Erläutern Sie C. G. Salzmanns Erziehungskonzept am Bsp. einer seiner Schriften


Seminararbeit, 2004
24 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Salzmann und die Philanthropen

3. Salzmanns Erziehungskonzepte
3.1 Die Ursachen der Untugenden
3.2 Körperliche Erziehung und Gesundheit
3.3 Naturerziehung
3.4 Heimatkenntnisse, Einseitigkeit und Selbständigkeit
3.5 Lernen und Handeln
3.6 Wirtschaftlichkeit

4. Erziehungspraxis in Schnepfenthal
4.1 Tagesgeschehen in der Erziehungsanstalt
4.2 Die Gefahr der „heimlichen Sünden“

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Krebsbüchlein, welches 1780 von Salzmann verfasst wurde, ist Salzmanns erstes Buch welches er der Familienerziehung gewidmet hat. Seit 1792 wird die Titelüberschrift mit den Worten „Krebsbüchlein oder Anweisung zu einer unvernünftigen Erziehung der Kinder“ eingeleitet. In der Einleitung liest man von einer Anweisung zu einer zwar nicht vernünftigen, aber doch modischen Erziehung der Kinder1. Diesen unvernünftigen Umgang mit den Kindern wollte Salzmann in weiten Kreisen der Gesellschaft bekannt machen. Seine Auffassung vom Denken beim Erziehen der Kinder war neben dem Umgang mit seinen eigenen Kindern Grundlage für dieses Buch. Seine Beispiele sind in anschaulicher, lebendiger und in volkstümlicher Sprache geschrieben. Die Titelüberschrift „Krebsbüchlein“ ist so gewählt, weil Salzmann eine Reihe von Schriften erstellen wollte, die den Namen von Kerbtieren erhalten sollten. Neben dem Krebsbüchlein sollte es erst ein „Skorpionbüchlein oder die Anweisung zu einem unvernünftigen Regieren der Völker“ oder „Spinnenbüchlein oder die Anweisung zu einer unvernünftigen Führung der Ehe“ geben. An der Namensgebung seiner Bücher muss man Salzmann allerdings einen Fehler in der Klassifikation unterstellen, denn die Ameise (Ameisenbüchlein oder Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Kinder, Schnepfenthal 1806) gehört definitiv nicht zu den Kerbtieren.

Betrachtet man die Abbildung unter der Überschrift, so erkennt man einen Teich und drei Krebse, von den einer alt und die anderen beiden jung sind. Im Hintergrund erkennt man einen Baum und eine Hütte, wo die Worte: „Faciam, mi papule, site idem facientem prius videro“ stehen (Ich werde es tun, mein Väterchen, wenn ich dich vorher dasselbe werde tun sehen). Diese Überschrift lässt auf den Inhalt und den Grundgedanken des Buches schließen. Die beiden jungen Krebse sehen den alten Krebs und handeln ebenso wie dieser. Der alte Krebs bekommt somit eine Vorbildfunktion für die jungen Krebse. Damit lässt sich schon erahnen, welche immense Verantwortung der alte Krebs innehat. Das „wertvollst Gut“, nämlich die nächste Generation wird ihm anvertraut. Es ist selbstverständlich, dass hierbei der Erzieher ersteinmal erzogen und gebildet werden muss, bevor er die Jugend erzieht und somit auf die Zukunft eines Landes und einer Gesellschaft erheblichen Einfluss hat. Im Krebsbüchlein sind die verfallsbringenden Untugenden dargestellt, die Erwachsene ihren Kindern übergeben und an denen sie selbst, sowie die Gesellschaft später keine Freude haben werden: „Es gibt eine Erbsünde, eine Neigung zum Bösen und Abneigung vom Guten, die die Kinder von ihren Eltern bekommen; sie wird ihnen aber nicht sowohl angeboren als- anerzogen“2.

Das Krebsbüchlein soll eine Schutz- und Bittschrift an alle armen und wehrlosen Kinder sein, die um Tugend, Gesundheit und Leben gebracht wurden. Diese mögen das Büchlein lesen und sich ihrer Fehler und Untugenden eingestehen, auf dass die folgende Generation von diesen Missständen befreit werde und zu gesunden, erwachsenen Menschen heranwachse. Das Anliegen des Büchlein ist nun nicht mehr nur den Erwachsenen gewidmet, sondern ist ebenfalls für die betroffene Gruppe (den heranwachsenden Kindern) geschrieben. Inwieweit tatsächlich Kinder zur damaligen Zeit lesen konnten und dieses Buch in den Händen hielten ist nicht bekannt. Definitiv ist bekannt, dass insgesamt vier Auflagen in den Jahren 1780, 1788, 1792 und 1806 erschienen sind. Nach Salzmanns Tod erschien noch eine fünfte und sechste Auflage, herausgebracht durch den Regierungsrat Hahn. Diese enthielten jedoch lediglich Zusätze und Weglassungen aus den Originalen. Der Beweiß für den hohen Anklang in der Bevölkerung sind jedoch die zahlreichen Nachdrucke des Buches, was auf eine relativ hohe Verbreitung Salzmanns’ Gedankengutes schließen lässt.

2. Salzmann und die Philanthropen

Salzmann erkannte die Verelendung der damaligen Welt, wollte das „Dunkel der Welt“ erhellen und „Heilswege vermitteln“.3 Seine Utopie der Besserung der Welt durch die Überwindung der feudalen Gesellschaftsordnung machte ihn neben Basedow, Campe, Wolke und Trapp zu einem der bekanntesten Philanthropen. Philanthropen kann man als Reformpädagogen ansehen, die sich um 1770 in Deutschland und der Schweiz zusammenfanden, um die teilweise pietistische Erziehung zu überwinden. Sie waren begeistert vom Werke des „Emile“ (Rousseau, 1712- 1778) und forderten, Rousseaus folgend, eine Erziehungseinstellung, die auf die ursprüngliche Güte der Kindesnatur vertraut. Kindliche Willensimpulse sollen nicht gebrochen, sondern aufgenommen, gestärkt und unterstützt werden. Die Kinder sollen in Fröhlichkeit aufwachsen und Naturnähe, Bewegung in freier Luft, körperliche Ertüchtigung und Spiele erfahren. Die Kindheit als Phase notwendigen Lernens soll zu einem vergnüglichen Leben führen. Die vorherrschende Pädagogik im 18. Jahrhundert wurde durch den Pietismus bestimmt. Diese religiöse Richtung meint eine Lebensweise durch Intensivierung der Gotteserfahrung im Gebet, sowie durch Nächstenliebe und Glaubensbewährung im Alltag. Aus dem Pietismus erwuchs eine pessimistische Anthropologie von der Sündhaftigkeit des Menschen. Daraus resultierte eine strenge Zucht- und Gehorsamspädagogik. Die Philanthropen ließen sich von dem Menschenbild des „rechtschaffenen, biederen, braven Mannes und der tüchtigen, bescheidenen, züchtigen Hausfrau“4 leiten. Sie vertraten das Rouseauische Erziehungsprogramm, wollten jedoch v.a. eine Vernünftig- Natürliche Erziehung. An dieser Stelle kann man einen Wiederspruch in Salzmanns Leben feststellen. Trotz seines Theologiestudiums und seiner Tätigkeit als praktischer Theologe (Pfarrer) war er ein Philanthrop und somit aktiv für die Aufklärung und vernünftigen Erziehung. Ihm war es sehr daran gelegen, die Massenverelendung zu stoppen und dieser aufklärerisch „mit seinem Verstand“ entgegenzutreten. Jedoch sah Salzmann in der Religion „die Quelle aller echten Tugenden“5 und in Gott den Spender zur Glückseligkeit. In Religion sei außerdem Mittel, der Glückseligkeit eine rationale und zuverlässige Basis zu geben[1]. Er hielt vor der ganzen Hausgemeinschaft in Schnepfenthal jeden Sonntag seine Predigten, wo er biblische Exegese mit pädagogischen Intentionen verband. Außerdem verband er mit dem „rationalen“ Fach der Naturwissenschaft die Natur als System und Ausdruck göttlicher Ordnung. Salzmann stand dem naturwissenschaftlichen Unterricht der physikotheologischen Denktradition nahe. Diese besagt, das die Ordnung der Natur auf einen vernünftigen Verursacher schließen lässt. Dieser sei Gott7. In seiner späteren Erziehungsanstalt in Schnepfenthal versucht er seine Konzepte durchzusetzen. Sie unterschieden sich von der Grundidee in nur wenigen Punkten von denen in Dessau, wobei jedoch Salzmann in Schnepfenthal eher eine Neuauflage mit eigenen Ideen einbrachte, die sich bei genauerer Betrachtung schon vom Dessauer Philanthropinum unterschieden. So galt in Schnepfenthal ein eher diskursives Unterrichtsverständnis, welches mehr einer Unterredung als einem Unterricht entsprach. Salzmann legte Wert auf produktive Arbeit und Übernahme von Verantwortung seitens der Zöglinge. In Dessau wollte Basedow den Zöglingen die Welt durch die Konfrontationsmethode beibringen, indem er sie nach dem theoretischen Unterricht in die Natur und in das Berufsleben schickte. Dieser Auffassung war Salzmann nicht, er bestand auf Befähigung zwecks Ausbildung statt Basedows „Learning by doing“.

3. Salzmanns Erziehungskonzepte

3.1 Die Ursache der Untugenden

In einer Zeit, wo Epidemien, Hungersnöte, wirtschaftlicher und sittlicher Verfall in Thüringen an der Tagesordnung waren, prangert Salzmann, der zu jener Zeit den Pfarrersberuf ausübte, die sozialen Missstände zutiefst an. Salzmann selbst kam als Pfarrer in Rohrborn (bei Erfurt) oft mit dem Elend und den Armen der Gesellschaft zusammen. Oft war er in den Hütten der Notleidenenden zugegen, besuchte Kranke in Gemächern, sah die Zustände in Gefängnisse, Zucht- und Waisenhäusern. So erfuhr er hautnah von den Abgründen der Gesellschaft. Die Quellen der Verelendung sind nicht sozial- oder ökonomischer Herkunft, sondern liegen in der unzureichenden Erziehung der Kinder8. Hier zeigt sich eine erste Tendenz (Konzept), die Salzmann im Krebsbüchlein ins negative wendet und Anweisungen gibt, wie man seine Kinder nicht erziehen soll. Das Begegnen und die Ausschaltung des sozialen Unsegens durch eine Aktivierung der Menschen ist sein Konzept und sein Ziel. Die Kinder sollen Sach- , Sozial- und Handlungskompetenz erlernen und es Lernen sich selbst einmal aus dem Sumpf ziehen zu können9. Erfolgt dies nicht, so kommt es zur Verelendung, welches sich auf menschliche Eigenschaften, auf Charaktere und auf das Leben insgesamt auswirkt. Im schlimmsten Fall droht der Tod als Folge der Ausschweifungen, Verweichlichung oder Verzärtelung der Kinder.

Im Werk des Krebsbüchleins sind viele unsittliche und „verfallsbringende“ Eigenschaften des Menschen aufgeführt. Dazu erläutert Salzmann die Ursachen dieser Verelendung und Laster der Kinder, die einzig und allein bei den Erwachsenen (Mutter und Vater) liegt: „das wahre Elend der Menschen ist immer eine Folge der menschlichen Vorurteile, Schwäche, ..., sondern fast immer durch fehlerhafte Erziehung teils genährt, teils wirklich hervorgebracht werden ... .“ und „ohne die Sache zu übertreiben, behaupten zu können: dass in keinem barbarischen Raubnetze so viel verstümmelte Sklaven umherwandeln, als in einer mittelmäßigen Stadt Sieche und Gebrechlichkeit, die durch ihre Eltern Schuld das wurden, was sie sind“10. Salzmann verwendet in seinen Werken sehr oft das Wort „menschliches Elend“, welches er wie folgt definiert: die Beeinträchtigung von irdischem Glück durch jene Übelstände, die den Menschen nicht zur Zufriedenheit kommen lassen. Verursacht durch Mangel an Aufklärung und fehlendem selbständigem Denken, urteilslosem Festhalten an Missbräuchen, Vernachlässigung der Gesundheit, Unsittlichkeit in der Jugend, fürstlichem Absolutismus und „Dogmatismus“.

[...]


1 C. G. Salzmann, Krebsbüchlein, Leipzig 1948, S. 11.

2 Konrad Kiefer oder Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Kinder, Dietrich, M. (Hrsg.), 2. Aufl., Regensburg 1967, S. 395.

3 Kemper, H., Seidelmann, U. (Hrsg.), Menschenbild und Bildungsverständnis bei C. G. Salzmann, Weinheim 1995, S.34.

4 Ebenda

5 Wagner 1887, S. 195.

[1] Schnitzler, M., Salzmann als Moralpädagoge, Bonn 1915, S. 17.

7 Coriand, R., Koerrenz, R. (Hrsg.), Salzmann, Stoy, Petersen u.a. Reformen. Traditionen der Thüringer Bildungslandschaft, Jena 2004.

8 Kemper, H., Seidelmann, U. (Hrsg.), Menschenbild und Bildungsverständnis bei C. G. Salzmann, Weinheim 1995, S.58.

9 Vgl. ebd., S.60.

10 C. G. Salzmann, Krebsbüchlein o. die Anweisung zu einer unvernünftigen Erziehung der Kinder, Dietrich, T. (Hrsg.), 4. Aufl., Bad Heilbrunn 1967, S. 7.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Erläutern Sie C. G. Salzmanns Erziehungskonzept am Bsp. einer seiner Schriften
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
C.G. Salzmann
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V41746
ISBN (eBook)
9783638399494
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Umfangreiche Arbeit über C.G. Salzmann und seine Erziehungskonzepte und -ziele. Am Bsp. des "Krebsbüchleins" erläutere ich diese.
Schlagworte
Erläutern, Salzmanns, Erziehungskonzept, Schriften, Salzmann
Arbeit zitieren
Thomas Jacob (Autor), 2004, Erläutern Sie C. G. Salzmanns Erziehungskonzept am Bsp. einer seiner Schriften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41746

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