basierenden Leistungsmotivationstheorie Atkinsons [sind]“ (ebd.). Auf den Grundlagen der Bedeutung der internen und externen Attribution wird eine umfassende attributionale Emotionstheorie beschrieben. Dabei geht Weiner davon aus, „dass emotionale Episoden im Leistungskontext damit beginnen, dass ein Individuum Erfolg oder Misserfolg feststellt, und dies löst ergebnisabhängige, attributs un abhängige Emotionen aus, etwa Freude nach Erfolg oder Traurigkeit nach Misserfolg [Hervorhebung im Original]“ (ebd.). Für diese Emotionen haben demnach Attributionen keinerlei Bedeutung (vgl. ebd.). Auch die attributionalen Determinanten von Emotionen im Zusammenhang von sozialer Motivation wurden untersucht. Anders als beim leistungsorientierten Verhalten liegt hierbei der Stimulus, der die Attribution auslöst, nicht nur in Erfolg und Misserfolg begründet, sondern auch in der Verletzung von Regeln, dem Bestehen von Hilfebedürftigkeit oder dem Vorliegen eines psychischen oder physischen Defizites (vgl. ebd., S. 432). Wenn der Auslöser, beispielsweise die Hilfebedürftigkeit, auf eine unkontrollierbare Ursache fällt (z.B. Krankheit), soll die attribuierende Person Mitleid gegenüber der Stimulusperson empfinden. Können jedoch kontrollierbare Ursachen verantwortlich gemacht werden, so soll die attribuierende Person Ärger empfinden (vgl. ebd.) (siehe auch Tabelle 1).

Im Laufe seiner Forschungen hat Weiner das Konzept der Verantwortlichkeit eingeführt. Dieses Konzept steht in einem engen Zusammenhang mit der Kontrollierbarkeit. So ist für die Entstehung von Emotionen, wie beispielsweise Schuld oder Ärger, das Zurückführen eines Regelverstoßes auf kontrollierbare Ursachen nicht hinreichend. Für die Entstehung von Emotionen ist daher nicht alleinig die Kontrollierbarkeit notwendig, sondern auch eine Verantwortungszuschreibung erforderlich (vgl. ebd.). Diese Verantwortungszuschreibungen beinhalten normative Überzeugungen, wie beispielsweise „man muss anderen helfen“ oder „man muss pünktlich sein“ (ebd.).

Dieses Kapitel konnte eine Übersicht über die attributionale Emotionstheorie geben. Aufgrund der Komplexität dieser Theorie konnten jedoch nicht alle Facetten beleuchtet werden. Wichtig ist an dieser Stelle festzuhalten, dass Emotionen zum einen Einfluss auf die kognitive Leistung haben und zum anderen durch kognitive Prozesse entstehen. So sind emotionale Reaktionen umso stärker, je wichtiger eine Situation ist und je unerwarteter sie eintritt (vgl. Angehrn 2004, S. 46). Insbesondere in der Teamarbeit haben Bewertungen der ausgelösten Emotionen eine wichtige Rolle. Denn je nachdem, wie eine Bewertung ausfällt, lässt sich eine Person auf die Aufgabe oder auf den Interaktionspartner ein oder auch nicht. Die hieraus folgenden emotionalen Zustände können eine Gesamtbewertung der Teamarbeit durch das Individuum bewirken. Die Einstellungen sowie das Verhalten werden durch diese Bewertung beeinflusst (vgl. ebd.).

2.3 Definition des Begriffs der emotionalen Intelligenz

Nachdem sich ausführlich mit den Emotionen und der Intelligenz auseinandergesetzt wurde, soll in diesem Abschnitt geklärt werden, was unter der emotionalen Intelligenz zu verstehen ist. Bereits in den 1920er-Jahren beschäftigte sich die Wissenschaft mit den nicht kognitiven Aspekten von Intelligenz. Hierbei ging es vordergründig darum, dass nicht nur eine einzige Intelligenz besteht, sondern mehrere, die gemeinsam ein Gesamtkonstrukt ergeben (vgl. Krause 2007, S. 15). In den 1940er-Jahren wurde dieses Themenfeld deutlich erweitert und weiterentwickelt. Hierbei lag der Fokus primär auf dem Einfluss von nicht-kognitiven Faktoren auf das intelligente Verhalten (vgl. ebd.). Was jedoch unter emotionaler Intelligenz zu verstehen ist, wird in der Literatur ganz unterschiedlich bewertet.

Der Begriff der emotionalen Intelligenz, wie er heutzutage verwendet wird, wurde dann in den 1990er-Jahren im Wesentlichen durch die Arbeit von Salovey und Mayer geprägt (vgl. Salovey, Mayer 1990). So definieren die Autoren Salovey und Mayer (1990) die emotionale Intelligenz als „the subset of social intelligence that involves the ability to monitor one`s own and other`s feelings and emotions, to discriminate among them and to use this information to guide one`s thinking and actions“ (S. 189). Hierbei beziehen sich die Autoren auf ein Konzept der sozialen Intelligenz, welches die Intelligenzform der personalen Intelligenz beinhaltet. Die personale Intelligenz unterteilt sich zudem in inter- und intrapersonale Intelligenz (vgl. ebd.). Personale Intelligenz kommt nach den Auffassungen der Autoren der emotionalen Intelligenz sehr nahe. So beinhaltet die intrapersonale Intelligenz die Fähigkeit, eigene Emotionen zu erkennen und diese auch im Rahmen des eigenen Verhaltens zu benutzen. Interpersonale Intelligenz hingegen zielt auf die Kodierung, auf die Verarbeitung und auf den Umgang mit Emotionen anderer Personen ab. Demnach sind beide Gesichtspunkte für das Modell der emotionalen Intelligenz wichtig. Denn sowohl die emotionale Intelligenz als auch die soziale Intelligenz sind wesentliche Bereiche der personalen Intelligenz (vgl. ebd., S. 189 f.). Überdies werden von den Autoren drei Bereiche der emotionalen Intelligenz beschrieben (vgl. ebd., S. 190ff.):

- Appraisal and expression of emotion (Erkennung und Ausdruck von Emotionen)
- Regulation of emotion (Regulation von Emotionen)
- Utilization of emotion (Nutzbarmachen von Emotionen)

Im Jahr 1997 nahmen Salovey und Mayer jedoch eine Revision des Konstruktes der emotionalen Intelligenz vor. Der Grund hierfür lag darin, dass die Definition der emotionalen Intelligenz aus dem Jahr 1990 für die Autoren zu ungenau war. Ein wichtiger Aspekt besteht demnach in der Wahrnehmung und Regulation von Emotionen (vgl. Salovey, Mayer 1997, S. 10). Demzufolge beschreiben die Autoren die emotionale Intelligenz in Zusammenhang mit vier Bereichen: „Emotional intelligence involves the ability to perceive accurately, appraise, and express emotion; the ability to access and / or generate feelings when they facilitate thought; the ability to understand emotion and emotional knowledge; and the ability to regulate emotions to promote emotional and intellectual growth“ (ebd.). Wichtig ist den Autoren in diesem Zusammenhang, dass die emotionale Intelligenz als ein Bündel von Fähigkeiten angesehen und als eine Form der Intelligenz dargestellt wird. Hierbei geht es zudem darum, dass die emotionale Intelligenz nicht als eine Eigenschaft des Charakters betrachtet wird, die ausdrückt, wie man sich verhalten soll, sondern als eine mentale Fähigkeit, mit welcher fremde Emotionen erkannt, verstanden, reguliert und reflektiert werden können (vgl. ebd., S. 8).

Die Autoren Cooper und Sawaf (1997) vertreten die Auffassung, dass emotionale Intelligenz als eine Fähigkeit bezeichnet werden kann, „die Kraft, und den Instinkt von Gefühlen als Quelle für menschliche Energie, Informationen, Verbundenheit und Einfluss zu spüren, zu verstehen und effektiv einzusetzen“ (Cooper, Sawaf 1997, S. 13). Lubbers (2005) hingegen definiert emotionale Intelligenz wie folgt: „Fähigkeit, eigene wie fremde Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen. Emotionale Intelligenz heißt, Gefühle zu registrieren und vernünftig auf sie zu reagieren“ (S. 48). Hierbei geht es im Wesentlichen darum, dass diejenigen Personen, die emotional intelligent reagieren, sich ihrer selbst bewusst sein müssen und die Fähigkeit aufweisen, sich in ihre Mitmenschen einzufühlen. Überdies beinhaltet die emotionale Intelligenz auch den Aspekt, dass sich diese Menschen nicht von ihren Gefühlen hinreißen lassen, sondern sich auch zurückhalten können (vgl. ebd.).

Ebenfalls werden in der Literatur die Begriffe der emotionalen Intelligenz und der emotionalen bzw. sozialen Kompetenz oftmals gleichgesetzt. Die emotionale Kompetenz lässt sich im Allgemeinen als ein Phänomen begreifen, welches verschiedene kognitive, physische und emotionale Fähigkeiten darstellt (vgl. Appelmann 2009, S. 85). Diese Fähigkeiten stellen die Mittel dar, um bestimmten emotionalen Anforderungssituationen gerecht zu werden (vgl. ebd.). Appelmann (2009) verweist jedoch darauf, dass keine einheitliche Definition der emotionalen Kompetenz besteht. Je nach Zusammenhang und Fragestellung können unterschiedliche Fähigkeiten der emotionalen Kompetenz zugeordnet werden. Grundsätzlich lassen sich allerdings drei übergeordnete Fähigkeiten herausstellen: Emotionale Selbstbewusstheit, Ausdrucksfähigkeit und Emotionsverstehen. Diese drei Fähigkeiten dienen als Grundlage der Verstehbarkeit der emotionalen Kompetenz (vgl. ebd.).

So kann angeführt werden, dass die emotionale Intelligenz grundsätzlich eine Gruppe von psychologischen Fähigkeiten darstellt, die sich im Verlauf des Lebens ganz unterschiedlich ausprägen können (vgl. Krause 2007, S. 16). Die genannten Fähigkeiten werden zudem durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, welche für die individuelle Ausprägung der emotionalen Intelligenz verantwortlich sind (vgl. ebd.). Im Folgenden werden daher die Einflussfaktoren der emotionalen Intelligenz grafisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einflussfaktoren der emotionalen Intelligenz

(Eigene Darstellung, in Anlehnung an Krause 2007, S. 18).

Sunderdieck (2015) stellt in diesem Zusammenhang fest, dass emotionale Intelligenz von Geburt an gegeben ist und die Grundlage von emotionaler Kompetenz ist. Emotionale Kompetenz ist somit erlernbar, jedoch ohne emotionale Intelligenz nicht möglich (vgl. Sunderdieck 2015, S. 130). Allerdings ist anzuführen, dass das derzeitige Verständnis von emotionaler Intelligenz sehr umstritten ist, „da es die Existenz einer einheitlichen Fähigkeit zum Umgang mit Gefühlen postuliert, die sich empirisch aber nicht bestätigen lässt“ (Asendorpf 2015, S. 90). Denn das Konzept der emotionalen Intelligenz gibt vor, dass eine einheitliche Fähigkeit zum Umgang mit Gefühlen jeder Art existiert. Infolgedessen hat die derzeitige Auffassung von emotionaler Intelligenz nach Ansicht von Asendorpf (2015) nur geringfügig bis gar nichts mit Intelligenz zu tun (vgl. ebd.). Des Weiteren gibt der Autor an, dass die emotionale Intelligenz sogar zum Teil mit dem Konstrukt der Intelligenz negativ korreliert (vgl. ebd.). Das bedeutet genau, dass ein gegenläufiger Zusammenhang zwischen emotionaler Intelligenz und Intelligenz nachgewiesen werden konnte. Hierbei verweist der Autor darauf, dass es sich bei der emotionalen Intelligenz in erster Linie „um vielfältige emotionale Kompetenzen [handelt], deren Konsistenz zwischen verschiedenen Emotionen und Situationen gering ist“ (ebd.).

Wird die emotionale Intelligenz auf das Pflegemanagement bezogen, so bedeutet das, dass diese Fähigkeit einen wesentlichen Einfluss auf die zwischenmenschliche Kommunikation und den Umgang mit anderen Menschen hat. Das bedeutet auch, dass Gefühle und Bedürfnisse ebenso ernst genommen werden, wie beispielsweise beobachtbare Faktoren (vgl. Lubbers 2005, S. 48). Jedoch besteht eine wesentliche Problematik der emotionalen Intelligenz darin, dass die Begriffsdefinitionen sehr unscharf sind. Krause (2007) legt nahe, dass aufgrund der vielfältigen Definitionsansätze der Begriff nur schwer erfasst werden kann und eine konkrete Anwendung im Alltag hierdurch erschwert ist (vgl. Krause 2007, S. 86).

Zusammenfassend kann dargestellt werden, dass sich die emotionale Intelligenz, trotz unterschiedlicher Definitionen, auf vier verschiedene Teilbereiche beschränkt: Die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, zu bewerten und auszudrücken; die Fähigkeit, auf Emotionen zuzugreifen und diese auch zu erzeugen; die Fähigkeit, Emotionen und emotionales Wissen zu verstehen sowie die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren und intellektuelles Wachstum zu fördern. Immerhin bestehen auch nachvollziehbare Zweifel an dem Konstrukt der emotionalen Intelligenz. Insbesondere die Untersuchungen von Salovey und Mayer (1990, 1997) wurden als Grundlage dazu verwendet, das Konzept der emotionalen Intelligenz weiterzuentwickeln und auf verschiedene Bereiche anzuwenden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Emotionale Intelligenz im Pflegemanagement. Möglichkeiten und Grenzen in der Beurteilung von Pflegepersonal
Autor
Jahr
2018
Seiten
63
Katalognummer
V415789
ISBN (eBook)
9783956874574
ISBN (Buch)
9783956874598
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotionale Intelligenz, Pflegemanagement, Kompetenzverständnis, Teamarbeit, Pflege, Emotionen
Arbeit zitieren
Steffen Behrend (Autor), 2018, Emotionale Intelligenz im Pflegemanagement. Möglichkeiten und Grenzen in der Beurteilung von Pflegepersonal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415789

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Emotionale Intelligenz im Pflegemanagement. Möglichkeiten und Grenzen in der Beurteilung von Pflegepersonal


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden