Ignatz Phillip Semmelweis und die Bedeutung der Händedesinfektion in der Gegenwart


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Semmelweis´ Kindheit, Schul-und Studentenzeit

3. Die ersten Jahre als Arzt

4. Semmelweis´ Jahre als Assistent

5. Der Tod Jakob Kolletschkas und seine Folgen

6. Semmelweis´ Entwicklung der Händewaschung und neue Erkenntnisse

7. Erste Reaktionen auf Semmelweis´ Erkenntnisse

8. Das Ende Semmelweis´ Anstellung in Wien

9. Semmelweis in Pest

10. „Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers“

11. Semmelweis´ Krankheit und Tod

12. Der Sieg der Semmelweis´schen Lehre

13. Bedeutung der Händedesinfektion in der Gegenwart

14. Fazit

15. Literaturverzeichnis

16. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Vor wenigen Monaten bekam ich eine Anfrage vom Gesundheits- und Bildungszentrum in Gummersbach, in dem ich seit Mai 2011 als Honorardozent tätig bin, ob ich einem Kurs OTA Schülern die Geschichte der Chirurgie näher bringen könnte. Bei meinen Recherchen zu diesem Thema befragte ich zuerst meinen Chef, Prof. Willeke (Chefarzt für Chirurgie und begeisterter Hobby-Medizinhistoriker), was für ihn die Meilensteine in der Geschichte der Chirurgie seien. Seine Antwort war: Semmelweis mit der Begründung der Antisepsis und Crawford Williamson Long mit der ersten Narkose.

Mit der Vorbereitung auf diese Unterrichtseinheit bekam ich einen ersten Eindruck von Ignaz Phillip Semmelweis. In dieser Hausarbeit möchte ich das Leben und Wirken Semmelweis näher beleuchten. Während es für uns heutzutage selbstverständlich ist, dass Mikroorganismen die Ursache für Infektionskrankheiten sind, hatten Mediziner damals verschiedenste Vermutungen, welche Ursache das Kindbettfieber hatte. Tausende Wöchnerinnen und oftmals auch ihre Neugeborenen sind in der damaligen Zeit an der Erkrankung verstorben.

Es wird beschrieben, wie sich Ignaz Philip Semmelweis der wahren Ursache des Kindbettfiebers nähert und zu welchen, in der damaligen Zeit, revolutionären Ergebnissen er gekommen ist. Neben den Maßnahmen, die Semmelweis getroffen hat.

Außerdem beschäftige ich mich mit der wichtigen Bedeutung der Händedesinfektion in der Gegenwart. Welchen Stellenwert die Händehygiene in der heutigen Zeit hat und mit welchen Problemen die Krankenhäuser jetzt zu kämpfen haben.

2. Semmelweis´ Kindheit, Schul-und Studentenzeit

Ignatz Phillip Semmelweis wurde am 1.Juli 1818 als fünftes von insgesamt neun Kindern einer deutschstämmigen Bürgerfamilie in Taban, einem Stadtteil Budapests in Ungarn geboren. Seine Eltern waren Josef und Terezia Semmelweis. Sein Vater übte den Beruf des Krämers aus. Durch die Heirat mit Terezia, die die Tochter eines wohlhabenden Kutschenbauers aus Bayern war, erhielt Josef Semmelweis finanzielle Unterstützung, um sich ein Geschäft und einen guten Ruf aufzubauen.

Ignatz Phillip Semmelweis oder Ignác Fülöp Semmelweis (Semmelweis benutzte überwiegend die ungarische Form seines Vornamens, um seine ungarische Nationalität zu betonen) wuchs in einer glücklichen, harmonischen Familie auf. In diesem zufriedenen Familienkreis entwickelte er sich zu einem fleißigen und ehrlichen Jungen, Eigenschaften die ihn durch sein ganzes Leben begleitet haben. Seine Schulzeit absolvierte Semmelweis überwiegend in Buda, wo er die Schule im Juli 1835 als Klassenbester und Jahrgangs-Zweitbester beendete.

Vor Beginn seines Studiums absolvierte Semmelweis zwei Vorbereitungsjahre in Philosophie an der Universität Pest, die in Ungarn für Universitätsanwärter obligatorisch waren. Gemäß dem Wunsch seines Vaters studierte Semmelweis ab Herbst 1837 Jura in Wien. Nach kurzer Zeit beendete er jedoch das Jurastudium und begann 1838 ein Medizinstudium in Wien. Die Gründe für den Wechsel sind nicht bekannt. Bekannt aber ist, warum Semmelweis Wien als Ort für sein Medizinstudium ausgesucht hatte. Es konnte damals nur der im gesamten österreich-ungarischen Monarchie als Arzt praktizieren, der im Besitz eines Universitätsabschlusses der Universität Wien war. Zu dieser Zeit überstieg die Zahl ungarischer Studierender die der österreichischer. Nach einem Jahr in Wien wechselte Semmelweis für die Studienjahre 1839/1940 und 1840/1841 an die Universität nach Pest, um im Herbst 1941 wieder nach Wien zurückzukehren, um sein Studium abzuschließen. Am 6. Februar 1844 beendete Ignatz Semmelweis sein Studium. Im Schlusswort seiner Dissertation heißt es „Nullum venenum in manu medici“ (Kein Gift kann es in der Hand des Arztes geben!) Etwas später musste er zu der Erkenntnis kommen, dass das Gegenteil wahr war. (vgl.György/Zoltan 1977 S.11-36)

3. Die ersten Jahre als Arzt

Semmelweis wollte ursprünglich nach der Beendigung seines Studiums nicht in Wien bleiben. Das hat er im Fakultätsregister eintragen lassen. Warum er schließlich doch in Wien geblieben ist, bleibt unbekannt. Gerne hätte Semmelweis nach seiner Promotion eine Stelle in Prof. Skodas medizinischen Klinik angenommen. Diese war jedoch schon anderweitig vergeben. Auch bei Prof Kolletschka, dem Professor für Gerichtsmedizin, bewarb sich Semmelweis erfolglos. Beide sollten im späteren Verlauf seines Lebens eine wichtige Rolle spielen.

So kam es, dass Semmelweis seine Laufbahn in der geburtshilflichen Klinik sowie in der chirurgischen Klinik in Wien begann. In der Zeit von Juli 1844 bis Februar 1846 schloss Semmelweis diverse Fortbildungen in Geburtshilfe und Hebammenlehre erfolgreich ab. Außerdem graduierte er 1845 als operierender Chirurg. Mit der Genehmigung von Prof. Rokitansky, der auch heute noch zu den Wegbereitern der modernen Medizin gilt und damals Professor der pathologischen Anatomie in Wien war, autopsierte Semmelweis in den frühen Morgenstunden die Leichen aus der Gebärklinik, was ihn bald zum Fachmann in pathologischer Anatomie machte und ihn später bei der Lösung des Rätsels Kindbettfieber helfen sollte (vgl.Gortvay /Zoltan 1977 S.37-40).

4. Semmelweis´ Jahre als Assistent

Ende Februar 1846 wurde Semmelweis provisorischer und ab 1.Juli 1846 definitiver Assistent der ersten geburtshilflichen Klinik des Allgemeinkrankenhauses Wien unter dem Chefarzt Professor Johann Klein. Seine Berufung war auf zwei Jahre befristet. Semmelweis stürzte sich mit großem Eifer in die neuen Aufgaben als Assistent, was dem heutigen Oberarzt entspricht. Auch wenn die damaligen Arbeitsbedingungen in der heutigen Zeit nur schwer vorstellbar sind, so musste Semmelweis als einziger Assistent der Klinik sämtliche geburtshilflichen Operationen durchführen, die während der Nacht anfielen. In den frühen Morgenstunden war er zuständig für die Unterweisung der Studenten im Seziersaal und am Nachmittag (während er am Vormittag Prof. Klein bei Operationen assistierte) für Demonstrationen und Prüfungen der Studenten auf den geburtshilflichen Stationen. In dieser Zeit widmete sich Semmelweis auch der Erforschung des Kindbettfiebers. Mit großer Euphorie, mit aller Kraft und allem Wissen wollte er sich dafür einsetzen, dass den gebärenden Frauen dieses furchtbare Ende erspart bliebe. Weder Prof. Klein, Semmelweis´ Chef, noch andere Ärzte auf dem Kontinent waren dem Leiden und der Tragik gegenüber der gebärenden Frauen gleichgültig. Alle möglichen Behandlungsmethoden wurden vergeblich ausprobiert. Man tröstete sich schließlich mit dem Gedanken, dass die Erkrankung schicksalhaft war (vgl.Gortvay/Zoltan 1977 S.40-53). Das wollte Semmelweis nicht einsehen.

Ebenso verschloss er sich so mancher Theorie wie das Kindbettfieber angeblich entstehen sollte. So vermuteten zum Beispiel einige, dass das Ausbleiben der Menstruation eine Ansammlung unreiner Safte im Blut verursache. Andere Mediziner waren der festen Überzeugung, dass sich die Muttermilch im Beckenraum staue und somit das Kindbettfieber auslöste. Wieder Andere hielten das Kindbettfieber für eine miasmatische Infektion. Manche Vermutungen gingen sogar davon aus, dass das väterliche Sperma der Grundstein für ein späteres Kindbettfieber verantwortlich sei. (vgl.Bührke 2013 S.159).

Für Semmelweis war die Situation beunruhigend und beklemmend. Fast täglich kamen Priester begleitet vom Geläut des Sterbeglöckchens, um die Sterbesakramente zu spenden.Mitz den Worten „Mir war es unheimlich zu Muthe(!), wenn ich das Glöckchen an meiner Thüre(!) vorübereilen hörte[…] alles war ungeklärt, alles war zweifelhaft, nur die große Anzahl an der Toten war eine unzweifelhafte Wirklichkeit“ (Bührke 2012, zit.n.Györy 1905 S.129) beschrieb Semmelweis die damalige Situation.

Die erste Tatsache, die Semmelweis nachdenklich machte, nachdem er die Theorien seiner Kollegen schnell wiederlegen konnte, war der große Unterschied, was die Höhe der Sterblichkeit an Kindbettfieber zwischen den beiden geburtshilflichen Kliniken anging. So starben in der Zeit von 1841-1846 in der ersten Klinik, in der Semmelweis arbeitete und Ärzte und Medizinstudenten ausgebildet wurden, 1300 Patientinnen mehr als in der zweiten Klinik, wo ab 1841 die Hebammen ausgebildet wurden und Entbindungen vornahmen. In der Bevölkerung galt die erste Gebärklinik zu dieser Zeit als müttermordender Ort, an den man sich nicht aus freien Stücken zur Entbindung begab. Manche der durchweg mittellosen Gebärenden, die wegen ihrer Armut die kostenlosen Gebärkliniken in Anspruch nehmen mussten (Als Gegenleistung für Versorgung, Nahrung und Unterkunft mussten sie jedoch als Lehrobjekt für die studentische Ausbildung herhalten), versuchten deshalb sogar die Geburt zu verzögern, um nicht in die an jedem zweiten Tag aufnehmende erste , sondern in die (außer Sonntag) am jeweils anderen Tag Dienst tuende zweite Klinik eingeliefert zu werden, oder sie ließen es auf eine „Gassengeburt“ ankommen. (vgl.Gortvay/Zoltan 1977 S.51)

In zahllosen Tabellen verglich Semmelweis die Sterblichkeit an seiner Arbeitsstätte seit deren Gründung im Jahr 1748. Er bemerkte, dass die mütterliche Sterblichkeit in den Jahren von 1748-1823 im Durchschnitt bei 1,25% lag. Im Jahre 1823 ging ein Kaiserlicher Erlass ein, dass alle im Krankenhaus Verstorbenen einer Autopsie zugeführt werden mussten. Ab diesem Zeitpunkt stieg die Zahl der mütterlichen Sterblichkeit an. Semmelweis näherte sich mit großen Schritten der wahren Ursache des Kindbettfiebers.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ignatz Phillip Semmelweis und die Bedeutung der Händedesinfektion in der Gegenwart
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Pflegewissenschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V416322
ISBN (eBook)
9783668663688
ISBN (Buch)
9783668663695
Dateigröße
1047 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Händedesinfektion, Hygiene, Semmelweiß, Medizin, Pflege, Infektion, Kindbettfieber, Semmelweis, Krankenpflege, Retter der Mütter
Arbeit zitieren
Stefan Flender (Autor), 2014, Ignatz Phillip Semmelweis und die Bedeutung der Händedesinfektion in der Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416322

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