Fracking. Chancen, Risiken und Regulierung


Seminararbeit, 2017

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
2 Schiefergasförderung durch Fracking
2.1 Begriffsbestimmung des Fracking
2.2 Die Technologie des Frackings
2.3 Situation in Deutschland

3 Risiken von Fracking
3.1.1 Wasserverunreinigungen und Wasserbedarf
3.1.2 Induzierte Seismizität
3.1.3 Flächenverbrauch
3.1.4 Treibhausgasemission
3.1.5 Lärmemissionen

4 Chancen von Fracking
4.1 Energiewende
4.2 Druck auf Gaspreise
4.3 Autonomere Energieversorgung
4.4 Fracking als Investment

5 Politische Diskussion
5.1 Konträre politische Standpunkte
5.2 Regulierung

6 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Technisches Vorgehen beim Fracking

Abbildung 2: Relative Perfomance Solactive Shale Gas TR Index versus S&P 500

Abbildung 3: Relative Performance Solactive Shale Gas TR Index seit 2013

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das Thema Energie stellt für den Großteil der Bevölkerung lediglich eine Randerscheinung dar, die im Zusammenhang der aktuell debattierten Energiewende nur beiläufig Beachtung findet. Aufgrund des durch die zunehmende Weltbevölkerung und des Wachstums der Schwellenländer ansteigenden Energiebedarfs, gewinnt jedoch der bewusste Umgang mit Energie zunehmend an Bedeutung.[1] Da anzunehmen ist, dass sich die Entwicklung des ansteigenden Primärenergiebedarfs in den kommenden Jahrzehnten weiter fortsetzt, sieht sich die Energiepolitik künftig mit ernsthaften Herausforderungen konfrontiert.[2]

Gegenwertig wird der weltweite Energiebedarf größtenteils durch fossilen Brennstoffen wie Erdgas, Kohle und Öl gedeckt.[3] Jedoch handel es sich dabei um Rohstoffe, deren Verfügbarkeit nicht unendlich besteht. So kann es zukünftig bei anhaltend steigender Energieträgernachfrage zu Engpässen in der Versorgung bzw. Beschaffung im Rahmen von Energieerzeugungsmaßnahmen kommen. Eine Möglichkeit zur Vorbeugung der Energieknappheit ist die Erschließung von bisher größtenteils ungenutzten unkonventionellen Erdgas- und Erdölvorkommen, dem sogenannten Fracking.[4]

Dieses neuartige Technologie der Erdgas- und Erdölförderung aus tiefen Gesteinsschichten wird bereits seit Jahren in den USA praktiziert, woraufhin die Erdgasförderung des Landes sich vervielfachte und eine "Schiefergasrevolution" auslöste.[5] Mit den positiven Auswirkungen für die Wirtschaft und den Energiemarkt gehen allerdings bei dem angewandten Verfahren auch zahlreiche Nachteile einher, die eine heftige Fracking-Debatte sowohl auf der energiepolitischen als auch auf der umweltpolitischen Seite entfachten.[6] Vor dem Hintergrund der steigenden Energienachfragen gilt es jedoch derartige Alternativen in Betracht zu ziehen und sowohl ihre Chancen als auch ihre Risiken sorgfältig abzuwägen. Infolgedessen thematisiert die vorliegende Studienarbeit die umstrittenen Methode des unkonventionellen Frackings, um die Frage nach potentiellen Auswirkungen auf den deutschen Erdgasmarkt und die Eignung der Anwendbarkeit hierzulande zu beantworten.

2 Schiefergasförderung durch Fracking

2.1 Begriffsbestimmung des Fracking

Der Begriff Fracking ist die umgangssprachliche und inzwischen allgemein verwendete Kurzform von Hydraulic Fracturing und bezeichnet eine Technik zur Förderung von Rohöl- und Erdgasvorkommen aus tiefen Untergrundgesteinen.[7] Dabei wird eine Flüssigkeit mit sehr hohem Druck in ein Bohrloch gepresst, um in tiefen Gesteinsschichten Risse zu erzeugen oder vorhandene Risse zu erweitern, wodurch sich im Gestein eingeschlossene Kohlenwasserstoffblasen miteinander und dem Bohrloch verbinden.[8]

Dadurch lassen sich Vorräte erschließen, die mit herkömmlichen Verfahren nicht förderfähig sind, weil die Materialdurchlässigkeit in den betreffenden Gesteinen wie Schiefer oder Tonsteinen sehr gering ist. Während bei konventionellen, weniger tief liegenden Vorkommen im Idealfall eine Bohrung in das Speichergestein ausreicht, damit der erhoffte Stoff selbstständig an die Erdoberfläche gelangt, muss beim Fracking von unkonventionellen Vorkommen ein möglichst großer Bereich des interessanten Gesteins von mehreren Bohrungen betroffen sein.[9]

2.2 Die Technologie des Frackings

Beim Fracking wird eine hauptsächlich aus Wasser bestehende Frackflüssigkeit mit Hochleistungspumpen unter hohem Druck in das sich in großer Tiefe (bis zu 3.000 Meter) befindende Speichergestein mit dem Ziel eingepresst, das Gestein aufzubrechen. So wird eine verbesserte Porosität für Öl oder Gas erzeugt. Wie in Abbildung 1 dargestellt, strömen so die zuvor im Gestein eingeschlossenen Kohlenwasserstoffe über horizontal im Tiefengestein und schließlich vertikal zur Oberfläche verlaufende Bohrleitungen aus. Da das Gewicht des überlagernden Gesteinspakets dafür sorgt, dass sich die gerade entstandenen Risse schnell wieder schließen, werden dem Wasser Stützmittel wie Quarzsand beigemischt, um die entstandenen Gesteinsrisse offen zu halten. Zudem enthält die Flüssigkeit verschiedene zum Teil hochgiftige Chemikalien, die einen Volumenanteil von ca. ein bis zwei Prozent ausmachen.[10] Deren genaue Zusammensetzung wird als jeweiliges Firmengeheimnis gehandelt und ist daher nicht öffentlich bekannt. Die verwendeten Stoffe sollen die Tragkraft von Wasser für den Sand erhöhen, eine Vermehrung von Bakterien im Untergrund verhindern und das Herauslösen von Kohlenwasserstoffen aus dem Gestein sowie deren Transport an die Oberfläche unterstützen.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[12]

Ist das Aufbrechen der Formation erfolgt, wird der Einpressdruck zurückgenommen und die eingepresste Flüssigkeit, die noch unter dem Druck der Gesteinsschicht steht, fließt größtenteils zurück. Dieser "Flowback" wird anschließend in speziellen Reinigungsanlagen gefiltert und aufbereitet, damit die Flüssigkeit in Lagerstätten oder durch Verpressen in aufnahmefähige Gesteinsschichten entsorgt werden kann. Lässt die Förderrate von Schiefergas bzw. -öl nach, wird der Fracking-Prozesses wiederholt.[13]

2.3 Situation in Deutschland

Trotz rückläufigem Erdgasverbrauch in den letzten Jahren durch Wärmedämmung in Häusern und geringerer Verstromung von Gas aufgrund zunehmenden Nutzung von Solarkraftanlagen, ist Erdgas nach wie vor nach Erdöl der zweitbedeutsamste Primärenergieträger in Deutschland. Zurzeit werden 87% des in Deutschland verbrauchten Erdgases durch Importe gedeckt, wobei davon 40% aus Russland bzw. weiteren Ländern der ehemaligen Sowjetunion stammen. Norwegen und die Niederlande liefern etwa ein weiteres Drittel bzw. Viertel. Ca. 95% des in Deutschland geförderten Gases stammen aus den ca. 50 Erdgasfeldern zweier Fördergebiete zwischen Weser und Ems sowie. Elbe und Weser in Niedersachsen.[14]

Ungenutzte Schiefergasvorkommen in Deutschland liegen vor allem in den geologische Becken Norddeutschlands sowie des Oberrheingrabens. Diese vermuteten Gasvorkommen werden von der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe zurzeit auf maximal 25,9 Billionen m³ Erdgas geschätzt und könnten theoretisch Deutschland ermöglichen, den eigenen Erdgasbedarf zehn bis 25 Jahre lang voll aus eigenem Schiefergas zu decken.[15] Die Abschätzungen zeigen einerseits, dass Schiefergas in Deutschland eine bedeutende Ressource darstellt; dazu kommt ein gewisses Potential an Schieferöl. Andererseits geben die Zahlen keinen Anlass für übertriebene Erwartungen. Ein Schiefergasboom wie in Nordamerika ist nicht zu erwarten und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass Erdgas und Erdöl großflächig gefrackt werden. Zum einen, weil die Voraussetzungen, wie schwach besiedelte Landstriche anders sind, als in den Fracking-Gebieten der Vereinigten Staaten oder Kanada und zum anderen die Vorkommen beispielsweise durch seismische Gegebenheiten oft nicht förderbar sind.[16]

Deshalb wird Deutschland auch in Zukunft aller Voraussicht nach seinen Erdgasbedarf zum Großteil aus Importen decken müssen. Demnach besteht das Potenzial einer Nutzung der eigenen Schiefergasressourcen in Deutschland vor allem darin, den Rückgang der heimischen Erdgasförderung abzufedern und damit die zunehmende Abhängigkeit von Erdgasimporten zu dämpfen.[17]

3 Risiken von Fracking

Kaum eine andere Fördertechnik für fossile Energierohstoffe steht so in der Kritik, wie das Hydraulic Fracturing. Vor allem Berichte über Umweltauswirkungen in den USA geben Anlass zur Besorgnis und lösten eine kontrovers geführte Debatte aus.[18] Denn in nahezu jeder Phase der unkonventionellen Erdgasförderung existieren potenzielle Umweltrisiken.

Da in Deutschland Fracking bislang kaum durchgeführt wurde, sind diesbezüglich die Erfahrungen hauptsächlich auf die USA zurückzuführen. Zudem stellen viele der möglichen Risiken und Probleme keine spezifische Eigenheit der unkonventionellen Erdgasförderung dar, sondern sind teilweise in identischer Form bei konventionellen Fördermethoden zu beobachten.[19]

3.1.1 Wasserverunreinigungen und Wasserbedarf

Besorgnisse und Unsicherheiten über die Umweltschädlichkeit resultieren hauptsächlich aus dem hohen Wasserbedarf sowie dem Einsatz von Chemikalien als Additive beim Fracking.[20]

Risiken für Grund- sowie Oberflächenwasser bestehen durch die Lagerung wassergefährdender Chemikalien, durch die Bohrung selbst, bei der Entsorgung der Fracking-Fluide und des zu Tage geförderten Lagerstättenwassers.[21] Darüber hinaus kann es unter Umständen zur Freisetzung von Methan, Radioaktivität oder Schadstoffen wie Quecksilber aus den Lagerstättenwässern kommen. Auch wenn das Bohrloch mit mehreren Schichten einzementierter Stahlrohre gesichert ist, um das Grundwasser vor einer Verunreinigung zu schützen, besteht das grundsätzliche Risiko einer schadhaften Bohrlochummantelung und dadurch in obere Grundwasserschichten eindringende Frackingflüssigkeit. Neben der untertägigen Gefahr der Grundwasserverschmutzung geht obertägig ebenso ein gewisses Risiko von der Frackingflüssigkeit und dem Rückflusswasser aus. Die Chemikalien müssen sicher zum Bohrloch transportiert werden und nach dem Fracking ist Sorgfalt bei der Entsorgung der zurückgepumpten Frackingflüssigkeit und des Lagerstättenwassers geboten.[22] In aller Regel werden die Abwässer in offenen Teichen zwischengelagert. Ist der größte Teil des Wassers verdunstet, werden die Schlämme aus Sand, Chemikalienrückständen und Ölresten nur in Ausnahmefällen fachgerecht entsorgt - meist wird lediglich eine Erdschicht darüber gekippt, sofern nicht der Wind den chemisch kontaminierten Staub bereits verteilt hat. Bei jedem Regen können so Substanzen mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen und das Trinkwasser gefährden.[23]

Eine weitere Belastung stellt die Entnahme großer Wassermengen zum Zwecke des Fracking dar, speziell in tendenziell trockenen Regionen oder Gebieten mit ohnehin nur geringen Grundwasservorkommen.[24] Um Schiefergas zu fördern, werden allein für die Bohrung rund 2,3 bis 4 Millionen Liter Wasser benötigt. Die anschließende Gasförderung verbraucht weitere 8 bis 14 Millionen Litern Wasser.[25]

3.1.2 Induzierte Seismizität

Ein weiterer Punkt, der vielen Menschen Sorge bereitet, ist die Möglichkeit, dass durch Fracking Erdbeben ausgelöst werden. Denn im Prinzip stellt das Fracking nichts anderes dar, als künstlich ausgelöste Mikrobeben.[26]

Beim Fracking werden Bruch- oder Reibungsvorgänge angeregt und somit mikroseismische Ereignisse erzeugt. Diese strahlen Energie ab, die sich von ihrem tiefliegenden Ursprungsort aus in alle Richtungen entwickelt, somit auch nach oben. Auf ihrem Weg zur Erdoberfläche durchläuft sie die überlagernden Gesteinsschichten und wird dabei gedämpft. Es gilt das Prinzip, dass die Wirkung umso geringer ist, je weiter entfernt der Quellort liegt. Mit solchen Erschütterungen ist insbesondere während der Bauphase zur Herrichtung des Bohrplatzes und während des Bohrbetriebs zu rechnen, wobei die Erschütterungen im Wesentlichen auf den Bohrplatz begrenzt sind. Insbesondere in Formationen mit großflächigen Gesteinsstörungen, die auch unter tektonischen Spannungen stehen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese durch induziertes hydraulisches Fracken aktiviert werden und Beben auslösen.[27]

Im Normalfall sind die mikroseismischen Ereignisse jedoch so schwach, dass sie ohne technische Hilfsmittel an der Erdoberfläche nicht spürbar sind.[28] Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die gemeinsam mit den Staatlichen Geologischen Diensten die Seismizität in Deutschland überwacht, schätzt den Zusammenhang zwischen Fracking und ausgelösten Erdbeben als sehr gering ein.[29] Ferner lassen sich Gefahren minimiert werden, indem eine genaue Erkundung des ausgewählten Gebietes vorgenommen wird. Hierfür sind in Deutschland ausreichend Daten über die Spannungsverhältnisse des Untergrunds in verschiedenen Regionen vorhanden. Somit können Gebiete, in denen die Gefahr der Rissentstehung besonders groß ist, gemieden werden. Dies ist besonders im Rheingraben der Fall. Hingegen ist die Gefahr spürbarer Erdbeben im Norddeutschen Becken, wo große Schiefergasvorkommen liegen, sehr gering.[30]

3.1.3 Flächenverbrauch

Auswirkungen auf den Flächenverbrauch ergeben sich durch die Bohrplätze für Gasgewinnung und für das Verpressen des Flowbacks sowie durch die benötigte Infrastruktur. Ein Bohrplatz umfasst die Flächen für Lagertanks, Abwasserbecken, Regenauffangbecken, Lagerplätze für die Bohrausrüstung, Stromgeneratoren, Stellplätze für Lastkraftwagen sowie Büro- und Wohncontainer. Für den Bohrplatz wird ca. ein Hektar Land beansprucht, welcher zur Gewährleistung der Befahrbarkeit und aus Gründen des Gewässerschutzes asphaltiert wird. Für den Bohrturm sind stabile Betonfundamente erforderlich. Als Infrastruktur werden Zufahrtswege, Pipelines für den Transport des geförderten Gases, für den Abtransport der Lagerstättenwässer und des Flowbacks sowie zentrale Einrichtungen benötigt, in denen das geförderte Gas gesammelt, gereinigt, aufbereitet und verdichtet wird.[31] Da beim Fracking in der Regel nicht nur an einer Stelle gebohrt wird, löst die Vielzahl von Bohrplätzen und die hierfür benötigten Infrastruktureinrichtungen eine Überlagerung der dargestellten Flächenauswirkungen aus und stellt dementsprechend eine große Belastung der Fläche in den betroffenen Gebieten dar.[32]

Mit dem Flächenverbrauch gehen zudem Auswirkungen auf das Landschaftsbild einher, die besonders durch den Bohrturm geprägt sind, welcher in der Regel eine Höhe von 27 bis 39 Metern misst.[33]

3.1.4 Treibhausgasemission

Während mit herkömmlichen Verfahren gefördertes Erdgas beim Verbrennen 60 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid als Kohle und ein Drittel weniger als Öl emittiert, werden der Schiefergasförderung weitaus höhere Werte zugeschrieben. Wie hoch genau die Werte sind, darüber gibt es bisher keine umfänglich fundierten Daten. Ausschlaggebend ist das Treibhausgas Methan, Hauptbestandteil von Erdgas, das beim Fracken in die Atmosphäre gelangt. Denn das in der Rückflussphase produzierte Gas wird in die Atmosphäre entlassen, es wird sozusagen "abgefackelt". Während dieses Vorgangs wird Methan in Kohlendioxid verwandelt, was ebenfalls zu den umweltschädlichen Treibhausgasen zählt und das 25 mal so klimaschädlich ist wie Kohlendioxid.[34] Dennoch sind die Treibhausgasemissionen beim Fracking geringer als beispielsweise beim Kohleabbau, was dazu führte, dass einige Länder ihren eigenen Energiebedarf durch neu geschaffene, umweltfreundlichere Gaskraftwerke decken anstatt aus klimaschädliche Kohlekraftwerke. Doch die Kohle wird nun ins Ausland exportiert, die CO2-Emissionen werden also nur verlagert.[35]

3.1.5 Lärmemissionen

Nicht zuletzt stellt die Fracking-Anlage während der Bohr- und Frackingphase eine sowohl visuelle als auch lautstarke Beeinträchtigung ihrer Umgebung dar. Lärmemissionen sind entlang aller Lebenszyklusphasen eines Bohrlochbergbaubetriebs von Bedeutung und können teilweise mehrere hundert Meter weit reichen. Während der Bau-, Bohr- und Komplettierungsphase eines Bohrplatzes entstehen ebenso Lärmemissionen wie bei Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen in der Betriebsphase. Des Weiteren ist mit einem erheblich gesteigerten Lkw- und Tankwagenverkehr zu rechnen. Ferner entsteht während des Rückbaus des Bohrplatzes und der Herstellung des ursprünglichen Zustandes baustellentypischer Lärm.[36] Um die Beeinträchtigung zu minimieren, gibt es in Deutschland rechtliche Regelungen, welche die zulässigen Lärmemissionen einschränken und aus denen sich Vorgaben für Lärmschutzmaßnahmen oder Abstandsvorgaben (z. B. 200 Meter Mindestabstand zu angrenzenden Siedlungen) ergeben.[37]

Vor dem Hintergrund der zahlreichen Umweltrisiken ist es umso verwunderlicher, dass keines der von der von der deutschen Politik in Auftrag gegebenen Gutachten das Verbot von Fracking empfiehlt.[38] Jedoch führten die potenziellen ökologischen Folgen dazu, dass Medien, Umweltorganisationen, sich in der Zwischenzeit formierten Bürgerinitiativen sowie die Mehrheit der deutsche Bevölkerung dem Fracking äußerst skeptisch gegenüberstehen.[39]

4 Chancen von Fracking

In Anbetracht des hohen Aufwands von Fracking und den dabei einzugehenden Risiken, stellt sich die Frage, warum die neuartige Technologie überhaupt angewendet werden soll. Um diese Frage zu beantworten, werden nachfolgend die für Umwelt und Wirtschaft relevantesten Potentiale der unkonventionellen Gas- und Ölförderung mittels Fracking aufgeführt.

4.1 Energiewende

Die Energiewende stellt für Deutschland in den kommenden Jahrzehnten eine der zentralen Herausforderungen dar. Die Bundesregierung hat beschlossen, dass die Energieversorgung Deutschlands bis zum Jahr 2050 überwiegend durch erneuerbare Energien gewährleistet werden soll.[40] Doch noch läuft der Übergang der nicht-nachhaltigen Nutzung fossiler Energieträger sowie der Kernenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung mittels erneuerbarer Energien eher schleppend. Die unkonventionelle Förderung von Gas nimmt in dieser Diskussion eine kontroverse Stellung ein, insbesondere, weil die Energiesicherung durch Erneuerbare Energien auf der Mittelstrecke immer wieder infrage gestellt wird, in erster Linie, was den Netzausbau betrifft. Auch der technische Fortschritt sowie die Wettbewerbsfähigkeit sind wichtige Bausteine im Energiesektor, die noch nicht so weit vorgeschritten sind wie geplant.[41]

Hier sind Politik, Industrie, Wissenschaft, aber auch die Gesellschaft gleichermaßen gefragt, Lösungen zu finden und die richtigen Weichen zu stellen, um den Erfordernissen der Energiewende gerecht zu werden. In jedem Fall werden Kohlenwasserstoffe in Europa und in Deutschland auch in den kommenden Jahrzehnten noch eine wesentliche Rolle für die Energieversorgung spielen. Schiefergas kann deshalb eine wichtige Brückenfunktion auf dem Weg zu einer Versorgung mit überwiegend erneuerbaren Energien einnehmen.[42]

Solange Deutschland noch erhebliche Mengen an Erdgas zur Deckung des Primärenergiebedarfs benötigt, erscheint es daher aus Umweltgesichtspunkten sinnvoll, das inländische Potenzial zu nutzen. Bei heimischer Förderung werden die Standards, Auflagen und Kontrollen hierzulande bestimmt. Dies kann gewährleisten, dass die Produktion sicher und umweltverträglich erfolgt. Dadurch ist Deutschland unabhängig von den oft weniger konsequenten Umweltstandards in anderen Ländern und kann zum Beispiel sicherstellen, dass das Risiko von Methanlecks weitgehend eliminiert wird.[43] Beim Bezug von Gas aus Entfernungen von oft mehreren tausend Kilometern wird zudem ein signifikanter Teil des Gases für den Transport verwendet. Jede Kompressorstation entlang der Pipelines produziert zudem beträchtliche Mengen an CO2. Die Energieverluste für die Verteilung von inländisch produziertem Gas sind dagegen sehr gering.[44]

4.2 Druck auf Gaspreise

Da Fracking hauptsächlich in Nordamerika in erheblichem Umfang durchgeführt wird, gehen globale Preiseffekte der Schiefergasförderung in erster Linie von Aktivitäten dieser Region hervor. Die Schiefergasförderung wurde zwischen 2006 und 2010 in den USA um jährlich 48 % gesteigert und machte 2012 ca. 32 % des gesamten geförderten Erdgases in den USA aus, was etwa 30 % des Primärenergiebedarfs deckt.[45] Damit einher ging eine restriktive Exportpolitik für Erdgas, welche in den USA eine hohe Anbieterkonkurrenz mit begrenzten Absatzmöglichkeiten auslöste. In der Folge kam es zu einem regelrechter Preisverfall für Erdgas. Zwar wird geschätzt, dass sich das niedrige Preisniveau in den USA nur für eine beschränkte Zeit, nicht aber dauerhaft halten würde, dennoch wird ersichtlich dass in Ländern, die Fracking im großen Umfang betreiben, kurzfristig Druck auf die Gaspreise ausgeübt wird.[46]

Die Schiefergasrevolution in den USA zeigt vorübergehend auch Auswirkungen auf den deutschen Energiemarkt. Zusammenhängend mit dem niedrigen Preisniveau von Erdgas in den USA, reagierte der dortige Energiemarkt mit einer Substitution von Kohle durch Erdgas. Infolgedessen wurde Kohle in großem Umfang für den Export freigesetzt, was zu sinkenden Kohlepreisen in Europa führte.[47] Auf kurzfristige Sicht ist der Preiseffekt der globalen Schiefergasförderung auf die Preisverhältnisse der Brennstoffe in Europa also eher indirekt; in Deutschland bedeutet er die Verbilligung der Kohle, was eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit von Erdgas gegenüber Kohle bedeutet. Der erhoffte Effekt durch Schiefergas verkehrt sich damit hierzulande zunächst in das Gegenteil.[48] Aber auch auf längere Sicht konnte Europa bereits profitieren, weil der Importbedarf der USA von Flüssiggas aus Katar sank. Das führte dazu, dass bisher hier dominierende Versorger wie die russische Gazprom aufgrund des verstärkten Wettbewerbs ihren Kunden mit Preisnachlässen entgegenkommen mussten.[49]

[...]


[1] Vgl. Berenberg, HWWI (2013), S. 11 f.

[2] Vgl. BGR (2016), S. 43

[3] Vgl. Vgl. Neukirchen, Florian; Ries, Gunnar (2014), S.306

[4] Vgl. BGR 2016, S. 38 ff.

[5] Vgl. Berenberg, HWWI 2013, S. 24 und 29

[6] Vgl. SRU (2013), S. 5.

[7] Vgl. Europäisches Parlament (2011), S. 19

[8] Vgl. Hoppe, Wilfried (2014), S. 34

[9] Vgl. Neukirchen, Florian; Ries, Gunnar (2014), S.305

[10] Vgl. Hoppe, Wilfried (2014), S. 34

[11] Vgl. Synwoldt, Christian (2013), S. 30

[12] Umweltbundesamt (2017)

[13] Vgl. Ewen, Christoph et al. (2012), S. 14 und 46 ff.

[14] Vgl. Hoppe, Wilfried (2014): S. 34

[15] Vgl. BGR (2012), S. 25

[16] Vgl. BGR (2016a), S. 89 ff.

[17] Vgl. BGR (2016a), S. 89 ff.

[18] Vgl. Hoppe, Wilfried (2014), S. 34

[19] Vgl. Kirschbaum, Bernd (2012), S. 32

[20] Vgl. Bundesumweltministerium (2012)

[21] Vgl. Umweltbundesamt (2011), S. 8

[22] Vgl. Schneble, Helmut (2012), S. 8

[23] Vgl. Synwoldt, Christian (2013) S. 30

[24] Vgl. United States Environmental Protection Agency (US-EPA) (2011), S. 20

[25] Vgl. Europäisches Parlament (2013)

[26] Vgl. Neukirchen, Florian; Ries, Gunnar (2014), S. 315

[27] Vgl. Ministerium für Klimaschutz und Umwelt NRW (2012), S. 30 f.

[28] Vgl. Habrich-Böcker, Christiane et al. (2015), S. 94

[29] Vgl. BGR (2012), S. 45

[30] Vgl. BGR (2012), S. 46

[31] Vgl. Roßnagel, Alexander; Hentschel, Anja; Polzer, Andreas (2012), S. 5

[32] Vgl. Schneble, Helmut (2012), S. 4 ff.

[33] Vgl. Ewen, Christoph et al. (2012), S. 24

[34] Vgl. Habrich-Böcker, Christiane et al. (2015), S. 92

[35] Vgl. Mümmler-Grunow, Henning (2015), S. 76

[36] Vgl. Ministerium für Klimaschutz und Umwelt NRW (2012), S. 28

[37] Vgl. Bizer, Kilian; Boßmeyer, Christoph (2012), S. 23

[38] Vgl. Umweltbundesamt (2014), S. 41

[39] Vgl. Hoppe, Wilfried (2014), S. 35

[40] Vgl. Habrick-Böcker, Christiane (2015), S. 130 f.

[41] Vgl. Hoppe, Wilfried (2014), S. 35

[42] Vgl. Acatec (2015), S. 59

[43] Vgl. BGR (2016a), S. 72 f.

[44] Vgl. Acatech (2015), S. 42

[45] Vgl. EIA (2011), S. 37

[46] Vgl. Pearson, Ivan et al. 2012, S. 2 ff.

[47] Vgl. Vihma, Antto 2013, S. 5 ff.

[48] Vgl. SRU (2013), S. 8

[49] Vgl. Neukirchen, Florian; Ries, Gunnar (2014), S.308

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Fracking. Chancen, Risiken und Regulierung
Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
30
Katalognummer
V416409
ISBN (eBook)
9783668662254
ISBN (Buch)
9783668662261
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fracking, Schiefergas, Energie, Energiewende, Erdgas
Arbeit zitieren
Simon Völker (Autor), 2017, Fracking. Chancen, Risiken und Regulierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416409

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