Die Muttersprache zu lernen, ist für die meisten Menschen kinderleicht. Und doch gibt es Kinder, für die es sehr schwierig ist, Sprache zu lernen. Dieses hat vielfältige Hintergründe, die ebenso vielseitig und multifaktoriell sind, wie es Kinder gibt. Ziel dieser Arbeit ist es nicht, all die Gründe zu erforschen, die den kindlichen Spracherwerb blockieren, sondern Lösungen zu finden, um Kinder zu befähigen, sich mit Sprache auseinanderzusetzen und die bislang nicht gegangenen Schritte im Ablauf des Spracherwerbs nachzuholen und weiterzugehen.
Dabei geht es um die Sprachförderung von Kindern, die Probleme im Spracherwerb ihrer eigenen Muttersprache haben. Doch zeigen meine Beobachtungen, dass sich die musikalische Förderung als ebenso wirksam im Zweitspracherwerb zeigt. Nach einem Überblick der aktuellen Forschungslage gebe ich einen Einblick in meine Arbeit in einem Projekt zur Sprachförderung mit Kindergartenkindern. Konkrete Beispiele mit musikalischen Anregungen runden die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Der kindliche Spracherwerb – Meilensteine und Stolpersteine
1.1. Meilensteine
1.2. Stolpersteine
2. Sprache und Musik – Gemeinsamkeiten und Unterschiede
2.1. Die suprasegmentalen Elemente von Sprache
2.2. Phonetisch-phonologische Ebene
2.3. Semantisch-lexikalische und morphologisch-syntaktische Ebene
2.4. Pragmatisch- kommunikative Ebene
3. Die aktuelle Forschungslandschaft
4. Nur wer etwas sagt, kann auch gehört werden – Vorüberlegungen
5. Methodik der Untersuchung und Rahmenbedingungen: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?
5.1. Therapeutischer Ansatz
5.2. Sprachbeobachtungsbogen
5.3. Inhalte der Stunden
5.4. Eine Beispielstunde
6. Auswertung
6.1. Einzelauswertungen
6.2. Gesamtauswertung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, musiktherapeutische Lösungsansätze für die sprachliche Förderung von Kindern im Kindergartenalter zu untersuchen, um diesen bei Sprachproblemen und Entwicklungsverzögerungen gezielt zu unterstützen und Barrieren abzubauen.
- Grundlagen des kindlichen Spracherwerbs und Identifikation von Entwicklungsstörungen
- Analyse der neurophysiologischen und strukturellen Verbindungen zwischen Musik und Sprache
- Konzeption eines musiktherapeutisch fundierten Sprachbeobachtungsbogens
- Praktische Erprobung musikalischer Interventionen in Kleingruppen
- Evaluation des Einflusses von suprasegmentalen Sprachelementen auf die Sprachkompetenz
Auszug aus dem Buch
2.4. Pragmatisch- kommunikative Ebene
Hiermit ist der kommunikative Sprachgebrauch gemeint, also auch nicht-sprachliche Gestaltungsmittel und Ausdrucksformen. Dazu gehören z.B. Mimik, Gestik, Körperhaltung und Körperausdruck. Also auch alle emotionalen und sozialen Wahrnehmungsbereiche. Musikalische Angebote können Spielräume bieten, um Gefühle und Stimmungen auszudrücken und wahrzunehmen und den spontanen, freien Ausdruck fördern (vgl. Tischler 2013, S. 64).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die suprasegmentalen Elemente einer Sprache den linguistischen Elementen vorgeordnet sind. Zu den suprasegmentalen Elementen gehören die Tonhöhe, die Sprechmelodie, die Dynamik, die Lautstärke, die Betonung, der Sprechrhythmus, das Schwingungsverhalten, der Luftfluss, die Artikulation und die Intonation.
Für mich ergibt sich die Vermutung, dass es das vordergründige Ziel musikalischer Sprachförderung sein muss, auf die suprasegmentale, prosodische Ebene von Sprache zu wirken. Da diese Sprachelemente den linguistischen Sprachelementen vorgeordnet sind, muss zunächst die suprasegmentale Ebene gefördert werden, um die linguistische Ebene zu erreichen. Mit Hilfe musiktherapeutischer Methoden können Kinder vorausgehende Entwicklungsschritte nachholen, um sich dann weiterzuentwickeln.
Danach kann ganz gezielt die linguistische Ebene durch musikalische Förderung angesprochen werden, z.B. durch Singen von Liedern, Rhythmusspielen und der Liedgestaltung mit Instrumenten.
Kann also die musiktherapeutische Förderung eine besondere Wirkung haben auf die suprasegmentale Ebene von Sprache, die schon in der frühen Sprachentwicklung, also im vorbewussten Sprachgebrauch eine Rolle spielt und die transkulturell ist?
Mit dieser Fragestellung im Hinterkopf begebe ich mich in Vorüberlegungen zur Praxistätigkeit und auf eine Reise durch die aktuelle Forschungslandschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der kindliche Spracherwerb – Meilensteine und Stolpersteine: Es werden die essenziellen Phasen des kindlichen Spracherwerbs in den ersten Lebensjahren sowie typische Entwicklungsverzögerungen und deren Ursachen erläutert.
2. Sprache und Musik – Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Parallelen zwischen Musik und Sprache heraus, insbesondere im Hinblick auf suprasegmentale Elemente wie Rhythmus und Melodie.
3. Die aktuelle Forschungslandschaft: Hier wird der wissenschaftliche Forschungsstand zur Verarbeitung von Musik und Sprache im menschlichen Gehirn zusammenfassend dargestellt.
4. Nur wer etwas sagt, kann auch gehört werden – Vorüberlegungen: Die Autorin reflektiert ihre praktischen Beobachtungen über den Zusammenhang von Sprachdefiziten, psychosozialem Wohlbefinden und Lernschwierigkeiten.
5. Methodik der Untersuchung und Rahmenbedingungen: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?: Das Kapitel beschreibt den therapeutischen Ansatz der lösungsorientierten Kurzzeittherapie sowie die Entwicklung des spezifischen Sprachbeobachtungsbogens.
6. Auswertung: Anhand von Einzelauswertungen der untersuchten Kinder wird die Wirksamkeit der musikalischen Intervention über den Beobachtungszeitraum analysiert.
7. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass musiktherapeutische Methoden die sprachliche Entwicklung und das Selbstbewusstsein von Kindern effektiv fördern können.
Schlüsselwörter
Sprachförderung, Musiktherapie, Kindergarten, kindlicher Spracherwerb, suprasegmentale Elemente, Sprachbeobachtung, Rhythmik, Kommunikation, prosodische Ebene, Sprachstörungen, musikalische Früherziehung, Sprachkompetenz, Artikulation, Kleingruppenarbeit, Sprachmelodie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie musikalische Methoden und Musiktherapie im Kindergarten gezielt eingesetzt werden können, um die Sprachentwicklung von Kindern mit Sprachauffälligkeiten zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den Spracherwerb, die neurologische Verknüpfung von Sprache und Musik, die musiktherapeutische Diagnostik sowie die praktische Anwendung von Musik im pädagogischen Alltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu prüfen, ob und wie Musiktherapie bei Kindern mit Sprachproblemen das Selbstbewusstsein stärkt und durch Förderung der suprasegmentalen Sprachelemente die sprachliche Kompetenz verbessert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein lösungsorientierter, musiktherapeutischer Ansatz gewählt, kombiniert mit einer praxisorientierten Beobachtungsmethode (Sprachbeobachtungsbogen) zur Dokumentation von Lernfortschritten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse des Spracherwerbs und der Ähnlichkeiten zwischen Musik und Sprache sowie die detaillierte Darstellung einer praktischen Interventionsstudie mit Kindern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Sprachförderung, Musiktherapie, suprasegmentale Elemente, Sprachbeobachtung und Sprachkompetenz geprägt.
Warum spielt die „suprasegmentale Ebene“ eine so wichtige Rolle in der Arbeit?
Da diese Elemente wie Tonhöhe, Rhythmus und Betonung den linguistischen Sprachstrukturen vorgeordnet sind, dienen sie laut der Autorin als Basis, um bei Kindern die Grundlage für den späteren sprachlichen Ausdruck zu schaffen.
Wie werden die Fortschritte der Kinder dokumentiert?
Die Fortschritte wurden über einen Zeitraum von drei Monaten mittels eines eigens entwickelten Sprachbeobachtungsbogens erhoben und in einer Skala von 0 bis 5 Punkten für verschiedene Parameter bewertet.
Welche Rolle spielt die „lösungsorientierte Kurzzeittherapie“ nach de Shazer?
Sie dient als methodisches Fundament, bei dem nicht die Defizite, sondern die vorhandenen Stärken und Ressourcen der Kinder im Vordergrund stehen, um so eine positive Lernatmosphäre zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Bianca Schroeder (Autor:in), 2016, Sprachförderung durch Musik im Kindergarten. Theoretischer Hintergrund, Fallstudien und Praxisbeispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416077