Die Krankheit Burnout. Der Risikoberuf Assistenzärztin


Research Paper (undergraduate), 2017
28 Pages, Grade: 2,0

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung.
1.1. Zielsetzung.
1.2. Aufbau der Arbeit.

2) Krankheitsbild Burnout.
2.1. Charakterisierung der Krankheit.
2.2. Entstehung und Symptome.
2.3. Hilfe und Vorsorge.
2.4. Risikoberufe und –branchen.

3) Analyse der Entstehungsgründe von Burnout am fiktiven Beispiel einer Assistenzärztin.
3.1. Berufsbild und Aufgabenbereich.
3.2. Mögliche Krankheitsauslöser in dieser Beschäftigung.
3.3. Genesungs- und Vorsorgemaßnahmen.

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung Bezeichnung

Abb. 1: Das Trichtermodell in Anlehnung an Geyerhofer und Unterholzer

Quelle: http://www.fgoe.org/presse-publikationen/downloads/wissen/leitfaden-burnout Seite: 8, letzter Aufruf: 30.01.2017

Abb. 2: 12 Stadien von Burnout in Anlehnung an Freudenberger und North

Quelle: http://www.modus21.forschung.fau.de/inhalt/Skript_Interne_Evaluation.pdf Seite 11, letzter Aufruf: 30.01.2017

Abb. 3: Berufsgruppen mit den meisten Berufsunfähigkeitstagen aufgrund von Burnout-Erkrankungen im Jahr 2015 (je 1.000 AOK-Mitglieder)

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/239672/umfrage/berufsgruppen-mit-den-meisten-fehltagen-durch-burn-out-erkrankungen/ letzter Aufruf: 03.02.2017

1)Einleitung

Es gibt wohl wenige Krankheiten, über die in den letzten Jahren so intensiv berichtet wurde, wie Burnout. Anfangs wurde Burnout noch als Scheinerkrankung und Modediagnose abgetan, doch die Zahlen zeigten im Laufe der Jahre eine immer größer werdende Gefährdung der Gesellschaft durch diese Krankheit. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) veröffentlichte in einer Studie aus dem Jahr 2012 im Zusammenhang mit Burnout beunruhigende Zahlen. So ist beispielsweise die Zahl der Krankschreibungen wegen Burnout seit dem Jahr 2004 um 700 Prozent und die daraus resultierenden Fehltage im Unternehmen um 1.400 Prozent gestiegen (vgl. Bundespsychotherapeutenkammer, 2012; S. 3). Es kann davon ausgegangen werden, dass sich diese Tendenz bis zum heutigen Tag nur gering verbessert hat, obwohl seitens der Krankenkassen und Unternehmen ein hoher Aufwand zur Vor- und Nachsorge bei Burnout-Patienten betrieben wird und viele Menschen bereits für das Thema sensibilisiert wurden.

1.1.Zielsetzung

Trotz des Fakts, dass das Bewusstsein über die Gefahr von Burnout mittlerweile mitten in der Gesellschaft angekommen ist, gibt es einige Berufe, in denen die Menschen eher der Gefahr dieser Erkrankung ausgesetzt sind als andere. Diese Arbeit befasst sich mit einem ganz bestimmten Risikoberuf, nämlich der einer Assistenzärztin. Doch was macht diesen Beruf gefährlicher als andere? Mit welchen risikosteigernden Aufgaben und Herausforderungen sieht sich eine Assistenzärztin in ihrem alltäglichen Arbeitsleben konfrontiert? Und welche Genesungsmaßnahmen gibt es für die Menschen, die sonst für die Gesundheit der Anderen zuständig sind? In der folgenden Arbeit werden diese Fragen beantwortet.

1.2.Aufbau der Arbeit

Den Einstieg in die Studienarbeit bildet eine Betrachtung des Krankheitsbildes Burnout (Kapitel 2). Hierfür wird die Krankheit zunächst charakterisiert (Kapitel 2.1) und anschließend wird auf die Entstehung der Krankheit und ihre Symptome eingegangen (Kapitel 2.2). Darauf folgt die Betrachtung der Hilfsangebote bei solch einer Erkrankung und der möglichen Vorsorgemaßnahmen, um eine Erkrankung zu vermeiden (Kapitel 2.3). Den Abschluss des Theorieteils bildet eine Beleuchtung der Berufe und Branchen, in denen Menschen vor allem durch Burnout gefährdet sind. Der praxisorientierte Teil der Arbeit ist der Analyse der Entstehungsgründe von Burnout an dem fiktiven Beispiel einer Assistenzärztin gewidmet (Kapitel 3). Hierzu werden zunächst das Berufsbild einer Assistenzärztin und die damit einhergehenden Aufgaben analysiert (Kapitel 3.1). Diese Aufgaben werden dann anschließend auf eventuelle Krankheitsauslöser beziehungsweise Krankheitsförderer überprüft (Kapitel 3.2). Der Praxisteil wird abgeschlossen durch mögliche Genesungs- und Vorsorgemaßnahmen, die einerseits den Arbeitnehmer oder bereits Erkrankten selbst ansprechen, aber andererseits auch Handlungsbedarf von Unternehmen und Organisationen fordern (Kapitel 3.3).

2)Krankheitsbild Burnout

2.1. Charakterisierung der Krankheit

Der Begriff Burnout stammt ursprünglich aus der englischen Sprache, wurde jedoch als treffender Begriff für das Burnout-Syndrom eingedeutscht. Das Verb „to burn (something/ someone) out“ bedeutet übersetzt „(etwas) ausbrennen“, „(sich) kaputtmachen“ oder „jemanden bis zur Erschöpfung arbeiten lassen“ (vgl. LEO.org).

Da es bis heute keine eindeutige Definition von Burnout gibt, folgen nun verschiedene bekannte Definitionsansätze zu der Krankheit.

In dem weltweit anerkannten Klassifikationssystem ICD („International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“; deutsch: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Burnout als ein Gefühl von „Ausgebranntsein“ und als „Zustand der totalen Erschöpfung“ in den Abschnitt Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ eingegliedert. In diesem Abschnitt finden sich auch die Diagnosen „Mangel an Entspannung oder Freizeit“, „Stress“ und „Unzulängliche soziale Fähigkeiten“ (vgl. DIMDI, 2016; S. Z70-Z76). Es fällt auf, dass Burnout vielmehr als Einflussfaktor gilt und nicht als eine eigenständige Diagnose und Krankheit, denn unter die Kategorien Z00-Z99 fallen Zustände, die nicht als klassische Krankheiten klassifiziert werden.

Der Begriff Burnout kam in der Psychologie erstmals in den 1970er Jahren durch den deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger auf. Freudenberger fiel damals auf, dass vor allem Menschen in sozialen Berufen an physischen und emotionalen Erschöpfungszuständen leiden, die er als Burnout betitelte (vgl. Scherrmann, 2015; S. 8).

Laut der Definition von Psychologin Christina Maslach umfasst Burnout drei Dimensionen. Die erste Dimension umfasst die emotionale Erschöpfung beziehungsweise emotionale und körperliche Kraftlosigkeit als Resultat von chronischem Stress. Die zweite Dimension beschreibt Depersonalisierung beziehungsweise Zynismus, also das abgestumpfte Reagieren auf zwischenmenschliche Kontakte im Beruf, als ein Versuch der Distanzierung. Mit der dritten Dimension meint Maslach die verminderte subjektive Leistungsbewertung, also das Gefühl von Versagensängsten und Vertrauensverlust hinsichtlich der persönlichen Fähigkeiten (vgl. Nil et al., 2010; S. 73).

Eine weitere Definition unter Einbezug der Dimensionen von Maslach bietet Ina Rösing:

„Burnout ist ein Zustand emotionaler Erschöpfung am Beruf. Er geht einher mit negativen Einstellungen zum Beruf (…) oder den Mitteln des Berufs (Zynismus) oder zu den Partnern oder Klienten im Beruf (Depersonalisierung). Hinzu kommt ein erheblich reduziertes Selbstwertgefühl in Bezug auf die eigene berufsbezogene Leistungsfähigkeit.“ (Rösing, 2008; S. 20)

Es gibt viele weitere Definitionen und alle unterscheiden sich mehr oder weniger an bestimmten Punkten. Demerouti hat jedoch folgende Aspekte festgestellt, die alle Burnout-Definitionen gemeinsam haben:

- Eine hohe Motivation zum Arbeitsbeginn.
- Frustration durch unerreichte Ziele und Erwartungen, woraus Enttäuschung und Depersonalisierung resultiert.
- Burnout fördernde Arbeitsumgebungen, also zu schwere oder unklare Anforderungen, für deren Erfüllung gleichzeitig unzureichende Ressourcen vorhanden sind.
- Die Erkrankten nutzen ineffiziente Bewältigungsstrategien.

(vgl. Litzcke et al., 2013; S. 154)

Die Schwierigkeit einer klaren Definitionsformulierung von Burnout mag auch dem Fakt geschuldet sein, dass es gewisse Übereinstimmungen und Zusammenhänge zwischen Burnout und Stress gibt (vgl. Litzcke et al., 2013; S.149). Burnout kann als Reaktion auf Stress verstanden werden, da die Wahrscheinlichkeit einer Burnout-Erkrankung zunimmt, je stärker und andauernder eine Person Stress ausgesetzt ist und je hilfloser sie sich hinsichtlich der Veränderung dieser Stresssituationen fühlt (vgl. Litzcke et al., 2013; S. 153). Die erste Burnout-Dimension „emotionale Erschöpfung“ wird einerseits erst durch Stress ausgelöst, andererseits fördert sie jedoch auch das Stressempfinden. Auch die anderen Dimensionen „Depersonalisierung und Zynismus“ und „verminderte subjektive Leistungsbewertung“ beeinflussen die subjektive Wahrnehmung von Stress einer betroffenen Person, auch wenn sie sich unabhängig von dem eigentlichen Stressempfinden entwickeln. Depersonalisierung und Zynismus wirken als Abwehrmechanismus und tragen zur Verminderung der Stresswahrnehmung bei während eine verminderte subjektive Leistungsbewertung das Empfinden und die Wahrnehmung von Stress intensiviert (vgl. Nil et al., 2010; S. 75).

Burnout wird auch häufig mit Depressionen verwechselt oder vertauscht, was durch ein „höheres Ansehen“ der Krankheit Burnout in der Gesellschaft begründet werden kann. Burnout bedeutet in vielen Köpfen noch automatisch „Überarbeitung mit guter Absicht“ und ist deshalb weniger negativ belastet als die Diagnose Depression. Tatsächlich gibt es Übereinstimmungen bei den auftretenden Symptomen der beiden Krankheiten, jedoch übertrifft die Symptomatik einer Depression an vielen Punkten die Symptome eines Burnouts. Allgemein lässt sich feststellen, dass Burnout, anders als eine Depression, an Unzufriedenheit und Schwierigkeiten am Arbeitsplatz beziehungsweise des Berufsumfelds gekoppelt ist (vgl. Scherrmann, 2015; S. 15).

2.2. Entstehung und Symptome

Das Burnout-Syndrom und seine Symptome entstehen schleichend und treten nicht bei jedem Menschen gleich auf. Bekannte Modelle zum Verlauf der Krankheit zeigen einen prozesshaften Verlauf bis zu dem Punkt Burnout. Auffallend ist bei der Entstehung von Burnout immer auch das Zusammenspiel des persönlichen, beruflichen und sozialen Umfelds und der daraus resultierenden Stressoren.

Persönliche Risikofaktoren, die durch den individuellen Charakter eines Menschen begründet sind und das Risiko einer Burnout-Erkrankung steigern, sind folgend aufgelistet:

- Neurotizismus und emotionale Instabilität: Die persönliche Leistungsfähigkeit sinkt und es folgen bereits auf schwache Stressoren Reaktionen,
- Geringe Selbstwirksamkeitserwartung durch geringe Selbstachtung und labiles Bild von sich selbst,
- Unzureichende Ausbildung oder geringe Leistungsfähigkeit,
- Unrealistische Erwartungen, die dazu führen, dass die Grenzen der persönlichen Belastbarkeit ignoriert werden und Enttäuschungen vorprogrammiert sind,
- Individuelle Bedürfnisse werden aufgrund eines wichtiger erscheinenden Ziels zurückgestellt (vgl. Litzcke et al., 2013; S. 160 f.).

Aber auch die Umgebung in der Menschen arbeiten, kann einige strukturelle Fehler aufweisen, die auf Dauer eine Krankheitsentstehung begünstigen können, wie beispielsweise:

- Eingeschränkte Tätigkeits- und Handlungsspielräume: Fähigkeiten können nicht voll genutzt werden und man fühlt sich unterfordert,
- Übermaß an Verantwortlichkeit: zu großer Aufgabenbereich, Angst vor Fehlentscheidungen und Zeitdruck,
- Mangelnde Zielsicherheit und Transparenz: ohne klare Zielvorgaben gibt es keine Erfolgserlebnisse,
- Problematische Klienten: soziale und kommunikative Anstrengungen ohne Erfolg führen zu Frustration,
- Allgemein Be- oder Überlastung wegen Arbeitszeiten, Überstunden, Kommunikationsproblemen,
- Geringe Aufstiegschancen (vgl. Hedderich, 2009; S. 30).

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist die Bedeutung des sozialen und gesellschaftlichen Umfelds mit folgenden Burnout begünstigenden Faktoren:

- Zunahme von Stress und Hektik,
- Ständige Notwendigkeit der Fort- und Weiterbildung,
- Allgemeiner Wertewandel,
- Vereinsamung und Anonymität,
- Unzureichende private Unterstützung,
- Veränderte Kommunikationsformen (vgl. Hedderich, 2009; S. 31).

Diese unterschiedlichen Arten von Risikofaktoren greifen auch Geyerhofer und Unterholzer in ihrer systemischen Sichtweise auf die Krankheit Burnout auf. In das sogenannte „Trichtermodell“ wurde zusätzlich zu den bereits bekannten individuellen, sozialen und Organisations-Aspekten, die Belastung durch private Aspekte aufgenommen (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das Trichtermodell in Anlehnung an Geyerhofer und Unterholzer

In dem Modell kommen Belastungen in der Person (z. B. ineffektives Stressmanagement), Belastungen im sozialen Bereich (z. B. Leistungspflicht), Belastungen im Betrieb (z. B. Zeitdruck) und der neue Aspekt der privaten oder familiären Belastungen (z. B. Streit mit Partner, Kindererziehung) zusammen. Wenn diesen Belastungen keine effiziente Verarbeitungsstrategie gegenübersteht, kommt es zu einem Mangel an Erholung und das Burnout-Risiko steigt (vgl. Gabriel, 2012; S. 8).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: 12 Stadien von Burnout in Anlehnung an Freudenberger und North

Die Symptomatik von Burnout wird von Freudenberger und North anhand von zwölf Stadien beschrieben. Diese Stadien können über Jahre hinweg andauern und müssen nicht zwangsweise in der angegebenen Reihenfolge ablaufen (siehe Abb. 2).

In dem ersten Stadium „Der Zwang, sich zu beweisen“ wird aus gesundem Tatendrang mit der Zeit übersteigerter, zwanghafter Ehrgeiz und die eigenen Möglichkeiten, Grenzen und Rückschläge werden nicht mehr anerkannt. In dem zweiten Stadium

„Verstärkter Einsatz“ will der Betroffene alle Aufgaben selbstständig erledigen, um sich zu beweisen. Durch die Überzeugung der eigenen Unentbehrlichkeit leidet die Delegation von Aufgaben. Das dritte Stadium „Vernachlässigung eigener Bedürfnisse“ ist geprägt von einem ausgesprochen guten Gefühl und der Vernachlässigung von sozialen Kontakten und Entspannung. Stress wird in diesem Stadium noch als positiv empfunden, wobei Schlafdefizite bereits zunehmen. Durch die „Verdrängung von Konflikten“ in Stadium vier erhält sich der Betroffene seine Arbeitsfähigkeit, da ihn eine Konfrontation mit den Konflikten enttarnen würde. Es treten bereits zunehmend Fehlleistungen bei der Aufgabenerfüllung auf. In dem fünften Stadium des Modells, „Umdeutung von Werten“, kommt es zu einer Abstumpfung und Prioritätenverschiebung zu Gunsten der Arbeit und zu Lasten des Privat- beziehungsweise Familienlebens. Die „Leugnung der Probleme“ im sechsten Stadium beinhaltet das Abkapseln von der Umwelt, Zynismus, Abwertung, Intoleranz und Ungeduld. Neben spürbaren Leistungseinbußen und physischen Beschwerden werden soziale Kontakte als extrem kraftraubend empfunden. In dem siebten Stadium folgt dann der „Rückzug“ aus dem sozialen Netz und aus der Kritik. Der Betroffene ist orientierungs- und hilflos und lenkt sich mit Ersatzbefriedigungen ab. Eine „beobachtbare Verhaltensänderung“ erfolgt in Stadium acht durch paranoide und apathische Tendenzen und die Fehldeutung vor Aufmerksamkeit als Angriff. Das Stadium neun „Depersonalisation“ ist geprägt durch Entwurzelung und Sinnlosigkeit. Der Betroffene hat jegliches Gefühl für Nähe verloren und funktioniert automatisch. Daraufhin kommt es in dem zehnten Stadium zu einer „Inneren Leere“, Mutlosigkeit, Angst und Panik. Außerdem ist diese Phase von exzessiven Ersatzbefriedigungen geprägt. Wenn der Betroffene in Stadium elf angekommen ist, ist er in der Phase der „Depression“ und sieht sich mit Verzweiflung, Erschöpfung und Selbstmordgedanken konfrontiert. Die „Völlige Erschöpfung“ ist schließlich im zwölften und letzten Stadium erreicht, was in einem körperlichen, geistigen und emotionalen Zusammenbruch des Betroffenen resultiert (vgl. Freudenberger & North, 1992; S. 12 ff.).

Das nun letzte Modell zur Burnout-Symptomatik stammt von Burisch. Er hat die Symptome in die sieben „Phasen von Burnout“ eingeteilt, die unterschiedlich lange andauern und ineinander übergehen. Die sieben Phasen sind „Warnsymptome der Anfangsphase“, „Reduziertes Engagement“, „Emotionale Reaktionen/Schuldzuweisungen“, „Abbau“, „Verflachung“, „Psychosomatische Reaktionen“ und schließlich „Verzweiflung“. Im Folgenden wird näher auf die Symptome der einzelnen Phasen eingegangen.

Die erste Phase „Warnsymptome der Anfangsphase“ ist aufgeteilt in die Aspekte „Überhöhter Energieeinsatz“ und „Erschöpfung und deren unmittelbare Folgen“ mit den Symptomen Energiemangel, Schlafmangel und erhöhte Unfallgefahr. Ein überhöhter Energieeinsatz spiegelt sich wider in den Symptomen Hyperaktivität, freiwillige Mehrarbeit, Verleugnung der eigenen Bedürfnisse, Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschungen und die Konzentration sozialer Kontakte auf Klienten.

In der zweiten Phase „Reduziertes Engagement“ unterscheidet man zwischen reduziertem Engagement hinsichtlich Klienten, Patienten und Schülern, hinsichtlich anderen allgemein, hinsichtlich der Arbeit und zwischen dem Punkt „Erhöhte Ansprüche“. Das reduzierte Engagement für Klienten, Patienten und Schüler zeigt sich durch die Symptome menschliche Enttäuschung, Verlust positiver Gefühle, innere Distanzierung und Dehumanisierung. Weiterhin zeigen sich bei reduziertem Engagement für andere allgemein die Symptome Kälte, Verlust der Empathie, Verständnislosigkeit und Zynismus und bei reduziertem Engagement für die Arbeit die Symptome Desillusionierung, negative Arbeitseinstellung, Widerwillen, Ungeduld, Tagträume und Fehlzeiten. Den Aspekt der erhöhten Ansprüche kann man dadurch erkennen, dass der Betroffene sich auf die eigenen Ansprüche konzentriert, das Gefühl von Ausbeutung und mangelnder Anerkennung erlebt, eifersüchtig ist und wenn sich Konflikte mit der Familie bilden.

In der dritten Phase nach Burisch kommt es dann zu „Emotionalen Reaktionen und Schuldzuweisungen“, unterteilt in die Aspekte „Depression“ und „Aggression“. Unter die Diagnose einer Depression fallen Symptome wie Schuldgefühl, reduzierte Selbstachtung, Selbstmitleid, Humorlosigkeit, Stimmungsschwankungen, verringerte emotionale Belastbarkeit, Ruhelosigkeit, Pessimismus und erste Suizidgedanken. Hinter dem Aspekt der Aggression stehen die Symptome der Schuldzuweisung und Vorwürfe an Andere, Ungeduld, Intoleranz, Reizbarkeit, defensive Einstellungen, Misstrauen und häufige Konflikte mit anderen Personen.

Die vierte Phase „Abbau“ ist untergliedert in den „Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit“, „Abbau der Motivation“, „Abbau der Kreativität“ und „Entdifferenzierung“. Der Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit wird durch Symptome wie Konzentrationsschwäche, Ungenauigkeit, Desorganisation und Unfähigkeit zu klaren Anweisungen belegt. Motivationsabbau hingegen erfolgt durch verringerte Initiative, verringerte Produktivität und durch Dienst nach Vorschrift. Durch die Symptome einer verringerten Phantasie und Flexibilität erfolgt der Kreativitätsabbau und die Entdifferenzierung ist durch „Schwarz-Weiß-Denken“ und Widerstand gegen Veränderungen aller Art geprägt.

Mit „Verflachung“ meint Burisch in der fünften Phase die Verflachung des emotionalen, sozialen und geistigen Lebens. Als Symptome der emotionalen Verflachung werden Gleichgültigkeit und Verflachung gefühlsmäßiger Reaktionen aufgezeigt. Die Verflachung des sozialen Lebens ist gekennzeichnet durch eine weniger persönliche Anteilnahme an Anderen, die Meidung informeller Kontakte und Suche nach interessanten Kontakten, die Meidung von Arbeitsgesprächen und Einsamkeit. Durch das Aufgeben von Hobbys, Desinteresse und Langeweile erfolgt schließlich die Verflachung des geistigen Lebens.

In der vorletzten Phase gehen die Symptome in „Psychosomatische Reaktionen“ über, wie beispielsweise Schlafstörung und Albträume, sexuelle Probleme, Herzklopfen, schneller Puls und erhöhter Blutdruck, Atembeschwerden, Muskel- und Rückenschmerzen, Verdauungsstörungen und Übelkeit, Gewichtszunahme, veränderte Essgewohnheiten und mehr Genussmittel, wie Alkohol, Tabak, Kaffee und Drogen.

In der siebten und letzten Phase „Verzweiflung“ schildert Burisch schließlich mit Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit, negative Einstellung zum Leben, Suizidgedanken und existenzielle Verzweiflung die tiefgreifendsten Symptome des Burnouts (vgl. Burisch, 2006; S. 25 f.).

[...]

Excerpt out of 28 pages

Details

Title
Die Krankheit Burnout. Der Risikoberuf Assistenzärztin
College
University of Applied Management
Grade
2,0
Author
Year
2017
Pages
28
Catalog Number
V416738
ISBN (eBook)
9783668665880
ISBN (Book)
9783668665897
File size
664 KB
Language
German
Tags
krankheit, burnout, risikoberuf, assistenzärztin
Quote paper
Andrea Martini (Author), 2017, Die Krankheit Burnout. Der Risikoberuf Assistenzärztin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416738

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