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Der Geruch und der Geruchssinn - eine soziologische Betrachtung über die soziale Konstruktion der olfaktorischen Wahrnehmung

Title: Der Geruch und der Geruchssinn - eine soziologische Betrachtung über die soziale Konstruktion der olfaktorischen Wahrnehmung

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jolanta Bandura (Author)

Sociology - Culture, Technology, Nations
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„Unbegreiflich dieser Duft, unbeschreiblich, in keiner Weise einzuordnen, es durfte ihn eigentlich gar nicht geben. Und doch war er da in herrlichster Selbstverständlichkeit. Grenouille folgte ihm, mit bänglich pochendem Herzen, denn er ahnte, dass nicht er dem Duft folgte, sondern dass der Duft ihn gefangen genommen hatte und nun unwiderstehlich zu sich zog.“ Dieses Zitat aus Patrick Süskinds Roman „Das Parfüm“ zeigt auf wunderbare Weise welche (unbewusste) Macht Gerüche in der Welt ausüben können, auch, wenn es auf den ersten Blick scheint, als ob die heutige hoch entwickelte zivilisierte Welt kein Interesse an diesem Phänomen hätte.

Der Geruchssinn ist zwar einer der ältesten Sinne, aber auch der am wenigsten erforschte Sinn. Es existieren bis heute vergleichsweise wenige wissenschaftliche Arbeiten, die sich diesem überlebenswichtigen Sinn widmen.
Im Laufe der Evolution übernahm der Geruchssinn vornehmlich die Aufgabe, Nahrung und einen geeigneten Sexualpartner zu finden und auf diese Weise die eigene Art zu erhalten. Doch in Laufe der Zeit nahm die Bedeutung des Riechens zugunsten des Sehens ab.
Dabei ist der Geruchssinn nach wie vor unentbehrlich für den Menschen, auch, wenn er im Gesellschaftsleben durch die immens fortschreitende Desodorierung weitgehend keine Rolle mehr spielt. Durch das Lüften, Verlagern der Industrie in wohnungsfreie Gebiete und extreme geruchsbekämpfende (Körper-)Reinigungsrituale kann durchaus der Anschein entstehen, dass nicht das Erforschen des Geruchs, sondern seine Beherrschung und Vernichtung Ziel der modernen Gesellschaft ist. Der Geruch tritt heutzutage hauptsächlich nur in kommerzieller Weise auf: in der Vermarktung von desodorisierenden Körper- und Textilpflegemitteln auf.
Das zentrale Anliegen dieser Arbeit ist die soziale Konstruktion der olfaktorischen Wahrnehmung. Ziel dieser Hausarbeit ist es zu erforschen, welche Bedeutung der Geruchssinn für die Menschheit hat. Einen Schwerpunkt soll die sozio-historische Entwicklung der Gerüche im Zivilisationsprozess bilden. Auch die Aktualität soll in bei der Untersuchung der sozialen Konstruktion der olfaktorischen Wahrnehmung berücksichtigt werden: Dabei soll der Geruchssinn in der heutigen Geruchskultur und in der sozialen Struktur analysiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung des Geruchssinns

2.1. Die allgemeine Bedeutung des Geruchssinns

2.2. Die sakramentale Bedeutung und die Bedeutung der Aromatika

3. Die sozio-historische Entwicklung der Gerüche im Zivilisationsprozess

3.1. Von der Profanierung der Gerüche in den Kulturen der Vor- und Frühgeschichte bis zu weitreichenden Folgen von Gerüchen im Mittelalter

3.2. Die olfaktorische Revolution in Europa und ihre Folgen im 18. und 19. Jahrhundert

3.2.1. Veränderter Umgang mit Gerüchen als Folge der wissenschaftlichen Entdeckung von Gefahrenquellen

3.2.2. Strategie der Reinigungsmaßnahmen und die neue Hygiene

3.2.3. Von der fauligen Gefahr zur Aufmerksamkeit gegenüber sozialen Gerüchen

4. Der Geruchssinn in der heutigen Geruchskultur und sozialen Struktur

5. Resümee und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit erforscht die soziale Konstruktion der olfaktorischen Wahrnehmung und untersucht, welche soziologische Bedeutung der Geruchssinn für die Menschheit hat, insbesondere im Kontext von Zivilisationsprozessen und sozialer Stratifikation.

  • Die sozio-historische Entwicklung von Gerüchen im Zivilisationsprozess.
  • Die Wandlung des Geruchssinns von einem Überlebensinstrument zur sozialen Klassifizierung.
  • Die olfaktorische Revolution im 18. und 19. Jahrhundert und die Entstehung moderner Hygienevorstellungen.
  • Der Einfluss von sozialem Status, Milieu und Lebensstil auf die olfaktorische Wahrnehmung und ästhetische Bewertung.
  • Die Rolle von Gerüchen bei der Distinktion und Ausgrenzung in der heutigen Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

3.2 Die olfaktorische Revolution in Europa und ihre Folgen im 18. und 19. Jahrhundert

Der entschiedene Akt der Revolution der Wahrnehmung lag zwischen 1750 und 1880. Um 1750 wurden Unruhen in Verbindung der durchgeführten Analysen fauliger Substanzen angeregt. Durch die Erkenntnisse der Wissenschaft zur Fäulnis und sonstigen unsichtbaren Gefahren der Luft wuchs die Angst vor jeglicher Art von Gerüchen und folglich auch vor dem Geruch des Anderen. Die Toleranzschwelle gegenüber Gerüchen im Allgemeinen sank, obgleich es die gleichen waren wie zuvor.

Diese neue Sensibilität nahm zunächst in den oberen Bevölkerungsschichten zu und breitete sich auf die sozial mittleren und schließlich unteren Schichten aus. Der Gestank deutete nicht nur auf einen Fäulnisprozess hin, sondern bildete selbst einen integralen Bestandteil des Prozesses. Die Gesundheit eines Organismus beruhte auf dem Gleichgewicht der in ihm wirkenden Kräfte. Wird das Gleichgewicht jedoch gestört, z.B. durch eine Verletzung oder den Kontakt mit verwesenden Körpern, kann sich die Fäulnis ausbreiten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die oft unterschätzte Macht von Gerüchen und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der sozialen Konstruktion der olfaktorischen Wahrnehmung.

2. Bedeutung des Geruchssinns: Dieses Kapitel erläutert die evolutionäre und psychologische Relevanz des Riechens und untersucht die sakramentale Bedeutung von Aromata in verschiedenen Kulturen.

3. Die sozio-historische Entwicklung der Gerüche im Zivilisationsprozess: Der Hauptteil analysiert die historische Wandlung der Geruchsbewertung, von der Profanierung über die olfaktorische Revolution bis hin zur Entwicklung neuer Hygienestandards als soziales Distinktionsmerkmal.

4. Der Geruchssinn in der heutigen Geruchskultur und sozialen Struktur: Dieses Kapitel untersucht die gegenwärtige Bedeutung von Gerüchen und wie diese als Indikatoren für soziale Milieus und Lebensstile dienen.

5. Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Gerüche ein komplexes soziales Konstrukt sind, das eng mit Machtstrukturen und Zivilisationsprozessen verknüpft bleibt.

6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Geruchssinn, Soziale Konstruktion, Zivilisationsprozess, Olfaktorische Wahrnehmung, Hygiene, Distinktion, Soziale Struktur, Körpergeruch, Geschichte, Milieuzugehörigkeit, Geruchskultur, Norbet Elias, Körperhygiene, Wahrnehmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die soziologische Bedeutung des Geruchssinns und wie Gerüche sozial konstruiert, interpretiert und zur gesellschaftlichen Abgrenzung genutzt werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Geruchsbewertung, dem Zusammenhang zwischen Hygiene und Moral sowie der Rolle von Gerüchen als Statussymbol und Identifikationsmerkmal.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu erforschen, welche Bedeutung der Geruchssinn für die Menschheit hat und wie er zur sozialen Klassifizierung und Disziplinierung eingesetzt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer sozialwissenschaftlichen und sozio-historischen Analyse, die sich auf theoretische Ansätze (u.a. Norbert Elias) und empirische Studien zur olfaktorischen Wahrnehmung stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der olfaktorischen Wahrnehmung im Zivilisationsprozess, insbesondere der "olfaktorischen Revolution" des 18. und 19. Jahrhunderts und deren Auswirkungen auf die soziale Struktur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind soziale Konstruktion, Geruchskultur, Zivilisationsprozess, Distinktion, Hygiene und die soziale Differenzierung durch Gerüche.

Wie verändert sich die Geruchswahrnehmung im 18. und 19. Jahrhundert?

Es vollzieht sich ein Wandel hin zu einer gesteigerten Sensibilität gegenüber Gestank, der nun mit Fäulnis, Krankheit und moralischem Verfall assoziiert wird, was zu neuen Hygienestrategien führte.

Welche Rolle spielt die soziale Klasse bei der Bewertung von Gerüchen?

Gerüche dienen als Mittel zur Abgrenzung: Die Oberschicht nutzt eine feine Nase und die Abwesenheit unangenehmer Gerüche als Distinktionsmerkmal, während den unteren Schichten oft negative Gerüche zugeschrieben werden.

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Details

Title
Der Geruch und der Geruchssinn - eine soziologische Betrachtung über die soziale Konstruktion der olfaktorischen Wahrnehmung
College
University of Duisburg-Essen  (Institut für Soziologie)
Course
Nicht nur sauber, sondern porentief rein: Über die Hygiene als einen sozialen Tatbestand
Grade
1,3
Author
Jolanta Bandura (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V41672
ISBN (eBook)
9783638398909
Language
German
Tags
Geruch Geruchssinn Betrachtung Konstruktion Wahrnehmung Nicht Hygiene Tatbestand
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jolanta Bandura (Author), 2005, Der Geruch und der Geruchssinn - eine soziologische Betrachtung über die soziale Konstruktion der olfaktorischen Wahrnehmung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41672
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