Mit dem Sieg alliierter Truppen in Aachen im September 1944 wurde die Endphase des Zweiten Weltkrieges eingeleitet. Erstmals im Kriegsverlauf konnten alliierte Truppenverbände einen Fuß auf deutsches Reichsgebiet setzten. Jenes Ereignis stellt einen Wegweiser für die letzten Monate nationalsozialistischer Herrschaft in Deutschland dar. Zeitgleich initiierte der Vormarsch der Alliierten ein zunehmend radikalisiertes Handeln der nationalsozialistischen Führung, das in einem, auf die eigene Bevölkerung zielenden, nach innen gerichteten Krieg gipfelte. In der Endphase des Krieges wurden zahllose sogenannte "Endphaseverbrechen" oder "Verbrechend der Endphase" verübt. Der nationalsozialistische Terror richtete sich dabei nicht lediglich gegen den drängenden Feind oder alte Gegner des Regimes, sondern zielte auch auf "verräterische Volksgenossen" ab. "Das vorherrschende Signum der Zeit vor dem Kriegsende war Gewalt - physische, existenziell bedrohliche, allgegenwärtig drohende Gewalt." In diesem Zusammenhang bleibt jedoch die Frage unbeantwortet, warum die deutsche Bevölkerung bis zuletzt an dem nationalsozialistischen Regime festhielten und auch im Angesicht der unausweichlichen militärischen Niederlage weiterkämpfte. Zudem ist zu fragen, warum das erbarmungslose Morden unvermindert anhielt und auch nach dem Kriegsende anzuhalten schien.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Anmerkung zu den Quellen
- Zur Begrifflichkeit der „Endphaseverbrechen“
- Kriegsende
- Veränderte Dynamik nationalsozialistischer Gewalt
- Endphaseverbrechen auf deutschem Reichsgebiet
- Machtlosigkeit, Alternativlosigkeit, Angst
- Ideologische Grundordnung
- Entgleiste Gewalt – Radikalisierung der Justiz
- Die Ultimo Ratio: Überleben
- Durchhalten bis zum Schluss - Fanatismus aus tiefster Überzeugung
- Aufrechterhalten des Systems – totaler Fanatismus
- „Wenn wir untergehen, dann geht ihr mit uns unter!“
- Angst vor der Rache der Alliierten
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit den sogenannten „Endphaseverbrechen“, die in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Reichsgebiet verübt wurden. Ziel ist es, die Gründe für die anhaltende Gewalt des NS-Regimes gegen die eigene Bevölkerung zu analysieren und die Rolle von Machtlosigkeit, Angst und Fanatismus in diesem Kontext zu beleuchten.
- Die Radikalisierung des NS-Regimes in der Endphase des Krieges
- Die Ursachen für die verbrecherischen Handlungen gegen die eigene Bevölkerung
- Die Rolle von Angst, Fanatismus und Ideologie in der letzten Phase des NS-Regimes
- Die Bedeutung der Quellenlage und der Herausforderungen bei der Erforschung der Endphaseverbrechen
- Die Rolle von Wehrmacht, Justiz und Einzelpersonen im Kontext der Endphaseverbrechen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt den Kontext der Endphaseverbrechen dar und beleuchtet die Frage, warum die deutsche Bevölkerung trotz der aussichtslosen militärischen Lage an dem NS-Regime festhielt. Die Forschungslücke und der Fokus der Arbeit auf die Verbrechen gegen deutsche Militärangehörige werden erläutert.
- Anmerkung zu den Quellen: Dieses Kapitel beleuchtet die Herausforderungen bei der Quellenforschung zur Endphase des Krieges, insbesondere die begrenzte Anzahl von Dokumenten und die Schwierigkeiten, die Subjektivität von Quellen zu berücksichtigen.
- Zur Begrifflichkeit der „Endphaseverbrechen“: Dieses Kapitel geht auf die Definition und die historische Entwicklung des Begriffs „Endphaseverbrechen“ ein und skizziert die veränderte Dynamik nationalsozialistischer Gewalt in der Endphase des Krieges.
- Endphaseverbrechen auf deutschem Reichsgebiet: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen für die Gewalt des NS-Regimes gegen die eigene Bevölkerung, insbesondere die Rolle von Machtlosigkeit, Angst und Fanatismus. Es befasst sich mit der Ideologisierung der Gewalt und der Radikalisierung der Justiz, sowie dem „Überlebensprinzip“ als Motiv für Verbrechen in der Endphase des Krieges.
Schlüsselwörter
Endphaseverbrechen, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Kriegsende, Gewalt, Fanatismus, Ideologie, Machtlosigkeit, Angst, Quellenlage, Wehrmacht, Justiz, Zivilbevölkerung, deutsche Militärangehörige, Kriegsverbrechen.
Häufig gestellte Fragen
Was sind „Endphaseverbrechen“?
Dies sind Gewaltverbrechen des NS-Regimes in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs, die sich sowohl gegen Kriegsgefangene als auch gegen die eigene Bevölkerung richteten.
Warum radikalisierte sich die NS-Gewalt kurz vor Kriegsende?
Die drohende Niederlage führte zu einem fanatischen Handeln der Führung, um das System um jeden Preis aufrechtzuerhalten und „Verräter“ in den eigenen Reihen zu eliminieren.
Gegen wen richtete sich der Terror in der Endphase?
Der Terror traf Deserteure, „wehrkraftzersetzende“ Zivilisten, politische Häftlinge und sogenannte „verräterische Volksgenossen“.
Warum kämpfte die Bevölkerung trotz aussichtsloser Lage weiter?
Gründe waren eine Mischung aus tiefer ideologischer Überzeugung (Fanatismus), Angst vor der Rache der Alliierten und dem massiven Terrorapparat des Regimes.
Welche Rolle spielte die Justiz bei diesen Verbrechen?
Die Justiz radikalisierte sich durch Standgerichte und drakonische Strafen, die oft ohne ordentliches Verfahren vollstreckt wurden, um Gehorsam zu erzwingen.
Was ist die Problematik bei der Quellenforschung zu diesem Thema?
Viele Dokumente wurden vernichtet; zudem ist die Subjektivität der überlebenden Zeugen und die begrenzte Anzahl offizieller Akten eine Herausforderung für Historiker.
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- Jörg Glowka (Author), 2017, Deutschland im Totalen Krieg. Endphaseverbrechen im Zweiten Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416001