Mit zunehmender Lebenserwartung der Menschen, dem Wachstum der Bevölkerung und dem steigenden Gesundheitsbewusstsein, werden weltweit auch immer mehr Arzneimittel nachgefragt. Doch die Pharmaindustrie ist nicht nur durch eine enorme Regelungsdichte gekennzeichnet, sondern hat auch mit einer unberechenbaren Gesetzgebung zu kämpfen. Um der steigenden Nachfrage und den Anforderungen gerecht werden zu können, muss die Forschung und Entwicklung neuer Arzneien kontinuierlich fortlaufen. Die Aufwendungen von Entwicklungsprojekten sind jedoch sehr hoch.
Im Rahmen dieser Arbeit wird zu nächst geklärt, was unter einer klinischen Studie zu verstehen ist, ehe kurz auf die wichtigsten Grundlagen der Forschung und Entwicklung von Arzneimittel allgemein eingegangen wird. Im folgenden Kapitel wird die Rolle von Selbsthilfegruppen bei Entwicklungsprojekten dargestellt. Da diese Selbsthilfegruppen in der Regel aus Menschen mit seltenen Erkrankungen bestehen, die selbst aktiv werden und durch Eigenstudien und Spenden zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten beitragen, wird im Weiteren auf die Stellung und Entwicklung von Orphan Drugs eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmungen
2.1 Klinische Studien
2.2 Forschung und Entwicklung von Pharmazeutika
3. Die Rolle der organisierten Selbsthilfegruppen
3.1 Die Waisen der Pharmaindustrie
3.2 Forschung und Entwicklung von Orphan Drugs
3.3 Organisierte Studien durch Selbsthilfegruppen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von organisierten Selbsthilfegruppen als alternatives Finanzierungs- und Unterstützungsinstrument bei Entwicklungsprojekten in der Pharmaindustrie, insbesondere im Kontext seltener Erkrankungen (Orphan Diseases).
- Herausforderungen in der pharmazeutischen Forschung und Entwicklung
- Analyse der Marktsituation für Orphan Drugs
- Beteiligung von Patientenvereinigungen an klinischen Studien
- Rolle der Selbsthilfe bei der Finanzierung medizinischer Forschung
- Ethische Aspekte der Patientenbeteiligung und Selbststudien
Auszug aus dem Buch
3.3 Organisierte Studien durch Selbsthilfegruppen
Seltene Erkrankungen zwingen die Betroffenen häufig dazu selbst aktiv zu werden. In einer der 70.000 bis 100.000 Selbsthilfegruppen in Deutschland, können sie sich in Gruppen zusammenfinden und mit Menschen austauschen, die dasselbe Leiden teilen. Die Mehrheit dieser Vereinigungen befassen sich mit Themen rund um Krankheit, Behinderung und Gesundheit. Aus den regionalen Selbsthilfegruppen bilden sich die jeweiligen Selbsthilfeorganisationen, welche ihre Mitglieder in der Öffentlichkeit vertreten, indem sie sich bemühen relevante Entscheidungen der Politik zu beeinflussen und Anreize wie zum Beispiel Forschungspreise bieten.
In einem Interview, erklärte Magdalene Kaminski, die Bundesvorsitzende der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV), dass es für die dPV von enormer Bedeutung sei, medizinische Forschungen im Bereich der Parkinson-Krankheit kontinuierlich zu unterstützen, um das Leiden der Mitglieder möglichst zügig zu lindern und ihre Lebensumstände zu bessern. Daher initiiert die Selbsthilfeorganisation klinische Studien, vor allem im Areal der Bewegungsstörungen. Klinische Studien sind sehr komplex und die Forschungsarbeit ist immer kostenintensiver geworden, wohingegen Zuschüsse durch Bund und Länder eher eine Seltenheit darstellen. Die Fördermittel der dPV stammen aus dem Stiftungsvermögen ihrer Hans Tauber Stiftung, deren Kapital aus Erbschaften und Spendengeldern zusammen kommt.
Welche unterstützende Rolle Patientenvereinigungen bei der Entwicklung von Pharmazeutika spielen können, zeigt auch das nächste Beispiel. Die Plattform PatientsLikeMe, hilft den Betroffenen dabei für sich passende klinische Studien ausfindig zu machen und liefert Informationen über Forschungsstände und -entwicklungen. 2008 wurde so ein Bericht der Zeitschrift PNAS publik. Einem Forscherteam aus Italien stellte aufgrund einer Studie mit 44 Probanden die Vermutung auf, dass mit einer Lithiumeinnahme die Fortschreitung der Amyotrophen Lateralsklerose, kurz ALS, gehemmt werden könnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die ökonomische und regulatorische Komplexität der Pharmaindustrie ein und stellt die Relevanz von Selbsthilfegruppen bei der Finanzierung von Entwicklungsprojekten dar.
2. Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmungen: Das Kapitel erläutert die regulatorischen Anforderungen an klinische Studien sowie die ökonomischen Rahmenbedingungen der Forschung und Entwicklung von Pharmazeutika.
3. Die Rolle der organisierten Selbsthilfegruppen: Dieses Kapitel untersucht die Situation von Patienten mit seltenen Erkrankungen und analysiert, wie Selbsthilfegruppen aktiv die Forschung unterstützen und alternative Finanzierungsmöglichkeiten erschließen.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass staatliche Anreize für Orphan Drugs oft nicht ausreichen und plädiert für eine stärkere Einbindung sowie ethische Absicherung der Patienten bei der Erforschung neuer Therapien.
Schlüsselwörter
Pharmazeutische Industrie, Forschung und Entwicklung, Orphan Drugs, Seltene Erkrankungen, Selbsthilfegruppen, Klinische Studien, Patientenbeteiligung, Arzneimittelzulassung, Gesundheitswesen, Finanzierung von Entwicklungsprojekten, Ethikkommission, Marktexklusivität, Patientenvereinigungen, Krankheitsbilder, Arzneimitteltherapie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wachsende Bedeutung von organisierten Selbsthilfegruppen als Akteure, die durch finanzielle Mittel und eigenes Forschungsengagement zur Entwicklung neuer Medikamente beitragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die pharmazeutische Produktentwicklung, die Herausforderungen bei der Behandlung seltener Krankheiten (Orphan Diseases) und die Möglichkeiten der Patientenpartizipation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Selbsthilfegruppen Lücken in der Forschungsfinanzierung schließen können, da der Markt für bestimmte Medikamente für Unternehmen ökonomisch oft nicht rentabel ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung von Fallbeispielen sowie der Betrachtung rechtlicher und ökonomischer Rahmenbedingungen der pharmazeutischen Forschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen klinischer Studien erörtert, anschließend die spezifische Problematik der "Waisen der Pharmaindustrie" beleuchtet und schließlich die Initiativen von Patientenvereinigungen zur Forschungsförderung dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Orphan Drugs, Pharmaindustrie, Selbsthilfe, klinische Forschung und Patientenpartizipation definiert.
Warum sind Orphan Drugs für die Pharmaindustrie ökonomisch schwierig?
Da an seltenen Krankheiten nur sehr wenige Menschen leiden, ist der Absatzmarkt klein, während die Kosten für Forschung, Entwicklung und Zulassung extrem hoch sind.
Welche ethischen Fragen werfen Selbststudien von Patienten auf?
Es besteht das Risiko, dass verzweifelte Patienten sich an Selbststudien beteiligen, die aufgrund mangelnder medizinischer Aufsicht gefährlich sein können, weshalb der Ruf nach einer Genehmigungspflicht durch Ethikkommissionen laut wird.
- Arbeit zitieren
- Melanie Herrmann (Autor:in), 2017, Organisierte Selbsthilfegruppen als ein alternatives Instrument zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten in der Pharmaindustrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415939