Unter Leitmotiven wie "Vielfalt leben" oder "Kindergerechtes Deutschland" entfalten sich in Deutschland Aktivitäten, damit alle Kinder - behindert oder nicht-behindert, Junge oder Mädchen, Kinder aus Migrantenfamilien oder im Zielland geborene Kinder - gut heranwachsen können und jedes die gleichen Chancen erhält. Denn letztendlich sind alle Menschen, Kinder und Erwachsene, gleich.
Aber ist dies wirklich so? Haben behinderte Menschen die gleichen Berufs- oder Schulchancen wie die "Normalen"? Ist es nicht so, dass wir Menschen mit Handicaps anders oder gar zurückweichender begegnen als wir es eigentlich tun sollten?
Aus Sicht von Menschen mit Behinderungen beziehungsweise mit einem spezifischen Unterstützungsbedarf hat leider auch heute noch die Mehrheit der Bevölkerung Vorurteile gegenüber Behinderten. Auch der Blick auf die Zahl der Kinder, die aufgrund ihres Handicaps auf separate Schule geschickt werden, zeigt: Selbst im 21. Jahrhundert besuchen rund 82 Prozent aller Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf extra eingerichtete Förderschulen. Denn leider werden diese Kinder in den allgemeinen Schulen immer noch Großteils als nicht selbstverständlich erwartet.
Die Exklusion beginnt damit bereits im frühen Kindesalter. Dabei sollten gerade Schulen wie die Fläming-Schule in Berlin vom Gegenteil überzeugen: Sie ist eine inklusive Schule für alle Kinder und Jugendlichen, in der sie gemeinsam lernen können, ohne dass sie aufgrund ihrer individuellen Besonderheiten voneinander getrennt werden.
Mit der 2009 unterzeichneten UN-Behindertenrechtskonvention geriet in Deutschland das Thema "Inklusion" immer mehr in den Blickpunkt. Mit der Unterzeichnung des Dokuments hat sich Deutschland dazu verpflichtet, sein Schulsystem inklusiv zu gestalten und behinderten Kindern den Besuch einer allgemeinbildenden Schule zu ermöglichen. Doch auch wenn es einige Beispiele gibt, wie die oben genannte Fläming-Schule in Berlin, ist das Gebiet der Inklusion in Deutschland noch nicht wirklich weit fortgeschritten trotz erster Ansätze. Aber was ist Inklusion eigentlich und wie sieht die Situation in Deutschland, speziell in Bayern aus?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung: Integration vs. Inklusion
2.1 Der Integrationsbegriff
2.2 Der Inklusionsbegriff
2.3 Unterscheidung: Integration und Inklusion auf schulischer Ebene
3. Kurze Geschichte und Entwicklung der Inklusion
3.1 Die Salamanca- Erklärung von 1994
3.2 Die UN- Behindertenrechtskonvention (BRK) von 2006
4. Deutschland und das inklusive Schulsystem
4.1 Die deutschlandweite Entwicklung
4.2 Bayern- Auf dem Weg zu einer inklusiven Schule?
4.2.1 Das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen
4.2.2 Entwicklung in Bayern
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Stand der Inklusion im deutschen Schulsystem mit einem spezifischen Fokus auf die Entwicklungen im Bundesland Bayern. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit der Weg zu einer tatsächlich inklusiven Schule unter Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen und pädagogischer Konzepte bereits erfolgreich beschritten wurde.
- Differenzierung der Begriffe Integration und Inklusion
- Historische Meilensteine: Salamanca-Erklärung und UN-Behindertenrechtskonvention
- Analyse der Inklusionsentwicklung auf bundesweiter Ebene
- Rechtliche Grundlagen in Bayern (BayEUG)
- Statistische Entwicklung inklusiven Unterrichts in Bayern
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Integrationsbegriff
Der Begriff Integration leitet sich aus dem Lateinischen „integratio“ (Wiederherstellung) beziehungsweise „integrare“ (wiederherstellen, erneuern) ab. Nach der Dudendefinition bedeutet Integration bildungssprachlich eine „Wiederherstellung einer Einheit“, „Vervollständigung“ und „Eingliederung in ein größeres Ganzes“.
Spricht man von Integration geht mit dem Begriff auch immer die Denkweise der „Zwei-Gruppen-Theorie“ einher. Grundsätzlich werden hierunter zwei Gruppen verstanden: auf der einen Seite befindet sich die Mehrheit der Gesellschaft, die „Normalen“. Sie haben uneingeschränkten Zugang zu allen Institutionen und werden in keinster Weise aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Auf der anderen Seite sind die kleineren „Randgruppen“ der Gesellschaft, die „Anderen“, also Menschen mit speziellem sonderpädagogischem Förderbedarf.
Greift man nach diesem Verständnis nun auf die Dudendefinition zurück, so werden Menschen mit Behinderungen - die Minderheit einer Gesellschaft - in das größere Ganze der „normalen“ Gesellschaft integriert. Im Gegensatz zur Inklusion bemüht man sich bei der Integration um ein friedvolles Miteinander und einen liebevollen Umgangston, jedoch werden diese Menschen mit ihren individuellen Förderbedürfnissen auf Grund ihres Handicaps weiterhin als die „Anderen“ etikettiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Inklusion ein, beleuchtet gesellschaftliche Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung und definiert das Ziel, die Umsetzung der Inklusion in Deutschland und Bayern zu hinterfragen.
2. Begriffsklärung: Integration vs. Inklusion: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe Integration und Inklusion voneinander abgegrenzt und ihre jeweilige pädagogische Bedeutung im schulischen Kontext erläutert.
3. Kurze Geschichte und Entwicklung der Inklusion: Dieses Kapitel behandelt die historischen Rahmenbedingungen, insbesondere die Salamanca-Erklärung und die UN-Behindertenrechtskonvention, welche den globalen Grundstein für inklusives Handeln legten.
4. Deutschland und das inklusive Schulsystem: Nach einem Überblick über die bundesweite Entwicklung liegt der Schwerpunkt auf der Analyse des bayerischen Schulsystems und der rechtlichen Verankerung der Inklusion durch das BayEUG.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass sich das deutsche System zwar auf einem richtigen Weg befindet, eine gelebte Inklusion jedoch noch immer an gesellschaftlichen Barrieren scheitert.
Schlüsselwörter
Inklusion, Integration, Sonderpädagogik, Behinderung, Schulsystem, UN-Behindertenrechtskonvention, Salamanca-Erklärung, Regelschule, Förderbedarf, Bildungsgerechtigkeit, Bayern, BayEUG, Heterogenität, Marginalisierung, Bildungswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des Schulsystems im Kontext von Integration und Inklusion, insbesondere unter Berücksichtigung der rechtlichen und praktischen Situation in Deutschland und Bayern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Unterscheidung von Integration und Inklusion, den historischen Meilensteinen wie der UN-Behindertenrechtskonvention und der konkreten schulischen Umsetzung in Bayern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie weit der Prozess der Inklusion in Bayern fortgeschritten ist und ob die gesetzlichen Vorgaben in der Schulpraxis tatsächlich zu einer inklusiven Bildung beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung offizieller gesetzlicher Dokumente und statistischer Datenberichte zur schulischen Inklusion.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, einen historischen Überblick sowie eine Analyse der deutschlandweiten und spezifisch bayerischen Schulentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Inklusion, Integration, sonderpädagogischer Förderbedarf, Bildungsgerechtigkeit und das bayerische Erziehungs- und Unterrichtswesen.
Wie unterscheidet sich die „Zwei-Gruppen-Theorie“ von der Inklusionspädagogik?
Die Zwei-Gruppen-Theorie (typisch für Integration) kategorisiert Schüler in „Normal“ und „Anders“ (mit Förderbedarf), während die Inklusion Heterogenität als Normalität begreift und jegliche Kategorisierung sowie Marginalisierung ablehnt.
Welche Rolle spielt das BayEUG in der bayerischen Inklusionsentwicklung?
Das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) bildet die rechtliche Grundlage, die seit 2011 den Besuch einer allgemeinen Schule oder einer Schule mit dem Schulprofil „Inklusion“ ermöglicht.
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- Linda Jirschitzka (Author), 2014, Ist Bayern auf dem Weg zu einer inklusive Schule?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416953