Mary Ellen Richmond. Begründerin der sozialen Einzelfallhilfe


Seminararbeit, 2004
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Einzellfallhilfe
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Verschiedene Konzeptionen
2.3 Elemente der sozialen Einzelfallhilfe
2.4 Zusammenfassung

3. Situation der Armen im 19.Jhd. in den USA

4. Mary Ellen Richmond
4.1 Biographische Daten
4.2 Charity Organisation Society
4.3 Mary Richmonds Verdienste

5. Resümee

Literatur

1. Einleitung

Die soziale Einzelfallhilfe[1] zählt neben der sozialen Gruppenarbeit und der Gemeinwesenarbeit zu den klassischen Methoden der sozialen Arbeit.

Einzelfallhilfe bedeutet dabei, „dass die Hilfe im dyadischen System, also im Gegenüber von Sozialpädagogen/ Sozialpädagogin bzw. Sozialarbeiter/ Sozialarbeiterin auf der einen, Klient/ Klientin auf der anderen Seite geleistet wird“ (Erler 2000, S. 84).

Die Wurzeln der social case work liegen in den USA. Im Allgemeinen gilt Mary Ellen Richmond als Begründerin dieser Arbeitsmethode. Basierend auf ihrer Arbeit und Erfahrung bei der Charity Organization Society in Baltimore legte sie 1917 erstmals mit ihrem Werk „Social Diagnosis“ eine systematische Darstellung der Tätigkeit und Vorgehensweise von Sozialarbeitern vor. Fand ihr Buch auch in der Wissenschaft keine Anwendung, so beeinflusst es dennoch nachhaltig die Ausbildung von Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen in den USA.

Zu Beginn wird diese Seminararbeit die soziale Einzelfallhilfe aus heutiger Sicht vorstellen. Hier soll vor allem geklärt werden, was darunter zu verstehen ist und wie mit dieser Methode gearbeitet wird.

Im zweiten Teil dieser Arbeit soll zunächst die historische Situation der Armen und Hilfesuchenden im 19. Jahrhundert dargelegt werden. Hier werden gesellschaftliche Missstände aufgezeigt, wie mit den Armen umgegangen und geholfen wurde. Weiterhin dient dieser Abschnitt der Verdeutlichung, warum eine Förderung und Ausbildung der Helfenden von Nöten ist.

Zum Schluss wird die Begründerin der sozialen Einzelfallhilfe, Mary Ellen Richmond, selbst sowie ihre Arbeit vorgestellt.

2. Soziale Einzelfallhilfe

2.1 Begriffsbestimmung

Als Einstieg in die Thematik sollen zunächst einmal verschiedene Definitionen von sozialer Einzel(fall)hilfe gegeben werden.

Soziale Einzelhilfe ist ein Prozess, der von bestimmten Sozialdienststellen angewendet wird, um Menschen zu helfen, mit ihren Problemen im sozialen Bereich besser fertig zu werden (Perlman 1973, S. 18)

Behandlung in der sozialen Einzelhilfe wird als eine bestimmte Mischung von Vorgängen gesehen, die so, wie es diagnostisch angezeigt erscheint, auf eine Veränderung in der Person oder in ihrer sozialen oder zwischenmenschlichen Umgebung oder in beidem hinarbeitet und auf eine Modifikation des Austausches abzielt, der zwischen Mensch und Umwelt stattfindet. Zum größten Teil werden diese Ziele in Besprechung zwischen Klient oder Klienten, Sozialarbeiter und wichtigen anderen Personen und durch ein Angebot an konkreten Hilfsmaßnahmen verfolgt (Hollis 1977, S. 49).

Anhand dieser ausgewählten Definitionen lässt sich erkennen, dass die soziale Einzelfallhilfe die zu „behandelnden“ Probleme immer im Individuum lokalisiert und in Folge dessen sich die Arbeit direkt an jedes einzelne Individuum richtet.

Die individuellen Probleme stehen bei der sozialen Einzelfallhilfe im Mittelpunkt. Um diesen Problemen Abhilfe zu schaffen, ist es Aufgabe des Sozialarbeiters die Probleme des Klienten zu analysieren und gemeinsam mit ihm einen Hilfs- oder Behandlungsplan zu erarbeiten, der die Haltung des Klienten beeinflusst und auf diesen einwirkt. Dabei beziehen sich die Veränderungsabsichten auf jede einzelne Person selbst, deren Sicht- und Verhaltensweisen sowie auf deren Kompetenzen und Qualifikationen. Diese Verhaltens- und Einstellungsänderungen des Individuums tragen dazu bei, dass seine problematische Lebenslage verbessert wird. Auf Grund dessen wird die soziale Einzelfallhilfe auch als therapeutische Intervention verstanden.

Die Beziehung zwischen Klient und Sozialarbeiter spielt bei diesem Hilfeprozess eine entscheidende Rolle. Eine intakte Klient-Sozialarbeiter-Beziehung, in der sich beide Parts gegenseitig als vertrauensvolle Gesprächspartner anerkennen, ist Grundvoraussetzung dafür, dass der Klient bereit ist, die Hilfe des Sozialarbeiters anzunehmen.

Ziel der case work ist es mittels eines besseren Ausgleichs zwischen Individuum und Umwelt, die Identität und Handlungskompetenz und damit verbunden das Wohlbefinden des Klienten schrittweise zu verstärken. Um diesen Ausgleich zu erreichen, muss sich das Individuum seiner Umwelt anpassen und damit seine Verhaltensweisen ändern. Dabei hilft die soziale Einzelhilfe. Dagegen ist eine Anpassung der Umwelt an das Individuum schwieriger. Diese stellt nicht den Schwerpunkt der sozialen Einzelfallhilfe dar (vgl. Galuske 2003, S. 77ff).

2.2 Verschiedene Konzeptionen

Innerhalb der social case work gibt es verschiedene Ansätze. Auch wenn alle dasselbe Ziel verfolgen, nämlich „Hilfe zur Selbsthilfe“, so gibt es doch Unterschiede hinsichtlich ihrer Inhalte.

Im Folgenden sollen drei differente Konzepte vorgestellt werden: der psychosoziale, der funktionale und der problemlösende Ansatz.

Der psychosoziale Ansatz basiert besonders auf dem diagnostischen Prinzip nach Gordon Hamilton. Dieses Konzept bezieht die Intervention auf den „Mensch in seiner spezifischen Situation“ (Hollis 1977, S. 48). Die diagnostische Konzeption legt in Anlehnung an die Psychoanalyse großen Wert auf die Vorgeschichte jedes Klienten. Im Gegensatz dazu hat sich der psychosoziale Ansatz weiterentwickelt, für den eine lückenlose Anamnese nicht mehr zwingend im Vordergrund steht. Die eigentliche Fallstudie an sich spielt allerdings immer noch eine zentrale Rolle, da mit dieser Erfassung die Probleme des Individuums genauer und deutlicher erkannt werden können. Dabei wird der Klient wiederholt in seiner Situation beobachtet aus der anschließend der Sozialarbeiter eine Diagnose stellt, welche dann als Grundlage der Hilfe dient. Der Sozialarbeiter stellt folglich bei diesem Ansatz den Ausgangspunkt für notwendige Veränderungen dar.

Im Gegensatz dazu geht der funktionale Ansatz davon aus, dass die Veränderungen nicht vom Sozialarbeiter, sondern vom Klienten ausgehen. Im Vordergrund dieses Konzeptes steht das psychische Wachstum des Menschen und dessen Bedeutung für die Gestaltung von Hilfsprogrammen. Demnach hilft der Sozialarbeiten dem Klienten seine eigenen Fähigkeiten, Entscheidungen zu treffen und nach diesen zu handeln, freizusetzen. Ziel des funktionalen Ansatzes ist es, das subjektive Wachstum der einzelnen Individuen zu stärken. Daher kann hier bei sozialpädagogischer Intervention von individuell therapeutischer Zuwendung gesprochen werden.

Vor allem der Name Helen Perlman ist mit dem problemlösenden Ansatz verbunden. Im Unterschied zu den beiden genannten Ansätzen können Klienten nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Familien sein. Dieses Konzept geht davon aus, dass der Mensch in seinem Leben immer wieder mit Problemen konfrontiert wird, die er versuchen muss, zu lösen. Inwieweit der Mensch dabei unterstützt werden muss, hängt von seinen Ressourcen und Fähigkeiten ab, Probleme zu lösen (vgl. Galuske 2003, S. 80f). Nach Perlman resultiert die Unfähigkeit, Probleme selbst zu lösen, aus der

Schwäche oder dem Fehlen eines oder einer Kombination der folgenden problemlösenden Faktoren […]: der Motivation zur angemessenen Beschäftigung mit dem Problem, der Fähigkeit, dies zu tun, und der Möglichkeit, Mittel und Wege zu finden, um die Schwierigkeit zu beseitigen oder zu mildern (Perlman 1977, S. 149).

Aus dieser Schwäche heraus ergeben sich folglich drei zentrale Handlungsstrategien: der Sozialarbeiter soll motivieren, befähigen sowie die Ressourcen des Klienten identifizieren.

[...]


[1] auch als „soziale Einzelhilfe“ oder „social case work“ bezeichnet.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Mary Ellen Richmond. Begründerin der sozialen Einzelfallhilfe
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Pädagogisches Institut)
Veranstaltung
Wie Helfen zum Beruf wurde
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V41618
ISBN (eBook)
9783638398466
ISBN (Buch)
9783638762991
Dateigröße
660 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mary, Ellen, Richmond, Begründerin, Einzelfallhilfe, Helfen, Beruf
Arbeit zitieren
Tina Kerz (Autor), 2004, Mary Ellen Richmond. Begründerin der sozialen Einzelfallhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41618

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mary Ellen Richmond. Begründerin der sozialen Einzelfallhilfe


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden