John Locke. Seine politische Theorie und Wirkungsgeschichte


Hausarbeit, 2000

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. John Locke: Seine Zeit, sein Leben
1.1 Die politische Situation Englands zu Zeiten Lockes
1.2 Lockes Leben

2. Die politische Theorie Lockes und sein Werk die Two Treatises of Government
2.1 Entstehungsgeschichte
2.2 Die erste Treatise: Locke gegen Filmer, Gründe gegen die absolute Monarchie
2.3 Die zweite Treatise: Lockes eigene Theorien über den Staat
2.3.1 Der Naturzustand und Lockes Begriff vom Eigentum
2.3.1.1 Das Naturrecht und das Recht auf Eigentum
2.3.2 Der bürgerliche Zustand
2.3.3 Lockes Verfassungsgrundsätze
2.3.3.1 Die Legislative
2.3.3.2 Die Exekutive
2.3.3.3 Die Föderative
2.3.4 Lockes Recht auf Widerstand: Die Auflösung der Regierung

3. Wirkungsgeschichte Lockes

4. Anhang

5. Quellenangaben
5.1 Literaturnachweis
5.2 Internetquellen

1. John Locke: Seine Zeit, sein Leben

John Locke, einer der unumstritten bedeutendsten politischen Philosophen aus dem Zeitalter der konfessionellen Bürgerkriege im England des 17. Jahrhunderts, gilt als Wegbereiter der liberalen Wirtschaftspolitik, sowie einer anti-absolutistischen Staats-ordnung, die die Rechte des Bürgers und die Freiheit des Einzelnen und seines Eigentums, zu wahren versteht. In einer Zeit, die geprägt war durch den Mißbrauch königlicher Macht totalitärer Systeme, war es John Locke, der vor diesen Mißständen warnte und sich für mehr Toleranz aussprach. Lockes Philosophie, besonders das Recht auf Widerstand und Revolution und seine Definition des Begriffes „Eigentum“, war Grundlage heftiger Kritik seitens seiner Gegner.

Um John Lockes Werke verstehen zu können und um einen Einblick in die politischen Ereignisse zu bekommen, die sein Denken seiner Zeit beeinflußten, sollen die wichtigsten historischen Hintergründe an dieser Stelle kurz angerissen werden.

1.1 Die politische Situation Englands zu Zeiten Lockes

1603 bestieg der Sohn Maria Stuarts, Jakob I., den englischen Thron. Insgesamt trat Jakob I. als Monarch bis auf einige Ausnahmen in der Außenpolitik nicht sonderlich hervor. Er verzichtete weitestgehend auf eine Zusammenarbeit mit dem Parlament und begünstigte die anglikanische Kirche, der er nach seiner Krönung beitrat, in nicht geringem Maße, was heftige Widerstände im Land hervorrief. Sein Nachfolger Karl I. führte diesen Kurs seit 1625 weiter, ging sogar einen Schritt weiter und löste das Parlament auf, das immer wieder versuchte, die königliche Macht einzudämmen.

Mit Hilfe der anglikanischen Kirche versuchte er, seine Machtposition zu festigen.

Die Zusammenarbeit mit der Kirche und die Aufzwängung des Katholizismus führten zum Widerstand bei den Evangelisten, besonders den schottischen Calvinisten.

Diese erhoben sich gegen den König, was Karl I. zwang, ein neues Parlament einzuberufen, um sich Mittel für einen Krieg gegen die Aufständischen zu erbitten.

Das neue Parlament, auch Langes Parlament genannt, sah seine Chance gekommen, das Königtum zu entmachten und stellte sich auf die Seite der calvinistischen Puritaner. Unweigerlich kam es somit 1642 zum Bürgerkrieg zwischen den Königstreuen und den Puritanern, welchen letztere unter Oliver Cromwell 1649 für sich entscheiden konnten. Mit großer Brutalität schaffte Cromwell es erstmalig, England, Schottland und Irland zu vereinigen. Karl I. wurde hingerichtet und die Republik wurde ausgerufen.

Cromwell übernahm 1653 als Lord Protector die Regierungsgewalt.

Nach seinem Tode 1658, sollte sein Sohn Richard über die Republik verfügen, besaß jedoch nicht das politische Geschick seines Vaters und dankte 1659 ab.

Es folgte die Restauration der Stuarts unter Karl II. im Jahre 1660, der den Bruch zwischen Krone und Parlament zu vermeiden suchte. Karls Nachfolger, Jakob II., der ab 1685 regierte, stieß mit seiner Rekatholisierungspolitik auf heftigen Widerstand. Nachdem Jakob II. im Zuge der Glorious Revolution von 1688/89, die eine Machtverlagerung von der Krone ins Parlament, bürgerliche Freiheit, sowie Kontrolle der politischen Macht herbeiführte, den Thron verließ, wurde der ehemalige niederländische Generalstatthalter Wilhelm III. von Oranien sein Nachfolger, bis schließlich 1702 Anna I. zur Königin ernannt wurde.[1]

1.2 Lockes Leben

John Locke (junior), wird am 29. August des Jahres 1632 in Wrington, Grafschaft Somerset, geboren. Sein Vater, John Locke senior, ist Anwalt und wie seine Mutter Agnes Locke auch, Kind puritanischer Gewerbeleute, die der Mittelschicht der Landbevölkerung angehörten. Durch Vererbung hatte es die Familie Locke zu einigem Wohlstand gebracht. Als die Spannungen zwischen Parlament und Krone 1642, kurz nach John Lockes zehnten Geburtstag, zum Bürgerkrieg führen, ergreift sein Vater die Initiative auf Seiten der Parlamentsarmee und wird von Oberst Popham zum Kapitän eines Kavallerieregimentes ernannt. Jene Bekanntschaft des Vaters zu Oberst Popham führt 1646 dazu, daß John Locke ein Stipendium an der zu der Zeit angesehensten Schule, der Londoner Westminster School, erhält. Sein Fleiß und seine Intelligenz führen Locke nach Erhalt eines weiteren Stipendiums 1652 an das Christ Church College in Oxford. Er studiert Philosophie, hört Vorlesungen über Medizin und nimmt verschiedene akademische Aufgaben wahr. Durch die Freundschaft zu dem berühmten Naturforscher Robert Boyle, die sich Anfang der sechziger Jahre entwickelt, steigt Locke zu einer medizinischen Autorität auf. Aus dieser Zeit resultieren auch die ersten politischen und philosophischen Schriften Lockes. Er zeigt sich als protestantischer Royalist, der die Restauration der Stuarts begrüßt. Politisch liberal sind seine Ansichten zu der Zeit nicht. Nach einem Abstecher in die Politik und besonders der Diplomatie als Gesandtschafts-sekretär, lehnt er den Posten eines Botschaftssekretärs ab und kehrt 1667 wieder nach Oxford zurück, wo er die Bekanntschaft des späteren Grafen von Shaftesbury, Lord Cooper, macht, dessen Leibarzt und Sekretär er wird.

Für Locke beginnt eine an Erfahrungen reiche Zeit, gewinnt er doch tiefe Einblicke in das politische Handeln und Denken des Grafen, der in London die Interessen des Handelskapitals vertritt und ein Befürworter des Freihandels ist. Shaftesburys Glauben an den Zusammenhang von Liberalität und Wirtschaftsprosperität nimmt in dieser Zeit starken Einfluß auf Locke. So entsteht bereits 1667 seine erste Toleranzschrift, der Essay concerning Toleration, in welchem er sich mit dem Maß an Freiheit und Bindung auseinandersetzt, daß den Menschen zukommen soll. Aber nicht nur politisch, auch medizinisch entwickelt Locke sich weiter. So knüpfte er schon 1667 Kontakte zu dem damals berühmtesten Mediziner Englands, Thomas Sydenham. Sein medizinisches Fachwissen hilft ihm dabei, 1668 Lord Shaftesbury in einer spektakulären Operation das Leben zu retten. Bedingt durch eine Verschlimmerung seines Asthmas, an dem er Zeit seines Lebens zu leiden hat, durch das rauhe englische Klima, beschließt Locke 1675 nach Frankreich zu reisen. Jedoch dürfte es wohl auch die Beschattung durch die englische Polizei gewesen sein, die zu seiner langen Reise führte, geriet er doch durch seine Freundschaft zu Shaftesbury, der durch politische Probleme geplagt wurde, ebenfalls in politische Verfolgung. In Frankreich widmet sich Locke der Medizin und Literatur und lernt zudem einige Gelehrte, die die Schule des Philosophen Gassendis vertreten, kennen. Zu seiner Rückkehr nach England im Jahre 1679, befindet sich das Land in den Wirren der Restauration, sein Freund Shaftesbury wurde während seiner Abwesenheit gestürzt und geriet in Towerhaft. Eine erneute Gefangennahme des Grafen führt zu dessen Flucht ins holländische Exil. Auch Locke wird wieder der Beschattung der Polizei ausgesetzt und folgt 1683 seinem Freund nach Holland. Ohne Angst vor politischer Verfolgung, nimmt Locke im Exil seine Arbeit wieder auf, die er in den siebziger Jahren begann und kehrt im Zuge der Glorious Revolution 1689 nach England zurück. Die Revolution verhalf seinen Ideen zum Sieg, und es erscheinen die englischen Ausgaben seines ersten Toleranzbriefes, sowie seines philosophischen Hauptwerkes Essay concerning Human Understanding. Großzügige Stellenangebote, darunter einen Posten als Botschafter, lehnt Locke ab. Er beschränkt sich auf beratende Tätigkeiten und wird zum geistigen Führer der Whigs. Die Whigs, ursprünglich ein Spottname für schottische Bauern, wurden während der Restauration Name der Partei, die die Puritaner und Kaufleute vertrat und Gegner der katholischen Stuarts waren. Ihr gegenüber stand die Tory-Partei promonarchischer Katholiken.[2]

Bereits vor seiner Zeit im Exil schrieb Locke an seinem Hauptwerk der politischen Philosophie, den Two Treatises of Government, das sich zu einem großen Teil auf den Gedanken Shaftesburys stützt. 1693 erscheint seine wichtigste Arbeit über das Thema Erziehung, das den Titel Some Thoughts concerning Education trägt. In ganz Europa gewinnen seine Werke an Popularität und Ansehen. Aus dem aktiven Berufsleben zieht sich Locke 1691 zurück, wird allerdings 1696 Mitglied des Board of Trade and Plantations, der die Aufgabe besitzt, dem König bei Fragen über die Binnenwirtschaft und den Außenhandel mit den Kolonien beratend zur Seite zu stehen. Aus gesundheitlichen Gründen tritt er 1700 von diesem Posten zurück.

Am 28. Oktober des Jahres 1704 stirbt John Locke in Oates in der Grafschaft Essex.[3]

2. Die politische Theorie Lockes und sein Werk die Two Treatises of Government

2.1 Entstehungsgeschichte

John Lockes wichtigste politische Werke, die Zwei Abhandlungen über die Regierung wurden im Oktober des Jahres 1689, acht Monate nach seiner Rückkehr aus dem niederländischen Exil und kurz nach der Glorious Revolution, anonym in England veröffentlicht. Es sollte sich jedoch recht bald herausstellen, wessen Handschrift, die Treatises trugen. Lange Zeit wurde angenommen, die Treatises seien ein Versuch zur Rechtfertigung der Revolution von 1688, Forschungsergebnisse korrigieren diese These jedoch und datieren den Abschluß der Niederschriften zu seinem Werk auf das Jahr 1683. Die Entstehung dieser Schriften fällt auf das Jahr 1679 zurück.

Den historischen Hintergrund bildet Shaftesburys Versuch, mit Hilfe der Whig-Partei, den Katholiken Karl II. und die royalistische Tory-Partei zu stürzen, einen protestantischen Thronfolger einzusetzen und das Aufblühen einer absoluten Monarchie zu verhindern. So richtet sich Lockes erste Abhandlung über die Regierung – wahrscheinlich aus der Überzeugung seines Freundes Shaftesbury entstanden - gegen den energischen Verfechter der absoluten Monarchie und Anhänger Karl II., Robert Filmer und dessen Sammlung politischer Schriften in dem Werk Patriarcha (erschienen 1680), die er zu widerlegen versuchte.

Kurz vor der Veröffentlichung 1689 überarbeitet Locke sein Werk jedoch, verfaßte das Vorwort und paßte durch einige Zusätze und Änderungen die Schrift der neuen politischen Situation an.[4]

[...]


[1] Vgl. Elze/Repgen: Studienbuch Geschichte, Band 2, 5. Auflage, Stuttgart 1999, Seite 131 ff.

[2] Vgl. Kinder / Hilgemann: dtv-Atlas Weltgeschichte, Band 2; 32. Auflage; München 1998, Seite 267.

[3] Vgl. Specht: John Locke, Originalausgabe, München 1990, Seite 10 ff. und Thiel: Locke, Reinbek b. Hamburg, 1990, Seite 7 ff. Zur Ergänzung der biographischen Daten Lockes, siehe auch Anhang

[4] Vgl. Thiel, a.a.O., Seite 96.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
John Locke. Seine politische Theorie und Wirkungsgeschichte
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
20
Katalognummer
V41588
ISBN (eBook)
9783638398237
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit über das Leben, Wirken und die Theorien John Lockes. Enthält alle Grundlagen und bietet somit einen sehr guten, kurzen Überblick zu Locke.
Schlagworte
John, Locke
Arbeit zitieren
Andreas von Münchow (Autor), 2000, John Locke. Seine politische Theorie und Wirkungsgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41588

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