Die Leiden des jungen Werthers wurde 1774 von Johann Wolfgang Goethe veröffentlicht. Dieser zum Sturm und Drang gehörende Briefroman verzeichnet die von Werther selbst geschriebenen Briefe, die hauptsächlich seinem Freund Wilhelm geschickt wurden. In seiner Korrespondenz berichtet Werther, die Hauptfigur, seinem Vertrauten über seine Gemütszustände, als er sich in Charlotte verliebt. Die Entwicklung seiner Gefühle für Lotte ist besonders: Bevor er ihr begegnet, ist er froh und ruhig, aber als er sie zum ersten Mal sieht, ist er ganz entzückt; sehr schnell erreicht er dann den Höhepunkt seiner Liebe für sie ; und schließlich wird diese unmögliche Liebe unerträglich und er begeht Selbstmord. Aber was wirklich interessant ist, ist die in der Natur gespiegelte Progression von der Liebe bis zum Leid zu beobachten.
Dieser Zusammenhang zwischen der Natur und Werthers Seele hängt von Goethes Stil ab. Das heißt, dass die Weise, wie Goethe geschrieben hat, dem Leser erlaubt, die Verbindung zwischen den Gefühlen der Protagonisten und der Natur zu verstehen. Es ist interessant zu sehen, wie die Repräsentation der Natur bei den Übersetzungen wiedergegeben wurde. Um zu sehen, wie die Semantik des Autors und der Übersetzer die Entwicklung der Natur unterschiedlich darstellen kann, werden wir drei verschiedenen französischen Übersetzungen analysieren, darunter die Übersetzungen von Henri Buriot Darsiles (1931), von Bernard Groethuysen, Pierre Du Colombier und Blaise Briod (1954), und von Joseph-François Angelloz (1985).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Übersetzungsanalyse der Entwicklung der Natur im Zusammenhang mit Werthers Gefühlen im Original und in den Übersetzungen
2.1. Vorstellung und Situierung des Originals und der Übersetzungen
2.2. Die Natur als Spiegel Werthers Zustand: Die Bilder
2.2.1. Brief vom 10. Mai
2.2.2. Brief vom 16. Juni
2.2.3. Briefe vom 8. oder 12. Dezember
3. Schluss
4. Bibliographie
5. Annexes
5.1. Brief vom 10. Mai 1771
5.2. Brief vom 16. Juli 1771
5.3. Brief vom 8./12. Dezember 1772
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die semantische Darstellung der Natur in Johann Wolfgang Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers" und vergleicht diese mit drei verschiedenen französischen Übersetzungen. Ziel ist es zu analysieren, wie die Natur als Spiegel von Werthers innerem Gefühlszustand in den unterschiedlichen Fassungen semantisch und stilistisch interpretiert und wiedergegeben wird.
- Vergleichende Analyse der Naturdarstellung im Original und in französischen Übersetzungen.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Werthers emotionaler Entwicklung und den Naturbildern.
- Semantische Untersuchung ausgewählter Schlüsselbriefe (10. Mai, 16. Juni, 8. Dezember).
- Einfluss der Übersetzer auf die Wahrnehmung der Natur als Akteur oder Spiegel der Seele.
- Literarische Einordnung des Briefromans in den Kontext von Sturm und Drang.
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Brief vom 10. Mai
Der Brief vom 10. Mai steht ganz am Anfang des Briefromans. Werther lebt in Wetzlar schon seit ein paar Tagen. In diesem Brief erklärt Werther seinem Freund, wie wohl und wie heiter er sich fühlt. Sein Wohlgehen und seine innere Ruhe werden von der Natur gespiegelt. In diesem Brief schreibt Werther nämlich: „Wenn das liebe Thal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsterniß meines Waldes ruht“ (Goethe 1774: 9). Einerseits beschreibt Werther das Tal, das ihm Liebe und Freundlichkeit zum Ausdruck bringt, das mit ihm interagiert, wenn es um ihn dampft. Andererseits scheint der Wald luftdicht verschlossen und dunkel zu sein. Also ist in Werthers Beschreibung die Natur ruhig, von der Sonne beleuchtet, aber auch geheimnisvoll und dunkel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Werkes und der Forschungsfrage, die sich mit der Spiegelung von Werthers Gefühlen in der Natur sowie deren variierender Wiedergabe in drei französischen Übersetzungen befasst.
2. Übersetzungsanalyse der Entwicklung der Natur im Zusammenhang mit Werthers Gefühlen im Original und in den Übersetzungen: Detaillierte semantische Analyse, wie die Natur in ausgewählten Schlüsselszenen des Romans in den verschiedenen Fassungen charakterisiert und übersetzt wird.
2.1. Vorstellung und Situierung des Originals und der Übersetzungen: Biografische und bibliografische Einordnung von Goethe und den drei herangezogenen Übersetzern (Darsiles, Groethuysen/Du Colombier/Briod, Angelloz).
2.2. Die Natur als Spiegel Werthers Zustand: Die Bilder: Zentrale Analysekapitel zu den unterschiedlichen Naturbildern im Roman.
2.2.1. Brief vom 10. Mai: Analyse der Darstellung der Natur vor der Begegnung mit Lotte und ihrer Ambivalenz zwischen Ruhe und Dunkelheit.
2.2.2. Brief vom 16. Juni: Untersuchung der Natur nach der Begegnung mit Lotte, wobei der Fokus auf dem Übergang von stürmischer Natur zu einer beruhigten Stimmung liegt.
2.2.3. Briefe vom 8. oder 12. Dezember: Analyse der Natur als Ausdruck von Werthers Leiden und Zerstörung im finalen Stadium des Romans.
3. Schluss: Synthese der Ergebnisse, welche zeigt, dass die Natur in den Übersetzungen signifikant variiert und somit unterschiedliche Aspekte von Werthers psychischem Zustand betont.
4. Bibliographie: Verzeichnis der Primärliteratur sowie der herangezogenen Sekundärquellen und Online-Wörterbücher.
5. Annexes: Vollständige Dokumentation der analysierten Briefe im Original und in den drei Übersetzungen zum direkten Vergleich.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers, Naturdarstellung, Übersetzungsanalyse, Französische Literatur, Sturm und Drang, Werther-Rezeption, Semantik, Briefroman, literarische Übersetzung, Ambivalenz der Natur, Identität, Sprache, Stilistik, literarische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Funktion der Natur in Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ und untersucht, wie diese Naturdarstellungen in drei französischen Übersetzungen unterschiedlich interpretiert und übersetzt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Zusammenhang zwischen Werthers Gefühlsleben und der Natur, die literarische Bedeutung von Naturbildern sowie der Einfluss von Übersetzungsentscheidungen auf die Wahrnehmung eines literarischen Werkes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie verschiedene Übersetzer die semantische Ebene von Goethes Naturbeschreibungen beeinflussen und welche unterschiedlichen Wirkungen diese auf das Bild von Werther und seinen Zustand erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende semantische Analyse angewandt, bei der die Originaltexte ausgewählter Briefe (10. Mai, 16. Juni, 8. Dezember) den entsprechenden Übersetzungen gegenübergestellt und sprachlich sowie inhaltlich seziert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Naturmetaphorik in den drei Übersetzungen, unterteilt in die verschiedenen emotionalen Stadien von Werther – vor der Begegnung mit Lotte, direkt danach und im finalen Stadium des Leidens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Goethe, Werther, Naturdarstellung, Übersetzungsanalyse, semantische Nuancen und literarische Stimmung charakterisiert.
Warum ist die Analyse der Briefe vom 8. Dezember besonders relevant?
Diese Briefe markieren den tragischen Endpunkt des Romans, an dem die Natur ihre Zerstörungskraft zeigt, was eine besonders intensive Auseinandersetzung der Übersetzer mit dem Thema Tod und Wahnsinn erforderte.
Wie beeinflusst die Wahl der Übersetzung das Verständnis von Werthers Figur?
Da verschiedene Übersetzer Begriffe unterschiedlich wählen (etwa „ambivalent“ vs. „aktiv/heilig“), verschieben sie den Fokus von Werthers Wahrnehmung und machen die Natur entweder zu einem eher sanften Begleiter oder zu einer bedrohlichen, zerstörerischen Kraft.
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- Elisabeth Germanier (Author), 2018, Die Natur als Spiegel Werthers Zustand in "Die Leiden des Jungen Werthers" von Goethe im Original und drei Übersetzungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417391