Die Frauen in Skandinavien werden von deutschen und anderen europäischen Frauen oft um ihren angeblich enormen Einfluss auf das politische System und die Gesamtgesellschaft beneidet. Viele betrachten Skandinavien als das Eldorado der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Viele Rekorde sprechen dafür: In Dänemark gibt es seit 1885 eine unabhängige Frauengewerkschaft. Die Finninnen erhalten bereits 1906 als erste Frauen in Europa das passive und weltweit als erste das aktive Wahlrecht - gleichzeitig mit den Männern. 1907 schicken sie die erste Frau ins Parlament. Die Dänen sind es, die 1924 die erste Ministerin ins Kabinett berufen, die Isländer, die 1980 eine Frau zur Präsidentin wählen und die Norweger, die 1981 eine Frau zur ersten Premierministerin machen .
Es soll in der folgenden Arbeit untersucht werden, wie groß im 20. Jahrhundert der Einfluss der Frauen in den sogenannten Wohlfahrtsstaaten des Nordens innerhalb der Parteiensysteme wirklich war. Parteien, mit ihrer wichtigen Aufgabe der Kandidatenrekrutierung für politische Ämter und Mandate, spielen auch heute noch eine wichtige Rolle. Sie sind die meist entscheidende Zwischenstation zwischen Privatleben und dem Schritt in die politische Öffentlichkeit. Es stellt sich die Frage, ob Frauen mittlerweile den gleichen Zugang zu den politischen Parteien gefunden haben oder ob sie nach wie vor nach Mitgliederzahl und Einflussbereich unterrepräsentiert sind. Wie viele Frauen werden in den nordischen Parteien für wichtige Ämter nominiert? Wie viele Frauen schicken die Parteien ins Rennen, wenn es um die wichtigen Parlamentssitze auf kommunaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene geht? Wie hoch ist ihr Anteil dann tatsächlich in den Parlamentsfraktionen? Wie oft gelangen Frauen in die prestigeträchtigen Kabinette, Ausschüsse und Parlamentsämter? Welche Rolle spielt das Wahlsystem hinsichtlich der Repräsentation von Frauen? Haben parteiinterne Frauenorganisationen, Strategien der positiven Diskriminierung und die neuen sozialen Bewegungen den Frauen auf dem Weg zur paritätischen Machtausübung geholfen?
Die Arbeit soll helfen zu klären, ob sich ein Blick gen Norden hinsichtlich Geschlechtergleichheit auch weiterhin lohnt und wenn ja, welche Elemente und Entwicklungen möglicherweise auch für Deutschland hilfreich sein könnten. Dazu werden auch Daten zur politischen Partizipation von deutschen Frauen herangezogen und mit skandinavischen verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Integration von Frauen in den Parteien
2.1 Frauen als Parteimitglieder
2.2 Frauen in parteiinternen Führungspositionen
2.3 Parteiinterne Frauenorganisationen
2.4 Innerparteiliche Frauenförderung
2.4.1 Rhetorische Strategie und Strategie der positiven bzw. unterstützenden Aktion
2.4.2 Positive Diskriminierung
3. Frauen als Volksvertreterinnen
3.1 Frauen in lokalen und regionalen Parlamenten
3.2.1 Frauen im nationalen Parlament
3.2.2 Wahlverhalten von Männern und Frauen
3.2.3 Frauen in den Parteifraktionen
3.3 Frauen im Europäischen Parlament
3.4 Frauen in der Regierung
3.5 Frauen in Parlamentsausschüssen
4. Einfluss des Wahlsystems auf die Repräsentation von Frauen
5. Einflussfaktoren der parlamentarischen Repräsentation von Frauen
6.1 Die Marginalisierungsthese
6.2 Die Timelag-Hypothese
7. Das nordische Modell
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Frauen auf die politischen Systeme der nordischen Wohlfahrtsstaaten im 20. Jahrhundert und analysiert, inwieweit diese Entwicklungen Erkenntnisse für die Geschlechtergleichstellung in Deutschland liefern können.
- Integration von Frauen in politische Parteien und Führungspositionen
- Repräsentation von Frauen in nationalen, regionalen und europäischen Parlamenten
- Einfluss von Wahlsystemen und Förderstrategien auf die politische Teilhabe
- Analyse theoretischer Erklärungsmodelle zur politischen Marginalisierung
- Das nordische Modell als Referenzrahmen für geschlechtergerechte Politik
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Frauen in Skandinavien werden von deutschen und anderen europäischen Frauen oft um ihren angeblich enormen Einfluss auf das politische System und die Gesamtgesellschaft als solches beneidet. Viele betrachten Skandinavien als das Eldorado der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Viele Rekorde sprechen dafür: In Dänemark gibt es seit 1885 eine unabhängige Frauengewerkschaft. Die Finninnen bekommen bereits 1906 als erste Frauen in Europa das passive und weltweit als erste das aktive Wahlrecht, gleichzeitig mit ihren männlichen Mitmenschen. 1907 schicken sie die erste Frau ins Parlament. Die Dänen sind es, die 1924 die erste Ministerin ins Kabinett berufen, die Isländer, die 1980 eine Frau zur Präsidentin wählen und die Norweger, die 1981 eine Frau zur ersten Premier-Ministerin machen.
Ausgehend vom Seminarthema „Parteiensystem und politische Kultur in Skandinavien und Finnland“ soll in der folgenden Hausarbeit untersucht werden, wie groß im 20. Jahrhundert der Einfluss der Frauen in den sogenannten Wohlfahrtsstaaten des Nordens innerhalb der Parteiensysteme wirklich war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage bezüglich der politischen Partizipation von Frauen in Skandinavien im Vergleich zu Deutschland.
2. Die Integration von Frauen in den Parteien: Untersuchung der Mitgliederentwicklung, Führungspositionen und parteiinterner Förderinstrumente wie Quoten und Frauenorganisationen.
3. Frauen als Volksvertreterinnen: Analyse des Anteils weiblicher Abgeordneter auf kommunaler, nationaler und europäischer Ebene sowie des Wahlverhaltens.
4. Einfluss des Wahlsystems auf die Repräsentation von Frauen: Erörterung der Vorteile von Verhältniswahlsystemen gegenüber Mehrheitswahlsystemen für die politische Repräsentation.
5. Einflussfaktoren der parlamentarischen Repräsentation von Frauen: Überblick über förderliche Bedingungen wie die politische Kultur und die Erwerbsquote von Frauen.
6.1 Die Marginalisierungsthese: Diskussion der These, dass Frauen in der politischen Hierarchie trotz zunehmender Repräsentation marginalisiert bleiben.
6.2 Die Timelag-Hypothese: Auseinandersetzung mit der Annahme, dass sich die Unterrepräsentation durch den zeitlichen Abbau der Rolle als politischer Neuling von selbst auflöst.
7. Das nordische Modell: Identifizierung kultureller und struktureller Merkmale wie Korporatismus und Konsensorientierung, die die politische Teilhabe begünstigen.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und der Übertragbarkeit der nordischen Erfahrungen auf den deutschen Kontext.
Schlüsselwörter
Politische Partizipation, Skandinavien, Frauenrepräsentation, Wohlfahrtsstaat, Wahlsystem, Geschlechtergleichheit, Parteiensystem, Staatsfeminismus, Marginalisierungsthese, politische Kultur, Parlament, Frauenquote, Repräsentation, Gleichberechtigung, Nordisches Modell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Grad und die Entwicklung der politischen Teilhabe von Frauen in den nordischen Ländern (Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen) im 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Integration von Frauen in Parteien, deren Vertretung in Parlamenten und Regierungen sowie die Analyse politischer Kulturfaktoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, inwiefern das nordische Modell der Geschlechtergleichheit als Vorbild für Deutschland dienen kann und welche Faktoren die politische Partizipation maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine empirisch orientierte Analyse, die auf Daten und Länderberichten aus der politikwissenschaftlichen Forschung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Parteistrukturen, Parlamenten, Wahlsystemen sowie theoretischen Erklärungsansätzen für die weibliche politische Repräsentation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär mit Begriffen wie politische Partizipation, Frauenrepräsentation, nordisches Modell, Staatsfeminismus und Geschlechtergleichheit beschreiben.
Welche Rolle spielt das norwegische Wahlsystem für die Frauen?
Norwegen hat durch die Einführung nicht-bindender Quoten und die Kumulationsmöglichkeit bei Kommunalwahlen spezifische Wege gefunden, die Wahl weiblicher Kandidatinnen aktiv zu fördern.
Wie bewerten die Autorinnen die aktuelle Situation im Fazit?
Die Autorinnen bewerten die Entwicklung in den nordischen Staaten optimistisch und sehen darin ein Vorbild für Deutschland, wobei sie betonen, dass noch weitere Anstrengungen zur vollkommenen Gleichstellung nötig sind.
- Citar trabajo
- Tanja Prinz (Autor), 2001, Vergleich der politischen Partizipation von Frauen in Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4173