Diese Hausarbeit beschäftigt sich im weitesten Sinne mit Beobachtungen zur Transformation der Wortstellung in der Übersetzung mit besonderem Augenmerk auf die Passivkonstruktionen. Damit gehe ich auf die Grundfrage des Seminars ein, zu dem dies die Ausarbeitung ist: Kann man Regeln für das Übersetzen bestimmen oder unterliegt das Translat dem subjektiven Empfinden des Übersetzers?
Ausgangspunkt für die Untersuchung ist dabei die innerhalb der Thema-Rhema-Forschung festgestellte Tatsache, dass sich durch die bei einer Passivtransformation vollziehende Veränderung der syntaktischen und semantischen Strukturen auch die Informationsstruktur eines Satzes verlagern kann.
Auf die Problematik der Thema-Rhema-Folge bei der Übersetzung, sowie auf passivische Strukturen und deren Funktion, die mit der FSP in enger Wechselwirkung stehen, soll in dieser Arbeit genauer eingegangen werden.
Nach einem längeren Theorieteil, in dem ich versuche Grundbegriffe zu erklären und Zusammenhänge herzustellen, wende ich diese Theorie auf konkrete Textstellen des zu untersuchenden Werks an: Es handelt sich dabei um das Werk Wanzhu (1987) von Wang Shuo und seine Übersetzungen von Kautz und Hasselblat. Letztere dienten dazu, um zu vergleichen, welche Übersetzungsmöglichkeiten für bestimmte sprachliche Einheiten zur Verfügung stehen. Ziel war es auch, Tendenzen der Translatoren bei ihren Übersetzungsstrategien im Hinblick auf die Wortstellung und auf den Gebrauch des Passivs im Translat aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Klärung von Begriffsfragen und Zusammenhängen
1.1. Zur Thema-Rhema-Gliederung
1.2. Zu den Passivstrukturen
1.3. Zusammenhang zwischen der FSP und den Passivstrukturen
1.4. Die Funktion der Passivkonstruktion als relevante Größe für die Übersetzung
2. Wortstellung und Thema-Rhema-Gliederung in der Übersetzung von „Wanzhu“
3. Passivsätze in Original und Übersetzung anhand des Werks „Wanzhu“
3.1. Chinesische Passivsätze mit deutschem passivischem Translat
3.2. Chinesische Aktivsätze mit deutschem passivischem Translat
3.3. Chinesische Passivsätze mit sonstigen deutschen Übersetzungen
4. Ergebnisse und Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Transformation der Wortstellung bei der chinesisch-deutschen Literaturübersetzung unter besonderer Berücksichtigung von Passivkonstruktionen und der Informationsstruktur. Ziel ist es zu analysieren, wie unterschiedliche Übersetzer mit den strukturellen Diskrepanzen zwischen beiden Sprachen umgehen und welche Auswirkungen diese Entscheidungen auf die Einhaltung der ursprünglichen Thema-Rhema-Gliederung haben.
- Analyse der Thema-Rhema-Gliederung und der Funktionalen Satzperspektive (FSP)
- Vergleich chinesischer und deutscher Passivstrukturen
- Untersuchung der Übersetzungsstrategien anhand des Romans „Wanzhu“ von Wang Shuo
- Bewertung der stilistischen Auswirkungen auf den Textzusammenhang
Auszug aus dem Buch
1.1. Zur Thema-Rhema-Gliederung
Wippermann (1996:34) kommt zu dem Schluss, dass die Wortstellung in der Übersetzung nicht nur von der Syntax, sondern auch von der Thema-Rhema-Gliederung bestimmt wird. Kautz (1991:180) macht die Wahl der Darstellungsperspektive (also aktivische und passivische Darstellungen, die im Unterschied zur syntaktischen Wortstellung ein semantischer Aspekt sind) in der Übersetzung ebenfalls überwiegend von der Thema-Rhema-Gliederung abhängig.
Was hat es also mit diesem linguistischen Faktor „Gliederung nach Thema und Rhema“ auf sich und wie lassen sich diese Interdependenzen erklären?
Sowohl Wippermann als auch Kautz betonen als wesentliche Eigenschaft der Thema-Rhema-Gliederung, dass es sich um ein „textgrammatisches, satzübergreifendes Prinzip“ (Wippermann 1996:34) bzw. um mit den „Erfordernissen des Textaufbaus“ (Kautz 1991:180) zusammenhängendes Prinzip handelt.
Das Thema ist dabei das, über das etwas ausgesagt wird, das Rhema das, was darüber ausgesagt wird. Lutz (1981:44f) führt weiter zusammenfassend aus:
„Welche Elemente sind dafür geeignet, dass man etwas über sie aussagt – welche Elemente wählt man besonders gern dafür aus? Wir haben dabei festgestellt, dass es immer identifizierbare Elemente sein müssen und dass über ihre Wahl ein ganzes Bündel an sprachlichen und außersprachlichen Faktoren entscheidet: Kontext, Situation, Vorwissen, Sprecher- und Hörer-Einstellung, Satzanfang, Subjektfunktion […] Keine der Eigenschaften […] ist [aber] immer beim Thema vorhanden und demnach notwendig für die Thema-Definition […] Die Identifizierbarkeit wird allerdings gefördert […].“ (Lutz (1981:44f))
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Problematik der Wortstellungs- und Passivtransformation in der Übersetzung unter Einbeziehung theoretischer Ansätze zur Informationsstruktur.
1. Klärung von Begriffsfragen und Zusammenhängen: Theoretische Herleitung der Konzepte Thema-Rhema-Gliederung sowie Passivstrukturen und deren Wechselwirkung im interlingualen Vergleich.
2. Wortstellung und Thema-Rhema-Gliederung in der Übersetzung von „Wanzhu“: Analyse der Übersetzungsbeispiele aus dem Roman „Wanzhu“ im Hinblick auf die Einhaltung der ursprünglichen Satzperspektive.
3. Passivsätze in Original und Übersetzung anhand des Werks „Wanzhu“: Detaillierte Untersuchung der verschiedenen Passiv- und Aktiv-Kombinationen bei der Übersetzung chinesischer Textstellen in das Deutsche.
4. Ergebnisse und Schlussbemerkungen: Zusammenfassung der Beobachtungen zur Übersetzungsstrategie und Reflexion über die Balance zwischen flüssigem Stil und textnaher Äquivalenz.
Schlüsselwörter
Wortstellung, Übersetzungswissenschaft, Chinesisch-Deutsch, Passivkonstruktionen, Thema-Rhema-Gliederung, Wang Shuo, Wanzhu, Funktionale Satzperspektive, FSP, Übersetzungstechnik, Darstellungsperspektive, Textaufbau, Äquivalenz, Textlinguistik, Satzstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen der Wortstellungsänderung beim Übersetzen vom Chinesischen ins Deutsche, wobei der Fokus auf der Beibehaltung der ursprünglichen Informationsstruktur liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Funktionale Satzperspektive (Thema-Rhema-Gliederung) und die Anwendung von Passivstrukturen zur Steuerung der Aufmerksamkeit innerhalb eines Textes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es soll untersucht werden, ob Übersetzer bei der Transformation von Passivsätzen und der Wortstellung die Informationsstruktur des Originals bewahren oder ob sie primär stilspezifischen Zielsprachenkonventionen folgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin führt einen kontrastiven Sprachvergleich durch und analysiert ausgewählte Passagen des Romans „Wanzhu“ sowie deren Übersetzungen durch Kautz und Hasselblatt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Klärung der Begriffe, gefolgt von einer praktischen Analyse der Übersetzungen von Dialogen und Passivsätzen aus dem Roman.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wortstellung, Passivkonstruktionen, Thema-Rhema-Gliederung, Darstellungsperspektive und Übersetzungsequivalenz sind die entscheidenden Konzepte.
Welche Rolle spielen die verschiedenen Übersetzer-Strategien im Werk „Wanzhu“?
Die Arbeit zeigt, dass Übersetzer wie Kautz oft flüssigere, aber freiere Übersetzungen anstreben, während andere, wie Hasselblatt, stärker am chinesischen Original haften, was jedoch die Verständlichkeit beeinflussen kann.
Warum ist die Analyse von Passivkonstruktionen bei Wang Shuo besonders aufschlussreich?
Weil der Autor für seinen umgangssprachlichen, dynamischen Stil bekannt ist, bei dem das Passiv oft als stilistisches Mittel zur Agensausblende oder zur Komprimierung der Satzstruktur dient.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der interpretierenden Zusätze?
Die Autorin warnt davor, dass allzu freie interpretierende Zusätze die ursprüngliche Mehrdeutigkeit des Originals einschränken könnten und plädiert für eine genauere Beachtung der Wortfolge.
Was ist das Fazit zur „dritten Schicht“ der FSP?
Die Arbeit stellt fest, dass Übersetzer bei emotionalen Textpassagen dazu neigen, rhematische Elemente an den Satzanfang zu stellen, um Emphase zu erzeugen, selbst wenn das Original eine andere Struktur aufweist.
- Quote paper
- Valeria May (Author), 2003, Die Wortstellung in der chinesisch-deutschen Übersetzung. Die Informationsstruktur und die Passivkonstruktionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417249