Private Equity. Eine Chance für mittelständische Unternehmen?


Seminararbeit, 2017

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

2 Grundlagen des Private Equity
2.1 Begriffsbestimmung und Marktabgrenzung
2.2 Finanzierungsphasen im Target
2.2.1 Early-Stage (Venture Capital)
2.2.2 Expansion-Stage
2.2.3 Later-Stage (Buy-Outs)
2.3 Finanzierungsarten von Private Equity Investitionen
2.3.1 Eigenkapital
2.3.2 Mezzanine – Kapital
2.4 Private Equity Prozess eines Private Equity Fonds

3 Private Equity im deutschen Mittelstand
3.1 Definition Mittelstand
3.2 Zwei aktuelle Problematiken im Mittelstand
3.2.1 Eigenkapitalproblematik
3.2.2 Nachfolgeproblematik
3.3 Status Quo zwischen Private Equity und dem Mittelstand
3.4 Wertschöpfungspotential und Chancen von Private Equity
3.4.1 für das Unternehmen
3.4.2 für den Investor

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Figure 1: Eigene Abbildung nach Becker/Ulrich (2011) S.33 ff.

Figure 2: Vgl. Credit Suisse Group AG, “Private Equity – Eine Einführung”, (2011),

Figure 3: Eigene Abbildung mit Daten von statista bereitgestellt durch KfW (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/150148/umfrage/durchschnittliche-eigenkapitalquote-im-deutschen-mittelstand)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

„Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir.“ -Franz Müntefering 17. April 2005 Bild am Sonntag- Mit dieser Aussage in einem Interview löste der damalige Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) die bekannte Heuschreckendebatte aus, gegen die die Private Equity Branche noch heute ankämpfen muss.[1] Doch was genau ist Private Equity eigentlich?

Der SPD Politiker bezog sich mit dieser Aussage auf Kapitalbeteiligungsgesellschaft, welche sich anonym und kurzfristig an Unternehmen beteiligen, diese abgrasen, um die Rendite ihrer Investition möglichst zu maximieren, und dann ein ausgebranntes Unternehmen zurücklassen. Angestoßen wurde diese Debatte durch das Unternehmen Grohe. Diese Firma gehörte zu einer Private Equity Gesellschaft, die, um Gewinne zu steigern, Umstrukturierungen vornahm, bei der die Streichung von Arbeitsplätzen die Folge war. Diese Aktion gegen Arbeitnehmer kam für Herrn Müntefering, der sich gerade im Wahlkampf befand, gerade zur rechten Zeit, unterstrich sie doch seine Äußerungen über der Wertverlust des Menschen gegenüber Kapitalinteressen. Dass diese Umstrukturierung jedoch tatsächlich erfolgreich zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit führte, wurde außer Acht gelassen.[2] Wichtig war, das negative Image zu schüren.

Mittlerweile hat sich die Einstellung gegenüber Private Equity Investoren deutlich gebessert. Viele haben die Chancen und Vorteile entdeckt. Das ist auch an dem Private Equity Indikator des Bundesverbandes deutscher Kaitalanleger erkennbar, der Auskunft über die allgemeine Stimmung auf dem Private Equity Markt gibt. Während Ende 2004 der Indikator für den Private Equity Markt bei 23,3 lag, ist er bis zum Ende des vierten Quartals 2016 auf 62,1 gestiegen.[3]

Trotzdem begegnet man auch heute noch den Private Equity Gesellschaften mit viel Skepsis.

In dieser Seminararbeit sollen im ersten Teil die theoretischen Grundlagen des Private Equity dargestellt werden. Darauffolgend wird dann ein Blick auf die praktische Anwendung von Private Equity im Mittelstand geworfen, und aufgezeigt, wie ein Investor die Unternehmensentwicklung positiv beeinflussen könnte.

2 Grundlagen des Private Equity

2.1Begriffsbestimmung und Marktabgrenzung

Beim Private Equity handelt es sich um eine Finanzierungsmöglichkeit für Unternehmen, die zum Beispiel für neue Technologien, Forschung, Einführung neuer Produkte, Erweiterungen von Anlagen oder zur Stärkung der Bilanz, frisches Kapital benötigen. Zudem können Eigentumsverhältnisse, wie zum Beispiel eine Nachfolgeregelung, neu strukturiert werden.[4] Um den Begriff „Private Equity“ näher beschreiben zu können, ist es zunächst nötig, diese spezielle Finanzierungsform abzugrenzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Figure1: Eigene Abbildung nach Becker/Ulrich (2011) S.33 ff.

Wie aus der oben stehenden Grafik ersichtlich, haben Unternehmen die Optionen, sich durch Eigenkapital oder Fremdkapital zu finanzieren. Bei der Fremdkapitalfinanzierung handelt es sich zum Beispiel um ein Darlehn einer Bank. Fremdkapital kann aber auch über die Ausgabe von Anleihen beschafft werden. In beiden Fällen muss das Unternehmen für die Überlassung des Kapitals einen festgelegten Zins an den Gläubiger zahlen. Da dieser nicht abhängig ist vom Gewinn und Verlust des Unternehmens, handelt es sich also um eine erfolgsunabhängige Rendite aus Sicht des Gläubigers.Obwohl der Gläubiger an der Finanzierung beteiligt ist, hat er kein Recht auf Mitbestimmung im Unternehmen.[5]

Bei der Eigenkapitalfinanzierung handelt es sich hingegen um eine direkte Beteiligung des Gläubigers am Unternehmen. Hierbei unterscheidet man zwischen dem Public-Equity (Öffentliches Eigenkapital), das in Form von Aktien oder Anleihen an der Börse gehandelt wird, und dem Private-Equity (PrivatesEigenkapital).[6]

Ein Private Equity Investor beteiligt sich nicht in Form von Aktien über die Börse, sondern kauft sich in direkter oder indirekter Form geradewegs beim Target (Zielunternehmen), das nicht an der Börse notiert sind, ein.[7]

Das direkte Investment in ein Unternehmen hat das Ziel, möglichst viel unternehmerischen Einfluss zu erlangen. Hier ist jedoch für die Auswahl eines geeigneten Investmentobjekts ein gewisses Maß an Know-How gefordert. Zudem muss der gesamte Private-Equity Prozess allein vom Investor durchgeführt werden, was meist die Kompetenz eines einzelnen Anlegers übersteigt. Problematischistauch die geringe Diversifikation und das damit einhergehende Ausfallrisiko eines Investments.

Eine Direktanlage ist auf Grund der genannten Nachteile von wenigen institutionellen Anlegern gewollt, aber lohnt sich auch nur, wenn die Transaktionskosten niedriger sind als die eines Fonds.[8]

Bei einer indirekten Investition hingegen investiert der Anleger (Private Personen, Großunternehmen, Dachfonds, Versicherungen) in einen Private Equity Fonds, welcher dann das gebündelte Kapital in ausgewählte Portfoliounternehmen investiert.Diese Art von Fonds werden Primärfonds genannt. Neben diesen gibt es noch übergeordnete Dachfonds, die in Primärfonds investieren und über die das Geld dann in die Portfoliounternehmen fließt.[9]

Durch die indirekte Anlage ist eine viel größere Diversifikation und Risikostreuung möglich. Zwar sind die Kosten eines Fonds nicht immer sehr niedrig, jedoch meist geringer als bei einer Direktanlage.[10]

Bei der Eigenkapitalfinanzierung ist die Rendite, anders als bei er Fremdkapitalfinanzierung, erfolgsabhängig. Der Gläubiger wird direkt am Gewinn und Verlust des Targets beteiligt.[11]

Zusammenfassend gesagt, birgt das Eigenkapital eine Finanzierungs-, Herrschafts-, Existenzsicherungs-, Gewinnverteilungs-, Haftungs- und Garantie-funktion in sich, während das Fremdkapital nur die Finanzierungsfunktion erfüllt. Somit trägt der Eigenkapitalgeber langfristig zum Fortbestand des Unternehmens bei,[12] was zwar ein größeres Risiko mit sich bringt, aber bei Gewinnen des Portfoliounternehmens meist zu größeren Renditen führt, als bei einem festgelegten Zins.

Bei einer Private Equity Finanzierung ist es meistens so, dass der Investor nicht nur Kapital zur Verfügung stellt, sondern auch Managerleistung erbringt. So kommt es dann meist zu organisatorischen und strukturellen Optimierungen.[13]

Durch das Wort „Private“ könnte man meinen, dass beim Private Equity nur private Investoren Kapital bereitstellen. Dem ist jedoch nicht so. Zum größten Teil sind es institutionelle Kapitalgeber.[14]

2.2Finanzierungsphasen im Target

Eine Private Equity Finanzierung ist grundsätzlich in jeder Unternehmensphase eine Möglichkeit, um frisches Kapital zu erlangen. Eine Finanzspritze in Form von Eigenkapital wird ein Unternehmen jedoch nur in Anspruch nehmen, wenn die Möglichkeiten einer Fremdkapitalfinanzierung ausgeschöpft sind, da durch eine Eigenkapitalfinanzierung nicht selten Einfluss auf das unternehmerische Handeln seitens des Investors genommen wird.[15]

Im Folgenden werden die drei unterschiedlichen Phasen eines Unternehmenszyklus, wie in der Fachliteratur publiziert, erläutert.

2.2.1Early-Stage (Venture Capital)

„Ganz hart am Wind segeln Investoren mit Start-Ups. Dabei sind Multiplikatoren im zweistelligen Bereich möglich – oder die Pleite. […] Alle 20 Stunden wird hierzulande ein IT-Start-Up gegründet.“[16]

- private wealth Magazin, Dezember 2016-

Wie in dem oben zu lesenden Zitat, kann eine Eigenkapitalinvestition in ein Unternehmen während der Early Stage Phase sehr gewinn-, wie auch verlust-bringend sein.

Aus diesem Grund spricht man hier auch vom Venture Capital, oder auch Wagniskapital.[17]

Die Early-Stage Phase eines Unternehmens kann in zwei Teilphasen unterteilt werden. In der Seedphasehat der Gründer eine erste Geschäftsidee, braucht aber Kapital um diese zu präzisieren. Gestartet wird mit der Erstellung von ersten Prototypen sowie Demonstrationsmuster, auf deren Grundlage dann ein Geschäftskonzept entworfen werden kann.

Die zweite Teilphase nennt sich „Startup“. Es geht um die Gründungsfinanzierung auf Grundlage des entworfenen Geschäftskonzepts.[18]

Hier werden erste Organisationsstrukturen erstellt. Des Weiteren wird die Produktion aufgebaut, erste Vertriebswege eingerichtet und der Markteintritt vorbereitet.[19]

In Deutschland wurde im Jahre 2016 48,3% der Private Equity Finanzierungen in diesen beiden Unternehmensphasen durchgeführt.[20]

Da in der Early Stage-Phase noch keine Umsatzerlöse generiert werden und auch die Aufnahme von Fremdkapital begrenzt ist, sind Unternehmen in dieser Entstehungsphase auf Eigenkapitalgeber angewiesen. Oft sind es sogenannte „Business Angels“, die aus ihrem privaten Vermögen Kapital investieren und mit Hilfe ihrer Erfahrungen und fachlichen Kompetenzen die Gründer bei der Entwicklung der Geschäftsidee, der Umsetzung der Unternehmensgründung mit dem Ziel des Markteintritts unterstützen.[21]

Lars Singbartl ist so ein Business Angel und hat im Interview des Magazins „private wealth“erklärt, was die Attraktivität einer risikobehaftete Investition in ein Early-Stage Unternehmen ausmacht. Primär sei es die maximale Einflussmöglichkeit. Zudem reizt die große Auswahl an Unternehmen, in die investiert werden kann. Außerdem seien größere Gewinne möglich als bei einem schon existierendem Unternehmen. Bisher hat er 35% seines privaten Vermögens in Venture Capital investiert.[22]

Um ein Investment als erfolgversprechend einzustufen, müssen sich die Eigenkapitalgeber fragen, ob das heranwachsende Unternehmen eine technologische Alleinstellung hat, ein überzeugendes Geschäftsmodell besitzt und das Team unternehmerisch erfahren ist.[23]

Allgemein wird in der risiko- und chancenreichen Early Stage Phase das Ziel verfolgt, den Unternehmenswert mittel- und langfristig zu steigern.[24]

2.2.2Expansion-Stage

Gegenüber der Early-Stage Phase hat das Target die Gewinnschwelle erreicht und verzeichnet Cash-Flows. Jedoch ist die Aufnahme von Fremdkapital immer noch beschränkt, da dem Gläubiger nur begrenzt Sicherheiten angeboten werden können.[25]

Jedoch kann es sich hier immer noch um Venture Capital handeln, da die Unternehmen am Anfang der Phase noch nicht vollständig in den Markt integriert sind. Um die Integration voran zu treiben, benötigen Unternehmen in der Expansionsphase Kapital, um den Markt weiter zu durchdringen, die Produktkapazität zu erweitern sowie die Vertriebswege auszubauen. In der fortgeschrittenen Expansionsphase beschäftigen sich die Unternehmen bereits mit der Produkt- und Länderdiversifikation, um neue Märkte zu erobern. Es geht also darum, das Wachstum des Unternehmens zu finanzieren. Da es sich häufig um eine Zweit- oder Drittfinanzierung mittels des gleichen Eigenkapitalgebers aus der Early-Stage Phase handelt, wenden viele Venture-Kapitalgeber die Meilenstrategie an. Hier müssen vom Target festgesetzte Ziele erreicht werden um im Anschluss eine erneute Finanzspritze durch den Investor zu bekommen.[26]

Für einen Investor lohnt es sich allerdings nur, wenn er in ein Target mit guten Zukunftsaussichten investiert, d.h. das ein profitables Geschäftsmodell,[27] ein stabiles Wachstum sowie positive Cash-Flows vorhanden sein müssen. Ein expandierendes Unternehmen erhöht seine Chancen auf einen Investor zusätzlich, wenn es ein Alleinstellungsmerkmal sowie einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil hat. Des Weiteren muss das Management bereit sein, den Investor aktiv in das Unternehmen einzubinden und kooperativ zu arbeiten.[28]

2.2.3 Later-Stage (Buy-Outs)

In der Later-Stage Phase findet man die traditionellen Private Equity Finanzierungen. Bei den Targets handelt es sich um wenig verschuldete Unternehmen, die sich, trotz hoher Eintrittsbarrieren, in erschlossenen Märkten etablieren konnten.[29]

Weitere Auswahlkriterien des Investors für ein Zielunternehmen sind stabile und hohe Cash-Flows, um finanzielle Risiken zu vermeiden und wenn nötig einen Akquisitionsdarlehn, das Private Equity Investoren in dieser Phase öfters benötigen, möglichst schnell abzulösen. Wenn Unternehmen bereits eine gefestigte Position mit ausgereiften Produkten im Markt besitzen, ist beträchtliches Kapital nötig, um einen nennenswerten Anteil am Target erwerben zu können. Obendrein sollten keine großen Investitionen anstehen und das Management auch hier, wie in den vorgegangenen Phasen, qualifiziert und kooperationsbereit sein. Um den Wert des Unternehmens steigern zu können, ist es zu dem sinnvoll, wenn Potential zur Produktivitätssteigerung besteht.[30]

Die Investoren sind meist Institutionelle, die kapitalzuwachsorientiert sind und eine Mehrheitsbeteiligung im Target anstreben.

Die Later-Stage Phase kann in drei Finanzierungarten unterteilt werden: Die Bridge-, die Buy-Outs- sowie die Turnaround-Finanzierung.[31]

Das Hauptziel der Bridge-Finanzierung ist es, dem Target kurzfristig eine erhöhte Eigenkapitalquote zu beschaffen, durch die das Unternehmen an die Börse gebracht werden soll.[32] Das ist meist erforderlich, weil sich die Unternehmen am Ende der Later-Stage Phase einer großen Konkurrenz gegenüber stehen, was die Grenzumsätze sinken lässt. Durch den Börsengang möchte man langfristig die Eigenkapitalquote aufstocken und so ermöglichen, neue Investitionen zu tätigen.[33]

Die Buy-Out-Finanzierungen lassen sich wiederum in drei Arten unterteilen.

Bei dem Management-Buy-Out (MBO) wird das Unternehmen von dem bereits vorhandenen Management, unter Zuführung von Eigenkapital, übernommen.

Bei dem Management-Buy-In (MBI) übernimmt ein externes Management das Unternehmen. Sowie beim MBO als auch beim MBI muss das Management mindestens 10% der Anteile durch Eigenkapital erwerben.

Beim Leverage-Buy-Out (LBO) wird die Übernahme größtenteils durch Fremdkapital in Form von Akquisitionsdarlehn durchgeführt, die der Investor aufnimmt. Damit soll der Leverage-Efffekt ausgenutzt und die Rendite gesteigert werden.[34]

Im Jahre 2016 belief sich der Anteil für Buy-Out Finanzierungen auf 10,9 % der gesamten Private Equity Aktivitäten in Deutschland.[35]

Eine Turnaround-Finanzierung durch einen Private-Equity Investor soll Unternehmen in wirtschaftlichen Krisensituationen helfen. Hier geht es hauptsächlich darum, das Kerngeschäft durch Eigenkapitalzufuhr lebensfähig zu halten. Hilfreich ist es, wenn das Produkt des Targets einen bekannten Markennamen trägt, eine stabile Kundenbasis besteht, technologische Kompetenz sowie qualifiziertes Personal im Unternehmen vorhanden ist.[36]

2.3Finanzierungsarten von Private Equity Investitionen

2.3.1Eigenkapital

Bei der Eigenkapitalfinanzierung handelt es sich, wie das englische Wort „Equity“ schon sagt, um eine klassische Finanzierung im Private Equity. Hierbei bringt ein externer Investor Kapital aus seinem Vermögen in eine fremde Firma ein. Es gibt zwei Möglichkeiten eine solche Finanzierung zu gestalten. Entweder der Investor kauft dem bisherigen Eigentümer sein Unternehmen ab, wobei hier im ersten Schritt keine wirkliche Finanzierung stattfindet, da die Transaktion nur auf Ebene der Gesellschafter stattfindet. Oder der Kapitalgeber erhöht mit seiner Einlage das Eigenkapital des Unternehmens und wird Miteigentümer. In diesem Fall handelt es sich um tatsächliches Wagniskapital, da der Investor, zu gleichen Maßen wie die anderen Gesellschafter, am Gewinn und Verlust des Unternehmens beteiligt wird. Des Weiteren erwirbt der Investor mit seine Investition Vermögens-, Informations-, sowie Kontroll-rechte. Außerdem hat er ein Mitbestimmungsrecht in der Geschäftsleitung. Beteiligungen in Form von Eigenkapital wird der Investor aufgrund der beschränkten Haftung nur bei den Gesellschaftsformen Aktiengesellschaft, GmbH und der KG eingehen.[37]

2.3.2Mezzanine– Kapital

Abgesehen von einer klassischen Private-Equity Beteiligung eines Investors durch Eigenkapital, besteht die Option, sich mit Mezzanine-Kapital in einem Unternehmen zu beteiligen. Mezzanine-Kapital ist sowohl durch Eigenkapital-, alsauch Fremdkapitaleigenschaften charakterisiert. Man spricht auch von einer Hybridfinanzierung, was auf die Charaktereigenschaften hinweist.[38] So wird im Falle einer Insolvenz das Mezzanine-Kapital nachrangig zu anderen Fremdkapitalgläubigern bedient, jedoch vor den „echten“ Eigenkapitalgebern. Die Finanzierung ist, wie bei einer Fremdkapitalfinanzierung, zeitlich auf 5 – 10 Jahre befristet. Fremdkapitalähnlich ist, dass keine Verwässerung der Gesellschaftsanteile erfolgt, da ein Mezzanine-Kapitalgeber keine Stimmrechte besitzt. Jedoch kann es als bilanzielles Eigenkapital in Form einer stillen Einlage strukturiert werden. Dies erhöht die Eigenkapitalquote des Unternehmens und verbessert das Rating zum Beispiel bei Banken. Besonders deutlich wird die Zwitterstellung des Mezzanine-Kapitals zwischen dem Eigen- und dem Fremdkapital bei der Risiko- und Renditeverteilung.[39]

Wie schon beschrieben, besitzt das Mezzanine-Kapital in puncto Risiko die Eigenschaften von Eigenkapital. Deshalb fordern die Investoren natürlich auch eine höhere Rendite, gleich wie ein eigentlicher Eigenkapitalgeber. So setzt sich die Verzinsung aus zwei Bestandteilen zusammen. Zum einen gibt es eine erfolgsunabhängige Verzinsung in Form eines festen Zinssatzes, der dann auch vom Target steuerlich als Betriebsaufwand erfasst werden kann. Zum anderen bekommt der Kapitalgeber zusätzlich eine erfolgsabhängige Vergütung in Form von Gewinn- oder Verlustbeteiligung.[40]

Das Mezzanine-Kapital ist gesetzlich nicht definiert und kann in den Punkten Risiko und Rendite sehr flexibel ausgestaltet werden. In Deutschland findet man solche Finanzierungen oft in Form von Options- und Wandelschuldverschreibungen, sowie als Nachrangdarlehn, Genussrecht oder als stille Beteiligung.[41]

Aufgrund der flexiblen Gestaltungmöglichkeiten, kann Mezzanine-Kapital in allen Phasen eines Unternehmens eingesetzt werden, allerdings nicht bei Early-Stage Unternehmen. Da der Investor der flexiblen Erfolgsvergütung eben auch eine feste Verzinsung bekommt, ist das Target auf Cashflows angewiesen, welche in der frühen Gründungsphase meist noch nicht vorhanden sind. Solche Mezzanine-Finanzierungen werden bevorzugt gewählt, wenn das Unternehmen keine Kredite mehr aufnehmen kann, da mit so einer Finanzierung meist erhöhte Kosten einhergehen.[42]

2.4Private Equity Prozesseines Private Equity Fonds

Der Anfang der meisten Private Equity Investitionen liegt bei dem kapitalsuchendem Unternehmen. Dieses muss sich zunächst genauestens mit der Bedeutung und den Konsequenzen einer solchen Finanzierung auseinander setzten. Hierbei sollte dem Unternehmen klar werden, dass ihm eine erhebliche Veränderung bevor steht, wenn es zu einem zusätzlichen Eigenkapitalgeber kommt. Der Private Equity Investor wird das Ziel verfolgen, den Unternehmenswert so viel es geht zu steigern, um seine Rendite bei einer späteren Weiterveräußerung, was das Ziel einer jeden Private Equity Finanzierung ist, zu maximieren.[43]

Wenn der Wunsch weiterhin besteht, sich durch einen Private Equity Investor zu refinanzieren, erstellt das Unternehmen einen Business-Plan. Dieser dient als Visitenkarte für das Unternehmen. Er beinhaltet unter anderem eine Markt- und Konkurrenzanalyse, die Organisation, die Finanzlage, das Unternehmensprofil und eine Risikoanalyse. Sozusagen die wichtigsten rechtlichen, finanziellen und operativen Rahmenbedingungen.[44]

Nachdem dies vollzogen ist, ergreift das Unternehmen meist die Initiative und kontaktiert nach gründlicher Auswahl passende Private-Equity Fonds. Oft wird im Vorhinein eine Geheimhaltungserklärung verlangt, damit keine Unternehmensinternen Daten an die Öffentlichkeit gelangen.

Nun wird der Investitionsprozess beim Private-Equity Partner fortgesetzt. Dieser identifiziert nun für sich, welche Unternehmen zu seiner Fondsstrategie passen. Hierbei stellt sich für den Investor die Schwierigkeit, auf einer Seite möglichst viele passende Unternehmen zu finden und auf der anderen Seite die Unternehmen, welche nicht vielversprechend sind so schnell wie möglich aus der Auswahl zu streichen. Dieses Auswahlverfahren nennt man auch Deal-Flow.[45]

Nachdem der Fond ein renditeversprechendes Unternehmen gefunden hat, kommt es oft zu einer Managementpräsentation, da das Verhältnis zwischen Fondmanagement und Unternehmer zu einem späteren Zeitpunkt sehr wichtig wird. Wenn auch dieser Punkt positiv bewertet wird, kommt es oft zu einem Letter ofIntent (LOI). Hierbei handelt es sich um einen Vorvertrag, bei dem der aktuelle Verhandlungsstand festgehalten wird. Zudem kommt es oft zu einer Exklusivitätserklärung, in der sich beide Seiten verpflichten, für einen bestimmten Zeitraum nur mit dieser einen Partei zu verhandeln.[46]

Darauf folgt die Due Dilligence-Prüfung. Hierbei wird das Zielunternehmen genauestens vom Investor durchleuchtet, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Eine solche Prüfung erfolgt zum Beispiel in den Bereichen Finanzen, Rechnungswesen, Personal oder auch Marketing. Ist diese Prüfung positiv ausgefallen und das Target komplett vom Investor übernommen werden soll, kommt es zur Unternehmensbewertung, welche Grundlage für die späterenKaufpreisverhandlungen ist. Zur Ermittlung des Unternehmenswertes gibt es verscheiden Verfahren wie zum Beispiel die Ertragswertmethode oder das DCF-Verfahren. Jedoch soll an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen werden.[47]

Sobald sich die beiden Parteien auf einen Kaufpreis oder die Höhe der Eigenkapitalbeteiligung geeinigt haben, kommt es zur Dokumentation, also zum Vertrag. Nachdem die endgültigen Vertragsverhandlungen abgeschlossen sind, kommt es zum Signing, also zur Unterschrift der beiden Parteien. Dies muss jedoch nicht heißen, dass der Vertrag ab diesem Zeitpunkt Gültigkeit hat. Dies kann auch erst Wochen später der Fall sein und wird als Closing bezeichnet.[48]

Ein Private Equity Fond wird meistens für eine Zeit von 10 – 20 Jahre aufgelegt, in der die Fondinvestoren meist nur schwer an ihr Geld kommen. Der nun beschriebene Prozess wird von dem Equity-Fond bei jedem Portfoliounternehmen durchgeführt, in welche zu Beginn der Laufzeit investiert wird.[49] Wie der unten stehend Grafik zu entnehmen ist, nennt sich diese Phase auch Investitionsphase (hier von Jahr 1 bis Jahr 6) in der der General Partner (Manager des Private Equity Fonds) die Kapitalzusagen der Limited Partner (Investoren in den Fonds) abruft. In dieser Phase kommt es zu gar keinen oder nur sehr geringen Ausschüttungen an die Fond-Investoren. Zu Auszahlungen an die Limited Partner kommt es erst in der Realisierungsphase. Hier werden erste Portfoliounternehmen wieder durch ein Exit liquidiert. Der Gewinn durch die Veräußerung wird dann zu Teilen an die Limited Partner ausgezahlt, wie hier ab dem Jahr 6 in der Grafik zu sehen ist. Die Einlage in den Fond wird jedoch nicht ausgezahlt, sondern in ein neues Portfoliounternehmen investiert, bis die Laufzeit des Fonds verstrichen ist.[50]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Figure 2: Vgl. Credit Suisse Group AG, “Private Equity – EineEinführung”, (2011), S. 4

Ein solcher Exit kann unterschiedlich gestaltet werden. Eine Möglichkeit ist es, das Target nach der Private-Equity Finanzierung an der Börse zu platzieren. Dies ist auch sehr oft das Ziel eines Unternehmens, das eine Private-Equity Finanzierung in Betracht zieht. So soll die Eigenkapitalquote für den Börsengang aufgestockt werden. Ein solches Exit-Szenario nennt man Initial Public Offering (IPO). Durch die Platzierung an der Börse ist es für das Unternehmen möglich, in Zukunft über den Sekundärmarkt einfacher an liquide Mittel zu kommen. Der Private Equity Fond hat dann die Möglichkeit seine Anteile an dem Target an der Börse zu verkaufen. Oft ist es aber der Fall, dass der General Partner dies nicht vollständig ausnutzt. Denn wenn alle Anteile auf einen Schlag verkauft würde, könnte Misstrauen an der Börse erweckt werden.[51] In Deutschland kommt dies eher selten vor. So hat die BVK an ihrer Untersuchung festgestellt, dass im Jahr 2016 ein Unternehmen nach einer Private Equity Finanzierung an die Börse gebracht wurden. Dies entspricht einem Anteil von 0,1 %.[52]

[...]


[1] Vgl. Hess (2007), S. 23

[2] Vgl. Bundesverband Alternativer Investments e.V., Fact-Sheet, S.2

[3] Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, German Private Equity Barometer

[4] Vgl. Hess (2007), S. 15

[5] Vgl. Bundesverband Alternative Investment e.V., Fact-Sheet, S.1

[6] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 26

[7] Vgl. Hess (2007), S.15

[8] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S 196 ff.

[9] Vgl. Bundesverband Alternative Investment e.V., Fact-Sheet, S.1

[10] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S 196 ff.

[11] Vgl. Bundesverband Alternative Investment e.V., Fact-Sheet, S.1

[12] Vgl. Becker/Ulrich (2011), S. 35

[13] Vgl. Bundesverband Alternative Investment e.V., Fact-Sheet, S.1

[14] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 26

[15] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 33

[16] Vgl. private waelth Magazin Heft 4 (Dezember 2016)., S. 50

[17] Vgl. Becker/Ulrich (2011) S. 40

[18] Vgl. Hess (2007), S. 26

[19] Vgl. Diller (2007) S. 20

[20] Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften: BVK-Statistiken (2017), Excel Blatt „Investitionen“

[21] Vgl. Becker/Ulrich (2011), S. 40

[22] Vgl. private waelth Magazin Heft 4 (Dezember 2016)., S. 50/51

[23] Vgl. Diller (2007) S. 20

[24] Vgl, Gündel/Katzorke (2007), S. 175

[25] Vgl. Hess (2007), S. 26

[26] Vgl. Diller (2007), S. 21

[27] Vgl. Becker/Ulrich (2001), S. 41

[28] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 176

[29] Vgl. Becker/Ulrich (2001), S. 41

[30] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 176/177

[31] Vgl. Becker/Ulrich (2001), S. 43

[32] Vgl. Hess (2007), S. 26

[33] Vgl. Diller (2007), S. 22

[34] Vgl. Hess (2007), S. 26

[35] Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften: BVK-Statistiken (2017), Excel Blatt „Investitionen“

[36] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 176/177

[37] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 124

[38] Vgl. Bundesverband Alternative Investment e.V., Fact-Sheet, S.2

[39] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 24

[40] Vgl. Credit Suisse Group AG (2011), S. 3

[41] Vgl. Diller (2007), S. 9

[42] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 137

[43] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 166

[44] Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (2009), S. 6

[45] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 168

[46] Vgl. Becker/Ulrich (2011), S. 55

[47] Vgl. Gündel/Katzorke (2007), S. 178-180

[48] Vgl. Becker/Ulrich (2011), S. 56

[49] Vgl. Bundesverband Alternativer Investments e.V., Fact Sheet, S. 11

[50] Vgl. Credit Suisse Group AG(2011), S. 4

[51] Vgl. Diller (2007), S. 15

[52] Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften: BVK-Statistiken (2017), Excel Blatt „Divestments“

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Private Equity. Eine Chance für mittelständische Unternehmen?
Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V415883
ISBN (eBook)
9783668658899
ISBN (Buch)
9783668658905
Dateigröße
743 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
private, equity, eine, chance, unternehmen
Arbeit zitieren
Marvin Zimber (Autor), 2017, Private Equity. Eine Chance für mittelständische Unternehmen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415883

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