Die europäischen Nationalstaaten kämpfen alle seit einigen Jahren mit der Entwicklung am Arbeitsmarkt. Auch in Deutschland lässt sich seit einigen Jahren ein Widerspruch erkennen: Die Wirtschaft und die Produktivität sind seit Beginn der Industriellen Revolution stetig gewachsen, was einerseits zu einer leistungsfähigeren Volkswirtschaft und andererseits zu einem höheren Lebensstandard der Bevölkerung geführt hat und dennoch droht vielen Menschen heute die Armut. Wie kann das sein? Man rechnet in Deutschland sogar mit steigendem Einkommen und dennoch geht der Wohlstand an vielen Menschen in Deutschland vorbei. Experten erklären dieses Phänomen mit der Entwicklung am Arbeitsmarkt, denn trotz sinkender Arbeitslosigkeit kommt es zu wachsenden Einkommensunterschieden.
Laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Deutschland waren es Ende 2016 ca. 2,7 Millionen Menschen in Deutschland, die ohne einen Zweitjob ihr Leben nicht selbstständig und unabhängig bestreiten konnten und die Anzahl steigt stetig. Je schlechter die Einkommens– und Vermögenslage der Menschen in Deutschland ist und sich entwickelt, desto größer ist und steigt in Folge darauf der Bedarf an Unterstützung zur Existenzsicherung. Zu den zahlreichen Lösungsvorschlägen, welche diese steigende Armut eindämmen und hoffentlich irgendwann in Zukunft ganz verdrängen sollen, gehört u.a. die Forderung an die Politik den Mindestlohn zu erhöhen, um so geringfügige Beschäftigungen zurückzudrängen. Aber auch eine andere, inzwischen auch heiß diskutierte Idee, wird immer mehr als Lösungsmöglichkeit in Betracht gezogen: das bedingungslose Grundeinkommen. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ist in seiner Grundform ganz und gar nicht neu, konnte sich dennoch in Deutschland bis heute nicht durchsetzen, denn noch gibt es zu viele Kritiker und Gegner in den politischen Reihen und auch in der Bevölkerung selbst.
Mit meiner Hausarbeit möchte Ich Idee des bedingungslosen Grundeinkommens mit all ihren Vor –und Nachteilen im Hinblick auf die Sozialpolitik in Deutschland sowie den Verlauf der Entstehung dieser Idee beleuchten. Angesichts des großen Umfangs des Themas muss die Betrachtung einzelner Gesichtspunkte leider relativ oberflächlich und eingeschränkt bleiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sozialpolitik in Deutschland
2.1 Die Entwicklung des deutschen Sozialstaates
2.2 Soziodemografische und sozioökonomische Struktur der Gesellschaft
3. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens
3.1 Arbeit und Einkommen
3.2 Geschichte: Von der Idee bis zum Konzept
3.3 Definition
3.4 Kritiker und Befürworter
3.5 Bedingungsloses Grundeinkommen am Beispiel Finnland
4. Finanzierungsmodelle
4.1 Sozialbudget
4.2 Überblick verschiedener Finanzierungskonzepte
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens vor dem Hintergrund der aktuellen sozialpolitischen Lage in Deutschland und analysiert dessen Potenzial als Lösung für soziale Ungleichheit sowie die damit verbundenen Herausforderungen hinsichtlich der Finanzierung.
- Sozialpolitischer Status quo in Deutschland
- Historische Entwicklung der Idee des Grundeinkommens
- Analyse von Befürwortern und Kritikern des Modells
- Praxisbeispiel: Pilotprojekt in Finnland
- Gegenüberstellung unterschiedlicher Finanzierungsmodelle
Auszug aus dem Buch
3.2 Geschichte: Von der Idee bis zum Konzept
Bevor wir uns weiter der konkreten Idee des bedingungslosen Grundeinkommens nähern, möchte Ich im Folgenden einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entstehung dieser Idee aufzeigen.
Die grundlegende Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ist Jahrhunderte alt. Die überhaupt ersten Ansätze und Überlieferungen einer Trennung von Arbeit und Einkommen findet man bereits in der Verfassung Spartas im 6. Jh. v. Chr. Erst viele Jahre später, 1516, wurde die Idee einer Existenzgrundlage vom Sozialutopist Thomas More (1478 – 1535) erneut aufgegriffen. Im Jahr 1748 kam die Idee des garantierten Existenzminimums als Pflicht des Staates auch in Frankreich an und wurde dort vom französischen Staatstheoretiker Charles Montesquieu (1689 – 1755) vertreten. Etwa zur selben Zeit argumentierte der oft als Vordenker des Grundeinkommens bezeichnete Engländer Thomas Paine (1736 – 1809) für ein Grundeinkommen. Dasselbe wurde dann einige Jahre später, im Jahr 1836, vom französischen Gesellschaftstheoretiker Charles Fourier (1772 – 1837) propagiert.
Der englische Revolutionär Thomas Spence (1750 – 1814) forderte 1796 in seinem Essay „The rights of infants“ erstmals explizit die lebenslange und regelmäßige Zahlung eines Grundeinkommens an alle Mitglieder des Gemeinwesens, welches Armut abschaffen sollte (vgl. Verein zur Förderung der bedingungslosen Grundeinkommens e.V.). Nennenswerte Befürworter aus der näheren Vergangenheit sind unter anderem der deutsche – britische Soziologe und Politiker Ralf Dahrendorf (1929 – 2009), welcher sich bei einem garantierten Mindesteinkommen auf den ersten Artikel des Grundgesetzes beruft (vgl. Werner/Goehler 2011: S. 29), und auch der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler (geb. 1943) „hat zaghaft, […], Ende 2005, dazu angeregt über „eine Art Grundeinkommen“ nachzudenken.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Schere zwischen technologischer Produktivität und persönlicher Armut dar und führt in die Fragestellung des bedingungslosen Grundeinkommens ein.
2. Sozialpolitik in Deutschland: Hier wird der historische Kontext des deutschen Sozialstaates erläutert und die sozioökonomische Struktur beleuchtet, die das aktuelle Sicherungssystem prägt.
3. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens: Dieses Kapitel definiert das Konzept, zeichnet dessen historische Entwicklung nach und analysiert sowohl die Positionen von Kritikern und Befürwortern als auch das Praxisbeispiel Finnland.
4. Finanzierungsmodelle: Der Fokus liegt auf der Analyse der aktuellen Sozialausgaben (Sozialbudget) und der Vorstellung verschiedener Ansätze zur Finanzierung eines Grundeinkommens.
5. Fazit und Ausblick: Eine abschließende Einschätzung, die das bedingungslose Grundeinkommen als diskussionswürdige Option für die zukünftige Gestaltung des Sozialstaates einordnet.
Schlüsselwörter
Bedingungsloses Grundeinkommen, Sozialpolitik, Existenzminimum, Sozialstaat, Finanzierungsmodelle, Armutsbekämpfung, Automatisierung, Arbeitstrennung, Bürgergeld, Sozialbudget, Deutschland, Finnland, Umverteilung, soziale Sicherheit, gesellschaftliche Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens und hinterfragt, ob es als tragfähiges Modell für die heutige Zeit dienen kann, um soziale Ungleichheit zu mildern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die Geschichte der Grundeinkommensidee, die aktuelle sozialpolitische Situation in Deutschland, Finanzierungsstrategien sowie die Auswertung von Pilotversuchen im Ausland.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu erörtern, inwiefern das bedingungslose Grundeinkommen eine Antwort auf die Herausforderungen moderner Arbeitswelten darstellt und ob es eine ernstzunehmende Alternative zu bisherigen Systemen bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie eine inhaltliche Auseinandersetzung mit vorliegenden Finanzierungsmodellen und empirischen Fallbeispielen zur Beantwortung der Fragestellung.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Definition des Grundeinkommens, einer kritischen Diskussion der verschiedenen Befürworter- und Gegnerpositionen sowie der technischen Durchführbarkeit mittels diverser Finanzierungskonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Zu den prägenden Begriffen zählen bedingungsloses Grundeinkommen, soziale Sicherheit, Sozialbudget, Finanzierungskonzepte und die Diskrepanz zwischen Produktivitätssteigerung und Einkommensverteilung.
Inwiefern spielt der historische Kontext für die Autorin/den Autor eine Rolle?
Die Arbeit legt dar, dass die Idee keineswegs neu ist, sondern auf langjährige gesellschaftliche Diskurse zurückgreift, die bereits von Denkern wie Thomas Paine oder Charles Fourier adressiert wurden.
Welche Bedeutung kommt dem finnischen Experiment im Rahmen der Untersuchung zu?
Das Experiment in Finnland dient als konkretes Praxisbeispiel, um zu prüfen, ob das Grundeinkommen die bürokratische Last senken und das Sicherheitsgefühl der Bürger nachhaltig stärken kann.
- Quote paper
- Daniela Sievers (Author), 2017, Bedingungsloses Grundeinkommen. Gleichheit für alle oder reine Utopie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417272