Die Benutzung des musikalischen Samplings bei Meinecke


Seminararbeit, 2018
18 Seiten, Note: 2.3

Leseprobe

Inhaltsangabe

1.Einleitung

2.Biographie Thomas Meinecke

3.Das musikalische Sampling

4.4.Das literarische Sampling

5.Montage

6.Thomas Meine

7.Hubert Fichte:-„Xango“

8.Hubert Fichte:-„Explosion“

9.Thomas Meinecke auf den Spuren von Hubert Fichte

10.Das Fotografieren der Riten

11.Stellungnahme zum Postkolonialismus

12.Fazit

13.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit soll sich mit dem musikalischen Sampling in der Literatur beschäftigen. Es werden anhand textnahe Analysen diverse Beispiele aus den Romanen von Thomas Meinecke skizziert und in Bezug auf das literarische Sampling kommentiert. Die Darstellung verschiedener Definitionen wie Sampling und Montage werden in dieser Seminararbeit anhand der vorgegebenen Texte in musikalischer und literarischer Hinsicht ausgearbeitet.

Ferner werden folgende Punkte in der Seminararbeit bearbeitet: Für den Anfang sollen alle notwendigen Erklärungen gegeben werden, die zum besseren Verständnis dieser Arbeit dienen sollen. Um das literarische Sampling der Moderne besser verstehen zu können werden verschiedene Definitionen aufgezählt und detailliert erläutert. Definiert werden hier die Definitionen Sampling, Montage.

Abschließend wird sich die Seminararbeit mit dem literarischen Sampling in der modernen Literatur und mit der Verwendung des Samplings in den Werken von Thomas Meinecke befassen. Die Fragestellung fokussiert sich einerseits darauf, inwiefern durch das literarische Sampling entstandene Romane als authentisch gesehen werden können, andererseits wird sich die Seminararbeit damit beschäftigen, ob das Sampling in dieser Hinsicht doch nicht als eine Art legaler Diebstahl verstanden werden kann. Um herauszustellen, ob das Werk von Thomas Meinecke etwas authentisches an sich hat, wird das Werk von Thomas Meinecke mit den Werken „Xango“ und „Explosion“ von Hubert Fichte verglichen.

2. Biographie Thomas Meinecke

Thomas Meinecke ist am 25.August 1955 in Hamburg geboren er fungiert als deutscher Autor, Popliterat und DJ. Sein Studium begann er 1977 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und studierte Theaterwissenschaften, Neuere deutsche Literatur und Kommunikationswissenschaften. Schon in seiner Jugend begann die Zuneigung von Thomas Meinecke für die Popkultur und er gründete 1987 mit Kommilitonen die Literaturzeitschrift „Mode und Verzweiflung“, 1980 entstand daraus die Band F.S.K (Freiwillige Selbstkontrolle) die heute noch in fast gleicher Besetzung aktiv sind. In den 1980er Jahren schrieb Meinecke Kolumnen für die Wochenzeitung „die Zeit“ und war dort auch kurzzeitig Redakteur zum Thema „Popkultur“, seit 1985 und auch heute noch ist Meinecke Radio-DJ im Zündfunk und moderiert den Nachtmix auf Bayern 2. Seit 1990 ist er mehrfach aufgetreten, der durch eine ungewöhnliche, den musikalischen Experimentfeldern ähnliche Schreibtechnik des Sampling auffällt. Er setzt sich mit verschiedenen Themen auseinander, unter anderem mit Popkultur und Popmusik; der deutschen, jüdischen, afrikanischen Diaspora in den USA und den Geschlechterrollen, wofür er öfters zur Podiumsdiskussion eingeladen wird. Zu den Einladungen für die Diskussionen äußert sich Meinecke folgendermaßen:

Toll ist, dass ich oft von Unis eingeladen werde und in Kolloquien mit Studierenden und TheoretikerInnen zusammensitze, die über dasselbe arbeiten und forschen wie ich. Die machen das wissenschaftlich, ich künstlerisch, Gender studies zum Beispiel. Ich kann meinen approach mit Leuten zusammenbringen, die gewohnt sind, straight zu denken und zu kommunizieren. Ich mag es, in diesem Mischbereich aufzukreuzen, wenn sich Uni und Event kreuzen. Eins meiner schönsten Erlebnisse war, als ich mal auf einem Plakat mit Judith Butler stand.“1

Thomas Meinecke ist mit der Musikerin und bildenden Künstlerin Michaela Melian verheiratet und lebt seit 1994 in Berg bei Eurasburg, sie haben aus der gemeinsamen Ehe eine Tochter namens Juno Meinecke und sie ist Schauspielerin. Er hat bislang zahlreiche Werke publiziert unter anderem; Romane, Hörspiele, Prosasammlungen, Songtext-Sammlungen, Ausstellungen und erhielt verschieden Auszeichnungen.

3. Das musikalische Sampling

Die Ausgangsposition des Samplings ist in der jamaikanischen Dub zu finden. Der Dub ist eine Methode in der Roots-Reggae-Songs als Rohmaterial verwendet und mit Effekten versehen und neu abgemischt werden. Kool DJ Herc kam 1967 von Jamaika in die USA und erstand 1973 ein Soundsystem und verfeinerte die Techniken des Soundsystems mit Theodor, Afrika Bambaataa und Grandmaster Flasch, aus denen später das Sampling entstehen sollte:2

„emphasizing the `break-beat`passages of a given record by cuing and extending a particular rhythmic break until the crowd was virtually exhausted; spinning or „scratching“ a record very quikly on a single groove so that the vinyl itself becomes a percussion instrument; switching adeptly from one record to another or `punch phasing`so one musical passage flows seamlessly to the next; and emphasizing the pulse of the records by adding an electronic beatbox. 3

Da diese Digitaltechnik noch sehr neu auf dem Markt erschienen war, waren die Preise für die Manipulationsgeräte des Samplings sehr hoch; „Fairlight“ und „Synclavier“ waren die angesehensten Geräte die zur Manipulation von Tönen verwendet wurden. Durch die technologische Entwicklung verschaffte das Aufblühen innovativer Musik-Genres wie z.B. Hip-Hop und ermöglichte diesen neuen Ausdrucksformen der Musik sich in die Szene zu setzen. Vor allem aber hatte es sehr großen Schwung in der Elektronik-Musik gemacht, da diese erst durch das Sampling einen erheblichen Durchbruch geschafft hatte. Auch die Musik der Schwarzen in den Großstädten wie Detroit und Chicago in Amerika wurden beeinflusst und dadurch entstand das „Breakdance“, eine ursprünglich auf der Straße getanzte Tanzform, bei der die Tänzer über athletische Fähigkeiten verfügen müssen.

Mit dieser neuen Technologie kamen selbstverständlich auch die ersten Schwierigkeiten und Diskussionen, da sich die Sampler anfangs Tonaufnahmen geschnitten und in ihr Werk einfach integrierten, ohne das geschnittene Teil erst sozusagen „gesäubert“ zu haben. Für den Anfang wurde das noch zugelassen, doch schon bald entstanden die ersten Klagen gegen die neuen Klangmanipulatoren.

Vor allem unterlag das Sampling im Hip-Hop einer auffälligen, methodischen Erneuerung der Popmusik der 90er Jahre bzw. den Cut&Mix Technik der Hip-Hop DJs. Seit dieser Wende in der Musikbranche konnten ohne besondere handwerkliche Arbeit Samples bearbeitet werden und wurden somit für alle Sampler zur Verfügung gestellt. Und es gab die Möglichkeit, falls Bedarf bestand, an der bearbeiteten Stelle der Schnitte Änderungen vorzunehmen. Das heißt, ein vorher bearbeiteter Schnitt konnte mehrfach geändert und dementsprechend in einen anderen Kontext zusammengesetzt werden.

Diese Herangehensweise war in den Jahren zwischen 1987 und 1995 sehr augenscheinlich gewesen und wurde des Öfteren erwähnt und vor allem für die Verwendung von Reggae-, historischen Funk-, und Jazz- Samples benutzt. Vor allem aber fand eine Wende in der Hip Hop statt, und zwar konnte von dem Zeitpunkt an jeder Musik produzieren. Thorsten Krämer äußert sich zu dem Thema folgendermaßen:

„Immer mehr Menschen mixen und remixen und samplen und scratchen und pitchen und faden. Immer mehr Menschen wissen, was ein Sequencer ist. Immer mehr Menschen haben Raubkopien von Cubase. Immer mehr Menschen können eine 808 von einer 707 unterscheiden. Immer mehr Menschen geben mehr Geld für CD-Rohlinge aus als für normale CDs. Immer mehr Menschen betreten Plattenläden, an denen sie früher achtlos vorbeigegangen sind. Immer mehr Menschen betreten Clubs, die sie früher für anrüchig hielten. Immer mehr Menschen machen genau das, was ich mache.“4

4.Das literarische Sampling

Der Autor fungiert sozusagen als DJ, der unterschiedliche Zitate und Kontexte aus anderen Werken herauszieht und die dann in sein eigenes Werk verarbeitet. Diese Herangehensweise lehnt sich an das musikalische Sampling an. Der wohl bekannteste Sampler-Autor in Deutschland ist Thomas Meinecke.

Figuren, Texte und Reflexionen arbeiten in den Texten von Thomas Meinecke daran, die diskursive Konstruktion von geschlechtlichen und ethnischen Identitäten in Frage zu stellen, um eine großmögliche Vielfalt an Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Die Figuren zitieren immer ganz unterschiedlich, mal sind es kürzere , und mal längere Passagen aus anderen Texten, und sie referieren in ihren eigenen Reflexionen auch die Theoreme der Gender Studies oder der postkolonialen Theorie.5

„Wenngleich die Sprache des Romans an manchen Stellen rhythmisch oder lakonisch ist, sind die zahllosen Reflexions- oder Dialogstücke der Figuren eher hypotaktisch gebaut und der Komplexität und dem Sprachduktus der Zitate aus akademischen Texten ähnlich.“6

Die Figuren fallen in ihren eigenen Handlungen kaum hinter ihr sprachliche Niveau und die Problematik ihrer Lektüre zurück. Das wird sogar so gut eingesetzt, dass die Figuren das aufgenommene Zitat eher weiterentwickeln und es auf ihre eigene Situation einwenden.

Thomas Meinecke hat als Sampler immer einen Stapel an Quellen vor sich liegen, wenn er schreibt, weil er es nicht gern mag sich Geschichten auszudenken. Das folgende Zitat von Thomas Meinecke bekräftigt meine Aussage:

„Beim Schreiben habe ich immer mehrere Häufchen Quellen – sozusagen Platten- vor mir liegen, die ich nacheinander >auflege<. Ich halte nämlich nichts von ausgedachten Geschichten.“7

In diesen Büchern ist fast auf jeder Seite eine Zitatquelle zu finden oder es wurde ein Zitat in den Text aufgenommen. Der Autor fügt unterschiedliche Quellen und Stile in seine Texten ein, ohne dass diese Texte Verwirrung hervorrufen, da die voneinander sprachlich abweichenden Zitate auf ein referierendes Aufzählen von Stichwörtern reduziert werden, können sie dadurch ohne Problem in den Text eingesetzt werden. Die Quellen der Zitate müssen immer exakt benannt werden. Thomas Meinecke beschreibt seinen Schreibstil folgendermaßen:

Ich lese Bücher, höre Platten, höre Menschen was sagen- und das ist mein ganzer Input, und den möchte ich sozusagen so zusammenschmeißen – und da sind wir wieder bei dem modischen Bild des DJs: wie einer auf zwei Plattenspieler mit 80 Schallplatten eine ganze Nacht lang wunderbar etwas erzählen kann8

Thomas Meineckes Romane können als Text-Rhizome9 bezeichnet werden, weil die Zitate von Meinecke enthierarchisiert werden und somit ihren Ursprung verlieren.

„Die Vielfalt der zahllosen zitierten Texte, Personen, Platten, Nachrichten könntedabei für eine Welt von Menschen stehen, die unbefragt ihrer Herkunft und nicht kategorisiert eine vielfältige Welt ohne Hierarchie bilden.“10

Diese Art von Literatur wird dann Popliteratur genannt, wenn sie sich ästhetisch an dem Sampling und Mixing -Techniken der DJs und deren Platten bedient. Diese Technik wird in den letzten Jahren sehr häufig verwendet und ist auch bei Hubert Fichte zu sehen. Ganz besonders wird der Schreibstil, mit den Platten auflegen und Schreiben in der Popliteratur bei Thomas Meinecke deutlich. Die neue Schreibweise der Autoren in der Popliteratur wird als die neue Epoche nach dem „der Tod des Autors“ im Sinne Barthes und Foucaults wahrgenommen.11

Gerald Fiebig12 geht davon aus, dass die Schreibtechnik des Samplings schon im 18. Jahrhundert benutzt worden ist und dass das musikalische Sampling erst mit der Techno-Musik entstanden ist, wobei das literarische Sampling erstaunlicherweise älter sei.13 Diese Schnitttechniken in dem literaturwissenschaftlichen Diskurs wurden als Montage, Collage und Cut-Up Verfahren benutzt, die um einiges früher entstanden sind als das Sampling.

Da das Thema der Popliteratur ein weites und umfangreiches Schema beinhaltet, kann es ab und an zu Widersprüchen zwischen den Texten und den Autoren kommen. Thomas Ernst beschreibt diese Komplexität folgendermaßen:

„Die Komplexität, Vieldeutigkeit, und historische Wandlungsfähigkeit des Begriffs der Popliteratur plausibilisiert allerdings die Nutzung eines solchen breiten Kriterienkatalogs; ein Text sollte somit nicht einfach als >Popliteratur< oder >keine Popliteratur< klassifiziert werden, vielmehr muss untersucht werden, bezogen auf welche Merkmale er sich in den popliterarischen Diskurs einschreibt und welche Eigenschaften des Textes diese Zuordnung verweigern“14

Daher sollten die Pop-Romane untersucht werden, wie sie sich in der Debatte der neuen deutschen Popliteratur klassifizieren lassen, welche Schnitttechniken verwendet werden und welche Gegenwartsmerkmale in dem Text zu finden sind. Die Popliteratur ist vielseitig und zeigt bis in die Gegenwart eine enorme Weiterentwicklung: In den Romanen der Popliteratur beschreibt der Autor wie in seinen Romanen junge und vor allem in der Gegenwart gescheiterte, desinteressierte und gesellschaftliche Außenseiter, sich im Laufe der Geschichte großartig weiterentwickeln.

„In die Analyse des jeweiligen popliterarischen Textes und seiner Positionsfelder müssen allerdings auch Erkenntnisse über die Kollektivsymboliken, Interdiskurse, (Pop)-kulturellen Analysen einer Gesellschaft einfließen, damit die Texte und ihre Positionsfelder in den gesellschaftlichen Diskursen verortet und ihre >Generationen-Effekte<, Milieuanbindungen und Ausschlüsse adäquat beschrieben werden können.“15

Die Sprache ist in den Werken sehr leicht zu verstehen und es wird eine authentische Alltagssprache verwendet, die für jeden Leser zugänglich ist. Die Werke verfügen über eine Vielzahl von Anglizismen, spezielle Definition die in Zusammenhang zur Mode und Reklamewelt stehen, Begriffe aus der Musik oder auch intertextuelle Verweise wie z.B. Zitate aus der Musikbranche.

Die Popliteratur beschäftigt sich mit Themen wie; Gewalt, Drogen, Sex, Musik, Exzesse, Glamour, Party, Reisen, Adoleszenzproblematik und jugendliche Subkultur. Die Popliteratur ist bekannt durch ihren Unterhaltungswert, weil sie an die junge Zielgruppe gerichtet ist, die wiederum eher die Romane lesen, die für sie sprachlich auch leicht zugänglich sind und einen ironischen, satirischen Bezug herstellen. Die wohl berühmtesten Vertreter der Popliteratur sind Christian Kracht, Rainald Goetz, Alexa Henning von Lange und Benjamin von Stuckrad-Barre.

5. Montage

Um den Unterschied zwischen den Definitionen von Sampling und Montage erkennbar zu machen, werde ich versuchen die Begriffe erst zu erläutern und anschließend auf die Differenz einzugehen. Ein kurzes Zitat von Diederichsen, um die Montage besser verstehen zu können:

„Beim Sampling wie bei der Montage gibt es immer die zweiteilige Situation, dass ein neues kulturindustrielles Tool, eine neue Technologie, eine alte Künstlergeneration obsolet werden lässt, gleichzeitig aber das Versprechen entsteht, eine neue Generation von Künstlern habe nun nicht nur den historisch adäquaten Zugang[…] unter Umgehung der und gegen die Kulturindustrie.16

Die Montage galt in den verschiedenen Begriffen als eine Art „Erlösung“ und „Hoffnung“ des Modernismus. Es sollte einen Kontext zwischen künstlerischen, gesellschaftlichen und technischen Aufschwung aufdecken.

Investitionen in den Begriff Montage gab es in sehr unterschiedlichen Bereichen, vor allem aber ist sie in Verbindung in den frühen sowjetischen Film zu sehen, unter anderem aber auch im Bereich der Grafik-Design wie z.B. bei der Zusammenstellung von Plakaten und Zeitschriften. Auch in den anderen modernistischen Bewegungen der 1920er Jahre war die Montage sehr berühmt. Die dokumentarisch orientierten amerikanischen Fotografen machten sich Gedanken über das Verhältnis von Fotografie und Kontext über die Präsentationen ihrer Arbeit in Büchern. Auch bei Walter Benjamin nimmt die Montage einen zentralen Punkt in den neuen Darstellungen künstlerischer Produktivität, ob produktionsästhetisch oder bei der Konstruktion von Tafelbildern, ob rezeptionsästhetisch oder generell in der Theorie des dialektischen Bildes.17

Bei vielen Verwendungen des Begriffs gehen deskriptiver und normativer Gebrauch durcheinander, ebenso wie seine emphatische Aufladung mit seiner nüchternen Rückführung auf die Notwendigkeiten neuer künstlerischer Techniken. Dabei wird oft – mehr oder weniger unbewusst – von Künstlern und Theoretikern ein Zusammenhang zwischen den mit dem Film und anderen montierten Kunstwerken auftauchenden technischen Vorgängen mit einer normativ-ästhetischen Forderung an alle Künste konstruiert.18

Aus diesen Unterschiedlichkeiten des Begriffs der Montage kann festgestellt werden, dass die Montage ein Verfahren ist, das die neuen Technologien und die mit ihnen verbundenen Methoden für aufklärerischen Umgang mit Gestaltungsmittel nutzt.19 Die Herkunft und die Quellen des Materials sind offengelegt, daher kann es nicht als ein unbewusstes oder ein gefundenes Material verwendet werden. Es muss also stets angegeben werden, woher das übernommene Material stammt. Für die Montage-Techniker ist der Ursprung eines Werkes relativ unwichtig; sie sind der Meinung, dass das mit der Montage entstandene, neue Werk, als das wahre Kunstwerk gilt. Zusammenfassend kommentiert Diederichsen die Montage folgendermaßen:

Montage heißt also Nutzen der neuen Technologie für etwas aus gesellschafts-ethischen Gründen (Aufklärung, Demokratisierung) und aus ästhetisch-ethischen Gründen (Desillusionierung) Wünschenswertes, also etwas, das auch ohne die Technologie schon als Ziel formulierbar gewesen wäre, das aber erst durch die Benutzung neuer Technologie möglich oder zumindest stark erleichtert zu werden scheint. Dabei spielt gerade das dialektische Verhältnis des durch Film und Foto gesteigerten Illusionismus-Koeffizienten und die gleichzeitige desillusionierende Ausstellung und so Aneignung der für die Illusionen notwendigen Mittel eine große Rolle.“20

Darüber hinaus ist für Walter Benjamin von großer Bedeutung, dass in ein geschnittenes Werk egal an welcher Stelle und wie groß das geschnittene Teil ist, zwar etwas montiert wird aber damit auch das demontierte dadurch, mehr oder weniger zerstört wird. Das heißt, für jedes neu erschaffene Werk der Montage muss ein anderes, älteres Werk zerstört werden. Hierbei stellt sich natürlich auch die Frage, inwieweit diese Herangehensweise ethisch ist:

„[…dass immer dort, wo per Schnitt ein Kontinuum unterbrochen und mit einem anderen zusammengefügt wird, auch immer ein Zusammenhang, ein Bild untergeht – und zwar zu Recht untergeht: als falsche Idylle, falsche Ganzheitlichkeit. Montage würde demzufolge nicht nur zwei Hälften auf sichtbare – und daher antiillusionistische – Weise aneinanderfügen, sondern gleichzeitig zeigen, dass für den neuen Zusammenhang ein anderer, alter untergehen muss21.

[...]


1 ( Florence Feiereisen 2011, S:13, Zit. nach Mohr)

2 ( Florence Feiereisen 2011, S:23)

3 (Zit.n. David Sanjek, „ Dont Have to DJ No More´: Sampling and the `Autonomous´ Creator“. The Construction of Autorship. Textual Appropiation in Law and Literatur, 1994, S:343-360, In: Florence Feiereisen 2011, S:23)

4 (Zit.n. Thorsten Krämer, „Mischverfahren“ Sound Signatures. Pop-Splitter. Ed. Bonz, Jochen. Frankfurt am Main: 2001, S:105-116. In: Florence Feiereisen 2011, S:25)

5 ( Thomas Ernst 2013, S:208)

6 (Ebd. S:208)

7 (Thomas Ernst 2013, S:192f)

8 ( Zit.n. Johannes Ullmaier 2001, S: 118f, In:Thomas Ernst 2013, S:192)

9 (Ein Rhizom ist - im Kontext der Botanik - ein Wurzelsystem, das keine Hauptwurzel hat, beispielsweise das Myzel von Pilzen.)

10 ( Thomas Ernst 2013, S:206)

11 ( Thomas Ernst 2013, S:182)

12 (Zit.n.Gerald Fiebig, 1999, S:236, in: Thomas Ernst 2013, S:182f.)

13 (Ebd .S:182f.)

14 (Ebd. S:188)

15 ( Thomas Ernst 2013, S:199)

16 ( Zit.n. Diedrich Diederichsen: Montage, Sampling, Morphing. Zur Trias von Ästhetik,Technik,Politik“. Medien Kunst Netz. 2006, In: Florence Feiereisen 2011, S:24)

17 (http://www.medienkunstnetz.de/themen/bild-ton-relationen/montage_sampling_morphing/print/ kein Datum)

18 (ebd.)

19 (ebd.)

20 (http://www.medienkunstnetz.de/themen/bild-ton-relationen/montage_sampling_morphing/print/ kein Datum)

21 (Zit.n.Walter Benjamin, in: (http://www.medienkunstnetz.de/themen/bild-ton-relationen/montage_sampling_morphing/print/ kein Datum

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Benutzung des musikalischen Samplings bei Meinecke
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Theorien der Autorschaften
Note
2.3
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V416146
ISBN (eBook)
9783668917279
ISBN (Buch)
9783668917286
Sprache
Deutsch
Schlagworte
benutzung, samplings, meinecke
Arbeit zitieren
Seyhmus Coskun (Autor), 2018, Die Benutzung des musikalischen Samplings bei Meinecke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416146

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