Die Nobilitierung der bildenden Künste in italienischen Künstlernovellen der Renaissance


Seminararbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kunsthistorische Hintergründe
1.1. Die bildenden Künste im Mittelalter
1.2. Der Humanismus
1.2.1. Die Anerkennung der bildenden Künste durch Humanisten

2. Literarische Hintergründe
2.1. Die Burleskdichtung und ihr Einfluss auf die Novellistik
2.2. Die Schwank-Novelle – Motto und Beffa
2.3. Der verspottete Pedante als Leitmotiv der Renaissancenovellen
2.4. Die Auflehnung der Novellenerzähler gegen imitatio

3. Die Verteidigung der bildenden Künste in Künstlernovellen
3.1. Antonfrancesco Grazzini
3.1.1. Kurzbiographie Grazzinis
3.1.2. Grazzinis Künstlernovelle
3.1.2.1. Inhalt der Novelle
3.1.2.2. Interpretation
3.2. Gasparo Gozzi
3.2.1. Kurzbiographie Gozzis
3.2.2. Gozzis Künstlernovelle
3.2.2.1. Inhalt der Novelle
3.2.2.2. Interpretation
3.3. Lodovico Domenichi und Thomaso Porcacchi
3.3.1. Kurzbiograhien Domenichis und Porcacchis
3.3.2. Domenichis und Porcacchis Künstlernovellen
3.3.2.1. „Raffael und seine Bildnisse Julius II.“
3.3.2.2. „Künstlerstolz“
3.3.2.3. Interpretation der Novellen

Schlussgedanke

Literaturhinweise

Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Verteidigung und Nobilitierung der bildenden Künste in italienischen Künstlernovellen der Renaissance aufzuzeigen.

Bevor ich jedoch dazu übergehen kann, entsprechende Novellen vorzustellen und zu interpretieren, möchte ich einen Teil Arbeit kunsthistorischen und literarischen Gesichtspunkten widmen, um die Zusammenhänge anschaulich darstellen zu können.

1. Kunsthistorische Hintergründe

1.1. Die bildenden Künste im Mittelalter

Die bildenden Künste wurden im Mittelalter, zur Zeit des Frühchristentums, äußerst geringgeschätzt. Man war der Meinung, dass Bilder von Gott und anderen religiösen Themen oder biblischen Szenen nicht anbetungswürdig seien, da sie Götzenbildern gleichgestellt wurden. Es sollte also der geistliche Hintergrund, Gott und die Religion an sich verehrt und angebetet werden, nicht jedoch Abbilder davon. Im zweiten Jahrhundert n. Chr. wurde Kunst „als überflüssiger Luxus abgetan, Künstler, Schauspieler und andere 'trügerische' Personen seien im Grunde nicht besser als Bordellwirte.“[1]

Ende des 4. Jahrhunderts unterschied man schließlich zwischen „didaktischen und 'magischen' Bildern.“[2] Die didaktischen Bilder, die nun anerkannt wurden, sollten den Menschen als Vorbild für gute Taten dienen und den „Unkundigen“2 die biblische Lehre näherbringen. Über diese didaktische Funktion der Malerei sagte am Ende des 6. Jahrhunderts Gregor der Große: „Ein Bild anzubeten ist eine Sache, eine andere, das, was anbetungswürdig ist, durch eine Bilderzählung zu lehren.“2 Dennoch waren die Maler, Bildhauer etc. einfache Handwerker, die eben nur als solche und nicht etwa als Künstler im heutigen Sinne angesehen wurden. Sie waren Ausübende der artes mechanicae, der hervorbringenden Künste, welche den theoretischen Wissenschaften der artes liberales gegenüber gestellt wurden.[3]

1.2. Der Humanismus

„Humanismus“ bezeichnet die „Wiedergeburt der antiken Sprachen sowie der damit verbundenen Literatur“[4] – der Begriff in dieser Verbindung wurde allerdings erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebräuchlich.

Während der Zeit des Humanismus beschäftigte man sich also wieder mit den antiken Sprachen Griechisch und Latein. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kamen einige griechische Sprachlehrer nach Italien, denn man wollte die Sprache verstehen, um die Werke der Autoren der Antike lesen und philologisch untersuchen zu können. Die sogenannte studia humanitatis enthielt damals „Grammatik, Rhetorik, Geschichte, Poetik und Moralphilosophie unter besonderer Berücksichtigung der griechischen und lateinischen Vorbilder.“4 Viele Humanisten versuchten, diese Vorbilder in ihrer eigenen Lyrik und Prosa nachzuahmen. Das Leitmotiv der Humanisten war imitatio, gegen die sich aber vor allem Novellenerzähler, unter anderem auch Grazzini, Bandello etc. auflehnten (siehe weiter unten Punkt 2.2.).

Die meisten Humanisten „bekleideten Ämter in den Verwaltungen der Städte“4, „hatten einen Lehrstuhl an einer Universität […] inne“4 oder gingen Tätigkeiten an einem Hof oder einer Kurie nach. Es gab nur wenige, die keinen alltäglichen Pflichten nachgingen, so z.B. Petrarca oder Boccaccio.

„Der erste große Vertreter der neuen Humanistengeneration in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts“[5] war Francesco Petrarca. Er orientierte sich an antiken Persönlichkeiten wie Cicero und Augustin und seiner Meinung nach war es „die wichtigste Aufgabe, die Sprache und Kultur der Antike wieder zu neuem Leben und Ansehen zu erwecken, und Licht in jenes ‚Dunkel’ (tenebrae) zu bringen, das das kulturelle Leben im Mittelalter gekennzeichnet habe.“[6]

1.2.1. Die Anerkennung der bildenden Künste durch Humanisten

Zunächst wurde auch in der Zeit des Humanismus wenig über die bildende Kunst an sich, ihre Funktion oder die Rolle des Künstlers gesprochen, allmählich bahnte sich jedoch „eine neue Einstellung zur bildenden Kunst […] an“[7]. Es entstand „la disputà delle arte“ - „ein Streit um die Rangordnung zwischen den bildenden Künsten selbst“7, dem Kritiker der bildenden Kunst und manchmal auch die Künstler selbst beiwohnten, denn sie wollten „in die Reihe der freien Künste aufgenommen [...] werden.“7 Die Humanisten waren an diesen Streitereien nicht ganz unschuldig, da auch sie über die Stellung der einzelnen Sparten innerhalb der artes liberales diskutierten .

Die bildenden Künste wurden allmählich zu einem Interessensgebiet der gelehrten Humanisten: „at this time and place in history, art ceased to be merely a craft or a trade and became the object of intelligent interest to educated and articulate men.“[8]

Die Humanisten schätzten die bildende Kunst allerdings nicht ebenso sehr wie die artes liberales: Die Magister in den artes liberales zeichneten sich „in ihrer 'Kunst' durch Schreibkunst, Studienfleiß und Gelehrtheit aus“, die Künstler dagegen ragten auf ihrem Gebiet durch ihre angeborenen Fähigkeiten und ihr gutes Gedächtnis hervor.“[9] Die Humanisten gestanden den Künstlern also ingenium, ars und memoria zu, „weiter erstreckte sich die Liberalität [...] gegenüber den Künstlerkollegen nicht.“9

Durch das Aufkommen der neuen Literaturgattung der Biographie, welche die Humanisten nun oft verfassten, stieg allmählich das Interesse an den Persönlichkeiten der Künstler. So zum Beispiel schrieb Antonio Manetti 1482 – 1488 die Vita di Filippo di Ser Brunellesco, dessen Leistung auf dem Gebiet der Architektur besonders gewürdigt wurde. Giorgio Vasari (1511 – 1574; ital. Maler, Baumeister und Kunsttheoretiker) schrieb das 1550 veröffentlichte berühmte Werk „Le vite de' piu eccellenti architetti, pittori et scultori, da Cimabue insino a' tempi nostri“, bestehend aus vielen kleineren Biographien über Leben und Werke italienischer Künstler der Renaissance. Trotz „gelegentlicher Irrtümer und Verwechslungen“[10], was Daten und Werkszuordnungen in seinem Werk betrifft, gehören Vasaris Viten heute zu den wichtigsten Quellen der Kunstgeschichte.

Noch bevor allerdings die Biographen von den Künstlern erzählten, schrieben Dichter über sie. Dante war hierbei der erste, Petrarca folgte, „und nicht lange darauf eröffnet sein Freund Boccaccio die Reihe der Novellisten, die dem Künstler einen Platz in der bunten Fülle ihrer Gestalten eingeräumt hatten.“[11]

Nachdem Dante sich zum Beispiel bereits in seiner Divina Commedia lobend über den Maler Giotto äußerte, schrieb Boccaccio, ein großer Verehrer Petrarcas, in einem berühmten Abschnitt seines Werkes „Il Decamerone“ über Giotto, dass er eine

so große Begabung [besäße], daß es nichts in der Natur, Mutter und tätiges Prinzip aller Dinge gebe, [...] das er nicht mit Hilfe seines Stiftes, mit Feder oder Pinsel so ähnlich abzubilden vermochte, daß die von ihm dargestellten Dinge als ein Produkt von ihr (der Natur) erschienen; und oft werde der Betrachter seiner (Giottos) Gemälde getäuscht und in den Glauben versetzt, das sei Wirklichkeit, was nur gemalt sei.[12]

Boccaccio sprach also von Giottos außergewöhnlichem „ingegno“, und Filippo Villani sagte über Giotto, er hätte „es den antiken Malern an Ruhm nicht nur gleichgetan, sondern sie sogar an Kunstfertigkeit und Bgabung [sic] übertroffen“ und konnte so der „Malerei wieder zu alter Würde und einem Namen verhelfen.“[13]

2. Literarische Hintergründe

2.1. Die Burleskdichtung und ihr Einfluss auf die Novellistik

Bereits in der Antike und im Mittelalter betrieb man „Schmähdichtung“ (vituperatio), die im Gegensatz zur Laudendichtung (laudatio) stand. Oft wurde dabei die hohe Liebeslyrik verhöhnt. Mit „Schmähen“ konnte Verschiedenes gemeint sein: „karikierende Darstellung des Häßlichen, parodistisches Lob des Niederen, ernste Rüge politischer oder moralischer Mißstände, Personensatire, aber auch zweckfreie Freude am Spaß, an der Derbheit, am zynischen Ausbruch.“[14]

[...]


[1] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 91 (dieser und alle folgenden detaillierten Quellennachweise s. S. 19)

[2] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 94

[3] vgl. hierzu : Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 97

[4] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 207

[5] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 209

[6] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 210

[7] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 209

[8] Martindale, Andrew: The Rise of the Artist; S. 98

[9] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 211

[10] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 272

[11] Floerke, Hanns: Die 75 italienischen Künstler-Novellen der Renaissance; S. IX

[12] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 210

[13] Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 211

[14] Friedrich, Hugo: Epochen der italienischen Lyrik; S. 45

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Nobilitierung der bildenden Künste in italienischen Künstlernovellen der Renaissance
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut fuer Romanistik)
Veranstaltung
Mittelseminar "Italienische Kuenstlernovellen der Renaissance"
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V41581
ISBN (eBook)
9783638398190
ISBN (Buch)
9783638790727
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nobilitierung, Künste, Künstlernovellen, Renaissance, Mittelseminar, Italienische, Kuenstlernovellen, Renaissance
Arbeit zitieren
Stefanie Rustler (Autor), 2005, Die Nobilitierung der bildenden Künste in italienischen Künstlernovellen der Renaissance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41581

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