Die Mode der Frau im Kontext des kulturellen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland

Ein Vergleich zwischen den 50er, 70er und 90er Jahren


Term Paper (Advanced seminar), 2015
15 Pages, Grade: 1,3

Excerpt

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2. Die Fünfzigerjahre
2.1 Überblick über politische und soziale Strukturen
2.2 Die Modewelt der BRD
2.3 Trends und Erscheinungsformen
2.4 Mode als Werkzeug im kulturellen Kontext

3 Die Siebzigerjahre
3.1 Überblick über politische und soziale Strukturen
3.2 Damenmode zwischen Protest und Anpassung

4. Die Neunziger Jahre
4.1 Überblick über politische und soziale Strukturen
4.2 Modische Orientierungssuche

5 Fazit

6. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Erscheinungsformen der Mode sind keine zufälligen Auswüchse ohne Bedeutung, sondern sagen auch immer etwas über die jeweilige Epoche aus.“[1]

Dieses Zitat von Carlo Michael Sommer und Thomas Wind sollte für die Erstellung dieser Arbeit zum Leitsatz dienen. Mode ist und war immer ein Mittel der Kommunikation, die etwas über seinen Träger, aber auch immer etwas über die Kultur aussagt, in der er sich bewegt. In dieser Arbeit habe ich mein Augenmerk auf die 50er, die 70er und die 90er Jahre des vergangenen Jahrtausends gelegt, indem ich die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Hintergründe der jeweiligen Epoche betrachtet und versucht habe, diese auf die Erscheinungsformen der Mode abzugleichen. Das Ziel dabei war es, anhand der jeweiligen Modetrends herauszufinden, was den Menschen bewegt hat, welche Wünsche er hatte und wer er sein wollte. Dabei habe ich mich auf das kulturelle Leben der Frau zwischen 15 und ungefähr 40 Jahren beschränkt. Eine Unterstützung war mir hierfür neben der Literatur von Carlo Michael Sommer und Thomas Wind, Werke von Ingrid Loschek, Andreas Schulz, dem Herausgeber Werner Faulstich und eine Originalquelle von Lilo Aureden aus dem Jahre 1955. Desweiteren und wurden zwei Zeitzeugen für unsere Recherchen interviewt. Zum einen stand uns Loretta Wullenweber zur Verfügung, die 1937 in Hamburg geboren und dort nach dem Krieg in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen ist. Unsere Zeitzeugin für die 70er Jahre war Birgit Waldt, die 1955 in Mainz geboren ist.

2. Die Fünfzigerjahre

2.1 Überblick über politische und soziale Strukturen

Die Fünfzigerjahre in Deutschland gelten heute als das Jahrzehnt des wirtschaftlichen und sozialen Umbruches. Besonders die erste Hälfte der 50er war noch stark von dem Zweiten Weltkrieg geprägt, der bis 1949 anhielt und vor allem in den Großstäten seine Spuren hinterließ. Die wirtschaftliche Lage war noch sehr angespannt. Grund dafür waren u.a. die Flüchtlinge aus dem Osten, die durch teilweise komplett zerbombte Städte basierende Wohnungsnot, die Arbeitslosigkeit und die mangelnde Schul- und Berufsausbildung der verbliebenden Deutschen nach dem Krieg.[2] Die Menschen hatten vorrangig noch mit dem Aufbau der Städte zu tun und der Großteil der Bevölkerung hatte nur wenig Geld zur Verfügung. Da die Hungersnot während des Krieges überstanden war und Lebensmittel keine Mangelware mehr in den Geschäften waren, wurde nun das vorhandene Geld vor allem für Existenzbedürfnisse ausgegeben. So wurde die erste Hälfte der Fünfziger Jahre von der Bevölkerung auch als die sogenannten „Fressjahre“ bezeichnet.

Allerdings ließ der wirtschaftliche Aufschwung nicht lange auf sich warten. Ab 1949 wurde die Bundesrepublik von dem ersten deutschen Bundeskanzler, Konrad Adenauer (1876 – 1967) zusammen mit der CDU, SCU, FDP und der Rechtskonservativen Partei regiert. 1951 kam es in der BRD zur Einführung der freien Marktwirtschaft durch den Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard (1887 – 1977). Mit der sogenannten Adenauer-Ära und vor allem durch die Anbindung der BRD an den Westen, insbesondere an die USA wurde eine Phase ermöglicht, die als das Wirtschaftswunder der Fünfziger Jahre bekannt ist. Die Industrieproduktion weißt ab 1954 hohe Zuwachsraten auf und die Vollbeschäftigung war nahezu erreicht, sodass sogar Gastarbeiter aus dem Ausland geholt werden mussten.[3] Auch das allgemeine Befinden und die Kaufkraft der Bevölkerung erholten sich mit dem Wirtschaftlichen Aufschwung. Die Menschen hatten durch ein gesichertes Arbeitsverhältnis wieder Lust sich etwas zu gönnen; Nachdem in den Fressjahren vorrangig Lebensmittel gekauft wurden, erfreute man sich im Verlauf der Fünfziger Jahre nun auch daran, sich mal ein paar schöne Möbel zu gönnen, in den Urlaub zu fahren, sich ein Auto anzuschaffen oder sich neu einzukleiden. So verwendete der durchschnittliche deutsche Haushalt im Jahre 1950 13,5% seines Einkommens für Mode. 1554 waren es schon 14,7%.[4] Musikalisch zog der Rock’n’Roll aus Amerika in die deutschen Tanzsäle ein, zu dem vor allem die Jugend tanzte. Aber auch Heimatmusik u. Schlager waren nach wie vor weit verbreitet und beliebt.

Aber wenn man sich einmal damit beschäftigt, was das Bewusstsein der Durchschnittsbürger bewegt hat, bzw. einen großen Stellenwert für das persönliche Leben hatte, erkennt man, dass der Wunsch nach Rückkehr in die bürgerliche „Normalität“ der Vorkriegszeit und der Wiederherstellung sicherer Lebensverhältnisse trotz des neuen Wohlstandes existent war, wie eh und je. Dies machte sich vor allem dadurch bemerkbar, dass der Drang nach einer Familiengründung, psychisch bedingt durch die zerrütteten Familien durch den Krieg, bei den jungen Frauen in den fünfziger Jahren äußerst stark war. So wurde als Grund zur Eheschließung der Kinderwunsch an erster Stelle genannt und 70-75% aller Eheschließungen in den 50er Jahren basierten auf voreheliche Schwangerschaften.[5] „Die fünfziger Jahre erwiesen sich damit auch in der Entwicklung ihres äußeren Erscheinungsbildes als Übergangsjahrzehnt zwischen Armut und Wohlstand, Reglementierung und Freizügigkeit, Enge und Weltoffenheit“[6]

2.2 Die Modewelt der BRD

Die Fünfziger Jahre werden von vielen Autoren als das Jahrzehnt der Mode betitelt. Da der Krieg die Herstellung von Kunstfasern stark beschleunigt hatte, durchbrachen verbesserte Herstellungsmethoden und neue Kunst- oder Mischfasern wie Perlon (Als sensationelle Neuheit galt der Perlonstrumpf für die Dame), Dralon oder Treira die deutsche Textilindustrie. Diese neuen, pflegeleichten und zudem preiswerteren Stoffe machten modische Kleidung auch für den kleinen Geldbeutel, bzw. für die Frau aus der Arbeiterschicht erschwinglich. Dementsprechend fanden Textilien wie nie zuvor Einzug auf die Kleiderstangen der großen Kaufhäuser wie z.B. Karstadt oder Peek&Cloppenburg. Die Modeindustrie galt für West-Berlin als eines der wichtigsten Wirtschaftszweige, wofür auch u.a. die Jugendlinien verantwortlich waren, die erstmals eigene Abteilungen in den Kaufhäusern bekamen.[7] Aber nicht nur die neuen Materialien, sondern auch der allmähliche Einzug der Waschmaschinen in die deutschen Haushalte bewirkten für den weiteren Verlauf des Jahrzehnts und darüber hinaus einen langsamen Wandel der Kleidergewohnheiten. Da man es sich nun erlauben konnte, die Kleidung öfter zu wechseln, konnte man nun auch öfter zu modischer, anstatt nur zu praktischer Kleidung greifen.

Natürlich wurde die Mode gerade in der ersten Hälfte der Fünfziger Jahre von der Armut in Deutschland und der damit verbundenen Notwendigkeit geprägt. Loretta Wullenweber erzählt beispielsweise von den damals gängigen „2 in 1 – Kleidern“. Man konnte also zwei kaputte und alte Kleider zu den bestimmten Geschäften bringen, die daraus ein neues genäht haben.[8] Ein anderes Beispiel sind die blau-weißen „Dönitz-Kleider“, die die Frauen aus den Bettbezügen der Soldaten auf See geschneidert haben.

„Bei der Umsetzung der Haut Couture in tragbare Mode spielten die Modezeitschriften wie „Burda“, „Constanze“ oder „Praline“ eine große Rolle. Nicht nur indem sie über die neuesten Linien und Trends informierten, sondern auch Schnittmuster-Dienste, die es möglich machten, Mode selbst zu schneidern. Wer das nicht konnte, ließ bei seiner Haus-Schneiderin nähen, das hatte nichts Exklusives“[9]

2.3 Trends und Erscheinungsformen

Für die Frau der 50er Jahre gab es zwei modische Hauptrichtungen. Die dominantere war die damenhafte, schmale Linie. Daneben existierte die Jugendlich-beschwingte Linie für die etwas jüngeren Frauen. Die Mode der Dame war bewusst feminin. Die Weiblichkeit stand hier im Vordergrund und man wollte sich noch ganz klar von der Mode des Mannes abgrenzen. Dies funktionierte mit stark körperbetonten taillierten Kleidern und Kostümen, entweder eng anliegend oder in A-Linie, um die schmale Taille und die weiblichen Hüften zu betonen. In ihrer Freizeit, beim Einkaufen und beim Kaffeeklatsch trugen die Frauen Hemdblusenkleider, enge Jersey-Blusen, Twinsets oder eng anliegende Pullover. Hervorgehoben sollte hier stets die Oberweite im Gegensatz zur schmalen Taille sein. Für den Winter trug man Mäntel mit Kragen in Dreiecksform, die die ganze Schulter bedeckten. Unverzichtbar für die elegante und moderne Dame in den 50er Jahren war das Kostüm. Dieses war bestehend aus einer figurbetonten Jacke und einem gleichfarbenden Bleistiftrock, der eine mit Stoff unterlegte „Diorfalte“ hatte, damit man sich darin bewegen konnte.[10] Für den Abend durfte das eng anliegende Abendkleid in keinem Kleiderschrank fehlen. Ebenso erlebten die sogenannten Cocktailkleider ihr Hoch in diesem Jahrzehnt.[11] Farblich erfreute man sich mehrheitlich an leichten, freundlichen Pastelltönen wie hellblau, rosa, beige oder sonnengelb. Die etwas mutigere Dame griff allerdings auch gerne mal zu kräftigeren rot- und blau Tönen. Zu dem eleganten und stilvollen Outfit gehörte selbstverständlich auch der richtige Schmuck. Hier konnte es ruhig ein bisschen mehr sein; üppige Perlenketten und Perlenarmbänder wurden zu großen, auffälligen Ohrringen getragen. Beliebt waren insbesondere Kopfbedeckungen in allen Farben, Mustern und Variationen, ob als Hut oder Tuch, das einmal um den Kopf gewickelt, und über der Stirn gebunden wurde.

Bei den Jugendlichen Mädchen der 50er Jahre bildet sich eine eigene Modelinie heraus, die als „Jugendlich-beschwingte-Linie“ galt und sich vor allem durch das Tragen von weiten, schwingenden Röcken, den Petticoats auszeichnete. Diese waren meistens aus gerafftem Perlontüll, der in mehreren Lagen übereinander verarbeitet wurden.[12] Loretta Wullenweber erinnert sich daran, dass die jungen Mädchen in ihrem Alter alle Petticoats in Rot, Gelb oder Blau mit großen weißen Punkten trugen. Dazu trug man ebenfalls Blusen oder Pullover. In der Freizeit konnten junge Mädchen zur Capri-Hose greifen, ohne Stretch, deswegen mit Schlitz zum Reinkommen. Als Schuh trugen die Mädchen an warmen Tagen Ballerinas, im Winter Stiefel oder Stiefeletten.[13] Von den jungen Mädchen wurde vor allem Audrey Hepburn als Modevorbild verehrt. Sie stand mit ihren engen Hosen und viel zu weiten Pullovern für den Gegentyp zur damenhaften Mode a la Marilyn Monroe.[14] Die Jugend war inspiriert von den Vorbildern aus Film und Fernsehen und versuchte diese modisch zu kopieren. Insbesondere flossen allerdings die neuen und sehr angesagten Einflüsse des aus den USA nach Deutschland schwappenden Rock`n Roll in den jugendlichen Kleidungsstil mit ein.

[...]


[1] Sommer, Carlo Michael; Wind, Thomas: Mode: die Hüllen des Ich, Weinheim 1988. S.107.

[2] Vgl. Loschek, Ingrid: Fashion of the century. Chronik der Mode von 1900 bis heute, Battenberg 2001(4). S.168.

[3] Vgl. Loschek 2001 (4) S.171.

[4] Vgl. Faulstich, Werner (Hrsg.): Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Kultur der 50er, München 2007 (2) S.130.

[5] Vgl. Schulz, Andreas: Lebenswelt und Kultur des Bürgertums im 19. und 20. Jahrhundert, München 2005 S.43.

[6] Faulstich 2007(2). S. 143

[7] Vgl. Loschek, Ingrid: Mode im 20. Jahrhundert. Eine Kulturgeschichte unserer Zeit, München 1978. S. 214.

[8] Vgl.Wullenweber Loretta, persönliches Gespräch. 24/06/2015.

[9] Faulstich 2007. S.135.

[10] Vgl. Faulstich 2007. S. 137.

[11] Vgl. Loschek 1978. S. 220.

[12] Vgl. Faulstich 2007. S.141.

[13] Vgl.Wullenweber Loretta, persönliches Gespräch. 24/06/2015.

[14] Vgl. Faulstich 2007. S.141.

Excerpt out of 15 pages

Details

Title
Die Mode der Frau im Kontext des kulturellen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland
Subtitle
Ein Vergleich zwischen den 50er, 70er und 90er Jahren
College
University of Flensburg  (Institut für Geschichte und Ihre Didaktik)
Course
Kulturgeschichte der BRD
Grade
1,3
Author
Year
2015
Pages
15
Catalog Number
V416949
ISBN (eBook)
9783668663886
ISBN (Book)
9783668663893
File size
569 KB
Language
German
Tags
Mode, Frau, Kulturgeschichte, Kultur, 50er, 70er, 90er, Kleidung, Statement, BRD, Emanzipation, Ausdrucksmöglichkeit, Geschlechterrollen, Gender, Mainstreem, Fünfigerjahre, Nachkriegszeit, Selbstdarstellung
Quote paper
Melanie Köster (Author), 2015, Die Mode der Frau im Kontext des kulturellen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416949

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