Are they only nurses yet? Die Rolle der "Nurse Practitioners" in der primären Gesundheitsversorgung in den USA


Praktikumsbericht / -arbeit, 2017
28 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Forschungsfrage
1.2 Begründung der Themenwahl
1.3 Methodologie
1.4 Thematische Vorgehensweise

2 Organisation und Ablauf des Praktikums

3 Strukturen der Primärversorgung in den USA
3.1 Hausarzt zentrierte Versorgung
3.2 Community Organisations
3.3 Krankenhausambulanzen

4 Die Rolle der Nurse Practitioner
4.1 Definition, Geschichte
4.2 Ausbildung
4.3 Arbeitsfelder Tätigkeitsgebiet
4.4 Problemfelder
4.5 Benefit

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

Die USA sind ein Land der Superlative, dies gilt auch für das Gesundheitswesen, kein Land der Welt gibt so viel Geld für die Gesundheitsversorgung aus. Die Kosten für die Gesundheitsversorgung belaufen sich, in absoluten Zahlen, auf rund drei Milliarden Dollar und entsprechen 16.9% des Bruttoinlandproduktes und sind somit fast doppelt so teuer als der Durchschnitt der anderen Mitgliedsländer OECD (Organisation for economic cooperation and development [OECD]) (OECD, 2017; Statista, 2017). Hohe Gesundheitsausgaben sind aber nicht gleichzusetzen mit höherer Qualität der Versorgung, sie können auch einfach nur teurer sein. Die Gesundheitsquote ist in den USA hochgeschnellt, ohne sich in Indikatoren wie die Qualität oder Lebenserwartung niedergeschlagen zu haben (Hajen, Paetow & Schuhmacher, 2010).

Dennoch erscheinen die USA im Trend mit Perspektive auf Kindersterblichkeit und Lebenserwartung als Entwicklungsland und bleiben unter dem OECD-Durchschnitt. Auch bleibt die Entwicklung des Gesundheitszustandes, d.h. die Zeit die ein Mensch gesund verbringt deutlich unter dem Niveau, als es die sozioökonomische Situation des Landes vermuten lassen würde (Murray, 2017a; Murray, 2017b).

Die USA sind das einzige Land der westlichen Welt, das keine umfassende und/oder obligatorische Krankenversicherung für seine Bevölkerung hat, 9,1% der Amerikaner befanden sich 2015 ohne Versicherungsschutz (Barnett & Vornovitsky, 2016; Schölkopf & Pressel, 2014). Shi et al. (2004) verweisen auf den schlechten Zugang zu allgemeiner Versorgung durch finanzielle Hindernisse und betonen die sozioökonomische und somit gesundheitliche Ungleichheit, die sich weiter ausbreitet. Auch Starfield und Shi (2004) beziehen sich in ihrer Studie auf benachteiligte Minderheiten, die sich durch das Fehlen einer zentralen Anlaufstelle kennzeichnen. In der US-Hauptstadt Washington praktizierten rund 3000 Mediziner, jedoch nur 3% haben ihre Praxis in Stadtgebieten mit schwacher sozialer Struktur (Schmitt-Sausen, 2012).

Mit der Absicht, die sozioökonomische Ungleichheit zu reduzieren und einen generalisierten Versicherungsschutz mit minimierten Zugangsbeschränkungen und Strafe Unversicherter, zu gewährleisten, wurde 2010 das Patient Protection and Affordable Care Act („Obama-Care“ oder ACA) verabschiedet (Schölkopf & Pressel, 2014). Obama-Care steht in Bezug auf die Kostenexpansion unter heftiger Kritik (Rüb, 2012) und führte zu einem weiteren Problem – den Mangel an Allgemeinmedizinern (Family Physican/General Practitioner) bei gleichzeitiger Erhöhung der versicherten Leistungsbezieher, hoher Zuwanderung und demografischen Faktoren, die auf beiden Seiten Auswirkungen haben. Einerseits die Alterung der „Baby-Boomer-Generation“ mit zunehmendem Versorgungsbedarf und parallel altersbegründete Verluste der Mediziner, demnach fast die Hälfte der Ärzte älter als 50 Jahre ist (Niemann, 2017; Schmitt-Sausen, 2012; Schmitt-Sausen, 2013). Im Vergleich des ärztlichen Versorgungsangebotes, Indikator für eine angemessene, regional ausgewogene medizinische Behandlung, zeigt sich schon derzeit, dass im Ländervergleich die USA nur knapp halb so viel praktizierende Ärzte haben wie im europäischen Vergleich ebenso zeigt sich nur minimaler Zuwachs in dieser Versorgungsdichte (0,5%), was aufgrund der Flächendimension vor allem in ländlichen Gebieten zu Versorgungslücken führt. Auffallend ist zudem der exorbitante Überhang an Fachärzten (88%), da viele Mediziner aufgrund der besseren Bezahlung eine Spezialisierung anstreben (OECD, 2017, Schmitt-Sausen, 2012). Bespielhaft verdeutlicht Massachusetts das Problem, indem hier ein nahezu lückenloser Versicherungsschutz eingeführt wurde, aber keine Versuche unternommen wurden, das Angebot der Primärversorgung zu erhöhen. Das Resultat dieses Versäumnisses findet sich in den Wartezeiten um einen Arzt zu sehen, durchschnittlich wartet die Bevölkerung hier 46,9 Tage – ein kritischer Wert in Hinblick auf den akuten Bedarf an Versorgung in diesem Bereich (Merritt, Hawkins & Miller, 2004; Moore 2017). Gebiete mit einem schlechten Zugang zu Primärversorgung zeigen zudem eine signifikant höhere Rate Notfalleinrichtungen aufzusuchen, die Zahl dieser Patienten ist in den letzten 10 Jahren von 90 Millionen auf 120 Millionen angestiegen, sowie der Inanspruchnahme an stationärer Versorgung und zeigt sich in Kostenexplosionen in diesem Sektor (Moore, 2017).

Dem gegenüber stehen in den USA Berufe, die zum Teil besser ausgebildet sind als durchschnittliche Ärzte (Reime, 2000), sogenannte „Nurse Practitioners“ (NP) und die Forderung nach deren verstärktem Einsatz in der „hausärztlichen“ Versorgung (Schmitt-Sausen, 2013). Aus genannten Gründen werden in den verschiedenen Regionen der USA politische Konzepte erarbeitetet, die dem Mangel an Primärversorgung mit einer Erweiterung des Tätigkeitsfeldes der NP´s begegnen wollen (National Covernors Association [NGA], 2015). Nurse Practitioners sind hoch qualifizierte Krankenschwestern, die mit Master bzw. Doktorgrad in verschiedenen Positionen der Gesundheitsversorgung tätig sind und deren Tätigkeiten abhängig von der gesetzlichen Lage im jeweiligen Staat von diagnostischen Verfahren bis zur medikamentösen Behandlung reichen (Florida Association of Nurse Practitioner [FLANP], o.J.; Schmitt-Sauser, 2012). 2016 waren über 222 000 lizensiert in den USA, 83% dieser haben einen Abschluss im Bereich der Primärversorgung, dennoch ist der Anteil am Markt gering (20%) (Moore, 2017). Dem allgemeinen Tenor zufolge stellen NP´s eine Schlüsselrolle in den aktuellen Herausforderungen im amerikanischen Gesundheitswesen dar und sind aufgrund ihrer hohen Qualifikationen in der Lage ein breites Spektrum der Primärversorgung abzudecken (DesRoches, Clarke, Perloff, O´Reilly-Jacob, Buerhaus, 2017; Everett et al.,2013a; Everett et al., 2013b; Moore, 2017).

1.1 Forschungsfrage

Aus dem oben definierten Problembereich lässt sich folgende zentrale Forschungsfrage ableiten: Welche Rolle haben Nurse Practitioners in der Primärversorgung der USA und wie ist diese Rolle beschrieben?

1.2 Begründung der Themenwahl

Die Grundintention bzw. das Interesse an den Gesundheitssystemen der Welt wurde nach einer Vorstellung des amerikanischen Gesundheitswesens in der Lehrveranstaltung Gesundheitsökonomie mit einer neuen Erkenntnis geweckt. „Amerika? Die haben doch kein Gesundheitssystem“, so der allgemeine Tenor hierzulande. Doch haben sie! Es folgt vielleicht nicht unbedingt den idealtypischen Gesundheitssystemen, ist vielleicht besser oder schlechter, oder einfach nur anders. Schon die Einstellung der Amerikaner weicht der unseren ab, Gesundheit ist demnach nicht ein Solidaritätsakt, sondern eine Frage des Willens und der Großteil der Amerikaner ist durchaus zufrieden mit ihrem System. Dennoch gibt es Probleme, durch Gesetzenovellen ist die Anzahl der Versicherten, bei gleichzeitig prognostiziertem Mangel an Allgemeinmedizinern, gestiegen. Engstirnig könnte man behaupten, dieses Problem wäre „hausgemacht“, nichts was Österreich auch passieren könnte. Genauer betrachtet könnte das dennoch auch unsere Zukunft sein, bzw. ist es bereits. Der Zugang zu Versorgung wird schwieriger, denn Hausärzte folgen oft einer Regelarbeitszeit und müssen durch vollgefüllte Notfallambulanzen kompensiert werden, ebenso entscheiden sich immer weniger Mediziner für die Primärversorgung und dies bei gleichzeitiger Pensionierungswelle der bestehenden Ordinationen. Seit vielen Jahren sind, ähnlich den Amerikanern Primärversorgungszentren geplant, Ärzte sind in Aufruhr von Krankenschwestern geleitet zu werden, das „Team rund um den Patienten“ musste dem „Team rund um den Hausarzt“ weichen, noch immer steht vieles in der Planung. Aus dieser Problematik entstand eingrenzend die Idee und das Interesse, sich damit zu beschäftigen, wie die USA dem Problem begegnen und welche Rolle das Pflegepersonal dort innehat. Wären wir schon bereit, diesen Weg zu gehen, um den Hausärztemangel auszugleichen? Nein, aber man könnte von anderen Ländern lernen, um zukünftigen Problemen zu begegnen.

1.3 Methodologie

Das methodische Vorgehen entspricht den Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit und dem systematischen Vorgehen einer kritischen Literaturrecherche. Demzufolge wurden zu Anfang relevante und sucheffiziente Begriffe im Kontext Primary Care und Health Care AND USA definiert. Daraus ergaben sich folgende Stichwörter: Health care, Primary Care, Patient Protection and Affordable Care Act, Obama Care, Nurse und Outpatient department in verschiedenen „AND“-Kombinationen unter Berücksichtigung der nationalen Perspektive USA. Ebenso wurde überwiegend Literatur des letzten Jahrzehnts und vereinzelt ältere Publikationen erhoben, die jedoch den aktuellen Zeitgeist des Gesundheitssystems der USA widerspiegeln.

Es erfolgte eine computergestützte Suche vorerst in allgemeinen Suchmaschinen, sowie in Google Scholar, wobei sich schon erste allgemeine Funde ergaben. Im nächsten Schritt wurde auch in Fachdatenbanken recherchiert, insbesondere in Pupmed, Aleph, UB-Search und CINAHL. Im zweiten Schritt wurden die Literaturangaben der vorliegenden Funde auf ergebnisrelevante Titel eingesehen und eine weitere informatische Suche dieser begonnen. In diesem Verlauf wurde auch, um Belegmaterial in Bezug auf sozioökonomische und geografische Randgruppen zu erhalten, um die Begriffe Rural Area, sowie Community Health Center, ausgeweitet. Wichtige Bücher wurden einzeln im Fachhandel bestellt, sowie in der Bibliothek der Paracelsus Medizinischen Universität ermittelt. Bei der recherchierten Literatur handelt es sich ausschließlich um Fachbücher, Fachartikel, wissenschaftliche Studien und vereinzelt Webseiten mit wissenschaftlichem Anspruch, lediglich um die politische Ebene zu tangieren, wurden einzelne Artikel aus Qualitätstageszeitschriften erhoben.

Nach erster Information über die Ausbildungswege und Berufsmöglichkeiten einer Krankenpflegeperson in den USA, sowie der politischen Diskussion nach dem Patient Protect and Affordable Care Act, kristallisierte sich die Gruppe der Nurse Practitioner in einer zentralen Rolle heraus. Nachfolgend ergaben sich Ausschlusskriterien an die Literatur, die nicht explizit den Advanced Nurse Practitioner bzw. Nurse Practitioner ansprachen.

Die erhobene Literatur wurde systematisch analysiert und nach dem Leitfaden von Paul und Elder (2003) kritisch bewertet und exzerpiert. Daraus wurde in Phase 2 der vorliegende theoretische Hintergrund transkripiert, der als Grundlage für Phase 3, den praktischen Einsatz in einer Einrichtung des Gesundheitswesens der USA, diente. In Phase 4 wurden die praktischen Erlebnisse mit dem theoretischen Hintergrund verglichen und zusammengefasst.

1.4 Thematische Vorgehensweise

Nach umschriebenem Problembereich werden in der geplanten Arbeit anfangs derzeit vorherrschende Einrichtungen und Organisationsformen der Primärversorgung der USA anfänglich strukturell vorgestellt, um in diesem Kontext auch akzentuiert auf die sozioökonomischen Unterschiede der Inanspruchnehmenden einzugehen und anschließend die Facetten der Rolle der Nurse Practitioners im Gesundheitswesen der USA näher zu betrachten. Abschließend werden in der Zusammenfassung die wichtigsten Punkte zentralisiert und in eine Conclusio integriert.

2 Organisation und Ablauf des Praktikums

Das Praktikum findet Vollzeit innerhalb einer zweiwöchigen Periode an einer Nurseclinic, geleitet von einer Nurse Practitioner, in Lauderhill, einem Bezirk von Fort Lauderdale, statt. Lauderhill zeichnet sich im sozioökonomischen Blickwinkel als relativ einkommensschwacher Bezirk aus, 75% der Bevölkerung sind schwarz, das Jahreseinkommen beträgt die Hälfte des Durchschnittes von Fort Lauderdale, wobei 24% (Ø18%) unterhalb der Armutsgrenze leben (Wikepedia, o.J.). Einen Nurse Practitioner in gesundheitlichen Belangen zu konsultieren bietet dieser Gruppe eine günstigere Alternative zu teureren und im Stadtteil schwerer verfügbaren Physican Offices.

Einen wesentlichen Schwerpunkt sieht die Leiterin der Klinik jedoch in gesundheitsfördernder bzw. sozialer Beratung, Risk- bzw. Casemanagement und der Aus,- bzw. Weiterbildung von verschiedenen medizinischen Kompetenzen (Cardiopulmonale Reanimation, Medikamentenschulungen etc.) von Laien sowie Gesundheitspersonal. Das Leistungsangebot der Klinik umfasst weiters alle Wesenszüge der Primärversorung, wobei die Nurse Practitioner gleich dem Hausarzt auch eine Gatekeeping-Funktion zu einer erweiternden, bedarfsorientierten Diagnostik und Behandlung erfüllt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Are they only nurses yet? Die Rolle der "Nurse Practitioners" in der primären Gesundheitsversorgung in den USA
Hochschule
Paracelsus Medizinische Privatuniversität  (Pflegewissenschaft)
Veranstaltung
Gesundheitsökonomie
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V416219
ISBN (eBook)
9783668659810
ISBN (Buch)
9783668659827
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NP, Nurse Practitioner, USA, Gesundheitsversorgung USA, Gesundheitssystem USA, Primärversorgung USA
Arbeit zitieren
Bianca Konrad (Autor), 2017, Are they only nurses yet? Die Rolle der "Nurse Practitioners" in der primären Gesundheitsversorgung in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416219

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