Klassische und moderne Bindungsforschung. Psychosoziale Grundlagen für die Persönlichkeitsentwicklung


Fachbuch, 2018
68 Seiten
Theresa Dettner (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil 1: Klassische Bindungsforschung

1 Historische Ursprünge der Bindungstheorie
1.1 Die Psychoanalyse Sigmund Freuds
1.2 Die Hospitalismusforschung von René Spitz
1.3 Harry Harlows Experimente mit Rhesusaffen

2 Die Bindungstheorie
2.1 Biographie John Bowlbys
2.2 Grundlagen der Bindungstheorie
2.3 Mary Ainsworth und die Messung der Bindungsqualität

Teil 2: Weiterentwicklung der Bindungsforschung

3 Neurobiologische Erkenntnisse
3.1 Frühe negative Lernerfahrungen und die Auswirkungen auf das sich entwickelnde Gehirn
3.2 Tierexperimentelle Forschung

4 Bindungen im Lebenslauf
4.1 Bindung im Kindesalter
4.2 Bindung im Jugendalter
4.3 Bindung im Erwachsenenalter
4.4 Weitergabe von Bindungsmustern über Generationen
4.5 Stabilität und Instabilität von Bindungsmustern
4.6 Die Bedeutung früher Bindungserfahrungen für die weitere Entwicklung

Teil 3: Folgen von Misshandlungserfahrungen - Präventive Interventionsmöglichkeiten

5 Kindesmisshandlung und die Bedeutung für die weitere soziale Entwicklung
5.1 Definitionen und Häufigkeit von Kindesmisshandlung
5.2 Folgen für die weitere Entwicklung misshandelter Kinder
5.3 Theoretische Erklärungsansätze zum Zusammenhang von Misshandlungserfahrungen und späteren Verhaltensproblemen
5.4 Zur These der Weitergabe von Misshandlung

6 Präventive Interventionsmöglichkeiten
6.1 Das STEEP-Programm
6.2 Erste Umsetzung und Evaluation des STEEP-Programms

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Es ist für Menschen charakteristisch, starke affektive Beziehungen miteinander einzugehen. Einige der stärksten Gefühle hängen damit zusammen, wie diese Beziehungen sich entwickeln. Während stabile Beziehungen eine Quelle der Freude und Sicherheit sind, lösen Trennung, Verlust bzw. drohender Verlust Angst oder Ärger oder Trauer und Depression aus“ (John Bowlby 1987, S. 22).

Anhand der Darstellung dieser intensiven emotionalen Gefühlsausdrücke, die in sozialen Beziehungen entstehen können, wird deutlich wie wichtig stabile Beziehungen für das menschliche Miteinander sind und welche Rolle sie für das seelische Empfinden des Menschen spielen. Eine Bindungsbeziehung ist demnach nicht nur von positiven Gefühlen begleitet, sondern auch Trennungsleid und Verlustängste können bei ihrer Gefährdung empfunden werden.

Vor allem neugeborene Säuglinge sind grundlegend auf eine emotionale Beziehung angewiesen. John Bowlby postuliert in seiner Bindungstheorie, die er in den 1950er Jahren begründet, dass das Bedürfnis eine Bindung zu einer Bezugsperson einzugehen angeboren ist und aus evolutionsbiologischer Sicht eine überlebenssichernde Funktion hat (Bowlby 2010). Die Funktion dieser Bindungsbeziehung ist es dem heranwachsenden Kind Schutz zu geben. In der Interaktion mit der Bezugsperson lernt das Kind das Ausmaß an Beständigkeit kennen, mit dem seine Bedürfnisse befriedigt werden.

Mary Ainsworth erweiterte Bowlbys theoretische Annahmen um empirische Forschungen der Mutter-Kind-Beziehung, indem sie die Qualität der Bindung von Kindern zu ihren Müttern nach einem Jahr in dem sogenannten Fremde-Situations-Test erfasste. Die beobachtbare Qualität der Bindungsbeziehung in der Fremden Situation ist dabei abhängig von der Art und Weise, wie die Bezugsperson auf die emotionalen Bedürfnisse des heranwachsenden Säuglings im Laufe des ersten Lebensjahres reagiert hat (Grossmann/Grossmann 2012).

Die theoretischen Grundlagen der Bindungstheorie sollen zur Auseinandersetzung mit tiefer gehenden Fragestellungen der Bindungsforschung dienen. Es ergeben sich dabei folgende Fragen, die im Laufe der Arbeit erörtert werden sollen:

Welchen Einfluss haben frühe Bindungserfahrungen auf die weitere Entwicklung eines Menschen? Welchen Herausforderungen stehen Heranwachsende im Laufe ihrer Entwicklung gegenüber und wie meistern sie diese in Abhängigkeit zu ihren frühen Bindungserfahrungen? Wie wirken sich emotionale Lernerfahrungen, die in der Interaktion mit der Bezugsperson entstehen, auf die Entwicklung des Gehirns aus? Welche Auswirkungen haben negative Bindungserfahrungen auf die soziale und emotionale Entwicklung eines Menschen? Ist es möglich ein verinnerlichtes Modell negativer Bindungserfahrungen durch neue positive Beziehungserfahrungen zu modifizieren und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Wie lassen sich Verhaltensauffälligkeiten misshandelter Kinder theoretisch erklären? Schließlich stellt sich die für die sozialpädagogische und therapeutische Praxis bedeutende Frage, auf welche Weise sich der Kreislauf von Misshandlung unterbrechen lässt und wie Kinder in Familien, die von vielen Risikofaktoren betroffen sind, vor Erfahrungen der Misshandlung bewahrt werden können.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Hauptteile. Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen anhand der klassischen Bindungsforschung herausgearbeitet. Zunächst werden die Ursprünge der Bindungstheorie mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds, der Hospitalismusforschung René Spitz’ und der tierexperimentellen Forschung Harry Harlows betrachtet. Im Anschluss daran werden wichtige theoretische Konzepte und Grundbegriffe der Bindungstheorie nach John Bowlby und Mary Ainsworth dargelegt.

Darauf aufbauend steht im zweiten Teil der Arbeit die Weiterentwicklung der Bindungsforschung im Fokus. Erkenntnisse aus der Neurobiologie sollen dabei in einem eigenen Kapitel aufzeigen, wie sich frühe emotionale Erfahrungen auf die Hirnentwicklung auswirken. In einem weiteren Schritt werden die Auswirkungen früher Bindungserfahrungen auf die Entwicklung im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter untersucht. Ergebnisse von Längsschnittuntersuchungen sollen darüber hinaus den Entwicklungsverlauf von Kindern aufzeigen, die vielfältigen erschwerenden Lebensbedingungen ausgesetzt sind.

Im dritten Teil steht die Betrachtung des Phänomens der Kindesmisshandlung im Mittelpunkt. Nach der Unterscheidung der Misshandlungsformen wird die Bedeutung von Kindesmisshandlung für die weitere soziale Entwicklung eines Heranwachsenden untersucht. Welche Faktoren beim Entstehen von Verhaltensauffälligkeiten misshandelter Kinder eine Rolle spielen, soll anhand verschiedener theoretischer Erklärungsmodelle diskutiert werden.

Abschließend wird eine bindungstheoretisch fundierte Möglichkeit der Prävention vorgestellt, die darauf ausgerichtet ist, Kindern aus risikobehafteten Familien zu einer positiven Entwicklung zu verhelfen.

Teil 1: Klassische Bindungsforschung

Im ersten Teil dieser Arbeit soll ein Überblick über die klassische Bindungsforschung gegeben werden. Angefangen bei den Ursprüngen, wird die Bindungstheorie in ihren historischen Kontext eingebettet. Daran anschließend erfolgt die Betrachtung der Bindungstheorie von John Bowlby. Auch der bindungstheoretischen Forschung Mary Ainsworths soll daraufhin besondere Beachtung geschenkt werden.

1 Historische Ursprünge der Bindungstheorie

Die Bindungstheorie entstand in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, als sich der englische Psychiater und Psychoanalytiker John Bowlby mit der Psychoanalyse Freuds kritisch auseinandersetzte (Grossmann/Grossmann 2012). Es erscheint daher sinnvoll, sich zunächst mit den Grundzügen dieser Forschungstradition zu beschäftigen. Da auch andere wissenschaftliche Perspektiven die Bindungstheorie Bowlbys beeinflusst haben, werden auch diese in die vorliegende Arbeit einbezogen. Exemplarisch werden hier die Hospitalismusforschung von René Spitz und die tierexperimentelle Forschung mit Rhesusaffenbabys von Harry Harlow vorgestellt.

1.1 Die Psychoanalyse Sigmund Freuds

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Sigmund Freud die Psychoanalyse, welche sich mit unbewussten Prozessen der Psyche und der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen befasst (Bründel/Hurrelmann 1996). Nach Freud erfolgt die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes im Konflikt zwischen den natürlichen kindlichen Trieben und den kulturellen Normen und Anforderungen einer Gesellschaft.

Freud unterscheidet in seiner Theorie das Es, das Ich und das Über-Ich als zentrale Instanzen der Persönlichkeit. Der Mensch befindet sich in einem Spannungsverhältnis zwischen diesen (Ecarius/Köbel/Wahl 2011). Von Geburt an besitzt er Bedürfnisse, wobei das Es stets darum bemüht ist diese zu befriedigen. So besteht beim Säugling das Bedürfnis nach Nahrung und er wird das ihm Mögliche tun, damit dieses Bedürfnis möglichst unmittelbar befriedigt wird. Das Es repräsentiert also das Triebhafte des Menschen. Doch mit der Zeit wird der Säugling merken, dass seine Umgebung nicht immer sofort seine Triebbedürfnisse befriedigen wird. So bildet sich nach und nach ein Über-Ich aus, welches die Normen der Umgebung repräsentiert, die der Triebbefriedigung entgegenstehen. Auch das Ich entwickelt sich langsam. Es ist der Vermittler zwischen dem Es und dem Über-Ich, denn es ist stets darum bemüht Wege der Triebbefriedigung zu finden, die gleichzeitig den Normen der Gesellschaft gerecht werden. Am Anfang der Entwicklung steht das Es im Vordergrund, während sich das Ich und das Über-Ich erst nach und nach ausbilden. Im Laufe der Entwicklung eines Kindes ändert sich die Quelle der Triebbefriedigung. Daraus ergibt sich die Einteilung in aufeinander folgende Phasen:

- Bis der Säugling ein Jahr alt ist befindet er sich nach Freud in der oralen Phase. Hier ist die Nahrungsaufnahme die Quelle der Lustbefriedigung.
- Wenn das Kind etwa ein Jahr alt ist, erfolgt die Triebbefriedigung über die Nahrungsausscheidung. Diese Phase geht bis etwa zum dritten Lebensjahr und wird anale Phase genannt.
- Vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr folgt die phallische Phase, in der die genitalen Zonen an Bedeutung gewinnen.
- Nach der phallischen Phase schließen die Latenzphase und die genitale Phase an. In der Latenzphase, die vom sechsten bis zum elften Lebensjahr reicht, kommt es zu einer vorübergehenden Abnahme der Bedeutung des genitalen Lustgewinns, während diese in der genitalen Phase ab dem elften Lebensjahr wieder wichtiger wird.

Nach dieser Entwicklungskonzeption Freuds „sind keine Störungen der Entwicklung zu erwarten, wenn die Bedürfnisse des Kindes in den einzelnen Entwicklungsphasen auf altersangemessene Weise befriedigt werden“ (Lohaus/Vierhaus 2015, S. 12). Bei übermäßiger oder unzureichender Bedürfnisbefriedigung kommt es nach Freud zu Entwicklungsproblemen.

Viele Annahmen der psychoanalytischen Theorien finden sich in entwicklungspsychologischen Fragestellungen wieder. Hier wurden sie dann systematisch empirisch untersucht. Hierzu zählt auch die Bindungstheorie, die von Anfang an zu wesentlichen Anteilen von psychoanalytischen Annahmen beeinflusst wurde (Lohaus/Vierhaus 2015).

1.2 Die Hospitalismusforschung von René Spitz

Zwischen 1930 und 1940 gingen etliche Therapeuten unabhängig voneinander der Frage nach, inwieweit eine frühe Trennung von Mutter und Kind die kindliche Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst. Der Psychoanalytiker René Spitz erlangte besondere Aufmerksamkeit in dem er die Trauer der in Heimen untergebrachten Säuglinge und Kleinkinder in Filmen festhielt und so der Öffentlichkeit zugänglich machte (Bowlby 2010).

In seinen Studien zur anaklitischen Depression und zum Hospitalismus untersuchte er das Schicksal und die Entwicklung von beinahe 300 Säuglingen und Kleinkindern. Über mehrere Jahre wurde ihr Entwicklungsverlauf systematisch festgehalten.

In den Heimen wurde zwar für die körperliche Pflege der Kinder gut gesorgt, es mangelte jedoch an Zuneigung durch eine konstante Bezugsperson. Spitz beobachtete, dass sich diejenigen Säuglinge, die von ihrer Mutter betreut wurden, normal entwickelten, während er bei Säuglingen, die drei Monate oder länger von ihrer Mutter getrennt waren, Auffälligkeiten in der Entwicklung bemerkte.

Im ersten Lebensjahr unterschied er zwei unterschiedliche Entwicklungsstörungen als Folge von verschieden starker emotionaler Deprivation bzw. Abwesenheit der Mutter: die anaklitische Depression und den Hospitalismus.

Bei der anaklitischen Depression handelt es sich um eine Entwicklungsstörung, „welche in einer ersten Phase mit anhaltendem Weinen und Schreien, in einer zweiten Phase mit sozialem Rückzug, Apathie und Appetitlosigkeit und in einer dritten Phase schließlich mit einer Gefühlsstarre und einem Entwicklungsstillstand einhergeht“ (Landolt 2012, S. 27). Von dieser Entwicklungsstörung waren Kinder betroffen, die in den ersten sechs Monaten von der Mutter betreut wurden und eine Bindung zu ihr aufbauen konnten, anschließend jedoch für mindestens drei Monate von ihr getrennt waren. Die meisten Kinder erholten sich wieder, wenn die Mutter nach drei bis fünf Monaten zu ihnen zurückkehrte. Spitz nahm jedoch an, „dass die anaklitische Depression ‚Narben hinterlässt, die in späteren Jahren sichtbar werden’“ (Spitz zit. Landolt 2012, S. 27).

Wenn die Trennung von der Mutter für längere Zeit anhält oder schon vor dem sechsten Monat beginnt, kommt es laut Spitz zum Hospitalismus. Kinder die davon betroffen waren, hatten in ihren ersten sechs Lebensmonaten keine konstante Bezugsperson, zu der sie eine Beziehung aufbauen konnten. Diese Kinder zeigten zunächst einen ähnlichen Entwicklungsverlauf, wie die Kinder, die von der anaklitischen Depression betroffen waren, anschließend entwickelten sie sich jedoch nicht mehr weiter, wurden apathisch und waren von einer stark erhöhten Sterblichkeit betroffen (Landolt 2012).

1.3 Harry Harlows Experimente mit Rhesusaffen

Nicht nur die Psychoanalyse Freuds und die Folgen früher mütterlicher Entbehrung, sondern auch die tierexperimentelle Forschung beeinflusste Bowlby in seiner Arbeit.

Inspiriert von den Filmen René Spitz’, führte der amerikanische Psychologe Harry Harlow in den 1950er Jahren eine Reihe von Experimenten mit Rhesusaffen durch. In dieser Zeit war man sich in der Psychologie darüber einig, dass das Verhalten der Säuglinge und Kinder über Konditionierungsprozesse erklärt werden könne. Der Bedeutung emotionaler Bindung des Kindes an seine Bezugsperson wurde keine größere Beachtung geschenkt.

In einem aus heutiger Sicht ethisch fragwürdigen Experiment ließ Harlow Rhesusaffenbabys mit zwei Mutterattrappen aufwachsen. Um zu zeigen, dass die Affenbabys nicht durch Nahrung konditioniert werden, baute er Plüschmütter, die Wärme abstrahlten und flauschig waren und Drahtmütter, die lediglich mit einer Milchflasche ausgestattet waren. Anschließend wurde das Verhalten der kleinen Äffchen beobachtet (Bolten 2009).

Die Auswertungen ergaben, dass die Rhesusaffenbabys die meiste Zeit des Tages bei der Plüschmutter verbrachten, die Drahtattrappe dagegen suchten sie nur auf, um ihr Bedürfnis nach Nahrung zu stillen. Hier deutet sich an, dass das Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit bei den Affenbabys stärker ausgeprägt war, als das Bedürfnis nach Nahrung (Ahnert/Spangler 2014).

Etwas später machte Harlow eine weitere wichtige Beobachtung. In einem modifizierten Experiment setzte er die Affenbabys entweder in einen Käfig mit der Stoffmutter oder in einen Käfig mit der Drahtmutter. An beiden Mutterattrappen war eine Milchflasche befestigt. Die Affenbabys beider Gruppen wuchsen gleich schnell und tranken etwa die gleiche Menge Milch, verhielten sich jedoch völlig unterschiedlich. Die Affenbabys, welche mit der Stoffmutter aufwuchsen, entwickelten sich unauffällig. Die anderen Äffchen, die von der Drahtmutter ernährt wurden, entwickelten sich dagegen langsamer, wiesen „neben sozialen und emotionalen Auffälligkeiten auch ‚psychosomatische’ Störungen […] auf“ (Bolten 2009, S. 59). Weiterhin beobachtete Harlow, dass die Rhesusaffenbabys bei Gefahr zu ihrer Plüschmutter flüchteten und sich dort beruhigen konnten. Die Affenbabys, die im Käfig der Drahtmutter aufwuchsen näherten sich dagegen dieser nicht bei Gefahr, vielmehr kauerten sie sich zusammen oder schrien vor Angst (Bolten 2009).

Die Experimente Harlows zeigen, dass höhere Säugetiere in ihrer Entwicklung auf sozialen Kontakt angewiesen sind. Es reicht nicht aus nur die biologischen Bedürfnisse zu befriedigen.

2 Die Bindungstheorie

Im folgenden Kapitel soll nun die Bindungstheorie ausführlich behandelt werden. Um ein besseres Verständnis für diese traditionsreiche Theorie zu erhalten, scheint es angebracht wichtige Stationen der Biographie John Bowlbys darzustellen, der in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts die Bindungstheorie begründete. Anschließend werden theoretische Grundlagen herausgearbeitet und grundlegende Begriffe geklärt. Für die Bindungstheorie von ebenso großer Bedeutung wie Bowlby ist Mary Ainsworth, die Bowlbys neuartige Ansätze um empirische Forschungen erweiterte. Sie entwickelte auch die sogenannte Fremde Situation, ein Labortest, mit dem es möglich ist, unterschiedliche Qualitäten von Bindungsbeziehungen festzustellen. Die bei der Fremden Situation erfassbaren Bindungsmuster stehen in Zusammenhang mit der elterlichen Feinfühligkeit. Beide Aspekte sollen ausführlich betrachtet werden.

2.1 Biographie John Bowlbys

John Bowlby wurde 1907 als das vierte, von insgesamt sechs Kindern in einer wohlhabenden Familie in London geboren. Sein Vater war Chirurg und der Kontakt zu seiner Mutter war auf wenige Stunden täglich beschränkt, sodass die Kinder vorwiegend von Kindermädchen aufgezogen wurden. Mit sieben Jahren wurde Bowlby in ein Internat geschickt, an das er keine guten Erinnerungen hat. 1925 fing Bowlby an in Cambridge und London Medizin zu studieren. Nach seinem Studium absolvierte er 1933 eine psychoanalytische Ausbildung. Anschließend arbeitete er in der Child Guidance Clinic, welche eine der ersten kinderpsychiatrischen Kliniken in Europa war (Ahnert/Spangler 2014). Im Jahr 1944 veröffentlichte Bowlby seine erste empirische Studie über „Forty-four juvenile thieves: their characters and home lives“ (Bretherton 2009, S. 29). In den Fallbeschreibungen gab es einige jugendliche Diebe, die sich als „gefühllose Persönlichkeiten [erwiesen], was Bowlby mit ihren früheren Erfahrungen von mütterlicher Trennung und Ablehnung in Verbindung setzten konnte“ (Bretherton 2009, S. 29).

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Bowlby eine Forschungsgruppe an der Tavistock-Klinik, an der er auch stellvertretender Direktor war (Ahnert/Spangler 2014). Schon damals war Bowlby überzeugt, dass frühkindliche Erlebnisse einen grundlegenden Einfluss auf die weitere Entwicklung eines Kindes haben. Aus diesem Interesse heraus entschloss er sich, die Folgen einer Trennung von Mutter und Kind genauer zu erforschen (Bolten 2009). Bowlby wurde 1951 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beauftragt, „die psychische Gesundheit von obdachlosen Kindern im Nachkriegseuropa und die Zustände in Kinderheimen und Erziehungsanstalten“ zu untersuchen (Bolten 2009, S. 58). In seinem Bericht verfasste er erstmals wesentliche Grundannahmen seiner späteren Bindungstheorie.

Als Bowlby seine Überlegungen über die Mutter-Kind-Bindung vor der britischen psychoanalytischen Gesellschaft vorstellte, wurden diese jedoch sehr skeptisch betrachtet und überwiegend abgelehnt. Vor allem wurde Bowlby kritisiert, weil er die Triebtheorie Freuds für „keine hinreichende Erklärung für die Objektbezogenheit des Säuglings“ hielt (Bolten 2009, S. 58). Er beschrieb ein von den Trieben unabhängiges Bedürfnis des Kindes, sich an eine Bezugsperson zu binden. Während Freud die Auffassung vertrat, dass die Mutter-Kind-Bindung durch die Bedürfnisbefriedigung der Nahrung zustande komme und dass die Sexualität als zentrale Motivation für die gesamte psychische Entwicklung gelte, postulierte Bowlby, dass der Mensch eine von Geburt an vorhandene Tendenz besitze Bindungen zu anderen Personen aufzubauen und aufrechtzuerhalten (Bowlby 2010).

Diese Beobachtung bestätigten Ergebnisse aus der tierexperimentellen Forschung, welche Bowlby schließlich in seine Theorie einfließen ließ (Ecarius/Köbel/Wahl 2011). So beschäftigte er sich unter anderem mit Studien von Gänse- und Entenküken, welche eine starke Bindung an eine Mutterfigur entwickelten, obwohl sie von ihr keine Nahrung erhielten. Außerdem bestärkten ihn die Experimente an Rhesusaffenbabys von Harlow in seiner Annahme, dass höhere Primaten und Menschen ein angeborenes Bedürfnis verspüren sich an die Mutter zu binden und sich bei Gefahr ihre Nähe zusichern (Bowlby 2010). Bowlby schreibt dem Bindungsverhalten die wichtige biologische Funktion des Schutzes zu. Die Mutter dient dem Kind dabei als sichere Basis, von dem aus es seine Umwelt erkunden kann (Bowlby 1980).

Seine Überlegungen über die Bindungstheorie präsentierte er in der Buchtrilogie ‚ Attachment and Loss ’, welche zwischen 1969 und 1980 erschienen ist.

Im Alter von 83 Jahren starb John Bowlby 1990 (Bolten 2009). Als seine größte Leistung kann die Integration unterschiedlicher wissenschaftlicher Perspektiven, wie der „Psychoanalyse mit der Ethologie und der evolutionären Biologie in der Bindungstheorie betrachtet werden“ (Bolten 2009, S. 428).

2.2 Grundlagen der Bindungstheorie

Erik Erikson geht in seiner Theorie der Entwicklungsphasen davon aus, dass der Säugling in einem ersten Entwicklungsschritt ein Urvertrauen in die Welt aufbauen kann, wenn seine grundlegenden Bedürfnisse von der Bezugsperson vorhersagbar gestillt werden. Durch das Vertrauen, das er mit seiner Bezugsperson entwickelt, bildet sich in ihm eine Grundhaltung des Vertrauens heraus, welche sich auch auf seine Umwelt überträgt. Geschieht dies nicht, entwickelt der Säugling ein Urmisstrauen in seine Umgebung (Lohaus/Vierhaus 2015, Erikson 1974). Wofür Erikson den Begriff Urvertrauen verwendet, benutzt Bowlby den Begriff Bindung und bezieht sich damit auf die frühe Beziehung des Säuglings zu seiner primären Bezugsperson, welche ebenfalls ein Vertrauen in die Welt ermöglichen kann (Fonagy 2003).

Nach Bowlby hat der Säugling von Geburt an das Bedürfnis sich an eine Person zu binden und diese Bindung aufrechtzuerhalten. Wenn er sich allein gelassen, unsicher oder krank fühlt, werden Bindungsverhaltensweisen wie Schreien, Rufen, Festhalten und Annähern aktiviert, um die Nähe zur Bezugsperson herzustellen. Diese Nähe bietet dabei dem Säugling Schutz und gibt ihm Sicherheit (Dornes 2007). Bowlby postuliert, dass das Bindungsverhalten des Menschen Überlebenswert hat indem es Schutz vor Gefahren biete (Bowlby 1987). So ist es „im Laufe de Evolution ein Merkmal vieler Spezies geworden, weil es zum Überleben des Individuums beiträgt“ (Bowlby 1991, S. 61). Aufgrund dieser Funktion des Schutzes verstärkt sich die Bindung im Laufe des ersten Lebensjahres durch eine wechselseitige Interaktion zwischen Bezugsperson und Säugling. Die Bezugsperson dient dem Säugling dabei als sichere Basis, von der aus er die Welt erkunden kann und zu der er zurückkehren kann, um beschützt und getröstet zu werden. Die Reaktionen der Bezugsperson auf die kindlichen Bedürfnisse entscheiden über die Qualität der Beziehung und der Bindung, die sich im ersten Lebensjahr entwickelt. Das Kind lernt die Reaktion der Bezugsperson auf seine Bedürfnisse vorherzusagen (Egeland 2002).

Mary Ainsworth (1979) beschreibt Bindung als ein „imaginäres Band zwischen zwei Personen […] das in den Gefühlen verankert ist und das sie über Raum und Zeit hinweg miteinander verbindet“ (Grossmann/Grossmann 2012, S.71). Dabei bindet sich eine schwächere Person an eine stärkere Person, die in der Lage ist Schutz zu geben. Ein Säugling kann an mehr als eine Bindungsperson gebunden sein, jedoch ist die Anzahl der Bindungspersonen begrenzt. Außerdem gibt es meistens eine Hierarchie von Bindungspersonen. Die „Person mit der das Kind die häufigsten sozialen Interaktionen hat“ wird primäre Bezugsperson[1] genannt (Grossmann/Grossmann 2012., S. 75). Wenn ein Kind beispielsweise krank ist, wird es die primäre Bezugsperson bevorzugen und möchte am liebsten nah bei ihr sein (Grossmann/Grossmann 2012).

2.2.1 Phasen der Bindungsentwicklung

Von Anfang an ist es dem neugeborenen Säugling möglich, durch sein Verhalten zu zeigen, was er braucht. Wenn der Säugling verunsichert ist oder Angst hat, werden dem Alter entsprechende Bindungsverhaltensweisen aktiviert.

Diese werden durch die Interaktion mit der Bezugsperson im Laufe der ersten Lebensmonate immer spezifischer. Im Rahmen dieser Interaktionen entwickelt sich eine Bindung zwischen dem Säugling und dem Kind (Ahnert/Spangler 2014).

Ainsworth (1972) teilt die Entwicklung der Bindung in vier Phasen ein (Bolten 2009):

1. Vorphase: In der ersten Phase, die etwa die ersten zwei Monate umfasst, sind die Bindungsverhaltensweisen noch nicht spezifisch an eine Bindungsperson gerichtet (Grossmann/Grossmann 2012). Durch Signale wie Schreien oder Anschauen kommt die Bindungsperson in die Nähe des Säuglings. Durch die anschließende Interaktion kann es dem Säugling gelingen sich zu beruhigen (Siegler/DeLoache/Eisenberg 2011). Der Säugling lernt infolgedessen schnell, wie er vertraute von weniger vertrauten Personen unterscheiden kann.
2. In der Differenzierungsphase, die sich etwa bis zum sechsten Monat erstreckt, reagiert der Säugling jetzt bevorzugt auf vertraute Personen. Die Anwesenheit der primären Bezugsperson ruft in ihm Verhaltensweisen wie Lächeln oder das Äußern von Lauten hervor. Die primäre Bindungsperson ist jetzt am besten in der Lage den Säugling zu beruhigen.
3. Die Phase der ausgeprägten Bindung: Zwischen dem sechsten und dem achten Lebensmonat sind die Bindungsverhaltensweisen sehr stark ausgeprägt. Diese dritte Phase markieren Entwicklungsfortschritte des Säuglings wie Krabbeln und gezieltes Greifen. Der Säugling kann jetzt selbstständig die Nähe zur Bezugsperson suchen, wenn sie sich von ihm entfernt. Die Bindungsperson wird jetzt zum ‚sicheren Hafen’ für das Kind. Wenn es sich unwohl fühlt, sucht es die Nähe zur Bezugsperson und kann anschließend, wenn es sich wieder sicher fühlt, die Umwelt erkunden (Grossmann/Grossmann 2012).
4. Die Phase der zielorientierten Partnerschaft beginnt mit etwa zwei Jahren, wenn das Kind anfängt zu sprechen und in der Lage ist, „Gefühle, Ziele und Motive der Eltern zu verstehen“ (Siegler/DeLoache/Eisenberg 2011, S. 418). Das Kind übernimmt jetzt eine immer aktivere Rolle in der Beziehung zu seiner Bezugsperson. Interessenskonflikte können jetzt kommunikativ ausgehandelt werden.

Eine dauerhafte emotionale Bindung zwischen der Bezugsperson und dem Kind ist normalerweise das Ergebnis dieser vier Phasen (Grossmann/Grossmann 2012, Siegler/DeLoache/Eisenberg 2011).

Bindungsverhalten zeigt sich im Laufe des Lebens eines Menschen immer weniger häufig und intensiv. Dennoch bleiben Bindungsverhaltensweisen auch bei Erwachsenen bestehen und zeigen sich, wenn eine Person beispielsweise verängstigt, krank oder erschöpft ist (Bowlby 1991).

2.2.2 Innere Arbeitsmodelle von Bindung

Das Konzept des inneren Arbeitsmodells wurde von John Bowlby entwickelt, um die verinnerlichten Repräsentationen früher Interaktionserfahrungen mit der Bezugsperson zu beschreiben (Hopf 2005). Auf der Basis früher Erfahrungen, die der Säugling mit seiner Bezugsperson macht, entdeckt er das Ausmaß an Zuverlässigkeit, mit dem seine Bedürfnisse befriedigt werden. Regelmäßige Bindungserfahrungen, die wiederholt stattfinden, werden als Erwartungen verinnerlicht. Das Kind entwickelt im Laufe der Zeit ein inneres Arbeitsmodell von Bindung, in dem diese Erfahrungen repräsentiert sind Es hat bestimmte Vorstellungen und Erwartungen darüber, wie die Bindungsperson auf die eigenen Bedürfnisse reagieren wird und wie verfügbar die Bezugsperson allgemein ist.

Aufgrund der Verinnerlichung von Interaktionserfahrungen innerhalb der Beziehung zwischen Säugling bzw. Kleinkind und der primären Bezugsperson wirken sich diese Erfahrungen auch auf andere soziale Bereiche aus. In diesem Zusammenhang ist also davon auszugehen, dass eine positive Bindungserfahrung zur Bezugsperson im Säuglings- und Kleinkindalter sich auf ein positives Konzept von Beziehungen im Allgemeinen und des eigenen Selbst auswirkt (Grossmann/Grossmann 2012, Siegler/DeLoache/Eisenberg 2011).

„Erlebt ein Kleinkind seine Mutter - und etwas später seinen Vater - als ermutigend, unterstützend und kooperativ, so bekommt es das Gefühl etwas wert zu sein, es glaubt an die Hilfsbereitschaft anderer und ihm wird ein positives Modell vermittelt, nach dem es künftige Beziehungen gestalten kann“ (Bowlby zit. nach Grossmann/Grossmann 2012, S.189).

So zeigt sich zum einen, dass Kinder mit positiven Bindungserfahrungen sich eher erwünscht und geliebt fühlen und dadurch ein positives Selbstbild entwickeln. Jedoch neigen Kinder, welche negative Bindungserfahrungen gemacht haben umgekehrt dazu, diese Erfahrungen auf ihre gesamte Persönlichkeit zu übertragen (Hopf 2005).

Darüber hinaus entwickeln Kinder mit positiven Bindungserfahrungen aufgrund „stabiler Unterstützung und emotionaler Zuwendung“ ein optimistisches Bild ihrer sozialen Umwelt (Hopf S 40). Sie haben die Zuversicht entwickelt, dass sie anderen Menschen vertrauen können und Unterstützung bekommen, wenn sie diese brauchen. Umgekehrt haben Kinder mit negativen Bindungserfahrungen wenig Vertrauen in ihre soziale Umwelt. In neue Beziehungen gehen sie oftmals misstrauisch hinein und sie geraten leichter in Streit (Hopf 2005).

In der Bindungstheorie geht man einerseits davon aus, dass innere Arbeitsmodelle eines Menschen über den Lebenslauf relativ stabil bleiben. Auf der anderen Seite deutet der Begriff Arbeitsmodell an, dass sich die internalisierten Erfahrungen ‚bearbeiten’ lassen. So nimmt man an, dass beispielsweise ein dauerhaft anderer Umgang der Bezugsperson mit ihrem Kind dazu führen kann, dass sich das innere Arbeitsmodell ändert. Die Vorstellung darüber, dass sich die Erwartungs- und Verhaltensmuster des inneren Arbeitsmodells umorganisieren lassen, hat sich auch in der therapeutischen Praxis als nützlich erwiesen (Grossmann/Grossmann 2012).

2.2.3 Der Zusammenhang von Bindungs- und Explorationsverhalten

Kinder haben nicht nur das Bedürfnis Bindungsbeziehungen einzugehen, sie zeigen auch ein ausgeprägtes Neugierverhalten (Ecarius/Köbel/Wahl 2011). Dieses Verhalten wird Explorationsverhalten genannt. Das Bindungsverhalten und das Explorationsverhalten stehen dabei in einer wechselseitigen Beziehung zueinander. Während das Bindungsverhalten zur Aufrechterhaltung der Nähe zwischen Kind und Bezugsperson fungiert, dient das Explorationsverhalten dazu, die Umwelt zu erkunden und neue Erfahrungen zu sammeln. Diese Lernprozesse sind wichtig für die allgemeine Entwicklung eines Kindes (Bolten 2009). Um die Umwelt zu erkunden, entfernen sich Kleinkinder von ihrer Bezugsperson, nähern sich ihr aber auch immer wieder, um sich ihren Schutz zu sichern. Fühlen sie sich bei ihrer Bezugsperson sicher, gehen sie angstfrei auf neue Umweltreize zu, um diese zu erforschen. Die Anwesenheit der Bezugsperson dient dem Säugling dabei als sichere Basis. Wird jedoch diese sichere Basis durch eine Trennung bedroht, verliert das Kind sofort das Interesse an der Umwelt und setzt alles daran die Nähe zur Bezugsperson wieder herzustellen (Ecarius/Köbel/Wahl 2011). Ist also das Bindungsverhalten aktiviert, ist das Explorationsverhalten des Säuglings unterbrochen. Fühlt er sich dagegen sicher bei seiner Bezugsperson aufgehoben, ist das Bindungsverhalten deaktiviert und die Erkundung der Umgebung setzt wieder ein.

Der Zusammenhang zwischen Bindungsverhalten und Explorationsverhalten wurde besonders ausführlich von Mary Ainsworth und ihren Mitarbeitern untersucht. Um das Bindungsverhalten sowie das Explorationsverhalten beobachtbar zu machen und damit die Qualität der Bindung zwischen einem Kind und seiner Bezugsperson feststellen zu können, wird in der sogenannten Fremden Situation gezielt eine Trennung der Bindungsbeziehung provoziert (Grossmann/Grossmann 2012).

2.3 Mary Ainsworth und die Messung der Bindungsqualität

Mary Ainsworth, die seit 1950 in John Bowlbys Forschungsgruppe arbeitete, griff zentrale Ideen von Bowlbys Theorie auf und erweiterte sie empirisch (Siegler/DeLoache/Eisenberg 2011). In Uganda untersuchte sie 1953 in einem längsschnittlich angelegten Forschungsprojekt die Mutter-Kind-Beziehung unter natürlichen Bedingungen (Dornes 2007). Zunächst interessierten sie die individuellen Unterschiede in der Art, wie Mütter mit ihren Kindern interagierten. Um diese zu erfassen, entwickelte Ainsworth verschiedene Skalen, worunter eine die Feinfühligkeit der Mutter in der Interaktion mit ihrem Kind erfassen sollte (Bolten 2009). „Feinfühligkeit ist nach Ainsworth die Fähigkeit, die Signale des Kindes richtig wahrzunehmen und zu interpretieren sowie angemessen und prompt darauf zu reagieren“ (Bolten 2009, S.60).

[...]


[1] Je nach Kontext und der verwendeten Literatur werden in der vorliegenden Arbeit, neben dem Begriff der primären Bezugsperson, verschiedene Alternativen verwendet. John Bowlby weist darauf hin, dass die Mutter meist die wichtigste Bezugsperson für einen Säugling darstellt. Gleichzeitig betont er, dass auch andere Bezugspartner durch die Beantwortung der emotionalen Bedürfnisse die primäre Bezugsperson für das Kind sein können (Bowlby 2010).

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Details

Titel
Klassische und moderne Bindungsforschung. Psychosoziale Grundlagen für die Persönlichkeitsentwicklung
Autor
Jahr
2018
Seiten
68
Katalognummer
V415976
ISBN (eBook)
9783956874499
ISBN (Buch)
9783956874512
Dateigröße
967 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
klassische, bindungsforschung, psychosoziale, grundlagen, persönlichkeitsentwicklung, Bowlby, Bindungstheorie, Misshandlung
Arbeit zitieren
Theresa Dettner (Autor), 2018, Klassische und moderne Bindungsforschung. Psychosoziale Grundlagen für die Persönlichkeitsentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415976

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