Jeden Tag begegnen wir neuen Wörtern, sei es in der Werbung, im Fernsehen oder im Radio, in Zeitungsartikeln oder gar in der Literatur. Aber auch in der alltäglichen Kommunikation kommt es tagtäglich zu Wortneubildungen. Einerseits wird hierbei versucht, kommunikative Bedürfnisse abzudecken und so andererseits sprachliche Lücken auszugleichen, für die es bisher keine, beziehungsweise nur unpassende Ausdrücke gab.
Veggie, whatsappen oder Hipsterbart sind nur wenige Beispiele für solch neu entstandene Wörter. Derartige Begriffe weisen darauf hin, dass Sprache keineswegs eine statische Größe ist. Vielmehr unterliegt sie einem ständigen Wandel, wobei sich der Wortschatz mit dem Leben der Menschen verändert. Diese Veränderung ist geprägt durch ein ständiges Aufkommen und Verschwinden von Wörtern. Die deutsche Sprache ist demnach eine lebendige Sprache, bei der es jeden Tag zu Wortschatzerweiterungen beziehungsweise zum Wortschatzwandel kommt.
Wurde diesen neu entstandenen Wörtern früher keine Beachtung geschenkt, so sind sie in der gegenwärtigen Linguistikforschung nun ein fester Bestandteil. In diesem Zusammenhang haben sich zwei wesentliche Termini für diese Phänomene herausgebildet: Neologismen und Okkasionalismen. Die Grenzen dieser beiden Ausdrücke sind dabei verschwommen, weswegen sich für beide oft keine einheitliche und präzise Definition finden lässt.
Diese Arbeit soll einen Überblick über die beiden Begriffe bieten. Den Abschluss der Arbeit bildet eine Einführung in die Wortbildung des Deutschen, da sie einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung des Neologismus und des Okkasionalismus leistet sowie ein abrundendes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Neologismus und Okkasionalismus
2.1 Neologismen
2.1.1 Begriffsbestimmung
2.1.2 Unterteilung von Neologismen
2.1.3 Neologismenlexikographie in Deutschland
2.2 Sonderstellung: Okkasionalismen
2.2.1 Begriffsbestimmung
2.2.2 Funktionen von Okkasionalismen
2.3 Abgrenzung der beiden Begriffe
3. Ursachen der Entstehung neuer Wörter – die Wortbildung
3.1 Komposition
3.2 Derivation
3.3 Konversion
3.4 Kurzwortbildung
3.5 Weitere Wortbildungsarten
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und Unterschiede der linguistischen Phänomene Neologismen und Okkasionalismen, um ein Verständnis für die Dynamik der deutschen Sprache und die Prozesse der Wortbildung zu schaffen.
- Definition und Abgrenzung von Neologismen und Okkasionalismen
- Geschichtliche Entwicklung der Neologismenlexikographie
- Funktionsweisen von Okkasionalismen in verschiedenen Kontexten
- Systematik der wichtigsten Wortbildungsarten im Deutschen
- Bedeutung der Wortneubildung für die Sprachökonomie und Kommunikation
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Funktionen von Okkasionalismen
Ausgehend von der Kontextgebundenheit von Okkasionalismen erfüllen sie drei Funktionen, die nach Elsen als Hauptkriterien für dessen Definition gelten (vgl. Elsen 2011: 87ff.). Auch ist an dieser Stelle anzumerken, dass einige dieser Funktionen nicht nur für Okkasionalismen alleinige Gültigkeit besitzen, sondern sich auf weitere Wortbildungen im Allgemeinen beziehen können (vgl. a.a.O. 157), wie zum Beispiel auf Neologismen.
Als erste Funktion der okkasionellen Bildungen führt Elsen die referenzielle Funktion an. Okkasionalismen sind demnach „weitgehend ohne Textzusammenhang verständlich“ (a.a.O. 87), wenn sie dazu dienen, Gegenstände oder Sachverhalte mit einer Bedeutung zu versehen. Mit anderen Worten „leisten [Okkasionalismen] strenggenommen nichts für den Text“ (ebd.).
Als weitere Funktion komplexer Wörter und damit der Okkasionalismen nennt Elsen die textuelle Funktion. Hier können wiederum vier verschiedene Gruppen untergliedert werden. Formal betrachtet ersetzen Okkasionalismen andere Wörter, um damit „Wiederholungen oder komplexe Phrasen zu vermeiden und damit die Sätze zu verkürzen“ (ebd.), wie beispielsweise der Weihnachtsbaum statt der Baum, den man zu Weihnachten aufstellt. Inhaltlich dienen sie weiter „der Informationsverdichtung, der Verbildlichung, dem Kontrast. Sie ergänzen oder differenzieren Informationen oder erleichtern das Verständnis“ (a.a.O. 88).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Dynamik des deutschen Wortschatzes ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung von Neologismen und Okkasionalismen für die moderne Linguistik.
2. Neologismus und Okkasionalismus: Hier werden die zentralen Begriffe theoretisch definiert, voneinander abgegrenzt und die Geschichte sowie die Funktionen dieser Wortbildungen detailliert analysiert.
3. Ursachen der Entstehung neuer Wörter – die Wortbildung: Das Kapitel bietet einen Überblick über morphologische Prozesse wie Komposition, Derivation, Konversion und weitere Arten, durch die im Deutschen neue Lexeme entstehen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von Neologismen und Okkasionalismen für die Sprachentwicklung zusammen und betont deren Rolle als zeitökonomische und kreative Mittel in Kommunikation und Werbung.
Schlüsselwörter
Neologismus, Okkasionalismus, Wortbildung, Sprachwandel, Lexikalisierung, Komposition, Derivation, Kurzwortbildung, Sprachökonomie, Ad-hoc-Bildung, Linguistik, Wortschatz, Konversion, Wortneubildung, Kontamination
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Hintergründe von Wortneubildungen im Deutschen, insbesondere die Unterscheidung zwischen etablierten Neologismen und spontanen Okkasionalismen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Begriffsbestimmung, der Abgrenzung dieser beiden Phänomene, deren lexikographischer Erfassung sowie den verschiedenen Arten der Wortbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Klarheit über die Entstehung neuer Wörter und die Funktionen zu schaffen, die diese Neubildungen in der alltäglichen und professionellen Kommunikation erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung der linguistischen Fachliteratur, um die Phänomene systematisch darzustellen und wissenschaftlich einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Begriffe, eine Analyse der Neologismenlexikographie, die Untersuchung der Funktionen von Okkasionalismen und einen Überblick über die Wortbildungslehre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Neologismus, Okkasionalismus, Wortbildung, Lexikalisierung und Sprachökonomie.
Warum ist die Abgrenzung zwischen Neologismus und Okkasionalismus schwierig?
Der Übergang zwischen beiden ist fließend, da okkasionelle Bildungen durch häufige Verwendung lexikalisiert werden und sich somit zu Neologismen entwickeln können.
Welche Rolle spielt die Wortbildung bei der Entstehung neuer Wörter?
Die Wortbildung wird als der wichtigste Prozess für die Wortschatzerweiterung identifiziert, da sie durch regelhafte Kombination bereits vorhandener sprachlicher Elemente neue Wörter hervorbringt.
Warum verwenden Autoren und Werbetreibende häufig Okkasionalismen?
Sie dienen als Mittel zur Informationsverdichtung, zur stilistischen Aufwertung oder dazu, Aufmerksamkeit zu erregen und Spannung beim Leser aufzubauen.
- Arbeit zitieren
- Linda Jirschitzka (Autor:in), 2017, Neologismen und Okkasionalismen. Wortschatzentwicklung und Wortneubildungen in der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416903