Symbole in Märchen. Ein Heranführen der kindlichen Seele an die Spiritualität


Seminararbeit, 2017

24 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1. Definitionen
1.1 Symbol
1.2 Symbolsprache bzw. symbolische Sprache
1.3 Animismus
1.4 Schamane
1.5 Spiritualität

2. Allgemeine und häufig vorkommende Symbole in Märchen

3. Die germanische und die schamanische Kosmologie
3.1 Die Germanische Götterwelt am Beispiel des Märchens der Frau Holle
3.2 Die Schamanischen Reise und Initiation am Beispiel des Märchens Von dem Machandelboom
„Von dem Machandelboom“
3.3 Die Zerstückelungserfahrung
3.4 Schamanische Reise

4. Fazit
4.1 Märchen als Medium zum Heranführen der kindlichen Seele an dessen Spiritualität?

5. Quellen

Symbole in Märchen

und die animistische Kosmologie der Germanen und des Schamanismus

Märchen als Medium zum Heranführen der kindlichen Seele an dessen Spiritualität?

In der vorliegenden Seminararbeit setze ich mich mit den Zusammenhängen zwischen den in Märchen vorkommenden Symbolen und den Parallelen zum animistischen Weltbild des Schamanismus auseinander.

1. Definitionen

1.1 Symbol

Der Begriff Symbol stammt, so wie viele der gebräuchlichen Worte in unserem Sprachgebrauch aus dem Altgriechischen, abgeleitet vom Wort „symbolon“ was so viel wie Erkennungszeichen bedeutet. Somit wird deutlich, dass das Symbol stellvertretend für etwas Anderes steht, oftmals auch als Behälter für eine Sammlung an Bedeutungen, wobei es auch je nach Kulturkreis zu widersprüchlichen Bedeutungszuschreibungen kommen kann. (http://fromm-online.org/symbol/, 11.01.2017, 21:11)

Ein weiterer Hinweis findet sich im Wort „symballein“, ebenfalls aus dem Griechischen stammenden, als Bezeichnung des Zusammenwerfens. Hierbei handelt es sich um den Vorgang des Zusammenfügens der damals noch gebräuchlicheren Stein- und Tontafeln, wobei das Zusammenführen verschiedener Teile durch verschieden Menschen auch als Beweis der Zusammengehörigkeit dieser verstanden werden kann. (PICARD, Winfried, Schamanismus und Psychotherapie – Kräfte der Heilung, 2006)

Erich Fromm spricht in seinem Werk „Märchen, Mythen, Träume. Eine Einführung in das Verständnis einer vergessenen Sprache“ vom Symbol als der einzigen gemeinsamen Sprache welche die Menschheit je hervorgebracht habe, wobei er hier zwischen konventionellen, zufälligen und universellen Symbolen unterscheidet. (http://fromm-online.org/symbol/, 11.01.2017, 21:11)

Diese Feststellung birgt für uns den Hinweis, dass sich aus dem Symbol heraus eine ganze Symbolsprache generieren lässt, welche je nach kulturellem Text unterschiedliche Bedeutungen aufweist. Da der Ausdruck Symbol von verschiedensten Autoren, wie beispielsweise Jean Piaget, in mehrdeutiger und uneinheitlicher Weise Verwendung fand, kommt es immer wieder zu widersprüchlichen Auffassungen über Bedeutung und Funktion dieses Begriffes.

Der bekannte Psychiater Carl Gustav Jung spricht in diesem Kontext vom Wesen der Symbole welche in sich bestimmte Sachverhalte darstellen, die nur durch eine stark intuitive Herangehensweise erfassbar sind. Jung empfiehlt in weiterer Folge sich auf das jeweilige Symbol bewusst einzulassen, sich diesem anzunähern und durch das Aufbringen fokussierter Aufmerksamkeit dem individuellen Inhalt zu begegnen. Weiters gehe es darum das Symbol nicht im Rahmen rationaler Analysen und logischem Verständnis zerpflücken zu wollen, sondern sich ein zu spüren und das Symbol auf emotionaler Basis zu erfassen. (PICARD, Winfried, Schamanismus und Psychotherapie, 2006)

Der von Jung geprägte Begriff Archetypus (Urbild/Urprägung) wurde von James Hillman aufgegriffen, welcher daraus die sogenannte Archetypische Psychologie entwickelte. Archetypen sind demnach sowohl persönliche als auch gesamtgesellschaftliche Strukturen im Unbewussten, welche Mechanismen der Aktion und Reaktion in bestimmten Situationen auslösen und sich beschreiben lassen und schlussendlich Symbole in allgemeingültiger Form generieren. (vgl. STUMM, Gerhard, PRITZ, Alfred, GUMHALTER, Paul, NEMESKERI, Nora, VORACEK, Martin (Hrsg.), Personenlexikon der Psychotherapie, 2005)

Im therapeutischen Kontext finden auch Symbole immer wieder Verwendung um Ressourcen zu mobilisieren und diese auch zu verankern. Es werden Sinnbilder geschaffen, Symbole werden mit der eigenen „Energie“ beladen und können somit als Werkzeug für die persönliche Entwicklung des Klienten ihr Potential entfalten. (PICARD, Winfried, Schamanismus und Psychotherapie, 2006)

Ebenso findet sich eine Vielzahl an Ansätzen über die Bedeutung von Symbolen in Träumen, deren mögliche Bedeutung und die persönlichen Empfindungen die dadurch ausgelöst werden können.

Im Folgenden bedienen wir uns des Begriffs im Sinne des altgriechischen Verständnisses als Erkennungszeichen und somit als Behälter verschiedener Bedeutungen, die in ihrer Einfachheit auch kulturübergreifend Verwendung und Relevanz finden können.

Das Symbol ist die Brücke zur jenseitigen Welt, sagt Arnold Keyserling. „Symbole wurzeln in einer transzendenten jenseitigen Wirklichkeit oder vielleicht besser Möglichkeit, die sie nur dem Suchenden und Strebenden eröffnen. Wenn dieser nun den Zugang gewinnt, so hat die Offenbarung einen über den Tod hinaus verpflichtenden Charakter.“ In Anlehnung an die Terminologie von Rudolf Otto bezeichnet Keyserling das Wesen des Symbols als das >Mana<. (VON BONIN, Felix, Schamanismus und Märchen - Eine schamanische Reise durch den Zauberwald der Seele, 2006, S. 185 ff.)

1.2 Symbolsprache bzw. symbolische Sprache

Die für unsere Zwecke Verwendung findende Definition von Symbolsprache sei im Folgenden als das Medium zum Ausdruck inneren Erlebens zu verstehen. Gefühle und Gedanken werden dergestalt zum Ausdruck gebracht, als dass diese sich wie Wahrnehmungen in der Außenwelt verhalten, einer eigenen Logik und eigenem Syntax folgend, sowie besonderer Intensität und Assoziation unterliegend darstellen. Somit sind die jeweiligen, zum Ausdruck gebrachten Inhalte jener Sprache abhängig von den kulturellen und spezifischen Determinanten des Empfängers der Information, und können in Bedeutung, Sinn und Zweck variieren. (vgl. http://fromm-online.org/symbolische-sprache-sprache-symbolische/, 11.01.2017, 10:07)

Dadurch wird auch klar, dass der Begriff der subjektiven Realität als die individuelle Bedeutungszuschreibung des Individuums verstanden werden muss und eine Vielfalt an Schattierungen in der Bedeutung eines Symbols für Selbiges möglich ist.

1.3 Animismus

Da der Begriff Animismus im Verständnis von Jean Piaget als Stadium der geistigen Entwicklung im Kindesalter verstanden wird, in erweiterten Kontext aber auch als generelle Beseeltheit aller in der Natur vorkommenden Dinge verstanden werden kann, sei dieser hier gesondert erwähnt. (http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/KOGNITIVEENTWICKLUNG/PiagetmodellStufen.shtml, 11.01.2017, 10:28)

Da sich hier sowohl das Verständnis eines Kindes in einem bestimmten Alter als, auch die generelle Weltsicht eines sog. Schamanen und verschiedener naturverbundener Kulturen zum Ausdruck bringt, finden wir eine generelle Überschneidung. Eine Analogie welche im Kindesalter noch Teil der subjektiven Realität darstellt, im weiteren Verlauf jedoch leichtfertig als eher nicht ernst zu nehmendes Modell der Welt eines unreifen Charakters verstanden wird.

Geht man jedoch, wie in der Physik, davon aus, dass Materie sich nur in der Art und Weise der Organisation unterscheidet, ist es gar nicht mehr so weit hergeholt, wenn man dem uns umgebenden Universum ein gewisses Maß an Beseeltheit unterstellt. Im weiteren Verlauf finden sich hier noch weitere Mechanismen, sowohl in der Psychotherapie als auch in der modernen Physik die den Schluss nahelegen, dass durch Modifikation der die Materie organisierenden Information auch eine Veränderung der betreffenden Materie möglich wird.

So wird es verständlich, dass ein Kind welches in die Welt der Märchen eintaucht eine reichhaltige Fülle an Lebenswelten vorfindet, welche mit zunehmendem Alter und durch die beigebrachte Vernunft zusammenschrumpft und nur ein sehr beschränktes und sich in Abhängigkeiten konstruierendes Weltbild zurücklässt. Das Verzaubert-sein und die Faszination über das Leben nehmen zusehends ab und zurück bleibt oft nur ein abgestumpftes Individuum, eine leere Hülle die versucht sich ständig durch digitale Inhalte zu füllen, und sich durch das Angebot der heutigen Konsumgesellschaft „Erfüllung“ zu verschaffen versucht.

1.4 Schamane

„Ein Schamane ist ein Mann oder eine Frau, der/die – willentlich – in einen anderen Bewusstseinszustand eintritt, um mit einer normalerweise verborgenen Wirklichkeit in Berührung zu kommen und sie auszuwerten, um Wissen, Kraft und Hilfe für andere zu erhalten. Der Schamane hat wenigstens einen und meistens mehrere >Geister< zu seiner persönlichen Verfügung“ (HARNER, Michael, Der Weg des Schamanen – das praktische Grundlagenwerk zum Schamanismus, 2011, S. 53)

1.5 Spiritualität

Da die Thematik die dieser Begrifflichkeit im Allgemeinen schwer zu fassen ist, stütze ich meine Arbeit auf die von Ken Wilber veröffentlichten Definitionen in seinem Werk Integrale Psychologie. In jener Arbeit spricht Wilber von Entwicklungslinien die er in weiterer Folge zu den Entwicklungslinien im Kindesalter in Beziehung setzt und demnach den nötigen Unterbau zur Stützung meiner Hypothese darstellt.

Die Definitionen laut Wilber wie folgt:

Definition 1

„Spiritualität bezieht sich auf die höchsten Ebenen aller Entwicklungslinien.

In dieser Definition bedeutet „Spiritualität“ im Grunde die transpersonalen, post-postkonventionellen Ebenen aller Linien, als da sind: unsere höchsten kognitiven Fähigkeiten (z.B. transrationale Intuition), unsere am weitesten entwickelten Affekte (z.B. transpersonale Liebe), unsere höchsten moralischen Absichten (transzendentales Mitgefühl für alle Lebewesen), unser weitest-entwickeltes Selbst (das transpersonale Selbst oder der überindividuelle Zeuge) und so weiter.¹ Bei diesem Gebrauch folgt Spiritualität (oder dieser bestimmte Aspekt von Spiritualität) ganz entschieden einem schrittweisen oder stufenähnlichen Verlauf, weil sie per definitionem mit den post-postkonventionellen Stufen in allen einzelnen Entwicklungsströmen identisch ist. Das ist ein sehr verbreiteter Wortgebrauch, der jene Aspekte der Spiritualität widerspiegelt, die die allerhöchsten Fähigkeiten, die edelsten Motive, die besten Absichten verkörpert, die fernen Höhen der menschlichen Natur, die wachsende Spitze, die vorderste Front – alles das weist zu den höchsten Ebenen auf allen Linien.“ (WILBER, Ken, Integrale Psychologie, 4. Korr. Auflage, 1. Broschierte Ausgabe 2012, S. 150 f.)

Definition 2

„Spiritualität ist die Gesamtsumme der höchsten Ebenen der Entwicklungslinien.

Diese Definition ähnelt der vorigen, aber mit einem kleinen (und doch wichtigen) Unterschied. Diese Definition betont die Tatsache, daß die Gesamtsumme der höchsten Stufen jener Linien keine solche stufenähnliche Entwicklung zeigen würde, auch wenn die individuellen Linien sich hierarchisch entfalten. Wie „Gesamtentwicklung“ und Entwicklung des „Gesamtselbst“ wäre „spirituelle Gesamtentwicklung“ nicht stufenähnlich. (Angenommen es gäbe zehn Entwicklungslinien, angenommen die post-postkonventionellen Stufen jener Linien sind die, die wir „spirituelle“ nennen: Jemand könnte dann post-postkon Fähigkeiten auf Linien 1 und 5 Entwickeln. Jede dieser Linien ist hierarchisch, aber die Gesamtsumme folgt offensichtlich überhaupt keiner festen Schrittfolge.) Der spirituelle Weg jedes Menschen ist mit anderen Worten radikal individuell und einzigartig, auch wenn die besonderen Kompetenzen an sich vielleicht einem genau definierten Weg folgen. (Man beachte aber, daß bei dieser Definition, eben weil die Entwicklungslinien selbst immer noch stufenähnlich sind, die Entwicklung in jeder dieser Linien getestet werden könnte.) Ich glaube, daß diese Definition, wie überhaupt alle, auf einige sehr reale und wichtige Aspekte von Spiritualität hinweist, Aspekte, die jede vollständige Definition von Spiritualität enthalten müßte.“ (WILBER, Ken, Integrale Psychologie, 4. Korr. Auflage, 1. Broschierte Ausgabe 2012, S. 150 f.)

Definition 3

„Spiritualität ist selbst eine Entwicklungslinie für sich.

Offensichtlich würde in diesem Fall spirituelle Entwicklung eine Art stufenähnliche Entfaltung zeigen, da eine Entwicklungslinie per definitionem Entwicklung zeigt.² Ich habe zwei Dutzend Theoretiker aus Ost und West auf den Tafeln 6a-c zusammengetragen, die überzeugendes und manchmal massives Belegmaterial dafür anführen, daß wenigstens einige Aspekte von Spiritualität schrittweise oder stufenähnliche Entwicklung durchmachen. Das schließt die meisten der verschiedenen Wege der Meditation in Ost und West ein. In allen diesen Fällen zeigen diese Aspekte von Spiritualität holarchische schrittweise Entwicklung (obwohl das wieder Regressionen, Spiralen, temporäre Vorwärtssprünge oder Gipfelerfahrungen von irgendeinem der Hauptzustände nicht ausschließt).“ (WILBER, Ken, Integrale Psychologie, 4. Korr. Auflage, 1. Broschierte Ausgabe 2012, S. 150 f.)

Definition 4

„Spiritualität ist eine Haltung (wie Offenheit oder Liebe), die man auf jeder Stufe haben kann, auf der man gerade ist.

Dies ist wahrscheinlich die populärste und verbreitetste Definition. Nichtsdestoweniger hat es sich als sehr schwierig erwiesen, sie zu definieren oder auch nur zusammenhängend wiederzugeben. Wir können nicht leicht sagen, daß die verlangte Haltung Liebe ist, weil Liebe, dem größten Teil der Forschung entsprechend, dazu tendiert (wie andere Affekte), sich von egozentrischen über soziozentrische und weltzentrischen Modi zu entfalten; und deshalb ist diese Haltung nicht auf allen Ebenen ganz präsent, sondern sie entwickelt sie eher selbst (wollen wir wirklich egozentrische Liebe „spirituell“ nennen?). „Offenheit“ ginge vielleicht, aber wieder stellt sich die Frage: Zeigt sich die Fähigkeit zu Offenheit selbst einfach voll ausgebildet oder entwickelt sie sich? Und wie „offen“ kann ein präkonventionelles Individuum überhaupt sein, wenn er oder sie noch nicht einmal die Perspektive eines anderen Menschen einnehmen kann?

„Integration“ würde passen – der Grad, zu dem Linien, gleich welche, integriert oder ausgewogen sind -, aber in meinem System ist das einfach ein anderer Name für das, was das Selbst tut, und das ist nicht etwas spezifisch „Spirituelles“. Auf jeden Fall glaube ich, daß dies eine legitime Definition ist, aber bisher sind stimmige Beispiele für sie selten gewesen.“ (WILBER, Ken, Integrale Psychologie, 4. Korr. Auflage, 1. Broschierte Ausgabe 2012, S. 150 f.)

Definition 5

„Spiritualität bezieht sich im Grunde auf Gipfelerfahrungen, nicht auf Stufen.

Das ist sicher in vielen Fällen wahr, und Gipfelerfahrungen (oder Zustände veränderten Bewußtseins) zeigen gewöhnlich keine Entwicklung oder stufenähnliche Entfaltung. Sie sind vorübergehend, temporär. Mehr noch, Zustände, anders als Strukturen, sind zum größten Teil nicht miteinander kompatibel. Man kann nicht betrunken und nüchtern zugleich sein.

(Das ist ziemlich anders als bei Strukturen, die, weil sie transzendieren und umfassen, koexisitieren können: Zellen und Moleküle können zusammen existieren, die einen die anderen umfassen – weshalb es zu Wachstum und Entwicklung mittels Strukturen, nicht Zuständen, kommt, obwohl letztere an sich signifikant sind und direkte Auswirkung auf Entwicklung haben können.) Wenn die Definition von Spiritualität eine Gipfelerfahrung ist, dann impliziert das deshalb nicht an sich schon eine stufenähnliche Entfaltung.

Auf jeden Fall kann man, wie früher vorgeschlagen, Gipfelerfahrungen näher untersuchen und sehen, daß es allgemein psychische, subtile, kausale und nichtduale Gipfelerfahrungen gibt, die durch archaische, magische, mythische und rationale Strukturen interpretiert werden – und jede von diesen zeigt eine stufenartige Entwicklung. Und doch ist dies eine wichtige Definition von Spiritualität, und sie zeigt, daß praktisch auf jeder Entwicklungsstufe Gipfelerfahrungen des transpersonalen Bereiches möglich sind. Doch in dem Maße, in dem diese temporären Zustände in dauerhafte Züge umgewandelt werden, werden sie zu Strukturen, die Entwicklung zeigen. (Ich werde in die Anmerkung eine Diskussion eines plausiblen Mechanismus für diese Verwandlung aufnehmen: Das Selbst verarbeitet temporäre Erfahrung, um holistische Struktur zu produzieren.)⁴“ (WILBER, Ken, Integrale Psychologie, 4. Korr. Auflage, 1. Broschierte Ausgabe 2012, S. 154 f.)

Inwieweit diese Definitionen auf den Faktor Spiritualität in der Kindheit zutreffen erläutert Wilber im einem anderen Kapitel desselben Werks auf das ich ihm Rahmen meines Fazits zu sprechen komme.

Fußnoten 1

Im Anhang auf S. 24 f.

¹ Ken Wilber, Integrale Psychologie, Anmerkungen, 10 Spiritualität: Stufen oder nicht? S. 289

² Ken Wilber, Integrale Psychologie, Anmerkungen, 10 Spiritualität: Stufen oder nicht? S. 289

4 Ken Wilber, Integrale Psychologie, Anmerkungen, 10 Spiritualität: Stufen oder nicht? S. 290

2. Allgemeine und häufig vorkommende Symbole in Märchen

(vgl. VON BONIN, Felix, Schamanismus und Märchen - Eine schamanische Reise durch den Zauberwald der Seele, 2003)

Da Märchen sich im Rahmen der grundlegenden Konflikte des menschlichen Zusammenlebens abspielen finden sich hierbei vielerlei Symbole die unabhängig vom Kulturellen Rahmenbedingungen ihre Bedeutung entfalten. Einige dieser grundlegenden und immer wiederkehrenden Motive sind im Folgenden kurz angeführt.

Wege

Jedes Märchen, egal in welchem Wortlaut es beginnt, zeichnet grundsätzlich den Verlauf einer Reise, einer Entwicklung der Persönlichkeit zu einem vollständigeren Wesen. Der Held verlässt die vertraute Umgebung, oftmals auch aus einer Notsituation heraus und riskiert die verbliebene Sicherheit von Leib und Leben um sich aus widrigen Umständen zu befreien.

Helferwesen und Hilfsgeister

Diese begegnen dem Helden/der Heldin entweder auf dem Weg oder bestärken diese(n) überhaupt erst aufzubrechen und zum Wandel der eigenen Situation beizutragen. Oftmals handelt es sich um die Geister verstorbener Angehöriger (Aschenputtel) oder auch um Tierwesen, welche die entsprechenden Informationen im Form von Ortskundigkeit oder auch Zaubersprüchen zur Verfügung stellen sowie als Reittiere fungieren. Hierbei kommt es häufig vor, dass selbst Tiere die aufgrund ihrer Größe und Beschaffenheit gar nicht als Reittier geeignet erscheinen, diese Funktion auf zauberhafte Weise übernehmen und uns den Hinweis geben, dass sich die Geschichte bereits ins magischen Gefilden abspielt und somit die Beschränkungen der rationalen Alltagswelt bereits überwunden wurden.

Opfermotive

In vielen Märchen finden sich die Helden in Situationen wider, in denen sie aufgerufen sind das wenige an Hab und Gut aufzuteilen und zu „opfern“ um ihre Reise fortsetzen zu können. Angefangen von Speise- über Geldopfer bis hin zum Verschleiß der eigenen Ausrüstung oder dem sich erschöpfenden Reittier entscheidet sich an jener Stelle der Verlauf der weiteren Reise.

Eine weitere häufig auftretende Variante eines Opfermotives stellt auch die zu erbringende Arbeitsleistung des Helden dar. Dies kann vom Schütteln eines Baumes bis hin zum Töten einer Bestie variieren und stellt den Helden in Puncto Mut und Entschlossenheit auf die Probe.

Initiation

Eine deutliche Auffälligkeit der meisten Märchen zeigt sich auch in der Tatsache, dass die Helden in diesen Erzählungen nur selten die Kräftigsten und Herausragendsten ihrer Zeit und örtlichen Gegebenheit sind. Meist handelt es sich um die Stiefkinder, die Jüngsten und Gebrechlichsten sowie die Verlassenen und Verstoßenen. Im Verlauf der Geschichte entfaltet der Held/die Heldin jedoch notgedrungen das ihm/ihr innewohnende Potential und wird im Zuge dessen erst zu jenem Helden/jener Heldin welche erforderlich ist.

Magische Ausrüstungsgegenstände, Schmuck, Kleidungsstücke

Diese begegnen und im Rahmen vieler Märchen als Quellen der Kraft einzelner Helden oder aber auch deren Widersacher. Wenn diese nicht zuerst gestohlen werden müssen um die weiteren Herausforderungen zu überwinden, so werden sie meist von höheren Wesen oder direkt aus der Anderswelt empfangen. Je unscheinbarer desto mächtiger und natürlich immer den Erfordernissen der jeweiligen Erzählung angepasst, sind jene Gegenstände oftmals auch dazu determiniert sich im weiteren Verlauf aufzubrauchen oder sich zu erschöpfen. Ein sehr passendes Beispiel an dieser Stelle ist beispielsweise die Wunderlampe des Aladin, welche nur über ein beschränktes Kontingent für den jeweiligen Besitzer verfügt, nach der Weitergabe jedoch erneut in voller Kraft für den nächsten Helden verfügbar wäre.

Besonderer Bedeutung kommt hierbei auch den Unmengen an Zauberringen zu, wovon einer der Bekanntesten wohl der „Ring der Macht“ aus JRR. Tolkiens Werken „Der Herr der Ringe“ und „Der kleine Hobbit“ ist. Die Symbolkraft des Ringes als Bildnis für Immerwährendes und aneinander Gebundenes welches die Geschicke ganzer Völker und Nationen über Generationen hinweg beeinflusst und zu lenken vermag.

Der Apfel

Die Einfachheit und Vielseitigkeit einiger Symbole findet sich wohl am deutlichsten im Sinnbild des Apfels. Als Symbol der Fruchtbarkeit und dem Erhalt des Lebens übernimmt der Apfel oftmals die Funktion eines Ritualgegenstandes. Gleichgültige ob er nun den Tod oder langanhaltenden Schlaf über einen der Protagonisten bringt, als Sinnbild des Werdens und Vergehens dargestellt wird oder einfach nur zum Teilen und als Opfergabe Verwendung findet. Die Einfachheit in diesem Symbol birgt für uns auch den Hinweis, ähnlich wie beim Ring, dass die Größe und Beschaffenheit eines Objektes nicht zwingend über dessen Potential Auskunft gibt und oftmals die kleinen, simplen Objekte als reich beladene Kraftgegenstände fungieren können.

Die Schöpferkraft des Wortes – Zaubersprüche

Was in Märchen noch als Zaubersprüche Bedeutung findet ist in unserer heutigen Zeit zu Metaphern und Sprichwörtern verkommen. Der Wahrheitsgehalt und die Essenz ist teilweise noch erhalten geblieben, jedoch wird deren Wirkung auf die Psyche des Menschen zusehends unterschätzt und gilt oftmals nur noch als rechtfertigender Kommentar zu einer gewissen Situation. Hier findet sich der Hinweis auf die bereits erwähnte „Symbolische Sprache“ wieder, wo der Mensch es vermag die Beschaffenheit einer Situation oder eines Ereignisses in symbolbeladene Worte zu fassen und diese zuzuordnen. Dies geschieht mittlerweile eher unbewusst und kann für uns der Hinweis auf die in den Tiefen unserer Psyche verschütteten Bezugspunkte zu den gängigen Symbolen und der Symbolsprache sein.

Felix von Bonin erwähnt in diesem Zusammenhang die Beschaffenheit der aktuellen Gesellschaft wie folgt:

„Nicht von ungefähr erlebt sich der moderne Mensch als abgespalten, losgelöst, haltlos, getrennt, ausgestoßen – trotz der Unmengen an Wörtern und Phrasen, welche die Mediengesellschaft und jeder Einzelne tagtäglich in seiner Kommunikation produziert – seltsam isoliert, unberührt, abgestumpft. Die Kommunikation ist zum Industriegut, zur Kulturtechnik verkommen: In der Massenproduktion von Wörtern, Sätzen, dieser globalen Logorrhö ist das dem Wort inhärente Numinose seine Schöpferkraft (M. Kahir) verlorengegangen. Das Wort verkam zur bloßen Hülse, wurde seines Zaubers und somit seiner magischen Wirkung beraubt. Die Wortmassen und Superlativa, die kilometerlangen Buchreihen und Zeitschriftenberge, die Weiten des Internet sind in ihrer naiven Bemühtheit ein fast rührend anmutender wenngleich völlig abstruser Versuch, jenes Vakuum an Essenz zu kompensieren, das die Abstoßung von Mystik und Magie aus unserem Bewusstsein nach sich zog. Gleichwohl ließe sich sagen: die Essenz des Wortes ging uns verloren, da das Numinose, der Logos, der innere Name nicht in der Wach- und Lebenswelt unseres Bewusstseins erfahren werden kann, Bewusst-seins-Erfahrungen außerhalb der Wach- und Lebenswelt von ebendieser schlichtweg negiert werden.“ (VON BONIN, Felix, Schamanismus und Märchen - Eine schamanische Reise durch den Zauberwald der Seele, 2003, S. 178)

3. Die germanische und die schamanische Kosmologie

Die wohl augenscheinlichste Gemeinsamkeit findet sich wieder im Sinnbild des Weltenbaumes wider. In der germanischen Mythologie handelt es sich hierbei um die Weltenesche namens „Yggdrasil“ an dessen Wurzeln, dem Stamm und natürlich den Ästen sich die verschiedenen Welten befinden. Diese werden, gleich wie in der schamanischen Kosmologie in eine „Untere“ eine „Mittlere“ und eine „Obere“ Welt unterteilt, die in sich die verschiedenartigen Wesen beherbergen.

Die Obere Welt als Heimat der Götter, der Licht- und Engelswesen und, bis auf wenige Ausnahmen, all jener Charaktere die sich um Macht und Kontrolle über die in den tiefer liegenden Welten befindlichen Wesenheiten bemühen.

Die Mittlere Welt, in welcher sich vor Allem die Menschen befinden, ebenso die Pflanzen- und Tierwesen die ihrerseits, je nach Spezies, über Möglichkeiten verfügen in die Oberen und Unteren Welten einzudringen und diese zu besuchen, um daraus Informationen und Kraft für ihre eigenen Zwecke zu generieren.

Die Untere Welt, in welcher sich zu allererst all jene Wesen befinden die den elementaren Kräften entspringen. So sind es Kobolde und Naturwesen, Riesen und Fabelwesen, welche in ihren Höhlen Hausen und danach trachten Einfluss in die darüber liegenden Ebenen zu nehmen.

Somit wird die Mittlere Welt in der wir Menschen leben zur Brücke und zum Kanal in welchem sich die Einflüsse der Oberen und Unteren Welten manifestieren. Für den gewöhnlichen Menschen, welcher nur in Extremsituationen wie beispielsweise Nahtoderfahrungen die gewohnte Mittlere Welt verlassen kann, erwecken jegliche Einflüsse aus dem Jenseits natürlich den Eindruck des Magischen und Mythischen. Entwicklungen auf welche als einfacher Bauer oder Bürger nicht direkt eingewirkt werden kann und dieser sich so als Spielball übernatürlicher Mächte wiederfindet.

Diese Mittlere Welt ist auch die sogenannte Alltagsrealität des Schamanen, in welcher auch er als normaler Mensch den Gesetzen der Natur erbarmungslos ausgeliefert ist. Dennoch verfügt er über Wissen und Werkzeuge wie sich die Barrieren zwischen den Welten überwinden lassen und nutzt diese, um für sein direktes Umfeld, zumindest jedoch für das Wohl im gesamten kosmischen Gefüge, Sorge zu tragen, Heilung und Veränderung sowie Segen und Fruchtbarkeit zu erbitten.

Als Vermittler zwischen den Welten angesehen, unternimmt er in seiner physischen Gestalt versunken Trancereisen, lässt sich beseelen von den Geistern und Wesenheiten der jenseitigen Welten und fungiert als Bote und Mittler. Ähnlich wie im Märchen hat der Praktizierende die Möglichkeit Hilfsgeistern zu begegnen, deren Hilfe zu erbitten und Botschaften aus den jenseitigen Welten in die Mittlere Welt zu überbringen.

Die aus diesen beiden verschiedenen Weltanschauungen zu erkennenden Wesenheiten und Gottheiten, erfüllen ihrerseits oftmals auch gewisse Funktionen und Aufgaben die ihnen von hierarchisch übergeordneten Instanzen zugeteilt wurden. Dass durch die fortschreitende Christianisierung eine gründliche Auslese dieser Fülle an Personifizierung vorgenommen wurde, begründet die heutige gängige Realitäts- und Weltanschauung und reduziert dies folglich in eine bipolare Einfachheit von Gut und Böse, die weder der Kosmologie der Germanen, noch jener der Schamanen auch nur ansatzweise gerecht werden kann. So ist es ganz normal, dass jegliches „Glauben“ und streben nach spiritueller Weiterentwicklung hinter vorgehaltener Hand meist nur belächelt und vom Großteil der Gesellschaft nicht wirklich ernst genommen wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Symbole in Märchen. Ein Heranführen der kindlichen Seele an die Spiritualität
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Erziehungs- und Bildungswissenschaften)
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V416907
ISBN (eBook)
9783668664562
ISBN (Buch)
9783668664579
Dateigröße
877 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Märchen, Spiritualität, Schamanismus
Arbeit zitieren
Nikolaus Ladner (Autor:in), 2017, Symbole in Märchen. Ein Heranführen der kindlichen Seele an die Spiritualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416907

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