Pompa funebris. Die römische Nobilität und ihr politischer Machtanspruch in der Römischen Republik


Seminararbeit, 2018
13 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Römische Nobilität und Tradition

3 Die pompa funebris bei Polybios

4 Behauptung des politischen Machtanspruches - Legitimation, Anerkennung und Betonung von Leistungen
4.1 Nach außen
4.2 Nach innen

5 Fazit

6 Quellenverzeichnis

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Moribus antiquis stat res Romanus virisque“, „auf den alten Sitten und auf seinen Männern ruht das römische Gemeinwesen“ heißt es in den Annales, dem National- epos des Dichters Ennius.1 Der römische Traditionalismus, die hohe Achtung für Herkunft und Tradition, ist das entscheidende Charakteristikum der römischen Re- publik und spiegelt sich etwa in der pompa funebris, dem Leichenbegängnis der römischen Nobilität, wieder.2 Die Entstehung dieses Ahnenkultes lässt sich im Zu- sammenhang mit der Entstehung der römischen Repräsentationskunst in das späte 4. und frühe 3. Jh. v. Chr. datieren.3 Mit der Thematik der pompa funebris hat sich die Forschung bisher nur im Rahmen größerer Abhandlungen beschäftigt; zu nen- nen wäre hier Hölkeskamp „Die Entstehung der römischen Nobilität“,4 Bettini „Fa- milie und Verwandtschaft im antiken Rom“5 oder Kierdorf „Totenehrung im repub- likanischen Rom“.6 Einzig der Aufsatz von Flaig „pompa funebris“ stellt das Lei- chenbegängnis ins Zentrum seines Interesses.7 Die ausführlichste Beschreibung des Leichenbegängnisse bietet Polybios in seinen ‚Historien‘,8 zudem finden sich in Ciceros ‚Brutus‘ Hinweise auf Betrug innerhalb des Ahnenkultes9 und etwa in Ta- citus ‚annales‘ Anmerkungen über die Anordnung der Ahnen innerhalb des Lei- chenzuges.10 Die folgende Arbeit behandelt die Frage, inwieweit die Darstellung der pompa funebris Rückschlüsse auf die Gesellschaftsstruktur der römischen Re- publik zulässt. Insofern gilt es zu untersuchen, inwieweit, so die These, die ‚pompa funebris‘ als Leichenbegängnis der römischen Oberschicht der römischen Nobilität zur Zeit der römischen Republik zur Behauptung ihres politischen Machtanspruchs diente. Dazu werden zunächst einige charakterisierende Bemerkungen über die rö- mische Nobilität und den gesellschaftlichen Kontext in dem sie agiert gegeben. Denn erst diese Rahmenbedingungen lassen erkennen, welchen Stellenwert und welche Wichtigkeit die pompa funebris für die Elite der Republik hat und wie ein politscher Machtanspruch zu dieser Zeit behauptet werden kann. Danach wird das Leichenbegängnis anhand Polybios Darstellungen ausgeführt, um in einem nächs- ten Schritt zu erläutern, ob und wie sich in der pompa funebris der politische Macht- anspruch der römischen Nobilität äußerte respektive die römische Nobilität sie zu instrumentalisieren versuchte. In einem letzten Schritt werden die Erkenntnisse re- sümiert.

2 Römische Nobilität und Tradition

Aus der Adelsherrschaft zur Zeit des Königtums (753 - 500 v. Chr.) entstand durch Ständekämpfe im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. die Römische Republik. In ihr bil- dete sich aus dem alten Geburtsadel und dem neuen Amtsadel ein neuer Adel, die sogenannte ‚Nobilität‘.11 Die traditionelle Identität von gesellschaftlicher Überle- genheit, Reichtum und Anspruch auf politische Führung wurde dabei nicht zur Dis- position gestellt und verfestigte sich sogar.12 Die Meinung antiker Historiker wie etwa der von Polybios13, Roms Verfassung zeichne sich durch aristokratische, de- mokratische und monarchische Institutionen als eine Mischverfassung14 aus, ist ir- reführend, wenn man sich darunter eine ausgewogene Kräfteverteilung zwischen Adel und Volk vorstellt.15 Die römische Nobilität war eine „in jeder Hinsicht ton- angebende und zahlenmäßig begrenzte Elite“.16 North beschreibt sie als „hereditary oligarchy“, die eng definiert ist und nur selten neue Familien integrierte.17 Zudem basierte die römische Ordnung schon immer auf einer sozialen und politischen Hie- rarchie; „Alles gründet sich auf Autorität“.18 Erst diese straffe Binnenorganisation machte die römische Aristokratie überhaupt handlungsfähig.19 Diese Hierarchie und Autorität korrelieren mit der römischen Mentalität, die sich insbesondere durch einen ausgeprägten Traditionalismus respektive die Orientierung an der Sitte der Vorfahren auszeichnet.20 Die Genealogie wurde in frühen und stark von Familien- verbänden geprägten Gesellschaften häufig als „Mittel der Legitimation und (pseu- dohistor.) Erinnerung“ verwendet und zielte dabei immer auf eine Öffentlichkeit.21 So ist in der Politik, das Ansehen der Oberhäupter großer Familien, „die alles prä- gende Autorität“.22 „The ruling elite itself was divided into stable long-term alli- ances based […] on allegiances to the great clans or gentes“, fasst North zusam- men.23 Gleichzeitig galt es als selbstverständlich für einen jungen nobilis, das Pres- tige seiner Familie durch eigene Leistung nicht nur zu erhalten, sondern zu steigern und erhöht an seine Nachfahren weiterzugeben.24 Und nicht nur in der Politik: der ‚mos maiorum‘, war der „Maßstab des Lebens“ innerhalb Roms, der sich an den Vorfahren und deren Sitten orientierte.25 Trotzdem ist es strittig, in welchem Aus- maß das Ansehen der Vorfahren (gens) eine Rolle für den politischen Erfolg des Individuums spielte; für Hölkeskamp26 ist etwa die Leistung des Individuums zent- ral, wohingegen Ottmann27 und North28 eher die Reputation der gens hauptsächlich verantwortlich sehen. Flaig versucht, diese Gliederungsprinzipien innerhalb der rö- mischen Aristokratie zu hierarchisieren: an erster Stelle steht der Rang des Indivi- duums, gefolgt von der Seniorität und dem Prestige der Familie (gens). Hier weißt Flaig zudem auf eine weitere Problematik hin, die aus dem Versuch der objektiven Feststellung des Prestiges der Familie hervorgehe: Rang und Seniorität einer Person seien eindeutig festzustellen, die Messung von Prestige sei jedoch schwierig, aller- dings notwendig, in einer Gruppe, in der jeder von einer Rangklasse in die nächste aufsteigen wollte. Wenn also etwa ein patrizischer Prätorier einem nichtpatrizi- schen Konsular den Vorrang streitig gemacht hätte, wäre ohne die Möglichkeit Prestige messen zu können, die „Binnenorganisation der Aristokratie zusammen- gebrochen“,29 und damit die Basis auf die sie sich gründet.30 Es lässt sich festhalten, dass es für die römische Nobilität entscheidend war, ihr soziales Kapital31 messbar nach Außen präsentieren zu können, um innerhalb eines von Traditionen geprägten Roms, dessen gesellschaftliche Oberschicht auf Tradition und der daraus abzulei- tenden Hierarchie begründet war, ihren politischen Machtanspruch behaupten zu können.

3 Die pompa funebris bei Polybios

Um im dritten Kapitel den eindeutigen Zusammenhang zwischen politischem Machtanspruch und pompa funebris zu belegen,32 muss sich zunächst der Ablauf und die Wirkung der pompa funebris vergegenwärtigt werden. Die detaillierteste Darstellung der pompa funebris und der im Zusammenhang mit dieser gehaltenen Lobrede auf Verstorbene, die sogenannte laudatio funebris,33 gibt Polybios. Polyb- ios war einer der ersten Geschichtsschreiber, der um 199 v. Chr. in Megale Polis (Megalopolis, Griechenland) geboren und um 120 v. Chr. gestorben ist. Sein Vater war Lykortas, er war führendes Mitglied des Achaiischen Bundes.34 Polybios par- tizipierte schon in jungen Jahren an der politischen Öffentlichkeit und war bereits mit 30 Jahren Hipparchos (zweithöchstes Amt im Achaiischen Bund) der achaii- schen Armee. Polybios hatte die Möglichkeit, durch Reisen seinen Wissenshorizont zu erweitern und politische, gesellschaftliche und kulturelle Prozesse unmittelbar mitzuerleben.35 Als Folge des 3. Makedonischen Krieges wurde Polybios für die Zeit zwischen 168 v. Chr. - 150 v. Chr. gefangen genommen36 und in Rom als politische Geisel im Exil festgehalten37. Die Ausführungen zur pompa funebris fin- den sich in seinem Werk „Die Historien“ im fünften von 40 Büchern, von denen etwa nur noch ein Drittel erhalten ist, darunter die Bücher eins bis fünf.

[...]


1 Enn. ann. fr. 500 Vahlen.

2 Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens. Band 2.1: Die Römer, Stuttgart 2002, S. 18f., im Folgenden zitiert als: Ottmann: Geschichte des politischen Denkens.

3 Hölkeskamp, Karl-Joachim: Die Entstehung der Nobilität. Studien zur sozialen und politischen Geschichte der Römischen Republik im 4. Jh. v. Chr., Stuttgart2 1987, S. 224, im Folgenden zitiert als: Hölkeskamp: Die Entstehung der Nobilität.

4 Hölkeskamp: Die Entstehung der Nobilität, S. 222f.; 229, 236.

5 Bettini, Maurizio: Familie und Verwandtschaft im antiken Rom (Historische Studien Band 8), Frankfurt/New York 1992, S. 133-152, im Folgenden zitiert als: Bettini: Familie und Verwandtschaft im antiken Rom.

6 Kierdorf, Wilhelm: Totenehrung im republikanischen Rom, in: Binder, Gerhard; Effe, Bernd (Hgg.): Tod und Jenseits im Altertum (Bochumer Altertumswissenschaftliches Colloquium Band 6), Trier 1991, S. 71-87, im Folgenden zitiert als: Kierdorf: Totenehrung im republikanischen Rom.

7 Flaig, Egon: pompa funebris, in: Oexle, Otto Gerhard (Hg.): Memoria als Kultur (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 121), Göttingen 1995, S. 115-148, im Folgenden zitiert als: Flaig: pompa funebris.

8 Pol. Hist. VI, 53, 1; 54.

9 Cic. Brut. 62.

10 Tac. ann. IV, 9; III, 76.

11 Ottmann: Geschichte des politischen Denkens, S. 4.

12 Hölkeskamp: Die Entstehung der Nobilität, S. 204.

13 Siehe Kapitel 3 (Die pompa funebris bei Polybios).

14 Pol. Hist. VI, 11-14, 18.

15 Ottmann: Geschichte des politischen Denkens, S. 4f.

16 Hölkeskamp: Die Entstehung der Nobilität, S. 205.

17 North, John: Politics and Aristocracy in the Roman Republic, in: Classical Philology Nr.4 (1990), S. 277-287, S. 278, im Folgenden zitiert als: North: Politics and Aristocracy in the Roman Republic.

18 Ottmann: Geschichte des politischen Denkens, S. 5.

19 Flaig: pompa funebris, S. 116, 122, 125 und Hölkeskamp: Die Entstehung der Nobilität, S. 204.

20 Ottmann: Geschichte des politischen Denkens, S. 5.

21 Renger, Johannes: Art. Genealogie, in: Der Neue Pauly 4 (1998), Sp. 905-908, Sp. 905.

22 Ottmann: Geschichte des politischen Denkens, S. 5.

23 North: Politics and Aristocracy in the Roman Republic, S. 278.

24 Hölkeskamp: Die Entstehung der Nobilität, S. 206.

25 Ottmann: Geschichte des politischen Denkens, S. 18.

26 Hölkeskamp: Die Entstehung der Nobilität, S. 212.

27 Ottmann: Geschichte des politischen Denkens, S. 5, 18f.

28 North: Politics and Aristocracy in the Roman Republic, S. 278.

29 Flaig: pompa funebris, S. 116f.

30 Siehe Anm. 19.

31 Dieser Begriff stammt von Pierre Bourdieu und bezeichnet denjenigen Vorteil einer bestimmten Gruppe vor einer anderen, der mit der Teilhabe am Netz sozialer Beziehungen gegenseitigen Kennens und Anerkennens verbunden ist. Siehe: Bourdieu, Pierre: Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital, in: Kreckel, Reinhard (Hg.): Soziale Ungleichheit (Soziale Welt Sonderband 2), Göttingen 1983, S. 183-198.

32 Wesch-Klein: Funus publicum. Eine Studie zur öffentlichen Beisetzung und Gewährung von Ehrengräbern in Rom und den Westprovinzen (Heidelberger althistorische Beiträge und epigraphische Studien 14), Stuttgart 1993, S. 50.

33 Kierdorf, Wilhelm: Art. Laudatio funebris, in: Der Neue Pauly 6 (1999), Sp. 1184-1186, Sp. 1184.

34 Dreyer, Boris: Art. Polybios, in: Der Neue Pauly 10 (2001), Sp. 41-48, Sp. 41, im Folgenden zitiert als: Dreyer: Polybios.

35 Edwards, Henry James: Introduction, in: Goold, George P. (Hg.): Polybius. The Histories, Vol. 1, London 1975, S. 7-16, S. 7, im Folgenden zitiert als: Edwards: Introduction.

36 Dreyer: Polybios, Sp. 42.

37 Grieb, Volker; Koehn, Clemens: Einleitung „Polybios und seine Historien“, in: Grieb, Volker; Koehn, Clemens (Hgg.): Polybios und seine Historien, Stuttgart 2013, S. 7-11, S. 10.

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Details

Titel
Pompa funebris. Die römische Nobilität und ihr politischer Machtanspruch in der Römischen Republik
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V416272
ISBN (eBook)
9783668663503
ISBN (Buch)
9783668663510
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pompa, nobilität, machtanspruch, römischen, republik
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Pompa funebris. Die römische Nobilität und ihr politischer Machtanspruch in der Römischen Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416272

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