Die bildenden Künste waren im Laufe der Geschichte nicht immer hoch angesehen. Malerei oder Bildhauerei wurden im Mittelalter, zur Zeit des Frühchristentums, als einfaches Handwerk sogar äußerst geringgeschätzt. Die sogenannten artes mechanicae wurden den artes liberales, den theoretischen Wissenschaften, gegenübergestellt und abgewertet. Erst später, mit der Zeit des Humanismus, wuchs das Interesse an den bildenden Künsten sowie den Persönlichkeiten der Künstler.
Diese Arbeit legt kunsthistorische sowie literarische Hintergründe dar, die zur Nobilitierung der bildenden Künste beitrugen. Des Weiteren wird anhand der Betrachtung und Interpretation verschiedener italienischer Künstlernovellen der Renaissance aufgezeigt, wie die Literatur Künstler wie Michelangelo und deren Arbeit verteidigte und ihnen somit zu mehr Ruhm und Anerkennung verhalf.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
0. Kunsthistorische Hintergründe
1.1. Die bildenden Künste im Mittelalter
1.2. Der Humanismus
1.2.1. Die Anerkennung der bildenden Künste durch Humanisten
0. Literarische Hintergründe
2.1. Die Burleskdichtung und ihr Einfluss auf die Novellistik
2.2. Die Schwank-Novelle – Motto und Beffa
2.3. Der verspottete Pedante als Leitmotiv der Renaissancenovellen
2.4. Die Auflehnung der Novellenerzähler gegen imitatio
3. Die Verteidigung der bildenden Künste in Künstlernovellen
3.1. Antonfrancesco Grazzini
3.1.1. Kurzbiographie Grazzinis
3.1.2. Grazzinis Künstlernovelle
3.1.2.1. Inhalt der Novelle
3.1.2.2. Interpretation
3.2. Gasparo Gozzi
3.2.1. Kurzbiographie Gozzis
3.2.2. Gozzis Künstlernovelle
3.2.2.1. Inhalt der Novelle
3.2.2.2. Interpretation
3.3. Lodovico Domenichi und Thomaso Porcacchi
3.3.1. Kurzbiograhien Domenichis und Porcacchis
3.3.2. Domenichis und Porcacchis Künstlernovellen
3.3.2.1. „Raffael und seine Bildnisse Julius II.“
3.3.2.2. „Künstlerstolz“
3.3.2.3. Interpretation der Novellen
Schlussgedanke
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie italienische Künstlernovellen der Renaissance zur Verteidigung und Nobilitierung der bildenden Künste beitrugen, indem sie den Status des Künstlers gegenüber den damals dominierenden gelehrten Humanisten und dem Klerus aufwerteten.
- Historische Entwicklung der Wertschätzung bildender Künste
- Literarische Gattungsmerkmale der Renaissancenovelle (Motto und Beffa)
- Die Rolle des Pedante als satirische Kontrastfigur zum kreativen Künstler
- Analyse ausgewählter Künstlernovellen von Grazzini, Gozzi, Domenichi und Porcacchi
- Verhältnis zwischen theoretischem Wissen und künstlerischer Originalität
Auszug aus dem Buch
1.1. Die bildenden Künste im Mittelalter
Die bildenden Künste wurden im Mittelalter, zur Zeit des Frühchristentums, äußerst geringgeschätzt. Man war der Meinung, dass Bilder von Gott und anderen religiösen Themen oder biblischen Szenen nicht anbetungswürdig seien, da sie Götzenbildern gleichgestellt wurden. Es sollte also der geistliche Hintergrund, Gott und die Religion an sich verehrt und angebetet werden, nicht jedoch Abbilder davon. Im zweiten Jahrhundert n. Chr. wurde Kunst „als überflüssiger Luxus abgetan, Künstler, Schauspieler und andere 'trügerische' Personen seien im Grunde nicht besser als Bordellwirte.“
Ende des 4. Jahrhunderts unterschied man schließlich zwischen „didaktischen und 'magischen' Bildern.“ Die didaktischen Bilder, die nun anerkannt wurden, sollten den Menschen als Vorbild für gute Taten dienen und den „Unkundigen“ die biblische Lehre näherbringen. Über diese didaktische Funktion der Malerei sagte am Ende des 6. Jahrhunderts Gregor der Große: „Ein Bild anzubeten ist eine Sache, eine andere, das, was anbetungswürdig ist, durch eine Bilderzählung zu lehren.“ Dennoch waren die Maler, Bildhauer etc. einfache Handwerker, die eben nur als solche und nicht etwa als Künstler im heutigen Sinne angesehen wurden. Sie waren Ausübende der artes mechanicae, der hervorbringenden Künste, welche den theoretischen Wissenschaften der artes liberales gegenüber gestellt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
Kunsthistorische Hintergründe: Dieses Kapitel beleuchtet die geringe Wertschätzung der bildenden Künste im Mittelalter und den Wandel durch den Humanismus, der den Künstlern erstmals Anerkennung als Schöpfer individueller Werke einbrachte.
Literarische Hintergründe: Es werden die burlesken Elemente, die Schwank-Novelle sowie die typische Figur des verspotteten Pedante als Mittel der Auflehnung gegen klassische literarische Regeln dargestellt.
Die Verteidigung der bildenden Künste in Künstlernovellen: Der Hauptteil analysiert konkrete Fallbeispiele von Grazzini, Gozzi sowie Domenichi und Porcacchi, um zu zeigen, wie Künstler in diesen Texten durch Witz und Originalität triumphieren.
Schlüsselwörter
Renaissance, Künstlernovelle, bildende Kunst, Nobilitierung, Humanismus, Pedante, Burleske, Beffa, Motto, Antonfrancesco Grazzini, Gasparo Gozzi, Imitatio, Künstlerstolz, Kunstgeschichte, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische und literarische Aufwertung der bildenden Künste in italienischen Künstlernovellen der Renaissance.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Künstlernovellen dazu beigetragen haben, bildende Künstler von ihrem Status als einfache Handwerker zu befreien und als schöpferische Genies zu etablieren.
Welche literarischen Gattungen sind zentral?
Zentral sind die Schwank-Novelle, insbesondere die Motto- und Beffa-Novellen, die als satirisches Medium gegen veraltete Ansichten genutzt wurden.
Was ist die Rolle des „Pedante“ in den Novellen?
Der Pedante dient als komische Karikatur des weltfremden Humanisten, an dessen intellektueller Überheblichkeit sich der lebenskluge Künstler reibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert kunsthistorische Analysen zur gesellschaftlichen Stellung des Künstlers mit literaturwissenschaftlichen Interpretationen spezifischer Novellentexte.
Was sind die wichtigsten thematischen Schwerpunkte?
Die Schwerpunkte liegen auf der Nobilitierung der Kunst, der Abgrenzung von artes mechanicae zu artes liberales und dem Wettbewerb zwischen theoretischer Bildung und künstlerischem Ingenium.
Wie unterscheidet sich die Künstlernovelle bei Grazzini von der bei Gozzi?
Grazzini nutzt vor allem den burlesken Tonfall und den "Beffa"-Streich, um den Klerus bloßzustellen, während Gozzi in der Aufklärungszeit eine elegantere, ironische Distanz wählt, um das mangelnde Kunstverständnis von Laien zu kritisieren.
Warum spielt Michelangelo eine wichtige Rolle im Text?
Er wird als Prototyp des Künstlers angeführt, der durch sein Wirken und den Stolz seiner Gehilfen wie Tasso in den Novellen gegen die Ignoranz von Kritikern verteidigt wird.
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- Stefanie Rustler (Author), 2005, Die Nobilitierung der bildenden Künste in italienischen Künstlernovellen der Renaissance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41581