Soziale Distanz. Entstehung von sozialer Distanz in Deutschland und ihre Folgen


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 1.7
Elana Kusson (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzept

3. Soziale Distanz als Abgrenzungsstrategie in modernen Gesellschaften
3.1. Gruppenzugehörigkeit als Orientierungsbasis für Individuen in der Gesellschaft
3.2. Ethnische Gruppen und ethnische Grenzziehung

4. Theoretische Erklärungsansätze
4.1. Eingliederung von Wanderern: Hartmut Esser
4.2. Ethnische Schichtung

5. Forschungsstand zur sozialen Distanz
5.1. Das Ausmaß an sozialer Distanz in Deutschland
5.2. Wahrnehmung von Lebensstilunterschieden

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Deutschland entwickelte sich nach dem 2.Weltkrieg zu einem der größten Einwanderungsländer in Europa, vor allem durch die Anwerbeabkommen die die Bundesrepublik mit vielen Ländern vereinbart hatte.

Somit hat sich innerhalb Deutschland eine plurale und von diversen Individuen geprägte Gesellschaft entwickelt, deshalb ist es besonders interessant zu beobachten inwiefern soziale Distanz in der heutigen Gesellschaft stattfindet.

Soziale Distanz ist ein gesellschaftliches Phänomen wobei es um das Ausmaß der erwünschten Nähe zu diversen Gesellschaftsmitgliedern geht.

Es bestehen bereits zahlreiche empirische Untersuchungen zur sozialen Distanz, jedoch wurde die Entstehung sozialer Distanz und der Einfluss sowie der Zusammenhang der untersuchten Gruppen nie wirklich aufgeklärt.

Diese Arbeit beschäftigt sich damit wie soziale Distanz in Deutschland entsteht, und welche Folgen sie hat.

Im Folgenden wird zuerst das Konzept der sozialen Distanz erläutert, darauf folgen die Theoretischen Ansätze und empirische Befunde zur sozialen Distanz, letztendlich wird im Fazit die Forschungsfrage beantwortet.

2. Konzept

Soziale Distanz in der Soziologie ist auf Robert E. Park zurückzuführen, der davon ausgeht dass sich soziale Distanz nicht auf Distanzierung im räumlichen Sinne bezieht, sondern auf das Ausmaß an Innigkeit und Verständnis, welches gegenseitig entgegengebracht wird (Park 1924: 339). Soziale Distanz wird dadurch hervorgerufen, dass Menschen innerhalb einer Gesellschaft kategorisiert werden, das heißt gewissen Gruppen zugesprochen werden (Shibutani & Kwan 1965: 264).

Dies erfolgt durch Zugehörigkeit der Individuen zu diversen Gruppen, beispielsweise Konfession, Ethnizität aber auch Klassenbewusstsein. Wenn Menschen aus unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft in Kontakt treten, beispielsweise bei der Arbeit, in der Schule oder in Nachbarschaft wohnen, wird besonders durch das Ausmaß an gewünschter gegenseitiger Nähe klar, dass soziale Distanz ein subjektives Gefühl ist und nicht auf einzelne Individuen abzielt, sondern auf Individuen die einer Gruppe zugeordnet werden können (Steinbach 2004:17). Diese Art von Kategorisierung ist in einer pluralen Gesellschaft notwendig, denn so fällt es Menschen leichter miteinander zu kommunizieren. Selbst wenn sie sich mit fremden Menschen unterhalten, können sie Verhaltensweisen ihres Gesprächspartners antizipieren indem sie sie Kategorisieren und somit Unsicherheiten innerhalb von Interaktionen vermeiden (Alba & Nee 1997: 838).

Steinbach (2004: 17) begründet geringe soziale Distanz damit dass die Mitglieder einer Gesellschaft sich Respekt, Offenheit und Verständnis entgegenbringen und das Gemeinschaftsgefühl auf einer gemeinsamen Identität beruht. Indessen basiert große soziale Distanz auf Abgrenzung und Ausgrenzung von anderen Gesellschaftsmitgliedern auf Grund ihrer vielfältigen, noch unbekannten und fremd erscheinenden Art .

3. Soziale Distanz als Abgrenzungsstrategie in modernen Gesellschaften

Die erhoffte Folge von modernen und fortschreitenden Gesellschaften war die Auflösung von Gruppenbildungen und Gruppenkonflikten basierend auf askriptiven Merkmalen, jedoch hat sich diese Theorie nicht bewahrheitet, denn Ungleichheit und Benachteiligung haben durch ethnische Grenzziehung zwischen diversen Gruppen eher an Bedeutung gewonnen (Steinbach 2004: 50).

3.1. Gruppenzugehörigkeit als Orientierungsbasis für Individuen in der Gesellschaft

Jeder Mensch ist ein Individuum und unterscheidet sich von allen anderen, jedoch besitzen wir Merkmale und Eigenschaften die korrespondieren. Gruppenbildung entsteht durch Individuen die die selben Eigenschaften und (meistens unveränderbare) Merkmale besitzen, wie zum Beispiel Abstammung oder Geschlecht welche zumal auch die strukturelle Platzierung in der Gesellschaft festlegen (Steinbach 2004: 18). Der Mensch ordnet sich selbst in Gruppen ein, da er sich geborgen und in Sicherheit fühlt wenn er von Menschen umgeben ist die ihm bekannt sind und sich Vertrauten Handlungsmustern bedienen. Er wird aber auch durch die Kategorisierung (vorhin erwähnt) Gruppen zugeordnet. Es können mehrere Gruppen die sich voneinander unterscheiden innerhalb einer Gesellschaft koexistieren, und Individuen können entweder frei wählen zu welcher Gruppe sie dazugehören wollen, oder sie sind durch Charakteristika die sie bereits besitzen schon Teil von Gruppen. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe basiert auf Selbst als auch auf Fremdzuschreibungen, denn Gruppen definieren sich nicht nur damit was sie sind, sondern vor allem mit dem was sie nicht sind (Steinbach 2004: 20). Dennoch bedeutet das nicht dass alle Angehörige einer Gruppe gleich sind oder ständig in Kontakt zueinander stehen, denn auch innerhalb der Gruppen gibt es Differenzen.

3.2. Ethnische Gruppen und ethnische Grenzziehung

Ethnische Gruppen basieren auf einer kollektiven Identität die auf dem Merkmal Ethnizität beruht (Steinbach 2004: 21). Weitere Merkmale dieser Gruppen sind die Auffassung über die Herkunft, die soziokulturelle Lage und historische sowie aktuelle Erfahrungen die sie prägen (Heckmann 1994:148), außerdem sind sie von einer gemeinsamen Abstammungsgemeinschaft überzeugt (Esser 1980: 119), was bedeutet dass sie sich von den selben Handlungsmustern und Symbolen bedienen. Das schweißt die Mitglieder noch enger zusammen und trägt zu einem stärkeren Gemeinschaftsgefühl bei. „Entscheidend ist die Betonung der Einmaligkeit und Besonderheit der eigenen ethnischen Gruppe auf Grund dieser Eigenschaften, welche auch die (vermeintliche) qualitative Unterscheidung zu anderen Personen und Gruppen begründen.“ (Steinbach 2004: 22). Diese Aspekte führen zur Abgrenzung zwischen Eigen – und Fremdgruppe, und somit zur ethnischen Grenzziehung. Jedoch ist ethnische Grenzziehung niemals einseitig, es entsteht durch eine Wechselwirkung zwischen Selbst- und Fremdzuschreibung, so kann die Zugehörigkeit eines Individuums in eine ethnische Gruppe auch als Reaktion auf Abgrenzung und Fremdzuschreibungen sein (Elwert 1989: 447). Hinzukommt, dass nicht einfach zwischen den zwei Gruppen (Eigen- und Fremdgruppe) unterschie den wird, es herrscht eine Abstufung welches die Ähnlichkeit der Individuen von Fremdgruppen mit der Eigengruppe beurteilt.

4. Theoretische Erklärungsansätze

Ob Zuwanderer Erfolgreich Teil der Aufnahmegesellschaft werden hängt neben den persönlichen Fähigkeiten und Neigungen von den Möglichkeiten ab, die seitens der Aufnahmegesellschaft geboten werden (Steinbach 2004: 65).

4.1. Eingliederung von Wanderern: Hartmut Esser

Esser postuliert dass bei Kulturkontakt drei Vorgänge einsetzen, Akkulturation, Assimilation und Integration. Als Akkulturation wird der Prozess de Angleichung verstanden, hierbei geht es darum kulturelle Verhaltensweisen der Aufnahmegesellschaft zu erlernen. Mit Assimilation wird der Zustand der Ähnlichkeit des Migranten in Handlungsweisen und an die Internalisierung und Anpassung an das Aufnahmesystem verstanden. Integration ist schließlich der personale und relationale Gleichgewichtszustand (Steinbach 2004: 71). Somit wird deutlich dass die Assimilation und Integration von Wanderern von zwei unabhängigen Variablengruppen bestimmt sind, die Eigenschaften des Wanderers und die Eigenschaften der Umwelt des Wanderers (Nauk 1988: 21).

4.2. Ethnische Schichtung

Ethnische Schichtung bedeutet dass diverse Gruppen der Gesellschaft auf Grund ihrer Ethnie von sozialer Ungleichheit auf verschiedene Arten betroffen sind. Oft sind diese Gruppen bezüglich ihres Einkommens, ihrem beruflichem Status aber auch in der Auswahl ihres Wohngebietes benachteiligt. Auch wenn ethnische Schichtung nicht der Prämisse moderner Gesellschaften entspricht, da die soziale Platzierung in der Gesellschaft durch persönlich erbrachte Leitungen erfolgen sollte und nicht durch Abstammungsbeziehungen der Individuen (Treibel 1999: 205). Durch zusätzliche Segregation am Arbeitsmarkt oder in der Schule beispielsweise wird die ethnische Schichtung gestützt und Migranten und Migrantinnen erhalten dauerhaft eine niedrige Beschäftigungsposition auf Grund von ethnischen Kriterien (Steinbach 2004: 77).

5. Forschungsstand zur sozialen Distanz

Die Bereitschaft der einheimischen Deutschen Kontakt mit Menschen aus unbekannten ethnischen Gruppen aufzubauen spiegelt sich in der sozialen Distanz wieder, und ist abhängig von Differenzen und dem Ausmaß an erwünschter Nähe innerhalb der Einheimischen Deutschen gegenüber Migranten, und von den unterschiedlichen Merkmalen und Gruppen von Migranten (Steinbach 2004: 119).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Soziale Distanz. Entstehung von sozialer Distanz in Deutschland und ihre Folgen
Hochschule
Universität zu Köln  (Sozialwissenschaften)
Note
1.7
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V417276
ISBN (eBook)
9783668667662
ISBN (Buch)
9783668667679
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialwissenschaften, Rassismus, Flüchtling, Zusammenleben, Gesellschaft, Menschen, Nachbarschaft, Moderne Gesellschaft, Abgrenzung, Gruppenzugehörigkeit, Integration, Assimilation, Akkulturation, Einwanderung, Wanderer, Migranten, Deutschland, Ausländer, Ethnische Gruppen, Distanz
Arbeit zitieren
Elana Kusson (Autor), 2016, Soziale Distanz. Entstehung von sozialer Distanz in Deutschland und ihre Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417276

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