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Psychophilie und Sphingophilie. Anpassung von Blüten an die Bestäubung durch Schmetterlinge

Title: Psychophilie und Sphingophilie. Anpassung von Blüten an die Bestäubung durch Schmetterlinge

Term Paper , 2017 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Joey Lukas (Author)

Biology - Botany
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Die große Biodiversität der Angiospermenblüten lässt sich auf die Mannigfaltigkeit der Bestäubungsmöglichkeiten zurückführen. War in der Evolutionsgeschichte zunächst Wasser als Medium zur Bestäubung unabdingbar, entwickelten sich bei den Gymnospermen morphologische Merkmale, die die Pollenverbreitung über den Wind (Anemophilie) ermöglichten. Die Entwicklung hin zu biologischen Vektoren zur Pollenausbreitung (Zoophilie) bildet die Grundlage für die Anpassung des Blütenaufbaus vieler Arten der Angiospermen.

Als Bestäuber fungieren vor allem Insekten, darunter Schmetterlinge (Lepidophilie), Käfer (Cantherophilie), Bienen (Mellitophilie), aber auch Säugetiere wie Fledermäuse (Chiropterophilie) oder gar Lemuren. Weiterhin muss die Pflanze Anpassungen aufweisen, die einerseits den jeweiligen Bestäuber anlockt und andererseits dem Bestäuber einen Benefit bietet, zum Beispiel in Form von Nahrung, Duftstoffen oder einer Schlafplatzmöglichkeit. Andere Anpassungsformen signalisieren dem Bestäuber einen Benefit, liefern diesen aber nicht. Hier spricht man von Täuschblumen, die beispielsweise Nektarverfügbarkeit, einen Eiablageplatz oder einen Sexualpartner imitieren. Dabei profitieren sie von der Bestäubung durch das Tier.

Die Anpassungsmerkmale an die Bestäubung durch Schmetterlinge (Lepidopterophilie) lässt sich gut in Tagfalterblüten und Nachtfalterblüten unterteilen. Allen gemeinsam ist das Angebot an niederviskosem Nektar, den der Schmetterling mit seinen zu einem Saugrüssel umgewandelten Mundwerkzeugen aufnehmen kann (Glossata). Die Einteilung der Pflanzen in Tag- und Nachtfalterblüten lässt sich analog auf die Bestäuber anwenden, die als Tag- bzw. Nachtfalter bezeichnet werden. Hierbei handelt es sich in beiden Fällen um eine rein ökologische Einteilung, keinesfalls um eine taxonomische Systematik. Die Blütensyndrome von tag- und nachtfalterbestäubten Pflanzen unterscheiden sich vor allem in Farbmerkmalen und Duft. Eine hochspezialisierte Anpassung von Blüte und Bestäuber ist auf Madagaskar zu beobachten. Hier korreliert die Rüssellänge der Nachtfalter stark mit der Spornlänge der teilweise endemischen Sternorchideen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Systematik der Lepidoptera

3. Psychophilie – Blütenanpassung an Tagfalterbestäubung

4. Sphingophilie – Blütenanpassung an Nachtfalterbestäubung

5. Entdeckung und Evolution der langrüsseligen Schwärmer Madagaskars

6. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die ökologischen Anpassungsmechanismen von Pflanzenblüten an die Bestäubung durch Schmetterlinge (Lepidopterophilie), unterteilt in Tagfalter- (Psychophilie) und Nachtfalterbestäubung (Sphingophilie), sowie die coevolutive Entwicklung von Spornlängen und Rüsselstrukturen.

  • Systematische Einordnung der Ordnung Lepidoptera.
  • Differenzierung der Blütensyndrome zwischen Psychophilie und Sphingophilie.
  • Bedeutung von Saftmalen und olfaktorischen Signalen für die Bestäubung.
  • Coevolution zwischen den Sternorchideen Madagaskars und langrüsseligen Schwärmern.
  • Einfluss von Prädationsdruck durch Jagdspinnen auf die Evolution der Rüssellänge.

Auszug aus dem Buch

5. Entdeckung und Evolution der langrüsseligen Schwärmer Madagaskars

Im Januar 1862 erhielt Charles Darwin ein Paket mit Orchideen von James Bateman. Darunter befand sich ein Exemplar der auf Madagaskar endemischen, epiphytisch wachsenden Orchidee Angraecum sesquipedale (THOUARS.). Der bis zu 33 cm lange nektarführende Sporn dieser Orchidee weckte Darwins Interesse. Darwin stellte die Hypothese auf, es müsse einen Bestäuber (wahrscheinlich einen Schwärmer) geben, der einen enorm langen Saugrüssel hat, um an den Nektar von A. sesquipedale zu gelangen, und somit die Bestäuberfunktion dieser Orchidee übernimmt.

Der vorhergesagte Schwärmer, Xanthopan morganii praedicta (WALKER) wurde erst 21 Jahre nach Darwins Tod entdeckt. Eine Bestäubung von A. sesquipedale durch X. morganii praedica konnte aber zu dieser Zeit nie beobachtet werden. Erst 1992 wurde ein männliches Exemplar gefangen, das ein Viscidium von A. sesquipedale auf dem Rüsselansatz trug. Im selben Jahr gelang eine Aufnahme mit Nachtsichtgeräten in freier Natur, die X. morganii praedicta beim Anflug auf die Orchidee zeigte. Der Beweis, dass Darwin mit seiner Bestäuber-Theorie Recht gehabt hatte, wurde also erst über 100 Jahre nach seinem Tod erbracht (WASSERTHAL 2012).

Abbildung 4.1 zeigt X. morganii praedicta im Anflug auf A. sesquipedale. Der Schwärmer positioniert seinen Saugrüssel im Sporneingang, bevor er auf dem vorstehenden Labellum der Orchidee landet. Durch den langen Sporn (bis zu 33 cm), der nur wenig hoch mit Nektar gefüllt ist, zwingt A. sesquipedale den Schwärmer mit einer Rüssellänge bis zu 28 cm zur Landung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die biologischen Grundlagen der Zoophilie ein und grenzt die ökologischen Blütensyndrome der Tag- und Nachtfalterbestäubung voneinander ab.

2. Systematik der Lepidoptera: Dieses Kapitel erläutert die taxonomische Gliederung der Schmetterlinge und beschreibt die anatomischen Besonderheiten ihrer Mundwerkzeuge.

3. Psychophilie – Blütenanpassung an Tagfalterbestäubung: Hier werden die Merkmale tagfalterbestäubter Blüten, insbesondere die Rolle von Saftmalen und visuellen Reizen, detailliert beschrieben.

4. Sphingophilie – Blütenanpassung an Nachtfalterbestäubung: Das Kapitel behandelt die Anpassungen an Nachtfalter, wie den Schwirrflug, weiße Blütenfarben und intensive Duftstoffe zur Anlockung.

5. Entdeckung und Evolution der langrüsseligen Schwärmer Madagaskars: Dieser Teil analysiert die historische Hypothese Darwins zur Coevolution von Orchideenspornen und Schwärmerrüsseln sowie das moderne Pollinator Shift Modell.

6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die wesentlichen Erkenntnisse über die Blütenanpassungen und die evolutiven Selektionsdrücke.

Schlüsselwörter

Lepidoptera, Psychophilie, Sphingophilie, Angiospermen, Coevolution, Bestäubung, Saugrüssel, Orchideen, Angraecum sesquipedale, Pollinator Shift, Schwirrflug, Selektionsdruck, Jagdspinnen, Saftmale, Blütenökologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der ökologischen Blütenbiologie und den Anpassungen von Pflanzen an die Bestäubung durch Schmetterlinge.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die anatomischen und physiologischen Anpassungen bei Pflanzen und Bestäubern (Tag- und Nachtfalter) sowie die evolutionäre Wechselbeziehung zwischen ihnen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die spezifischen Blütensyndrome der Psychophilie und Sphingophilie aufzuzeigen und die Evolution extremer Rüssellängen bei Schwärmern zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von biologischen Beobachtungen und Modellen zur Blütenökologie und Evolutionsbiologie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben den Bestäubungsmerkmalen die coevolutiven Prozesse zwischen den Sternorchideen Madagaskars und ihren spezialisierten Bestäubern sowie der Einfluss von Prädation diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Lepidopterophilie, Coevolution, Pollinator Shift, Bestäubungsökologie und Schwärmer-Orchideen-Interaktion.

Warum spielt die Länge des Saugrüssels eine entscheidende Rolle für die Evolution?

Die Rüssellänge ist ein Resultat des Selektionsdrucks, um effizient Nektar zu gewinnen und durch Prädation verursachte Nachteile (wie den Pollenverlust durch Putzverhalten) auszugleichen.

Welche Rolle spielen Spinnen bei der Evolution der Schwärmer?

Nachtaktive Jagdspinnen erzeugen einen Selektionsdruck, der sowohl zur Entwicklung längerer Rüssel als auch zu speziellen Flugmanövern wie dem Pendelschwirrflug beigetragen haben könnte.

Was besagt das Pollinator Shift Modell von Wasserthal?

Es postuliert, dass sich Spornlängen durch Bestäuberwechsel entwickelten, um illegitime Nektaraufnahme zu verhindern und eine effiziente Pollenübertragung durch hochspezialisierte Besucher sicherzustellen.

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Details

Title
Psychophilie und Sphingophilie. Anpassung von Blüten an die Bestäubung durch Schmetterlinge
College
University of Koblenz-Landau  (Institut für Integrierte Naturwissenschaften)
Course
Blütenökologie der Pflanzen
Grade
1,3
Author
Joey Lukas (Author)
Publication Year
2017
Pages
16
Catalog Number
V416308
ISBN (eBook)
9783668671140
ISBN (Book)
9783668671157
Language
German
Tags
Bestäubung Schmetterling Nachtfalter Tagfalter Darwin Orchidee Psychophilie Sphingophilie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Joey Lukas (Author), 2017, Psychophilie und Sphingophilie. Anpassung von Blüten an die Bestäubung durch Schmetterlinge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416308
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