Das Religionsbuch - Verlierer im medialen Konkurrenzkampf?!


Seminararbeit, 2004
21 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Hinführung zur Thematik:
Eigene Erfahrungen mit Religionsbüchern

II. Untersuchung von Religionsbüchern:
Das Religionsbuch – Verlierer im medialen Konkurrenzkampf!?
1. Historische Aspekte
2. Grundformen von Buchtypen
3. Funktionen von Religionsbüchern
4. Pragmatische Schulbuchanalyse: Kriterien einer Untersuchung

III. Beschreibung, Erläuterung und Lernziele der Gruppenarbeit

IV. Gesamtreflexion

Literaturverzeichnis

Anhang

I. Hinführung zur Thematik:

Eigene Erfahrungen mit Religionsbüchern

- „Unser Religionsbuch haben wir am Anfang des Jahres ausgeteilt bekommen, ja…, aber reingeschaut haben wir eigentlich nie!“
- „Religionsbücher?! – Da sind doch nur alte Geschichten drin, da gibt es gar nichts Aktuelles…“
- „Manchmal haben wir mal einen Text gelesen, aber insgesamt haben wir das Buch kaum benutzt.“
- „Wir hatten zwar ein Religionsbuch, aber die Themen und die Aufmachung waren so was von langweilig, da waren nicht mal Bilder drin!“

So oder so ähnlich können Erfahrungen von SchülerInnen unterschiedlicher Jahrgangsstufen und Schulformen klingen, wenn man sie nach der Nutzung ihrer Religionsbücher im schulischen Unterricht fragt. Fehlende Aktualität, ‚blasse’ Methodik, absente Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen und religiösen Erfahrungen von Jugendlichen lassen scheinbar eine direkte Nutzung im Religionsunterricht nur noch bedingt oder sogar überhaupt nicht mehr zu.

Um mein Referat zu diesem Thema einzuleiten, fragte ich die SeminarteilnehmerInnen über ihre Erfahrungen mit dem Unterrichtsmedium. In Form eines kurzen Brainstormings sammelten wir Erfahrungen und Erinnerungen aus der eigenen Schulzeit. Die oben dargestellten, meist negativen Aussagemotive waren auch in dieser Runde zu vernehmen, obwohl es auch vereinzelte positive Bezüge zu Religionsbüchern und deren Nutzung gab.

Um nach kurzer Diskussion auf meinen Vortrag zu lenken, sollten die einzelnen Kapitel immer den sich daraus ergebenden Thesen nachgehen: Sieht es um die Nutzbarkeit des Printmediums auf dem medialen Konkurrenzmarkt wirklich so bescheiden aus, wenn es doch immer noch das am weitesten verbreitete Unterrichtsmedium ist?[1] Woher stammen diese negativen Bilder vom Religionsbuch? Welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich trotz allem?

II. Untersuchung von Religionsbüchern:

Das Religionsbuch – Verlierer im medialen Konkurrenzkampf!?

1. Historische Aspekte

Das Religionsbuch findet sich als ältestes Unterrichtsmedium neben der Heiligen Schrift schon in der Zeit Martin Luthers. Mit seinem „Kleinen Katechismus“ wurden Schüler schon in der damaligen Zeit unterrichtet.[2] In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten waren diese Formen der Katechismen, die allgemein die Funktion des Wegweisers zum Glauben übernahmen, dominantes Medium in der religiösen Erziehung bzw. Unterweisung. Bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts existierten vor allem in den Volksschulen unterschiedliche Formen des Schulkatechismus für bestimmte Altersklassen, die meist mit dem Pfarrer bzw. Pastor der Gemeinde (Lehr- und Autoritätsperson) behandelt wurden. Der Unterricht bestand hier im Wesentlichen aus einem Vortragen und Auswendiglernen von Geschichten und Versen, wodurch individuelle persönliche Bezüge und praktische Lebensrelevanzen beinahe ausgeschlossen wurden. Der Katechismus- und Bibelunterricht bildete somit eine reine Glaubensunterweisung, die den Religionsunterricht uniform machte.[3]

Mit Einzug der Curriculumsreformen in den 1960er Jahren hielten produktive Unterrichtsmodelle und Arbeitsmaterialien Einzug, doch auch in dieser Zeit gibt es noch keine uns vertrauten Formen von Religionsbüchern. Erst in der Mitte der 1970er Jahre kann man von der ‚Renaissance’ des Religionsbuches sprechen. Durch die neue Korrelationsdidaktik in den Lehrplänen, die eine Verknüpfung von Glaubens- und Lebenswelt der SchülerInnen vorsieht, ziehen neben theologischen vor allem humanwissenschaftliche und gesellschaftliche Themenfelder in den Religionsunterricht ein, die natürlich auch die neu entdeckten Bücher beeinflussen.

Alle aufgeführten theologischen, anthropologischen sowie schulorganisatorischen Aspekte haben Einwirkungen auf das Unterrichtsmedium und beeinflussen seine Themen. Es bleibt festzuhalten, dass auf dieser Grundlage ein Großteil heutiger Religionsbücher organisiert ist. Im folgenden Kapitel sollen verschiedene Formen genauer differenziert bzw. klassifiziert werden.

2. Grundformen von Buchtypen nach Weidmann

- Das thematisch-strukturierte Religionsbuch

Diese[4] erste Kategorie zeichnet sich durch eine klare Struktur aus, die nach Eckpunkten und Grunderfahrungen des menschlichen Lebens ausgerichtet ist. Vor allem die gesellschaftliche Bedeutung des Religionsunterrichtes und damit die christliche Verantwortung werden hier fokussiert. Ein Beispiel für diese Buchform ist das evangelische Religionsbuch „Kursbuch Religion“.[5]

- Das lehrgangsartig strukturierte Religionsbuch

Diese Form kann gut mit einem herkömmlichen Englisch- oder Französischbuch verglichen werden, denn es ist in konkrete Lerneinheiten unterteilt und verlangt teilweise ein fundiertes Vorwissen, um neuen Stoff zu verstehen. Gerade bei bibeltheologischen Themen benötigen die SchülerInnen hier viel ‚prior knowledge’, wie beispielsweise im Buch „Zeichen der Hoffnung“.[6]

- Das orientierende Religionsbuch

Diese stellen eine Vermischung aus thematischen und lehrgangsartigen Religionsbüchern dar. Sie legen ihr Augenmerk vor allem auf verschiedene Ansätze, d.h. viele Deutungsmöglichkeiten und Nuancen werden aufgeführt und regen die SchülerInnen verstärkt zu kritischem Umgang mit Quellen und Ansichten an. Ein Beispiel hier ist das katholische Religionsbuch „Suchen – Wagen – Handeln“.[7]

- Das Lesebuch

Wie der Name schon sagt, stellt das Lesebuch in erster Linie eine Sammlung von Texten unterschiedlicher Gattungen zu bestimmten Themeneinheiten bereit. Meist werden zudem noch hilfreiche Erklärungen, Definitionen und Interpretationsansätze geliefert. Die sehr bekannten „Zielfelder“ sind hier als Beispiel zu nennen.[8]

3. Funktionen von Religionsbüchern

Da in den vorangegangen Kapiteln bereits etliche Funktionen von Religionsbüchern benannt worden sind, erfolgt hier nur eine sehr knappe Zusammenfassung, die nach meiner Ansicht die wichtigsten Aufgaben skizziert.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Pragmatische Schulbuchanalyse:

Kriterien einer Untersuchung[10]

Im Folgenden möchte ich sieben Kriterien einer pragmatischen Schulbuchanalyse vorstellen. Bei dieser Aufzählung und knappen Erläuterung spielt die Reihenfolge nur eine sekundäre Rolle, da nach meiner Ansicht alle Aspekte einbezogen werden müssen, um ein gutes Religionsbuch zu gewährleisten; bei der Untersuchung einzelner, ausgewählter Beispiele[11] stellte sich allerdings heraus, dass kaum ein Buch alle diese Kriterien in einer positiven Weise erfüllen kann. Deshalb stellt auch dieser Teil der Religionsbuchbetrachtung im Referat eher ein Schema bzw. grobes Raster dar, welches (zukünftigen) ReligionslehrerInnen helfen soll, Unterrichtseinheiten in Lehrwerken zu diskutieren, und danach zu entscheiden, inwieweit das Buch oder einzelne Ausschnitte für den eigenen Unterricht von Nutzen sein könnten.

1) Schülerorientierung

Bei diesem ersten wesentlichen Kriterium, welches immer im Mittelpunkt stehen sollte, ist das Anspruchs- und Lernniveau signifikant. Als Religionslehrer muss ich an das Religionsbuch die Frage richten, inwieweit „die Lebenssituation heutiger Schüler berücksichtigt ist und in seine Themen einfließt.“[12] Dabei spielen neben altersspezifischen Aspekten vor allem die Situation und Zusammensetzung der Lerngruppe eine gewichtige Rolle, um das Buch und seine Inhalte sinnvoll einzusetzen. Aus schulpolitischen und vor allem finanziellen Gründen ist in der Praxis häufig davon auszugehen, dass die vorhandenen Bücher in Schulen etwas älter sind, was aktuelle Bezugnahmen zu gesellschaftlichen und humanwissenschaftlichen Themen meist erschwert.[13]

2) Erfahrungsorientierung

Um den SchülerInnen möglichst lebensnahe Texte, Medien und Beispiele liefern zu können, ist eine erfahrungsbezogene Gestaltung des Religionsbuches von enormer Bedeutung. Das schon angesprochene Problem der oft fehlenden Aktualität wird bei älteren Büchern noch einmal verstärkt, indem hier konkrete positive und negative Einflüsse, die den Glaubensanspruch wechselseitig erhellen sollen[14], mit der Situation heutiger Jugendlicher nicht mehr in Einklang gebracht werden können. Andererseits können Grund- und Grenzerfahrungen junger Menschen, die zeitlos sind, gerade in älteren Büchern immer wieder von Vorteil sein, denn Aktualität - und das soll hier nochmals hervorgehoben werden – ist nur ein Aspekt eines guten Religionsbuches.

[...]


[1] Vgl. Lachmann, Rainer: Religionsbuch, in: G. Adam/R. Lachmann (Hg.): Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht 2, Aufbaukurs. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2002. 269.

[2] Vgl. Ebd., 270.

[3] Vgl. Weidmann, Fritz: Das Religionsbuch, in: Ders. (Hg.): Didaktik des Religionsunterrichtes, Ein Leitfaden. Donauwörth: Auer Verlag 2002. 340f.

[4] Vgl. Weidmann, Fritz: Das Religionsbuch. 342f.

[5] Kern, Wolfgang (Hg.): Kursbuch Religion 9/10. Stuttgart: Calwer Verlag 1979.

[6] Trutwin, Werner u.a. (Hg.): Zeichen der Hoffnung. Düsseldorf: Patmos Verlag 1989.

[7] Gahlmann, Alfred J. (Hg.): Suchen-Wagen-Handeln, Katholische Religion Sek. II, 11. Jahrgangsstufe. Limburg: Lahn-Verlag 1994.

[8] Deutscher Katecheten-Verein (Hg.): Zielfelder RU 9/10. München: Kösel Verlag 1980.

[9] Vgl. Lachmann, Rainer: Religionsbuch. 277.

[10] Ebd., 273.

[11] Siehe Punkt III: Beschreibung, Analyse und Lernziele der Gruppenarbeit.

[12] Frisch, Hermann-Josef: Leitfaden, Fachdidaktik Religion. 185.

[13] Vgl. Schaubild von Ebd., 184.

[14] Vgl. Weidmann, Fritz: Das Religionsbuch. 344.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Religionsbuch - Verlierer im medialen Konkurrenzkampf?!
Hochschule
Universität Kassel  (Institut für Katholische Theologie)
Veranstaltung
Text- und bilderschließende Methoden im Religionsunterricht der Sekundarstufen
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V41659
ISBN (eBook)
9783638398787
ISBN (Buch)
9783640401819
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religionsbuch, Verlierer, Konkurrenzkampf, Text-, Methoden, Religionsunterricht, Sekundarstufen
Arbeit zitieren
Tobias Kollmann (Autor), 2004, Das Religionsbuch - Verlierer im medialen Konkurrenzkampf?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41659

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