Die Asienkrise. Die "Emerging Markets" im freien Fall


Ausarbeitung, 2013
11 Seiten, Note: 1,3
Swantje We (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erklärungsansätze für die Asienkrise

3. Die Ausgangslage der betroffenen Länder
3.1. Die Liberalisierung der Finanzmärkte
3.2. Der Fall der Währungen

4. Kurzer Abriss des Krisenverlaufs

5. Die Maßnahmen des IWF verschlimmern die Krise

6. Das Problem des freien Kapitalverkehrs

7. Mögliche Lehren aus der Krise

8. Fazit

1. Einleitung

Seit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise sind die Nachrichten beherrscht von heftigen Debatten über die vermeintlichen Lösungswege. Die einen diktieren massive Sparmaßnahmen, um den Schuldenberg nicht noch weiter in die Höhe zu treiben; andere argumentieren, die Wirtschaft müsse durch gezielte Investitionen angekurbelt und dadurch wieder auf die Beine gebracht werden. Die Welt bangt um ihre Zukunft, sucht verzweifelt nach Wegen aus der Krise. Es sei die schlimmste Krise seit 60 Jahren, schlimmer als alle Krisen, die es nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben habe (vgl. Soros 2008). Es ist jedoch kein völlig neues Phänomen, das sich seit 2008 über den gesamten Globus ausbreitet. Vielmehr ist es ein wiederkehrendes Problem, das sich verschärft, zugespitzt hat und nun mit aller Wucht zuschlägt. Bereits vor 15 Jahren ereignete sich im ostasiatischen Raum mit der Asienkrise eine Finanz-, Währungs- und Wirtschaftskrise, die in ihrer Art mehrere Parallelen zu der Krise aufweist, die wir weltweit seit 2008 erleben. Diese Arbeit befasst sich mit dem Ausbruch und Verlauf der Asienkrise Ende der 1990er Jahre und versucht, mögliche Lehransätze für die aktuelle Weltwirtschaftskrise zu ziehen. Sie erhebt dabei keineswegs den Anspruch, das Thema komplett auszuschöpfen oder eine Lösung der aktuellen Krisenbewältigungsprobleme zu präsentieren. Vielmehr ist sie eine Annäherung an ein über Jahre gewachsenes, überaus komplexes Problem der Welt(finanz)wirtschaft.

2. Erklärungsansätze für die Asienkrise

In der Forschung gibt es zwei grundsätzliche Ansätze, vor deren Hintergrund die Ursachen der Asienkrise erklärt werden. Der eine ist die so genannte Moral-Hazard Argumentation, die im Wesentlichen davon ausgeht, dass die Banken der von der Krise am stärksten betroffenen Länder sich auf die Bail Out -Systeme der jeweiligen Regierungen verlassen und ein finanzmarktpolitisches Risiko billigend in Kauf genommen haben. Dieser Ansatz vertritt die These, die Banken verließen sich auf die Kreditablösung durch die Regierungen der Länder, die im Falle einer Zahlungsunfähigkeit der Banken für deren Verpflichtungen aufkommen. Der zweite Ansatz ist der Ansatz der so genannten Finanzmarktpanik. Dieser Ansatz geht davon aus, dass die immensen Kreditverpflichtungen der betroffenen ostasiatischen Länder auf dem internationalen Finanzmarkt mit steigenden Verbindlichkeiten ein Misstrauen bei den Kreditgebern ausgelöst haben, dass sich im Zuge von Herdenverhalten zu einer regelrechten Panik entwickelt hat. In dieser Arbeit wird auf beide Ansätze Bezug genommen, wenngleich dies aufgrund des begrenzten Umfangs nur sehr knapp geschehen kann. Beide Ansätze sehen die Ursachen der Asienkrise jedoch klar im Finanzsektor.

3. Die Ausgangslage der betroffenen Länder

In den 1990er Jahren wurden die so genannten Tigerstaaten Indonesien, Südkorea, Thailand, Taiwan, Malaysia und Singapur häufig als Musterknaben der Weltwirtschaft (Frey 2009: 131) bezeichnet. Die Länder hatten eine erfolgreiche exportorientierte Industrialisierung erlebt und verzeichneten hervorragende Wachstumsraten. Sie erfuhren große Wanderungen vom Land in die Städte, weil die Menschen dort bessere Perspektiven für Arbeit vorfanden. Die vorwiegend agrarisch strukturierten Systeme schienen sich zu industrialisieren und die Wirtschaft zu florieren. Dazu verfügten sie über eine vernünftige Haushaltspolitik und hatten ihre Märkte für Auslandsinvestitionen geöffnet. Die Prognosen für die Region waren höchst positiv, was dazu beitrug, dass weltweit in die aufsteigenden Märkte investiert wurde (vgl. Frey 2009: 131). Sie galten als eine Anlagequelle, die ein geringes Risiko und eine hohe Rendite versprach und dadurch zu einem sehr attraktiven Investitionsobjekt wurde. Milliarden flossen in die aufsteigenden Märkte, besonders aus Japan wurde kräftig in die großen Hoffnungsträger der Zukunft investiert. Im Jahr 1990 investierten private Investoren lediglich 42 Milliarden Dollar in die sich entwickelnden Länder Ostasiens; 1997, kurz vor Beginn der Krise, belief sich die Summe privater Kapitalströme auf 256 Milliarden Dollar und hatte sich damit innerhalb weniger Jahre versechsfacht (vgl. Krugmann 2009: 97). Der Großteil der Gelder, die nach Ostasien flossen, kam nicht mehr aus öffentlichen Einrichtungen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, sondern wurde durch private Investoren getätigt, die ihre Hoffnungen in die emerging markets setzten. Die Investoren stammten dabei hauptsächlich aus Japan und Europa.

3.1. Die Liberalisierung der Finanzmärkte

Durch die Liberalisierung der ostasiatischen Finanzmärkte sollte die Attraktivität für ausländische Investoren zusätzlich gesteigert und der Handel vereinfacht werden. Tatsächlich führte die Öffnung zum freien Kapitalverkehr und Handel jedoch dazu, dass die betroffenen Länder den Spekulanten schutzlos ausgesetzt und ihre Währungen zum Spielball der Anleger wurden. Besonders die Kopplung der nationalen Währungen an den Dollar erhöhte die Krisenanfälligkeit der aufsteigenden Märkte bedeutend. Im Zuge dessen kam es in den 1990er Jahren zur verstärkten Aufnahme von Krediten in Fremdwährungen, vor allem in US-Dollar und dem japanischen Yen. Diese Entwicklung lässt sich auf eine recht einfache Erklärung zurückführen. Die Zinsen im Inland waren im Vergleich zu denen auf dem internationalen Finanzmarkt deutlich höher, da sie durch eine Politik der stabilen Wechselkurse durch die asiatischen Banken in die Höhe getrieben wurden. Deshalb nahmen Unternehmen und Banken Kredite im Ausland auf und finanzierten damit inländische Investitionen oder Kredite bei heimischen Banken. In den neunziger Jahren herrschte ein regelrechter Kreditboom in Asien. Neben Unternehmen und Banken als Großkunden auf dem internationalen Finanzmarkt nahmen private Investoren vor allem Kredite zur Immobilienfinanzierung oder zum Kauf von Aktien auf. Durch die starke Nachfrage stiegen die Immobilien- wie Aktienpreise, was die Banken zu weiteren Kreditvergaben motivierte. Immer mehr Investoren nahmen, beflügelt vom florierenden Markt, Kredite zur Finanzierung von Immobilien auf. Die Banken verschuldeten sich auf dem internationalen Finanzmarkt, um im Inland Kredite zum einheimischen Zins vergeben zu können. Dadurch nahmen die Kredite im privaten Sektor in den Jahren 1990 bis 1997 massiv zu und die jährliche Wachstumsrate der privaten Bankkredite stieg in diesem Zeitraum um 12 bis 18 Prozent (vgl. Berger/ Wagner 2000: 6). Die Banken verfügten nur über ein relativ geringes Eigenkapital und sehr geringe Absicherungen gegen Währungsspekulationen und die emerging markets verfügten über keine effizienten Sicherungen gegen Wechselkursschwankungen der Fremdwährungen. Diese Faktoren zusammengenommen erhöhen die Anfälligkeit für eine Krise bei Abwertungen und Schwankungen auf dem Finanzmarkt und trugen maßgeblich zur Krise in Ostasien bei. Der IWF schlussfolgert 1998: “It is […] apparent for the recent crises that the combination of a weak banking system and an open capital account is ‘an accident waiting to happen’.” (ebd.: 7). Und dieser Unfall nahm ab dem Frühjahr 1997 seinen Lauf.

3.2. Der Fall der Währungen

Die Regierungen der ostasiatischen Länder hatten, wie an früherer Stelle bereits erwähnt, ihre Währungen fest an den Dollar gekoppelt, um dadurch den internationalen Handel zu verbessern. Als der Dollar Mitte der 1990er Jahre gegenüber den europäischen Währungen und dem Yen stieg, mussten die Währungen der emerging markets mitziehen, was dazu führte, dass sich die Währungsreserven der Notenbanken durch ein wachsendes Defizit in der Leistungsbilanz leerten (vgl. Frey 2009: 132). Immer mehr multinationale Unternehmen verlegten ihre Produktion nach China, weil sie dort deutlich geringere Lohnkosten vorfanden.

Im Frühjahr 1997 stellte sich heraus, dass die Währungsreserven der Notenbank in Thailand niedriger waren als offiziell behauptet wurde. Dies führte zu massiven Spekulationen gegen den thailändischen Baht, der seit 20 Jahren einen stabilen Wechselkurs gegenüber dem Dollar gehalten hatte. Die Regierung versuchte mit Dollarverkäufen, die eigene Währung zu stützen und eine Abwertung des Baht zu verhindern. Im Sommer 1997 gingen ihr die Dollarreserven aus; dies bedeutete das Ende des festen Wechselkurses. Daraufhin fiel der Baht und es kam zu einer regelrechten Flucht der ausländischen Kreditgeber aus dem Land.[1]

4. Kurzer Abriss des Krisenverlaufs

Am 2. Juli 1997 fiel der Kurs des thailändischen Baht in Folge massiver Währungsspekulationen um etwa 25 Prozent (Stiglitz 2002: 109). Die Ansteckungseffekte griffen um sich und auch die Kurse von Malaysia, Südkorea, den Philippinen und Indonesien brachen binnen weniger Wochen massiv ein. Die aufsteigenden Märkte waren von den Währungsspekulationen ergriffen worden, ihre Währungen verloren immer mehr an Wert. Als Ende 1997 Südkorea von einer Ratingagentur herabgestuft wird, entstehen an der Wall Street Gerüchte, das Land werde seinen Kreditverpflichtungen gegenüber westlichen Banken nicht mehr nachkommen können, woraufhin zahlreiche Investoren ihr Geld abzogen und Kredite südkoreanischer Unternehmen nicht erneuert wurden. Dadurch geriet das Land tatsächlich in Zahlungsschwierigkeiten. Als die Rezession beginnt, sich in Ostasien auszubreiten, reagiert Malaysia umgehend und versucht, den Wechselkurs seiner Währung zu stärken, indem es seine Dollarreserven verkauft und gleichzeitig die Inlandswährung kauft, damit diese nicht weiter abgewertet wird. Diese Bail-Out -Politik als Reaktion des Staates auf die Rezession wird von den Vertretern der Moral-Hazard -These als ein Grund dafür angeführt, dass die Asienkrise ein so gehöriges Ausmaß annehmen konnte. Denn auf diese Weise verschuldeten sich die betroffenen Länder noch mehr. Im Juli 1997 wird die Kopplung des malaysischen Ringgit und des thailändischen Baht an den Dollar aufgehoben und der Wechselkurs freigegeben. Dadurch fallen die beiden Währungen massiv. Einen Monat später gibt auch Indonesien die Kopplung der Rupiah an den Dollar auf, nachdem diese etwa 30 Prozent ihres

[...]


[1] Die Chronologie ist bewusst auf die wichtigsten Daten und Ereignisse begrenzt. Es geht hier darum, eine kurze Abfolge der Ereignisse aufzuzeigen. In dieser Arbeit geht es mehr um die Frage nach den Ursachen und Folgen der Asienkrise.

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Details

Titel
Die Asienkrise. Die "Emerging Markets" im freien Fall
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V417416
ISBN (eBook)
9783668668300
ISBN (Buch)
9783668668317
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
asienkrise, emerging, markets, fall
Arbeit zitieren
Swantje We (Autor), 2013, Die Asienkrise. Die "Emerging Markets" im freien Fall, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417416

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