Einleitung
Joseph von Eichendorff gilt als einer der großen Schriftsteller der Romantik. Seine Biographie zeigt eine permanente Unstetigkeit im Hinblick auf dessen Aufenthaltsorte, was bedeutet, dass der Dichter häufig Abschied von geliebten Personen oder Örtlichkeiten nehmen musste. An diesem Aspekt schien es interessant, zu untersuchen, wie Eichendorff Abschiede in verschiedenster Art generell empfand und verarbeitete. Es lag nahe, sich mit einem seiner Werke auseinander zu setzen, das dieses Thema als Titel trägt: das Gedicht "Abschied". Aus einer oberflächlich durchgeführten Analyse ergaben sich neue Fragen und Hypothesen. Zur Klärung selbiger wurde ein Blick auf Eichendorffs Tagebuch und diverse andere seiner Werke erforderlich. Schließlich konnte durch einige gewonnene Erkenntnisse eine ausführlichere Analyse des anfänglichen Gedichtes vorgenommen werden, die jedoch ein völlig anderes als das angestrebte Ergebnis mit sich brachte.
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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Abschied
1) Das Gedicht
2) Verständnis
3) Überlieferungsgeschichtliche Hintergründe
4) Auftreten im Kontext
5) Vom Roman zur neuen Überschrift
6) Der Hasengarten
7) Eichendorff als Reisender
8) Abschied für die Studien
9) Umorientierung
10) Abschied von Menschen
11) Eine Methode?
12) Schlussfolgerung und Rückkehr
III. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Eichendorffs Umgang mit Abschiedssituationen anhand seines Gedichts "Abschied" (ursprünglich "An den Hasengarten") und analysiert, wie der Dichter persönliche Krisen und Trennungserfahrungen in seinem Werk verarbeitet.
- Die Funktion der Natur als Schutzraum und Reflexionsfläche für menschliche Emotionen.
- Die autobiografischen Hintergründe von Eichendorffs Abschieden im Kontext familiärer und persönlicher Veränderungen.
- Die Analyse der Metaphorik und der lyrischen Strategien zur indirekten Ausdrucksweise persönlicher Trauer.
- Die Bedeutung der Morgenthematik und der Natur als Motiv für Neuanfänge und Trost.
Auszug aus dem Buch
3) Überlieferungsgeschichtliche Hintergründe
Die vorgenommene oberflächliche Analyse führt zu der Fragestellung, was denn dem lyrischen Ich widerfahren ist, warum also Eichendorff die ihm vertraute und geliebte Natur verlassen musste, inwieweit die Situation des Abschiedes eine Rolle im Leben des Dichters spielte und wie er mit Abschieden verschiedenster Art in seinem Leben umging. Durch die Lektüre der Überlieferungsgeschichte des Gedichtes stößt man auf eine 5. Strophe, deren Zugehörigkeit zu dem vorliegenden Gedicht zwar „- auch aus inhaltlichen und formalen Gründen- sehr wahrscheinlich, aber nicht sicher“ ist. Lediglich in der handschriftlichen Fassung tritt die folgende Strophe auf:
Dir gibt nicht Ruhm noch Nahmen,
Was ich hier dacht’ und litt;
die Lieder, wie sie kamen
Schwimmen im Strome mit.
So rausche unverderblich
Und stark viel hundert Jahr’
Der Ort bleibt doch unsterblich,
Wo einer glücklich war.
Paraphrasierend kann man dieser Strophe einen verstärkt autobiographischen Aspekt abgewinnen: Der Dichter bemerkt, dass die Werke, die er an diesem Ort verfasste, die Natur nicht ausreichend würdigen bzw. nicht in der Lage sind, ihren wirklichen Wert aufzuzeigen (vermutlich wegen der allzeit präsenten Subjektivität durch die lediglich beschränkt objektiv beschreibend könnende Perspektive des Dichters und die Unfähigkeit, Reales in alles erfassenden Worten zu formulieren). „Die Lieder, wie sie kamen, schwimmen im Strome mit“ meint die Tatsache, dass ein Gedicht im Laufe der Zeit in der Masse untergehen kann und die Bedeutung, die die Natur auf den Dichter im Augenblick des Schreibens trug, nur schwerlich je wieder nachvollzogen werden wird. Doch der Wald wird „unverderblich und stark noch viel hundert Jahr“ bestehen und somit bleibt auch die einzigartige Verbindung zwischen Wald und Dichter.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in Eichendorffs biografische Unstetigkeit und die daraus resultierende Forschungsfrage zur literarischen Verarbeitung von Abschieden.
II. Abschied: Detaillierte Analyse des Gedichts „Abschied“, seiner Entstehungsgeschichte, der Rolle von Naturmetaphorik und der autobiografischen Verankerung im Leben des Dichters.
III. Schluss: Fazit, dass Eichendorff seine Gefühle nicht direkt benennt, sondern durch Naturbilder und metaphorische Sprache indirekt verarbeitet.
Schlüsselwörter
Joseph von Eichendorff, Romantik, Lyrik, Naturlyrik, Abschied, Autobiografie, Hasengarten, Sehnsucht, Verarbeitung, Trauer, Metaphorik, Heimat, Tagebuch, Literaturgeschichte, Gedichtanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Joseph von Eichendorff das Thema Abschied in seinem lyrischen Werk verarbeitet, insbesondere am Beispiel seines Gedichts „Abschied“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Natur als Schutzraum, die Bedeutung der Biografie für das literarische Schaffen und die metaphorische Verschleierung persönlicher Emotionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob Eichendorff seine Gefühle bei Abschieden offen kommuniziert oder sie gezielt in Naturmetaphern umsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus textnaher Gedichtanalyse, historischer Kontextualisierung und dem Abgleich mit biografischen Dokumenten wie Eichendorffs Tagebüchern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehungsgeschichte des Gedichts, den Hintergründen des „Hasengartens“, der Rolle von Eichendorffs Reisen und dem Einfluss von familiären Verlusten, wie dem Tod seines Bruders Gustav.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Eichendorff, Romantik, Naturlyrik, Abschied, Autobiografie und metaphorische Verarbeitung.
Warum änderte Eichendorff den Titel des Gedichts?
Die Änderung von „An den Hasengarten“ zu „Abschied“ diente laut Autor dazu, das Gedicht stärker in einen allgemeinen Kontext einzubetten und die autobiografische Spezifität zu verbergen.
Wie beeinflusste der Tod des Bruders Gustav das Werk des Dichters?
Der frühe Tod des Bruders führte dazu, dass Eichendorff Naturmetaphern nutzte, um Schmerz und Trauer in einer „unauffälligen“ Weise zu formulieren, anstatt diese direkt beim Namen zu nennen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2002, Joseph von Eichendorff: Erkenntnisse durch Abschied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4165