Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung


Hausarbeit, 2017
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung in die Thematik

2 Gegenwärtige Ausgangslage
2.1 Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung
2.2 Demographischer Wandel

3 Lösungsansätze
3.1 Bürgerversicherung
3.2 Gesundheitsprämienmodell
3.3 Kosten-Nutzen-Betrachtung des medizinisch-technischen Fortschritts
3.4 Verbesserung der gesunden Lebensjahre über Unternehmensstrukturen

4 Evaluierung

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

1 Einleitung in die Thematik

Bezogen auf das Thema „Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung“ wird sich nachfolgend mit den Herausforderungen befasst, die die Altersentwicklung in Deutschland mit sich bringt und damit, wie sich unter diesen Umständen das gesetzliche Gesundheitssystem in Zukunft finanzieren lässt. Hierbei stellt sich die Frage, ob das duale System von gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) weiterhin tragfähig ist oder ob es nicht aus finanzieller Sicht sinnvoller ist, dieses aufzulösen und sich hin zu einem einheitlichen Versicherungssystem zu bewegen. Ungeachtet dessen sollen weitere Lösungsansätze diskutiert werden, die unabhängig von der Diskussion um eine Vereinheitlichung des Systems greifen könnten.

Aus dem Blickwinkel der Gesundheitspolitik bringt der demographische Wandel deshalb Finanzierungsherausforderungen mit sich, da die Zahl der aktuell 44,2 Millionen Erwerbstätigen (Destatis 2017) in den nächsten Jahrzehnten sinken wird, sodass ein kleinerer Anteil der Bevölkerung finanziell für die Gesundheit der über 67-jährigen1 sorgen muss. Das Prinzip der Solidargemeinschaft kann funktionieren, wenn die Gesellschaft gesund altert und durch wenig chronisch Erkrankte nicht übermäßig Leistungen in Anspruch genommen werden. Andernfalls besteht das Risiko einer Überlastung des Gesundheitssystems, wenn dies weiterhin finanziert werden soll wie bisher.

Bisher konnten die Gesundheitspolitik und die Sozialversicherungen die Auswirkungen des demographischen Wandels durch Beitragssteigerungen gut bewältigen, allerdings nimmt der prozentuale Anteil der über 67-jährigen als auch der über 80-jährigen in der Bevölkerung die nächsten Jahre weiterhin zu. Die hohe Lebenserwartung in Deutschland ist ein Zeichen von gutem Lebensstandard und einem guten Gesundheitssystem. Doch es stellt sich die Frage, ob wir diese zusätzlichen Lebensjahre bei guter Gesundheit verbringen. Sie lässt sich anhand des Indikators der gesunden Lebensjahre2 beantworten, denn dieser gibt Auskunft über die Lebensqualität im Sinne einer guten Gesundheit und ist nicht auf Lebensdauer bezogen, die anhand der Lebenserwartung gemessen wird. Ein Hauptfokus der EU-Gesundheitspolitik zielt darauf ab, einen Zuwachs an gesunden Lebensjahren zu erreichen, was letztlich nicht nur die Lage des Versicherten verbessert, sondern auch die öffentlichen Gesundheitsausgaben zurückgehen lässt und es den Menschen ermöglicht, im Alter länger zu arbeiten (eurostat 2017).

Das beschriebene Problem des demographischen Wandels hinsichtlich der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme ist aber keineswegs nur ein deutsches Problem, ebenso sind europäische Nachbarländer gefragt, diese Aufgaben zu bewältigen (BGM 2017).

Die Autorin möchte mit dieser Arbeit darstellen, inwieweit die Auswirkungen des demografischen Wandels mit einer Umstrukturierung der Krankenversicherung in Deutschland entgegengewirkt werden kann, wie Lösungen aussehen könnten und welche Schwierigkeiten und Herausforderungen sich dabei ergeben.

2 Gegenwärtige Ausgangslage

2.1 Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung

Die GKV erfüllt eine wichtige Funktion für rund 72 Millionen Versicherte in Deutschland und bietet Schutz und Absicherung bei Erkrankungen. Die Prinzipien der Solidarität werden vom weiten Teil der Bevölkerung getragen und akzeptiert.

In der Vergangenheit wurden die Gesundheitsbeiträge paritätisch von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt, die Arbeitgeber zahlten somit die Hälfte der steigenden Ausgaben. Dieser sogenannte Arbeitgeberbeitrag wurde 2015 gesetzlich auf 7,3% des Bruttoeinkommens festgeschrieben, um die Unternehmen nicht mit steigenden Gesundheitsausgaben zu belasten, wodurch möglicherweise Arbeitsplätze in das Ausland verlagert werden würden oder wegfallen könnten. Die Beitragszahler haben ebenfalls 7,3% des Bruttoeinkommens abzugeben und zudem einen kassenindividuellen Zusatzbeitrag von aktuell durchschnittlich 1,1% zu entrichten. Zukünftige Ausgabensteigerungen, die nicht durch Einnahmen gedeckt werden können, müssen laut Bundesgesundheitsministerium ausschließlich durch höhere Zusatzbeiträge beglichen werden. Würde der Zusatzbeitrag paritätisch finanziert werden, würden die Versicherten um circa 7 Milliarden Euro entlastet werden (vdek 2016).

Die einkommensabhängigen Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung sowie der jährliche Bundeszuschuss, der 2004 eingeführt wurde und aus Steuergeldern besteht, fließen in den Gesundheitsfonds. Der Gesundheitsfonds wurde 2009 eingeführt und daraus werden den Krankenkassen Grundpauschalen für jeden Versicherten gezahlt unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Risikostruktur. Dementsprechend erhalten Krankenkassen mit einer Mehrzahl von alten und kranken Menschen mehr finanzielle Mittel aus dem Gesundheitsfonds, um kostendeckend arbeiten zu können (BMG 2017).

Die GKV ist umlagefinanziert, das heißt, die Ausgaben der laufenden Zeitspanne müssen jeweils durch die aktuellen Einnahmen erfolgen. Es werden und können keine nennenswerten Ersparnisse gebildet werden, weder im Gesundheitsfonds noch bei den Krankenkassen selbst.

Der Bundeszuschuss betrug in den Jahren 2013 bis 2015 weniger als die ursprünglichen zugesagten 14 Milliarden Euro jährlich.3 Ab 2017 hat sich der Bund auf eine Bezuschussung von 14,5 Milliarden Euro pro Jahr verpflichtet. Der Bundeszuschuss ist unter anderem notwendig, damit die beitragsfreie Familienversicherung gewährleistet ist und soll zudem den Auswirkungen der demographischen Entwicklung in Deutschland entgegenwirken (GKV-Spitzenverband 2017).

In der GKV werden nur Einnahmen bis zur Beitragsbemessungsgrenze erhoben, das heißt, dass Versicherte, die im Jahr 2017 monatlich mehr als 4350 Euro brutto verdienen, nicht ihr gesamtes Einkommen verbeitragen müssen. Somit soll einerseits verhindert werden, dass sich der Zusammenhang zwischen Abgaben an die GKV und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen nicht komplett auflöst und andererseits sollen nicht alle einkommensstarke Mitglieder an die PKV verloren gehen (vdek 2017).

Ein Defizit der GKV ist die Nichteinbeziehung von unterschiedlichen Einkommensarten bei abhängiger Beschäftigung. Denn es ist nur das Einkommen aus dem Beschäftigungsverhältnis beitragspflichtig, nicht aber diese aus Kapitalvermögen, Vermietung oder Verpachtung. Anders sieht die Beitragsbemessung bei selbstständiger Tätigkeit aus, denn dort sind jegliche Einkommensarten beitragspflichtig und es wird von einem Mindesteinkommen ausgegangen, das im Jahr 2017 monatlich bei 2231,25 Euro liegt, welches nicht jeder Selbstständige erreicht. Hier besteht die Gefahr, dass die gesetzliche Krankenversicherung für Selbstständige unattraktiv ist (vdek 2017).

Zudem zu erwähnen ist die Ungleichbehandlung von Ein-Verdiener-Ehen gegenüber Zwei-Verdiener-Ehen. In Ehen, in denen nur eine Person berufstätig ist, ist auch nur ein Einkommen beitragspflichtig, während der Partner kostenfrei mitversichert ist. Es ist fraglich, warum die Entscheidung nicht zu arbeiten in einer reinen Paarbeziehung begünstigt werden sollte. Nach Walendzik sind die Merkmale der Nichtverbeitragung verschiedener Einkommensarten und die kostenlose Versicherung des nicht-arbeitenden Ehepartners in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht begründbar und durch die Optimierung der Fairness in diesen Fällen ließen sich die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erhöhen (Walendzik 2009: 6).

Der Verlauf des medizinisch-technischen Fortschritts hat ebenfalls Einfluss auf die künftige Ausgabenentwicklung der GKV. Durch zu wenig Kostenbewusstsein der Versicherten, bezüglich der Gesundheitsleistungen, und zu wenig Wettbewerb zwischen den medizinischen Dienstleistern, werden technische Methoden angewendet, die medizinischen Nutzen haben, aber unter Anbetracht des ökonomischen Kosten-Nutzen-Verhältnisses schwer nachvollziehbar sind.4 Laut Pimpertz wird von einem autonomen Ausgabentrend der medizinisch-technischen Entwicklung von jährlich ungefähr einem Prozent ausgegangen. Würden die Ausgaben aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts pro Beitragszahler jährlich um einen Prozentpunkt steigen, so wäre der Zuwachs dieser Ausgaben stärker als die Auswirkungen auf die Gesundheitsausgaben hinsichtlich des demographischen Wandels. Durch das Zusammenspiel beider, also dem autonomen Zuwachs durch den medizinisch-technischen Fortschritt und der Veränderung der Versichertenstruktur, könnten die Ausgaben der GKV bis 2060 um 109 bis 113 Prozent ansteigen (Pimpertz 2010: 13f.)

[...]


1 Die schrittweise Einführung des Renteneintrittsalters mit 67 Jahren für die ab 1947 geboren wird in der weiteren Diskussion ignoriert. Für alle ab Jahrgang 1964 gilt ohnehin das Renteneintrittsalter von 67 Jahren.

2 Siehe Anlage A

3 Der Bundeszuschuss betrug 2013: 11,5 Milliarden Euro, 2014: 10,5 Milliarden Euro, 2015: 11,5 Milliarden Euro und 2016: 14 Milliarden Euro.

4 Die Kosten-Nutzen-Analysen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit haben lediglich empfehlenden Charakter für die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses, der als Beschlussorgan über Art und Umfang der Leistungskatalog der GKV entscheidet.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung
Hochschule
Hochschule Fulda
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V416279
ISBN (eBook)
9783668661363
ISBN (Buch)
9783668661370
Dateigröße
694 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bürgerversicherung, Demographischer Wandel, Gesundheitsprämienmodell
Arbeit zitieren
Hannah Rauth (Autor), 2017, Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416279

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