Glück und die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Lebenszufriedenheit


Research Paper (undergraduate), 2017
18 Pages, Grade: 1,0

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

Gedanken zum Thema „Glück“

Einleitung

1. Was bedeutet Lebenszufriedenheit

2. Einflussfaktoren von Glück

3. Wie Arbeitslosigkeit die Lebenszufriedenheit beeinflusst

4. Aufgaben und Anforderungen an die Soziale Arbeit

Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetquellen

YouTube-Beiträge

Gedanken zum Thema „Glück“

„Glück ist ein ebenso unpräziser wie schillernder Begriff, irgendwo angesiedelt zwischen dauerhafter Ekstase und stiller Zufriedenheit.

Anders als im Deutschen kennen viele Sprachen zwei Grundbedeutungen: Das Lateinische unterscheidet zwischen fortuna (glückliche Lebensumstände) und felicitas (das glückliche Leben), das Englische zwischen luck (Zufallsglück) und happiness (Lebensfreude), das Griechische zwischen eutychia (Glück haben) und eudaimonia (wahres Glück, Glückseligkeit). […]

Wichtiger als das Momentglück aber ist den meisten Menschen jenes tiefe Gefühl der Zufriedenheit, das ein als gelungen empfundenes Leben auszeichnet. Die Sehnsucht danach ist groß, aber auch die Gefahr des Scheiterns. […]

Dabei bezweifeln viele Philosophen, dass es etwas wie dauerhaftes Glück überhaupt geben könne, schon gar nicht auf direktem Weg.

Es sei vielmehr das Ergebnis eines gut gelebten Lebens: des Versuchs, in Übereinstimmung mit dem inneren Selbst zu sein, […]. Der Kunst, seine Talente und seine Individualität zu entfalten. Des Vermögens, nach eigenen Werten denken und handeln zu können, authentisch zu sein, über ein gutes Selbstwertgefühl zu verfügen.

Glück ist demnach weniger ein Zustand, sondern vielmehr ein Prozess. Es beruht auf innerer Veränderung und erfordert ständige Auseinandersetzung mit sich und anderen. Dazu zählt auch das Meistern von Herausforderungen - und ja, als Kontrast, auch das Unglück.“

(Quelle: GEO WISSEN, Glück Zufriedenheit Souveränität, 2011, Nr. 47, S. 3, Vorwort von Claus Peter Simon)

Einleitung

Bislang betrachtete die Ökonomie die Frage nach Glück als etwas, das meist außerhalb ihres Fachbereiches liegt. Die neueren Ansätze der Verhaltensökonomik und der sog. „Glücksforschung“ haben allerdings in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung für viele wirtschafts- und sozialpolitische Fragen gewonnen (vgl. Kubon-Gilke et al., 2017, S. 476). Es gibt inzwischen Erkenntnisse darüber, die zum einen dem Rationalmodell widersprechen und zum anderen zeigen, dass der Mensch nicht Homo-oeconomicus ist. Das hat zur Folge, dass man ihn auch analytisch nicht so verstehen kann. Wenn man dem Menschen Homo-oeconomicus (der Mensch entscheidet so, das für ihn der größte Nutzen entsteht) unterstellt, kommt es zu Fehlprognosen (vgl. Kubon-Gilke et al., 2017, S. 480). Diese wiederum zeigen u.a. Zusammenhänge auf, die für die Soziale Arbeit relevant sind.

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Thematik, was Lebenszufriedenheit, kurz gesagt „Glück“, bedeutet. Weiterhin betrachte ich unterschiedliche Faktoren, die Glück beeinflussen, genauer. Im Anschluss daran gehe ich der Frage nach „ Inwiefern die Lebenszufriedenheit von Arbeitslosigkeit beeinflusst wird? “. Ehe ich zu einem abschließenden Fazit komme, erörtere ich Möglichkeiten, in welchem Rahmen die AkteurInnen der Sozialen Arbeit tätig werden könnten.

„Die Glücksforschung wird multidisziplinär von Sozialpsychologen, Ökonomen, Politologen und Soziologen betrieben. Sie ist stark empirisch orientiert und unterscheidet sich in dieser Hinsicht wesentlich von der Philosophie, die sich seit jeher analytisch und normativ dem Phänomen des Glücks anzunähern versucht hat“ (Frey, 2017, o.S.).

Ich orientiere mich im weiteren Verlauf in erster Linie an den Ausführungen von Bruno

S. Frey im Bereich der Glücksforschung. Frey ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich und leitet das Center for Research in Economics, Management and the Arts (CREMA) in Basel. Er ist einer „der renommiertesten, bekanntesten und von Politik und Wirtschaft meistgefragtesten Wirtschaftswissenschaftler überhaupt“ (http://www.wiwiss.fu-berlin.de).

Im Mittelpunkt seiner Forschung steht „die Anwendung der Ökonomie auf neue Bereiche wie Umwelt, Politik, Kunst, Geschichte, Familie und Glück unter Einbezug psychologischer und soziologischer Aspekte“ (http://archiv.wirtschaftsdienst.eu).

In der vorliegenden Arbeit wird das große „I“ als Mittel der sprachlichen Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten mit der Intention verwendet, auch denjenigen Menschen sprachlich gerecht zu werden, die nicht in das ausschließliche Frau-/Mann-Schema hineinpassen oder nicht hineinpassen wollen, wie Intersexuelle oder Transgender (z.B. SozialarbeiterIn, KlientInnen).

1. Was bedeutet Lebenszufriedenheit

Eine Definition von Lebenszufriedenheit, im Folgenden mit „Glück“ gleichgesetzt, gibt es nicht. Aber was ist Glück und wovon hängt es ab? Glück ist ein „schwer fassbares Konzept“ (https://www.bsfrey.ch) und „personen-, kultur- und zeitabhängig“ (ebd.). Es geht nicht darum, zu beschreiben, was Glück bedeutet, sondern vielmehr danach zu fragen, wie zufrieden die einzelnen Menschen mit ihrem Leben insgesamt sind, denn jede Person kann selbst beurteilen, ob sie gerade glücklich oder unglücklich ist (vgl.

https://www.youtube.com). Die Ergebnisse daraus verweisen lt. Frey „auf etwas Langfristiges und etwas Grundsätzliches“ (ebd.).

Auch wenn sich die Befragungsergebnisse als recht zuversichtlich, valide und konsistent erweisen, ist die Vergleichbarkeit unter den Ländern schwierig, da eine Definition von Glück bspw. kulturabhängig ist. Der Einfluss der Bestimmungsgründe von Glück ist jedoch in den verschiedenen Ländern sehr ähnlich, z.B. werden in allen Ländern Personen, die ihre Arbeit verlieren, bedeutend unglücklicher (vgl. http://archiv.wirtschaftsdienst.eu). Doch, welche Einflussfaktoren bestimmen unser Glück? Um dies herauszufinden, werden unterschiedliche Bestimmungsfaktoren in die Forschung einbezogen. Hierzu zählen die genetische Ausstattung, sozio-demografische Einflüsse (z.B. Alter, Geschlecht), wirtschaftliche Faktoren (z.B. Pro-Kopf-Einkommen, Arbeitslosigkeit, Verteilung des Einkommens), Kultur und Religion (z.B. Religionszugehörigkeit) sowie politische Faktoren (z.B. Ausmaß an demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten und an politischer Dezentralisierung). Auch psychologische Mechanismen werden genauer betrachtet (z.B. wodurch werden unsere Wahrnehmungen und Entscheidungen beeinflusst oder gar verzerrt). Die Ergebnisse zeigen, dass bei den Entscheidungen zu starkes Gewicht auf immer höheres Einkommen und Status gelegt wird, während immaterielle Werte (bspw. Familie, Freunde, Freizeit) unterschätzt werden. Als Gründe dafür wird angeführt, dass Menschen immer dazu tendieren, ihre eigene Situation mit Referenzgruppen (meist bessergestellt) zu vergleichen. Weiterhin wird die Geschwindigkeit, mit der Menschen sich an neue Situationen gewöhnen und anpassen, unterschätzt. Die Lebenszufriedenheit hingegen, die aus materiellem Besitz kommt, wird überschätzt (vgl. ebd.).

Glücksforschung beinhaltet auch die Konsequenzen auf das Verhalten, denn ob ein Mensch glücklich oder unglücklich ist, hat großen Einfluss auf die Art und Weise, wie er sich verhält und lebt. Aber, sind glückliche Menschen auf dem Arbeitsmarkt erfolgreicher oder sind Menschen, die im Job erfolgreich sind, glücklicher - was bedeuten würde, dass ein gewisses Verhalten glücklich macht. Gleiche Faktoren können also Einflussgrößen aber auch Folgen des Glücks sein (vgl. ebd.). Wenn man das Glück von außen also beeinflussen möchte, dann „ist es wichtig, die Richtung der Kausalität zu identifizieren“ (ebd.).

In der Vorlesung wurde uns die Frage „Wie ist Ihre persönliche Einschätzung zu Ihrer Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 1 (völlig unzufrieden) bis 10 (völlig zufrieden)?“ gestellt. Die Antworten zeigten eine Spannbreite von 3 bis 10 auf, der Durchschnitt lag bei 7,25. Im anschließenden Gespräch wurde deutlich, dass die Frage von einer Mehrheit der Studierenden eher langfristig orientiert (z.B. „ wie geht es mir in meinem Leben “) beantwortet wurde. „Dahinter steht ein kognitiver Prozess, in dem die Befragten Vergleiche mit anderen Personen, Erfahrungen aus der Vergangenheit und Erwartungen für die Zukunft zur Einschätzung ihrer Lebenszufriedenheit beziehen und verwerten“ (https://www.bsfrey.ch). Kurzfristige emotionale Einflüsse gab es kaum. Die unmittelbare Frage nach dem Glück (z.B. „ wie geht es mir jetzt gerade “), wurde jedoch „durch kurzfristige Emotionen und vorübergehende äussere Einflüsse beeinflusst“ (ebd.), wie bspw. „ ich bin gl ü cklich, weil das Wetter heute so sch ö n ist “ oder „ ich bin gerade ungl ü cklich, weil ich bei diesem sch ö nen Wetter in der Vorlesung sein muss “. „Da sich solche Emotionen und äusseren Einflüsse meist ausgleichen, ist es in der ökonomischen Glücksforschung sinnvoller, die Frage nach der Lebenszufriedenheit zu verwenden, weil sie aussagekräftiger ist“ (ebd.).

2. Einflussfaktoren von Glück

Wie bereits in Kapitel 1 beschrieben, sind die glücksbringenden Bereiche für Menschen u.a. die Arbeit, der materielle Lebensstandard, die Familie und Freunde, die Freizeit und die Gesundheit (vgl. http://archiv.wirtschaftsdienst.eu). Auf einige Aspekte werde ich im Folgenden näher eingehen.

„ Personen mit h ö herem Einkommen bewerten ihr subjektives Wohlbefinden eindeutig h ö her als ä rmere Personen “ (https://www.bsfrey.ch). Das liegt daran, dass Menschen mit einem höheren Einkommen sich sämtliche materiellen Wünsche erfüllen sowie mehr Güter und Dienstleistungen leisten können und einen höheren gesellschaftlichen Status innehaben. Die Lebenszufriedenheit nimmt nachweislich zu, wenn das Haushalteinkommen ansteigt und gleichzeitig alle anderen Einflussfaktoren auf das Glück konstant gehalten werden (vgl. ebd.). Allerdings erhöht zusätzliches Einkommen und Vermögen das subjektive Wohlbefinden nicht endlos. Eine Erklärung dafür ist, „dass das relative Einkommen wichtiger für die subjektiv empfundene Zufriedenheit ist als absolutes Einkommen“ (Kubon- Gilke et al., 2017, S. 483). „Die Beziehung zwischen Einkommen und Glück ist nicht linear; es besteht vielmehr ein abnehmender Grenznutzen“ (https://www.bsfrey.ch) (z.B. Kuchenstück). Außerdem streben Menschen neben all den materiellen Zielen auch immaterielle Ziele an. Klar ist, „Glück kann nicht einfach mit Geld gekauft werden“ (http://archiv.wirtschaftsdienst.eu).

Aber warum führt eine Einkommenserhöhung nur kurzfristig zu größerer Lebenszufriedenheit? Dies ist mit Hilfe zweier psychologischer Gesichtspunkte zu erklären: zum einen der Vergleich mit anderen Personen aus dem sozialen Umfeld und zum anderen der Gewöhnungseffekt - hierdurch werden die individuellen Erwartungen, die ständig zunehmen, geformt und diese lassen Menschen nach immer mehr streben. „Dabei entsteht eine Lücke zwischen dem, was man erreicht hat, und dem, was man gerne erreichen möchte“ (ebd.). Daraus resultierend nimmt die Lebenszufriedenheit trotz eines höheren Einkommens nur wenig zu (sog. Easterlin-Paradox). Manchmal kann ein zusätzliches Einkommen (z.B. Lottogewinn) sogar als Last empfunden werden. Nach anfänglicher Freude und gestiegener Lebenszufriedenheit, sind diese nach einer gewissen Zeit der Anpassung betrachtet nicht signifikant gestiegen. Vielleicht kündigt der Gewinner seinen alten Job, wodurch er wichtige soziale Beziehungen verliert. Möglicherweise wird gleichzeitig von ihm erwartet, dass er Freunde und Bekannte finanziell unterstützt und großzügige Spenden leistet. Dadurch können Spannungen entstehen. An diesem Beispiel werden zwei gegensätzliche Wirkungen von hohem Einkommen deutlich: „Zum einen garantiert es anhaltende Behaglichkeit. Zum anderen raubt es die Möglichkeit, sich etwas erarbeiten zu können und daraus Freude zu schöpfen“ (https://www.bsfrey.ch).

Auch wenn der Zusammenhang zwischen individuellem Einkommen und Glück in erster Linie für Industrieländer erforscht wurde, lässt er sich auf Entwicklungs- und Schwellenländer übertragen: „Erlangt eine Person in einem Entwicklungsland mehr Einkommen, nimmt ihre Lebenszufriedenheit deutlich zu“ (ebd.). Trotzdem sind „ Leute, die in reichen L ä ndern leben, [ … ] im Durchschnitt gl ü cklicher als solche, die in armen L ä ndern leben “ (ebd.).

„Die Frage, wie stark Einkommensunterschiede das Wohlbefinden beeinflussen, kann nicht pauschal beantwortet werden“ (http://archiv.wirtschaftsdienst.eu). Wie bereits erwähnt ist der Einfluss auf das Wohlergehen der Bevölkerung kulturabhängig. Während in Europa eine ungleiche Einkommensverteilung als glücksmindernd eingestuft wird, beeinflusst das Einkommensgefälle zwischen Arm und Reich in den USA das Glück nicht (z.B. Glaube, dass man durch Fleiß den Aufstieg schaffen kann, „Tellerwäscher“) (vgl. ebd.).

Enge soziale Bindungen, wie bspw. Ehe und Familie, spenden einen großen Nutzen. Die Familie gibt Stabilität und Vertrautheit. Diese immateriellen Werte tragen maßgeblich zu unserer Lebenszufriedenheit bei.

Die empirischen Untersuchungen zeigen ebenfalls, „dass Selbständige zufriedener sind als Angestellte“ (ebd.). Sie unterliegen keinen Hierarchien, können ihre Arbeit selbst gestalten und daraus einen Prozessnutzen ziehen. Selbständige haben zwar im Durchschnitt ein geringeres Einkommen, sie ziehen ihren Nutzen aber eher aus ihrer Unabhängigkeit. „Autonomie, Flexibilität und die Freiheit, eigene Potenziale zu nutzen, sind glücksstiftend und erhöhen die Zufriedenheit“ (ebd.).

Auch Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sind häufig zufriedener. Die intrinsische Motivation, anderen Menschen zu helfen, beeinflusst deren Wohlbefinden positiv. Sie ziehen für sich einen Nutzen aus dem Helfen. Hier kommt jedoch die Frage auf, warum Menschen dann nicht mehr freiwillige Arbeit leisten? „Die Menschen sind offensichtlich nicht in der Lage, die Befriedigung und den Nutzen aus zukünftigen Tätigkeiten korrekt vorherzusehen. Sie unterschätzen den Nutzen extrinsischer Tätigkeiten, wie zum Beispiel zusätzliches Einkommen durch Überstunden“ (ebd.).

Doch auch „elementare Grundrechte und physische und psychische Gesundheit erhöhen die Lebenszufriedenheit - ebenso wie das Einkommen“ (https://www.bsfrey.ch). Die empirische Forschung zeigt, dass „Länder mit hohem Pro-Kopf-Einkommen […] meist stabilere Demokratien als ärmere Länder“ (ebd.) haben. Somit kann der Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück auch auf die „stärker ausgebauten demokratischen Rechte zurückzuführen sein“ (ebd.). BürgerInnen schätzen ihre Lebenszufriedenheit höher ein, wenn sie verstärkte politische Mitbestimmung haben und für Entscheidungen auf lokaler Ebene (Föderalismus) einbezogen werden. Hier wirken sich sowohl der Ergebnisnutzen als auch der Prozessnutzen positiv aus (vgl. http://archiv.wirtschaftsdienst.eu).

3. Wie Arbeitslosigkeit die Lebenszufriedenheit beeinflusst

„In Deutschland werden das „ganze Leben“, der gesellschaftliche Stand und der individuelle Lebensstandard durch Beruf, Erwerbsarbeit und Einkommen bestimmt. Arbeitslosigkeit (Arbl.), also das Fehlen von Arbeitsplätzen bzw. die fehlende Nachfrage nach Arbeitskräften hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebenssituation der von Arbl. Betroffenen (und ihrer Familien) sowie auf Politik und Gesellschaft“ (Kreft / Mielenz, 2013, S. 101). Das Arbeitslosigkeit Wohlfahrtsverluste verursacht, da weniger Waren und Dienstleistungen produziert werden als bei Vollbeschäftigung, ist bekannt (vgl.

http://archiv.wirtschaftsdienst.eu). Inwiefern jedoch die Lebenszufriedenheit von Arbeitslosigkeit beeinflusst wird bzw. welche psychischen Auswirkungen Arbeitslosigkeit mit sich bringt, ist bei dieser eher herkömmlichen Sichtweise völlig außer Acht gelassen. „Die empirische Glücksforschung zeigt […], dass Erwerbslosigkeit beträchtliche psychische Kosten mit sich bringt und das Wohlbefinden der Arbeitslosen stärker reduziert als jede andere Ursache, einschließlich Trennung und Scheidung“ (ebd.). Weiterhin verdeutlicht sie, dass „die Strenge der sozialen Arbeitsnormen einen beträchtlichen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit der Arbeitslosen hat“, dass „Gewöhnungseffekte und soziale Vergleiche eine zentrale Rolle spielen“ sowie dass „nicht nur die Arbeitslosen, sondern auch beschäftigte Personen unter der herrschenden Arbeitslosigkeit leiden und mit ihrem Leben weniger zufrieden sind“ (ebd.). „Macht Arbeitslosigkeit also unglücklich? Oder werden unglücklichere Menschen eher arbeitslos?“ (ebd.). Die Forschungsergebnisse besagen, dass „der Kausalzusammenhang primär von der Arbeitslosigkeit als Ursache zum Glücksverlust als Folge geht. Es zeigte sich aber auch, dass unglückliche Personen auf dem Arbeitsmarkt schlechter abschneiden“ (ebd.).

Es gibt wichtige Ergebnisse der Glücksforschung, die „der Vorstellung rational handelnder und auf sich bezogener Personen“ (Frey, 2017, o.S.) widersprechen, was folgendes Beispiel verdeutlicht: Arbeitslose sind unglücklicher als Menschen, die einer Arbeit nachgehen. Auch wenn die Arbeitslosen keinen Einkommensverlust erleiden müssen, trifft dies zu. Eigentlich könnte man denken, dass Arbeitslose glücklicher sind, da sie nicht arbeiten müssen und viel mehr Freizeit haben (vgl. ebd.). Doch, wie lässt sich das erklären?

Die Lebenszufriedenheit nimmt ab, wenn man mit einem geringeren Einkommen auskommen muss. Allerdings gewöhnt man sich nach einiger Zeit an dieses niedrigere Einkommen (vgl. https://www.youtube.com). Aus der Forschung weiß man, dass der Verlust des Arbeitsplatzes nachhaltig Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hat und diese aufgrund dessen deutlich sinkt. Durch die Einkommensverluste kann der Lebensstandard nicht mehr aufrechterhalten werden. „Mögliche individuelle Folgen der Arbeitslosigkeit […] sind u.a. psychologische und gesundheitliche Probleme, Entqualifizierung (Entwertung der bisher erlangten Qualifikation), gesellschaftlich-kulturelle und soziale Isolation (Stigmatisierung), familiäre Spannungen und Konflikte, Schuldgefühle, Aggressivität und trotz Grundsicherung relativer Verarmung“ (http://www.bpb.de). Es kommt zum Verlust des sozialen Status. Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden bzw. in der Gesellschaft seinen Beitrag nicht mehr leisten zu können, hat negative Auswirkungen auf das subjektive Wohlbefinden und somit auf die Lebenszufriedenheit. Der Sinn des eigenen Lebens geht verloren (vgl. https://detektor.fm).

[...]

Excerpt out of 18 pages

Details

Title
Glück und die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Lebenszufriedenheit
College
Protestant University of Applied Sciences Darmstadt
Grade
1,0
Author
Year
2017
Pages
18
Catalog Number
V416994
ISBN (eBook)
9783668663787
ISBN (Book)
9783668663794
File size
591 KB
Language
German
Tags
Glück, Arbeitslosigkeit, Ökonomie, Gerechtigkeit, Lebenszufriedenheit, Soziale Arbeit, Homo-oeconomicus
Quote paper
Katja Schuster (Author), 2017, Glück und die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Lebenszufriedenheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416994

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Title: Glück und die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Lebenszufriedenheit


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