Vegetarismus und das Verhältnis der Gesellschaft zu Tieren

Ethische, psychologische und kulturelle Gesichtspunkte unterschiedlicher Ernährungsweisen


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Die vegetarische Ernährungsweise
1.1.1 Die Verteilung der vegetarisch lebenden Menschen und deren Gründe

2. Karnismus: die Psychologie des Fleischkonsums
2.1. Entstehung durch kulturelle Prägungen

3. „Leichenschmaus – Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung“
3.1. Das Prinzip der Gleichheit nach Kaplan
3.2. Fleischkonsum – eine Form von Rassismus und Speziesismus?
3.3. Argumente zur Rechtfertigung des Fleischkonsums
3.4. Mangelnde Empathie als Ursache?
3.5. Genügt alleiniges Wissen?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

So unterschiedlich die vielzähligen Kulturen sind, mindestens genauso vielfältig gestalten sich ebenso die Ernährungsweisen einzelner Individuen innerhalb verschiedener Kulturen. Im Rahmen des soziologischen Seminars „Individuum und Gesellschaft“ entsteht hiermit eine Hausarbeit, die sich speziell mit einem Ernährungsverhalten, dem Vegetarismus, auseinandersetzen wird. Zu untersuchen sind im Folgenden Aspekte, die auf Grundlage ethischer, psychologischer und kultureller Gesichtspunkte dieses Thema in den Fokus rücken. Zu beachten ist, dass diese Arbeit primär Erklärungen für die unterschiedlichen Ernährungsweisen finden soll. Welche Rückschlüsse lassen sich anhand des menschlichen Essverhaltens in Bezug auf das Verhältnis der Gesellschaft zu Tieren ziehen? Als Grundlage zur Beantwortung dieser Frage dient primär die erste Auflage der Monographie „Leichenschmaus – Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung“ des Philosophen Dr. Helmut F. Kaplan, aus dem Jahr 1993. Statistiken, die sich aus Ernährungsumfragen ergeben, werden zusätzlich verwendet, sowie Argumentationen auf psychologischer Ebene.

1.1. Die vegetarische Ernährungsweise

Was wird nun genau unter einer vegetarischen Ernährungsweise verstanden? Der Verein der Vegetarischen Initiative e.V. definiert sie wie folgt: „Eine vegetarische Ernährung wird dadurch definiert, dass sie kein Fleisch, keinen Fisch oder kein Geflügel enthält“ (Pichler, 2014). Sie vermeiden also den direkten Verzehr toter Tiere und deren Bestandteile, wie u.a. auch Gelatine oder Suppen, deren Sud aus Tierkadavern zubereitet wird. Wie verbreitet ist der Vegetarismus innerhalb der Gesellschaften und welche Gründe spielen für den Verzicht von Fleisch eine Rolle?

Die Verteilung der vegetarisch lebenden Menschen und deren Gründe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Prozentualer Anteil an Vegetariern/Veganern in Bezug auf die globale Bevölkerung ausgewählter Länder

(Quelle: Statista 2014)

Mit 40% hat Indien mit Abstand die höchste Anzahl an Vegetariern und Veganern zu verzeichnen, wohingegen der Anteil der Bevölkerung, die auf fleisch- und tierprodukthaltige Nahrungsmittel verzichtet, in den weiteren, aufgelisteten Ländern bei höchstens 10% liegt. Die hohe Anzahl der vegetarisch lebenden Inder wird weniger einem modernen Hype zugeschrieben. Vielmehr liegt die Begründung in dem Streben nach einer gewaltfreien Lebensweise, die kulturell bzw. religiös bedingt ist. Nicht nur die Kuh gilt als heiliges Wesen, sondern Tiere im Allgemeinen, die von den meisten Indern nicht als Nahrungsquelle angesehen werden. Somit wird deutlich, dass dem Ernährungsverhalten keine rein willkürlichen Aspekte zugrunde liegen, sondern vielmehr gesellschaftliche und kulturelle Konstruktionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Wichtigste Gründe für Vegetarismus nach Geschlecht (Deutschland 2010)

(Quelle: Statista 2014)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Die fünf wichtigsten Gründe vegetarisch lebender Männer und Frauen für eine fleischfreie Ernährung

(Quelle: Ergebnisse der Vegetarier-Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Januar 2007)

Deutlich anhand der ersten Statistik wird das Phänomen, dass moralische Prinzipien sowohl für Frauen als auch für Männer mit Abstand einer der wichtigsten Gründe für eine fleischfreie Ernährung darstellen. Auch gesundheitliche Gründe spielen eine bedeutsame Rolle, die für Männer minimal wichtiger sind als für Frauen, jedoch deutlich unter den moralischen Aspekten einzuordnen sind. Die moralischen Beweggründe bestätigt ebenso die zweite Auswertung. Von den fünf wichtigsten Argumenten, die zu einer vegetarischen Ernährung bei Männern und Frauen beigetragen haben, zählen zu den ersten drei Aspekten das Töten der Tiere für den menschlichen Fleischkonsum, Leid und Schmerz, denen diese Tiere ausgesetzt werden und die Verletzung der Tierrechte. An vorletzter Stelle werden von beiden Geschlechtern Bedenken bzgl. der Erhaltung von Umwelt und Gesellschaft aufgeführt, für die sie sich verantwortlich fühlen. Lediglich der fünfte Punkt weist Unterschiede zwischen den befragten Männern und Frauen auf. Während die Frauen Skepsis äußern bzgl. dessen, was Fleisch sei und wo es herkomme, kritisieren die Männer die Ressourcenverschwendung aufgrund des Fleischkonsumes, der die Massenarmut weiter vorantreibt. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass das Wohl der Tiere für beide Geschlechter einen der ausschlaggebendsten Gründe ausmacht, die zu einer fleischlosen Ernährung beitragen.

2. Karnismus: die Psychologie des Fleischkonsums

„Die amerikanische Psychologin Dr. Melanie Joy gab der Ideologie des Fleischkonsums erstmals einen Namen: Karnismus. Sie analysierte, welche psychologischen Mechanismen uns in die Lage versetzen, diese Ideologie selbst in moderner Zeit weiter aufrecht zu erhalten.“ (Mannes, 2012). Was bedeutet dieser Begriff nun und in welchem Zusammenhang steht er mit der gesellschaftlichen Ernährungsweise? Die Begrifflichkeiten der Ideologie des Karnismus‘ enthalten eine implizite Zuschreibung, mit deren Hilfe Fleischessern bestimmte Intentionen zugeordnet werden. Auf die Bezeichnung „Ideologie“ wird im weiteren Verlauf der Arbeit verzichtet, da auf Kategorisierungen weitgehend verzichtet werden soll und pauschal nicht von gezielten Intentionen ausgegangen werden kann. Mannes erklärt die psychologischen Hintergründe, die sich hinter dieser Bezeichnung verbergen, mit Hilfe eines Beispiels. Wenn man zum Essen bei Freunden eingeladen ist, Fleisch verzehrt und sich plötzlich herausstellt, dass es sich hierbei weder um Schweine- noch um Rindfleisch, sondern um Fleisch eines Golden Retrievers handle, würde der vorherige Genuss höchstwahrscheinlich durch ein Gefühl von Ekel abgelöst und das nächste Stück aufgrund dieses Wissens nicht weiter verspeist, obwohl es bis dato eventuell sehr lecker geschmeckt hatte. Das Fleisch eines Hundes, welcher oft als Heimtier gehalten und vielfach als Familienmitglied bezeichnet wird, scheidet innerhalb der westlichen Kultur als Nahrungsmittel zum Verzehr schlagartig aus. Das Bewusstsein um die vorherige Existenz dieser Tiere gerät in den Fokus, sodass eine ethische Blockade einsetzt, die einen innerlich daran hindert, das Tier zu verspeisen (vgl. Mannes, 2012). Solche Denk- und Handlungsweisen erklärt Mannes mit kulturellen Prägungen. Schon von Kindesbeinen lernt man, welche Tiere als essbar gelten und welche für den Verzehr nicht bestimmt sind und somit als ekelhaft und nicht genießbar angesehen werden. Als Grund für den fehlenden Verzehr bestimmter Tiere kann daher die Anwesenheit von Ekel genannt werden bzw. die Abwesenheit, wenn man bereitwillig ein totes Tier isst (vgl. Mannes, 2012). Warum wird zwischen anwesendem und abwesendem Ekel selektiert und worin liegen diese Selektionen begründet? „Der Grund liegt in einer fehlenden Verbindung in unserem Bewusstsein zwischen dem Fleisch auf dem Teller und dem Tier, das es einst war. Natürlich wissen wir, dass ein Tier sterben muss, damit wir Fleisch essen können, aber auf einer tieferen Ebene fehlt eine klare Verbindung. Und diese fehlende Verbindung blockiert nicht nur unsere Wahrnehmung der Realität von Fleisch, sondern auch unsere Gefühle und Gedanken“ (Mannes, 2012). Diese Ebene kann als Bewusstsein verstanden werden. Etwas zu wissen bedeutet nicht zwangsläufig, dass einem Menschen bestimmte Gegebenheiten auch bewusst sind, obwohl man autonom handelt. Mannes geht hier von einer Selektion an Mitgefühl bestimmten Tieren gegenüber aus aufgrund kultureller Erziehung.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vegetarismus und das Verhältnis der Gesellschaft zu Tieren
Untertitel
Ethische, psychologische und kulturelle Gesichtspunkte unterschiedlicher Ernährungsweisen
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V416972
ISBN (eBook)
9783668678552
ISBN (Buch)
9783668678569
Dateigröße
860 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vegetarismus, verhältnis, gesellschaft, tieren, ethische, gesichtspunkte, ernährungsweisen
Arbeit zitieren
Corinna Diße (Autor), 2014, Vegetarismus und das Verhältnis der Gesellschaft zu Tieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416972

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