Die Blockchain-Technologie. Vor- und Nachteile in Kombination mit ausgewählten Finanzierungsformen


Bachelorarbeit, 2018

46 Seiten, Note: 1,3

Margarita B. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Blockchain - eine neue disruptive Technologie
2.1 Distributed-Ledger
2.2 Funktionsweise von Blockchain
2.3 Kryptofinanztransaktionen
2.4 Smart Contracts

3 Blockchain am Beispiel der Bitcoin
3.1 Geschichte hinter Bitcoin
3.2 Funktionsweise von Bitcoin
3.2.1 Peer-to-Peer Netzwerk
3.2.2 Transparenz und Anonymität
3.2.3 Transaktion von Bitcoins
3.2.4 Öffentliche VS. Private Blockchain
3.3 Zahlungsversprechen und Kryptoassets
3.4 Rechtsnatur von Bitcoin
3.4.1 Eigentum
3.4.2 Forderung
3.4.3 Datenschutz
3.5 Rechtsgeschäfte mit bitcoins

4 Einsatz der Blockchain in der Finanzbranche
4.1 Besicherter Kredit
4.2 Wertpapierdienstleistung

5 Rechtliche Aspekte und Regulierung der Blockchain
5.1 Bilanzierung nach HGB
5.2 Bilanzierung nach IFRS
5.3 Geldwäscherisiko und Prävention
5.4 Funktions- und Anlegerschutz

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Darst. 1: Funktionsweise der Blockchain

Darst. 2: Gegenüberstellung Euro und bitcoin

Darst. 3: Ablauf einer Bitcoin-Transaktion

Darst. 4: Unterschiedliche Netzwerktypen

Darst. 5: Transkations-Inputs und -Outputs

Darst. 6: Kursverlauf EUR/BTC 90 Tage

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

״Die eine Sache, die fehlt, aber die bald entwickelt wird, ist ein zuverlässiges E-Cash, eine Methode, bei der man im Internet Geld von A nach в transferieren kann, ohne dass man A oder в kennt.“1

Bereits 1999 prophezeite der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman die Einführung von virtuellen Kryptowährungen.2 Heute geraten virtuelle Währung wie Bitcoin auf Basis der Blockchain- bzw. Distributed-Ledger-System vermehrt in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses.3 Die Rolle der traditionellen Player im Bereich Finanzierung wird durch die Entwicklung der Blockchain-Technologie grundlegend verändert. Transaktionen sind heute nur durch die Vertrauensstellung der Banken und anderen Finanzdienstleistern möglich. Diese Rolle kann in Zukunft die Blockchain übernehmen. Innovationsstarke Unternehmen entwickeln auf Basis dieser Innovation neue Anwendungen, auch außerhalb des Finanzsektors.4 Das Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden wie sich die Vor- und Nachteile der Blockchain auf das heutige Finanzsystem auswirken und umgesetzt werden können.

In dieser Bachelorarbeit wird im zweiten Kapitel die Blockchain-Technologie genauer erläutert und es wird auf die wichtigsten Merkmale der Blockchain eingegangen. Im dritten Kapitel wird zunächst die auf Blockchain basierende virtuelle Währung Bitcoin definiert und anschließend die Entstehung sowie die Funktionsweise ausführlich erklärt um darauf aufbauend die Rechtsnatur von Bitcoin darzulegen. Im darauffolgenden Kapitel wird der Einsatz der Blockchain-Technologie im Finanzierungsbereich dargelegt, anhand eines Darlehens und eines Wertpapiers. Da die rechtlichen Aspekte sowie die Regulierung der Blockchain einen wichtigen Faktor darstellen, ist eine adäquate Behandlung notwendig und wird abschließend in Kapitel fünf näher erläutert.

2 Blockchain־eine neue disruptive Technologie

Ende 2015 erklärte ״The Economist“ Blockchain zur ״Vertrauensmaschine“. Im Jahr 2016 legte das World Economic Forum für die Finanzwelt eine ausführliche Studie zum Potenzial der ״Dis- tributed Ledger Technologie“ vor, gemeint ist damit die Blockchain-Technologie.

Auf den Agenden der Forschungsinstitute und Konferenzen wurde das Thema Blockchain ganz nach oben gesetzt. Um Industriestandards zu setzen, gründen Banken Finanzkonsortien, Startups und FinTechs experimentieren mit der neuen Technologie. Blockchain wird immer wichtiger und rückt immer mehr in den Vordergrund, vor allem wenn drei Dinge Zusammenkommen: ein Objekt mit mehreren Parteien, zwischen den Parteien existiert kein bedingungsloses Vertrauen, sowie der Wunsch nach digitalisiertem Ablauf. Allerdings überwiegen noch die Vorbehalte über die Möglichkeiten für den Einsatz dieser neuen Technologie.

Bei der Vorstellung eines damals unbekannten Netzwerkprotokolls des TCP/IP Standards vor 30 Jahren bestand ebenso Zweifel, welches heute das Fundament des weltumspannenden Internets und somit auch von der Industrie 4.0 ist.5

Dabei ist die Blockchain nur eine Variante der Distributed-Ledger-Technologie, von der geht auch das eigentliche Disruptionspotenzial aus.

2.1 Distributed-Ledger

Das Distributed-Ledger-System ist ein verteiltes Kontoführungssystem, bei denen an mehreren Standorten digitale Daten gemeinsam genutzt werden, synchronisiert und repliziert werden. Mit Hilfe von kryptografischer Verfahren, wird eine fälschungssichere Abbildung von Transaktionen ermöglicht.6

Virtuelle Währungen unterliegen der technischen Grundlage der Distributed-Ledger-Technologie. Damit ist es möglich, Transaktionen im digitalen Zahlungs- und Geschäftsverkehr von Nutzer zu Nutzer aufzuzeichnen, ohne das ein Intermediär die Transaktion zunächst frei geben muss.7

Das Potenzial der Technologie lässt sich gegenwärtig nur in Ansätzen erfassen, da sich die Ent­Wicklung der Distributed-Ledger-Technologie im Anfangsstadium befindet. Vor allem transaktions- und informationsintensive Branchen werden durch die Anwendung von Distributed Ledgers disruptiven Veränderungen ausgesetzt sein. Flier vor allem das ״Transaction Banking“ aus dem Finanzsektor, der auch zu den ausgewählten Branchen zählt. ״Transaction Banking“ sind jegliche Dienstleistungen, die von Banken in Korrelation mit der Abwicklung des Zahlungsverkehres sowie von Devisen- und Wertpapiertransaktionen erzielt werden.8

Im Folgenden beschreibt dieses Kapitel zunächst die Funktionsweise einer Blockchain, bevor Anwendungen illustriert, sowie eine ausführliche Darstellung der Technologie und ihrer Anwendung beschrieben werden.

2.2 Funktionsweise von Blockchain

Vereinfacht dargestellt, besteht Blockchain aus nachfolgenden näher beschriebenen Komponenten. Es gibt ein verteiltes und gemeinsames Bestandsführungssystem, ein sogenanntes geteiltes Register, dort liegen die Kopien der Blockchain auf den Rechnern der teilnehmenden Parteien. Die Nutzer oder Parteien sind die Teilnehmer9, die an einer auf Blockchain angeschlossenen Lösung beruhen und den jeweiligen Regeln folgen, vor allem dem Consensus-Prinzip. Im Netzwerk akzeptieren alle Teilnehmer verifizierte Transaktionen (Consensus).

Ein Geschäftsvorfall in Form einer Überweisung von Person A zu Person B, eine notarielle Beurkundung, ein Kaufvertrag oder eine Geschäftsregel kann eine Transaktion sein. Somit wird in eine Datei diese Information in dem (neuen) Block geschrieben. Ausgezeichnet werden diese Blocks durch einen sogenannten Flash (Prüfsumme), dieser Flash wird gemeinsam mit dem Flash des vorherigen Blocks (Transaktionshistorie) verbunden und in die Kette (englisch: Chain) angehängt. Bestätigt die Mehrheit der teilnehmenden Personen die Richtigkeit einer Transaktion in dem Block, dann findet die Blockchain erfolgreich statt. Zuverlässigkeit und ein hohes Maß an Sicherheit ist somit gegeben.10 Eine nachträgliche Änderung von Transaktionen ist nur mit einem gewaltigen Rechenaufwand möglich, durch die eingesetzte Kryptografie11 und die Verkettung der Blöcke.

Liegt eine Transaktion schon länger zurück, dann wird die Manipulation umso aufwendiger. Es müssen allerdings starke kryptografische Verfahren eingesetzt werden, da die Sicherheit einer Blockchain von der verwendeten Kryptografie abhängt. Demnach können alle Teilnehmer der Blockchain einen Blick in jede Transaktion werfen, geringstenfalls in ihrem Programmcode.12

Darst. 1 : Funktionsweise der Blockchain

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Kryptofinanztransaktionen

Kryptowährungen werden als digitalisierte Wertmarken oder auch als Token (ein bitcoin13 ) bezeichnet. Diese werden online als Tauschmittel oder Zahlungsmittel akzeptiert, welche auf dem Peer-to-Peer Netzwerk und dem entsprechenden Protokoll basieren. Demnach haben einzelne Kryptowährungen eine eigene Blockchain.14

Es werden unter anderem von der Deutschen Bundesbank Vorteile durch die Nutzung von Kryp- towährungstechnologien im Bereich der Finanzinstrumente erwartet.15 Im Bereich der Derivativhandel oder der syndizierten Kredite kann es bei veralteten Back Office Prozesse bis zu 20 Tagen dauern, bis eine Transaktion erfasst ist. Die Finanzinstitute müssen für mögliche Risiken bzw. Ausfälle entsprechende Kapitalreserven aufbauen. Diese verursachen Kosten und Verwaltungsaufwand.

Die Aufsichtsbehörden erhöhen seit der Finanzkrise im Jahre 2008 in den USA und der Europa- ¡sehen Union die Anforderungen gegenüber den Finanzinstituten, bezüglich der Kapitalvorsorge und dem verbundenen Risiko. Mit immer größer werdenden Anforderungen an die Berichterstattung, sowie Transparenz und Datenaufbereitung müssen sich die Finanzinstitute auseinandersetzen. Die Einnahmen sinken und die Kosten steigen kontinuierlich. Jedoch würde die Nutzung dezentraler Netzwerke dem Finanzsystem Kosten einsparen, da am Beispiel eines Kredites die Abwicklungsspanne von 20 Tagen auf zehn Minuten verkürzt werden könnte.16

Am 16. Februar 2016 bestätigt die deutsche Finanzbehörde BaFin in ihrer Verlautbarung Distributed Ledger (DLT)17, dass die Technologie die Möglichkeit einer Transaktion ohne Zwischenstelle den Flandel auf dem Finanzmarkt massiv beschleunigen könnte. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) weist allerdings darauf hin, dass beim Einsatz der DLT, bisher nicht geklärt wurde, wie sich ein Marktpreis für den Flandel herausbilden könnte. Bei der Verwendung von bitcoins, erfolgen keine festgelegten Transaktionen, die durch bitcoins in der DLT ausgeglichen werden. Vielmehr müssten verschiedene Interessenten durch die DLT zusammengeführt werden, komparabel der Preisermittlung durch Geld- und Briefkurse. Die Abwicklung einer Transaktion mit anschließendem Clearing und Settlement könnte künftig nicht mehr notwendig sein. Dafür müsste zum Beispiel im Bitcoin-System die Zahlung des Kaufpreises, sozusagen der zweite Teil der Wertpapiertransaktion, in der DLT technisch integriert sein.

Die Rechner könnten vor einer Transaktion für den Vermögensgegenstand ihre jeweiligen Kontobücher über die DLT selbstständig mit der Transaktionshistorie abstimmen und die Transaktion bestätigen oder nicht. Somit wäre bereits zu Beginn eine Transaktion in Hinblick auf den Vermö­gensgegenstand abgeschlossen. Des Weiteren wäre es möglich alle transferierten Vermögensgegenstände dezentral, direkt und chronologisch aufzuzeichnen. Somit könnte Distributed Ledger als öffentliches Register eingesetzt werden.18

2.4 Smart Contracts

Smart Contracts ist ein Anwendungsfall der Blockchain-Technologie. Smart Contracts beschreibt die automatische Bearbeitung in Verträgen für den Eintritt gewisser Bedingungen gegebener Geschäftsabläufe. Smart Contracts können lediglich ״funktionaler Annex“ zu einem Vertrag sein oder sind selbst der Vertrag. Diese führen zu vorgegebenen Konstellationen im Code. Die nach der Smart Contracts zugrundeliegende Norm (Gesetz oder Vertrag), wird zum Hindernis, wenn keine unveränderliche Regel etwa nach dem System ״Null oder Eins“ vorgegeben ist, sondern eine Wertung verlangt. Für die Abwicklung von Verträgen mit Smart Contracts ist entscheidend mög- liehst wert- und abwägungsfrei vordefinierte Räume zu nutzen. Daher ist eine Prüfung im Vorfeld eine wichtige Voraussetzung für die störungsfreie Abwicklung.

Die Verknüpfung zwischen Smart Contracts und der Blockchain-Technologie liegt in der Schlüsseltechnologie. Denn unter der Einbeziehung verschiedener Unbekannten bei der Abwicklung von Verträgen zwischen den Parteien, bietet die Blockchain-Technologie die tatsächliche Sicherheit. Dabei ist das Ethereum-System19 für die Smart Contracts am ehesten geeignet, weil das Ethereum-System den Nutzern erlaubt, einer Transaktion einen beliebigen Code anzuhängen. Dies bewirkt, dass die Rückzahlung eines bestehenden Darlehens mit dem Smart Contracts verknüpft ist und die ausführende Finanzierung, gesperrt wird, wenn das ebenfalls mit dem Smart Contracts verbundeneKonto des Darlehensgebers ankündigt, dass die Zahlung ausfällt.20

Auch außerhalb des Finanzsektors lassen sich die Prinzipien der Distributed-Ledger-Technologie auf materielle Transaktionsobjekte wie beispielsweise Anlagen und Maschinen, Immobilien oder der Zahlung von immateriellen Vermögensgegenständen wie geistige Eigentumsrechte anwenden. Sofern diese Vermögensgegenstände elektronisch erfasst werden, etwa über RFID-Trans- ponder, Sensoren, eine IP-Adresse oder einen QR-Code. Somit könnten in einem Distributed Ledger Übertragungsvorgänge digital in einer Blockchain abgebildet und nachverfolgt werden.21

3 Blockchain am Beispiel der Bitcoin

Die Umsetzung der Blockchain-Idee gelang vor allem wegen Bitcoin, welche die erste, dezentrale, virtuelle, digitale Währung (Kryptowährung) war. Die Blockchain stellt hierbei nur das technische Rahmenwerk dar, in dem Bitcoin umgesetzt wird. Die Blockchain-Technologie wurde als Bezugssystem durch den Bitcoin bekannt, somit ist Bitcoin nur ein möglicher Anwendungsfall der Technologie.22

Bitcoin ist ein umfassendes Konzept, welches zahlreiche Technologiekomponenten gemeinsam verbindet, so dass Werteinheiten kompetitiv hervorgebracht, virtuell dargestellt und dezentral ausgeführt werden. Dadurch wird eine neue Kombination der Kontrollstrukturen des Systems er­öffnet und kann Geldeinheiten schaffen, die sich erheblich von Bar-, Waren- und Giralgeld unterscheiden.

Durch die Kombination der virtuellen Währung Bitcoin, werden transaktionalen Vorteile einer virtuellen Geldeinheit hervorgebracht, die mit der systematischen Eigenständigkeit der dezentralen Transaktionsabwicklung verbunden sind.23

Darst. 2: Gegenüberstellung Euro und bitcoin

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darst. in Anlehnung an Friebel, s., 2017, s. 47

In diesem Kapitel wird vorerst der Hintergrund der Kryptowährung analysiert und ferner die Funktionsweise erklärt, um anschließend die wichtigen Eigenschaften filtern zu können.

3.1 Geschichte hinter Bitcoin

Bereits im Jahre 1982 erfolgte ein erster Schritt in Richtung Bitcoin, durch die Erfindung von DigiCash von David Chaums.24 Er argumentierte, dass die Privatsphäre von elektronischen Zahlungsmittein beträchtlich eingeschränkt und eine Generierung sensitiver Daten von nachverfolgbaren Zahlungsströmen erfolgen würde. Ihn motivierte dieses Problem, sodass er eine virtuelle Geldeinheit entwickelte, welche der Imitierung von anonymen Bargeld dienen soll. DigiCash basiert zwar auf einer zentralen Transaktionsabwicklung und einer monopolisierten Geldschöpfung, aber die Kommutativität der verwendeten kryptografischen Verfahren lässt ein System zu, in dem die Geldeinheiten in der Zentralbank blind signiert werden und somit Information über die Seriennummern der bevorstehenden Geldeinheiten offen legt.25

Von Tim May wurde das streben nach einer anonymen virtuellen Geldeinheit durch das Krypto- Anarchistische Manifest26 bestärkt. Erstmals wurde das Manifest an der Crypto ’88 verlesen, schriftlich publiziert wurde es jedoch später. Das Manifest prophezeit durch die technischen Möglichkeiten der Kryptografie und abseits möglicher Beschränkungen, eine neuartige ökonomische Interaktion ohne jegliche Beschränkungen eines Staates, aufgrund des gesellschaftlichen Wandels. Notwendig seien unverbindliche Verträge und vor allem virtuelle Geldeinheiten, die in einer anonymen Umgebung funktionieren.27

Der Informatiker Wie Da¡ veröffentlicht im Jahre 1998 einen Aufsatz über die Idee einer pseudonymen virtuellen Geldeinheit28, namens b money. Als Pseudonyme werden öffentliche Schlüssel genutzt, womit im b money System Transaktionen erfolgen können.

Im weiteren Verlauf veröffentlichen Adam Back, Cynthia Dwork sowie Moni Naor Beiträge über die künstlichen Kosten und bildeten auch die Grundlage für das Proof-to-Work Konsensproto- koll.29

Hal Finney kombinierte die Ideen von Adam Back und Wie Da¡ und veröffentliche im Jahre 2005 die Idee der wiederverwertbaren Beweise.30

Nick Szabo veröffentlichte ebenfalls im Jahre 2005 ein Beitrag zu Bit Gold.31, welches die Ent­Wicklung der Bitcoin deutlich mitgeprägt hat.

Am 31. Oktober 2008 wurde Bitcoin von einem Autoren (-Team) mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto bekanntgegeben. Auf einer Mailing Liste für Kryptografie erfolgte die Publizierung im Stile eines wissenschaftlichen Artikels. Wer sich allerdings hinter dem Pseudonym verbirgt, bleibt bis heute unklar. Dennoch wurden in dem Artikel sämtliche Einzelheiten der Bitcoin-Technologie offengelegt.32

3.2 Funktionsweise von Bitcoin

Die Funktionsweise lässt sich vereinfacht darstellen.33 Die Bitcoins werden auf einem Konto gespeichert, dem Bitcoin-Wallet. Das Bitcoin-Wallet ist der sogenannte Geldbeutel und wird entweder auf dem Smartphone oder auf dem Computer gespeichert. Um die Währung bitcoin nutzen zu können, ist eine Registrierung notwendig, dabei erhält der Nutzer einen privaten Schlüssel und einen öffentlichen Schlüssel. Die Schlüssel geben Codes in Form von Zahlen und Buchstaben in Groß-und Kleinschreibung wieder. Diese Codes enthalten keine persönlichen Informationen über den Nutzer, somit kann nicht ermittelt werden, wer der Inhaber des Kontos ist.34

Darst. 3: Ablauf einer Bitcoin-Transaktion

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darst. in Anlehnung an www.öffentliche-it.de

3.2.1 Peer-to-Peer Netzwerk

Bitcoin ist ein Peer-to-Peer Bezahlsystem. Zwischen den einzelnen Parteien existiert keine Bank, die die Rechtmäßigkeit der Transaktion prüft. Die Nutzer des Peer-to-Peer Systems stellen zum Beispiel sicher, dass ein bitcoin nicht doppelt ausgegeben wird.35

Es gibt zwei Arten von Netzwerken im Internet, das zentrale und dezentrale. Beispielsweise Fa- cebook, Google und T-Online sind die am häufigsten anzutreffenden Netzwerke, diese sind zentral organisiert. Ein dezentrales Netzwerk funktioniert ohne einen zentralen Server, denn dieses Netzwerk besteht allein aus Teilnehmern (Peers).

Die gewünschte Funktionalität des Peer-to-Peer Ansatzes wird durch die Zusammenarbeit aller gegenwärtigen Teilnehmer (Peers) gemeinsam erbracht, hier herrscht keine strenge Unterteilung der zentralen Dienstgeber (Server) und der Vielzahl von Dienstnehmern (Clients), wie dies bei bisher klassischen Internetanwendungen vorkommt.

Die Nutzung der Grundidee der Zusammenarbeit und Selbstorganisation aller Teilnehmer kann bestehende Anwendungsszenarien kostengünstiger Umsetzen mittels der Peer-to-Peer Technologie. Es entsteht für die Marktteilnehmer eine Reihe von Vorteilen durch die gemeinsame Kooperation zwischen den einzelnen Teilnehmern, wodurch die notwendige Infrastruktur bereitgestellt wird. Der verteilte Marktplatz bietet somit eine ausreichende Verfügbarkeit und Robustheit, da die einzelnen zentralen Komponenten nicht von der bereitgestellten Infrastruktur abhängig sind. Denn üblicherweise ist dies bei vorherigen Marktplätzen unter Aufsicht eines einzelnen Marktplatzbetreibers der Fall. Es fallen somit nur geringe bzw. keine Transaktionskosten für das Flandeln auf dem verteilten Marktplatz an, durch das Fehlen des zentralen Marktplatzbetreibers. Somit eignen sich vor allem kurzlebige oder immaterielle Güter mit geringem Wert für solche Marktplätze.36

Darsi. 4: Unterschiedliche Netzwerktypen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jedoch stößt das Peer-to-Peer Netzwerk (Anfang 2016) mehrfach an seine Grenze: einerseits nimmt die Dauer der benötigten Bestätigungszeit für die Transaktion ständig zu und andererseits nimmt die Zahl der Full-Nodes37 ständig ab. Der Grund für das stagnieren der Full-Nodes liegt in der wachsenden Größe der Blockchain. Auch die eingeschränkte Blockgröße steht einersteigenden Anzahl der täglich durchgeführten Bitcoin-Transaktionen gegenüber. Im Jahr 2013 betrugen die Blöcke nur rund 125 Kilobyte im Jahr 2015 schon rund 425 Kilobyte.

Um eine Änderung der Blockgröße im Bitcoin-Protokoll zu ermöglichen ist eine Konsensbildung im Netzwerk erforderlich, um die Integrität des Systems aufrechtzuerhalten. Jedoch würde die Vergrößerung der Blockchain zu einer Reduzierung der Full-Nodes und in einer Reduzierung der Miner bedeuten. Dies würde die Dezentralität des Systems in Gefahr bringen. Denn Größere Blöcke bedeuten, dass die Knoten mehr Daten verarbeiten müssen, die Festplatte mehr schreiben und die Internetverbindung mehr Traffic durchlassen müsste. Sind diese Anforderung letztendlich nicht gegeben, dann geben die Knoten auf und die Dezentralität des Bitcoin-Netzwerkes ist gefährdet.38

3.2.2 Transparenz und Anonymität

Die Teilnahme am Bitcoin-System erfordert als Nutzer oder Miner keine Legitimation, sowohl bei den Transaktionsbestätigungs-als auch bei dem Geldschöpfungsprozess im Bitcoin-System. Die Nutzer nutzen das System völlig anonym, da keine realen Namen angegeben werden. Jeder Nutzer der Bitcoin-Adresse erhält eine Pseudoidentität zugewiesen. Für jede Transaktion kann eine andere, neue Adresse verwendet werden, da jeder Bitcoin-Nutzer eine beliebige Anzahl an Bitcoin-Adressen erstellen kann.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Finanzwelt ist die Identität der Kontoinhaber vollkommen unbekannt. Auch die volle Kontrolle der bitcoins hat analog ausschließlich der Nutzer. Ein Nutzer muss auch keiner Institution oder einer unbekannten Person ein Passwort anvertrauen, da die angewandte Kryptografie es den Benutzern erlaubt, ihr Passwort einzutragen und gegenseitig direkt digitales Geld zu schicken. Wenn jede Adresse einmalig genutzt wird und die realen Identitäten der Nutzer dieser Bitcoin-Adressen nicht publiziert werden, dann wird nur die Information offengelegt, dass eine anonyme Person bitcoins an eine andere Bitcoin-Adresse gesendet hat. Wenn keine Identitätsinformationen in Verbindung mit der Bitcoin-Adresse die der Nutzer verwendet, offenbart, dann bleibt der Nutzer weiterhin Anonym und behält sein Pseudonym. Ist eine Bitcoin-Adresse mit einer realen Identität verknüpft, dann geht sämtliche Privatsphäre dieser Person verloren, da die früheren und zukünftigen Transaktionen die dieser Adresse angehören, offengelegt werden. Jedermann kann diese Art von Deanonymisierung ausführen, da die Blockkette öffentlich zur Verfügung steht. Weshalb die Nutzung der Bitcoin-Transak- tion im Gegensatz zur Nutzung des traditionellen Finanzsystems weitgehend schlechter geschützt ist. Da die Offenlegung von Konten im traditionellen Finanzsystem meist regional beschränkt ist und benötigt beweisbare Verdachtsmomente und behördliche Zustimmung.39

3.2.3 Transaktion von Bitcoins

Bitcoins-Transaktionen haben sogenannte Inputs und Outputs.40 Bei einem Output wird ein bestimmter Bitcoin-Betrag einer bestimmten Adresse zugeordnet, somit wird angegeben welcher Betrag, an welche Zieladresse transferiert werden soll. Ein Input deutet auf den Output einer bisherigen Transaktion und bestimmt somit von welcher stelle die in eine Transaktion eingehenden Bitcoins herkommen. Die Rechtmäßigkeit der Transaktion wird durch große Rechenzentren überprüft, in der Fachsprache genannte ״miner“. Dies gewährleistet, dass jeder bitcoin einmalig ausgegeben wird. Der Miner erhält für die zehnminütige Prüfung der Transaktion eine Belohnung in bitcoins. In zehn Minuten generierte Satoshi Nakamoto 50 BTC,als er am 9. Januar 2009 den Genesis Block erschuf.41

Der Bitcoin-Algorithmus sieht vor, dass sich etwa alle vier Jahre alle 210.000 Blöcke dieser Belohnung halbiert werden. So erhalten im Sommer 2013 die Miner pro Block 25 bitcoins und im Sommer 2016 waren es 12,5 bitcoins. Erst im Jahr 2130 werden die gesamten 21 Millionen bitcoins ausgegeben sein.42

Diese Systematik des Geldschöpfungsprozesses im Bitcoin-Netzwerk, soll vor allem ein Anreiz zur aktiven Teilnahme am Bitcoin-Ökosystem für Privatpersonen und Unternehmen bieten. Es besteht bei einer Transaktion die Möglichkeit eine Transaktionsgebühr anzugeben. Bei einer erfolgreichen Transaktion, darf sich der Miner diese Gebühr gutschreiben. Im Bitcoin-Protokoll ist diese Gebühr allerdings nicht zwingend vorgeschrieben. Demnach erhöht eine angegebene Transaktionsgebühr die Wahrscheinlichkeit einer raschen Aufnahme der Transaktion in einem Block, da der Miner frei entscheiden kann. In jedem geschaffenen Block wird die erste Transaktion als Coinbase-Transaktion bezeichnet, darin werden die Token algorithmisch an die Miner verteilt. Bezeichnet werden diese geschaffenen bitcoins in Anlehnung an das herkömmliche Finanzsystem als Seigniorage43 und errechnen sich, abzüglich der Kosten für die Erstellung, Ökonomisch als der Wert des neu geschaffenen Geldes.44 Es werden bei jeder Prüfung neue bitcoins geschaffen. Nach erfolgreicher Prüfung wird dem Empfänger die Zahlung gutgeschrieben.45

Die Belohnungstransaktion hat keinen Input, da die neu geschöpften Bitcoins, sich nicht auf den Output einer vorangegangenen Transaktion beziehen. Die vorhergegangenen Transaktionen sind aber auf allen anderen Bitcoins-Transaktionen zurückzuführen. Mindestens einen Input und mindestens einen Output muss jede Transaktion enthalten. Mehrere In- und Outputs sind auch möglich. Hat ein Nutzer noch nie eine Transaktion erhalten, möchte aber acht Bitcoins an einen anderen Nutzer versenden, muss der Sender Bitcoins aus mehreren Eingangstransaktionen zusammenstellen, bis der gewünschte Betrag von acht Bitcoins erreicht ist.

Über je zwei Bitcoins bilden zum Beispiel drei Transaktionen und an die Adresse des Senders jeweils einen Input der gewünschten Transaktion. Der Empfänger kann dann entweder einen Output erhalten oder auch mehrere Outputs mit verschiedenen Adressen des Empfängers, zum Beispiel zwei Outputs über jeweils drei Bitcoins.

[...]


1 Vgl. Cawrey, D., 2014 zít. nach Friedman, F., 1999

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. Brühl, V., 2017, s. 135

4 Vgl. Andersen, N.. 2016, s. 2

5 Vgl. Sauerland, A., 2017, s. 108-111

6 Vgl. Blockchain Technologies, 2016

7 Geiling, L, 2016

8 Vgl. Brühl, V., 2017, s. 140-141

9 Sämtliche geschlechtsspezifische Ausdrücke sind geschlechtsneutral zu verstehen.

10 Vgl. Sauerland, A., 2017, s. 109

11 Vgl. Welzel, c. et al., 2017, s. 17

12 Vgl. Sauerland, A., 2017, s. 109

13 Bitcoin mit einem kleinen b steht für die Einheit der Währung. Die Schreibweise mit dem großen в steht für das Netzwerk und die damit verbundene Datenbank (vgl. Sixt, E., 2017, s. IX)

14 Vgl. Sixt, E., 2017, s. 9

15 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017

16 Vgl. Sixt, E., 2017, s. 182-183

17 (Vgl. Geiling, L, 2016

18 Vgl. Sixt, E. 2017, s. 183

19 Dabei handelt es sich um ein verteiltes System zur Durchführung und Entwicklung von dezentralen Anwendungen. (Vgl. Gierschner, F., 2017, s. 8)

20 Vgl. Jacobs, C./Lange-Haussenstein, c., 2017, s. 12-13

21 Vgl. Brühl, V., 2017, s. 142

22 Vgl. Reimer, s., 2017

23 Vgl. Berentsen, A./Schär, F., 2017, s. 47

24 Vgl. Chaum, D., 1982

25 Vgl. Berentsen, A./Schär, F., 2017, s. 65

26 Vgl. May, T., 1992

27 Vgl. Berentsen, A./Schär, F., 2017, s. 66

28 Vgl. Dai, w., 1998

29 Vgl. Berentsen, A./Schär, F., 2017, s. 66

30 Vgl. Finney, H., 2013

31 Vgl. Szabó, N., 2008

32 Vgl. Berentsen, A./Schär, F., 2017, s. 67

33 Vgl. Friebel, s., 2017, s. 44

34 Vgl. Friebel, s., 2017, s. 45

35 Vgl. Nakamoto, s., 2008, s. 2

36 Vgl. Sixt, E., 2017, s. 13

37 Ein Node ist ein Computer, der sich mit dem Blockchain-Netzwerk verbindet. Full Nodes gewährleisten die Gültigkeit von Transaktionen. (Vgl. Weipprecht, A., 2017)

38 Vgl. Sixt, E., 2017, S.96

39 Vgl. Sixt, E., 2017, s. 32-33

40 Vgl. Narayanan, A. et al., 2016, s. 76

41 Vgl. Pesch, p., 2017, s. 25

42 «Vgl. Schimmel, 2014, s. 2

43 Ist der von der Zentralbank erzielte Gewinn, der durch die Emission von Zentralbankgelder entsteht. (Vgl. Europa- ische Zentralbank, 2017)

44 Vgl. Sixt, E., 2017, s. 41-42

45 Vgl. Friebel, s., 2017, s. 45

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Die Blockchain-Technologie. Vor- und Nachteile in Kombination mit ausgewählten Finanzierungsformen
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
46
Katalognummer
V417205
ISBN (eBook)
9783668668652
ISBN (Buch)
9783668668669
Dateigröße
1027 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
blockchain-technologie, vor-, nachteile, kombination, finanzierungsformen
Arbeit zitieren
Margarita B. (Autor), 2018, Die Blockchain-Technologie. Vor- und Nachteile in Kombination mit ausgewählten Finanzierungsformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417205

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